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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-21 · 21 (21.5.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
21 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 370 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 21 Die rumänische« Jude« unter dem Fürste« und König Karl. Gelegentlich des 70. Geburtstages des Königs von Rumänien sei an ein kleines Heftchen erinnert, das unter dem obigen Titel der verstorbene Frankfurter Rechtsanwalt Iulius Platte, der Freund Charles Hallgartens, im Jahre 1901 veröffentlichte und das f. Z. bei weitem nicht die ihm gebührende Beachtung gefunden. Der Verfasser sucht in dieser Schrift den Nachweis zu erbringen, daß ausschließlich der Umschwung in der Auffassung der Judenfrage in Deutschland es gewesen, der es verhinderte, daß Rumänien seinen Verpflichtungen, die es auf dem Berliner Vertrage übernommen, nachkam. Da Deutschland gegen Ende der 70 er Jahre die erste Geige spielte, fand der Gesinnungsumschwung auch in den übrigen europäischen Eroßländern nur zu bald ein überlautes Echo: es folgten die Pogrome in Rußland, die Luegerei in Oesterreich, der Dreyfusdande! in Frankreich u|uv, brauchte da das kleine Rumänien noch fernerhin Angst vor einer internationalen Interpellation zu haben? Das war in den 60 er Jahren anders, als der „Humanitätsdusel" noch gang und gäbe war. Da durfte sogar Rußland, das unter dem milden Szepter Alerander II. soeben erst die Leibeigenschaft aufgehoben, es wagen, mit seinem Konsul Romanenko unter den Interpellanten zu erscheinen. Fürst Karl war von Haus aus ein äußerst toleranter Herr. In einer 1866 stattgehabten Unterredung mit dem französischen Minister Cremieur erkannte er, entsprechend seiner Vergangenheit und der duldsamen Auffassung seines Hauses an, „daß die Vorurteile eine Schande sind und daß die Ehre gebiete, sie zu bekämpfen, daß die vollständige Emanzipation der Juden in dem Fürsten die lebhafteste und hingehendste Mitwirkung zu finden habe." In ähnlicher Weise äußerte sich der Fürst später bei verschiedensten Gelegenheiten. Aber die blutigen Judenverfolgungen dauern fort. U. a. hatte auch Verthold Auerbach im Sommer 1867 den Plan gefaßt, nach Rumänien zu gehen, um für seine unglücklichen Glaubensgenossen zu wirken. Sein warmes Herz empfand bitter die Schmach, die in der Verletzung der Menschlichkeit gegenüber seinen elenden Glaubensbrüdern lag. Er gab die Reise auf, als Sir Moses Montefiore nach Rumänien ging, später aber bei der Nachricht von den in Baku verübten Grausamkeiten wandte er sich für seine Brüder an den Fürsten von Hohenzollern. Der Fürst antwortete im April 1868 dem „verehrten Freunde" in einem Briefe, in dem es u. a. heißt: „Mein Sohn ist tief verletzt über die Tatsache, daß ihm solche Willkürakte im entferntesten nur zugemutet werden könnten." Es wird alles auf Verleumdung und auf Maßregeln von untergeordneten Organen zurückgeführt. Fürst Karl wolle alles persönlich an Ort und Stelle untersuchen und die Schuldigen mit rücksichtsloser Strenge behandeln. „Durch diesen Akt", heißt es dann in dem Briefe weiter, „identifiziert er sich mit den Anschauungen der Humanität und zeigt öffentlich, daß er die Niedertracht, wo sie sich auch finden möge, entschieden zu bekämpfen und auszurotten bestrebt ist. Seine Geistes- und Herzensbildung, sowie sein ganzer Erziehungslauf sind mir Bürge dafür." Der Brief schließt: „Ein Menschenleben wird nicht ausreichen, die Besserung zu ermöglichen, aber es kann doch meinem Sohne beschieden bleiben, den Keimen einer hoffnungsvolleren Entwicklung nicht fremd geblieben zu sein." Die ganze öffentliche Meinung Europas war damals über die Greueltaten in Rumänien empört. Trotz alledem hörten sie nicht auf. Es kam der Berliner Vertrag, nach dem Rumänien den Unterschied des religiösen Bekenntnisses niemand gegenüber mehr geltend machen dürfe, die blutigen Verfolgungen in Rumänien hörten nicht auf. Deutschland, England und Frankreich vereinigten sich, um in Rumänien eine gerechte Behandlung der Juden herbeizuführen — es half alles nichts. So ging langsam das achte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts zur Neige, da drehte sich der Wind in Berlin. Die Bemühungen des Vaters des Fürsten, eine Umstimmung des deutschen Kabinetts herbeizuführen, das Interesse schlesischer Magnaten, welche materiell bei der rumänischen Eisenbahngesellschaft mit beträchtlichen Beträgen beteiligt waren, an der Regelung der Eisenbahnfrage, die infolgedessen eintretende Verquickung dieser Eisenbahnfrage mit der Ausführung des Berliner Vertrages, der Wunsch in der ersteren Beziehung, die Nachgiebigkeit Rumäniens rascher zu erlangen und die eben sich ins Werk setzende Bewegung gegen den Liberalismus, der ersten Verbote des Antisemitismus, — dies alles führte dazu, daß nach und nach sich ein Umschwung in Berlin vorbereitete. Anfangs September konnte der rumänische Vertreter Liteanu bereits nach Bukarest telegraphieren: „Daß in Berlin die Stimmung für Rumänien freundlich geworden sei und daß sich außerdem eine antisemitische Strömung in der öffentlichen Meinung bemerkbar mache: der psychologische Augenblick für eine möglichst günstige Lösung der Judenfrage sei also gekommen." Rumänien hat mit großem Geschick diesen psychologischen Augenblick zu benutzen verstanden. Bald wurden die Konferenzmächte dazu veranlaßt, sich damit zu begnügen, daß nur die Aufhebung des Artikels 7 der rumänischen Verfassung als Prinzip anerkannt, der Ausführungsmodus aber einer späteren Zeit Vorbehalten werde. Der Fürst Karl faßte dieses Votum als ein Glück auf, „damit ist ein Alp von aller Herzen gefallen, das erlösende Wort ist gesprochen, nach dem man so viele Monate gesucht." Freilich war das „erlösende Wort" gleichzeitig das Todesurteil für die Idee der Emanzipation der rumänischen Juden. Der Zusammenhang dieser Lösung mit dem Beginn der antisemitischen Bewegung in Westeuropa ist auch von dem Vater des Fürsten klar ausgesprochen worden. Er schrieb am 24. Januar 1888 seinem Sohne: „Jede Sache hat aber auch ihre drollige Seite: so setzt in Preußen die evangelische Pqstprenpartei mit einigem Erfolge eine antisemitische Bewegung in Szene und die konservative Partei unterstützt dieses recht gefahrvolle Experiment. . ." — „Wenn es so fortgeht erleben wir hier noch eine Judenhetze, und sodann müßten die übrigen Großmächte das Deutsche Reich in Verruf erllären, wenn sie anders den Forderungen des Berliner Vertrages treu bleiben wollten!" — „Nicht mit Unrecht hat der Kronprinz sich öffentlich gegen diese Bewegung ausgesprochen, denn wenn die bösen Geister einmal entfesselt sind, so können sie nur mit Blut und Eisen wieder gebannt werden!" Dieses Wort hat seine Wahrheit in der Folge nicht bloß in Rumänien bewährt. Inzwischen bezeugten die Regierungen in Berlin, Paris und London nicht mehr das frühere Interesse für die Einhaltung des Berliner Vertrages. Man begnügte sich vielmehr damit, eine identische Note von Deutschland, England und Frankreich dem rumänischen Kabinett unter dem 28. Februar 1880 zu überreichen,

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