Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 21 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 367 üäss erbringen, indem sie zunächst die Tore von Palästina öffnen und all jene Beschränkungen beseitigen, welche die Arbeit dort erschweren, denn was immer auch geschehen möge, unsere Kolonie in Palästina dürfe nicht untergehen. Allerdings scheinen es gar üicht die Türken zu sein, die in Mesopotamien befehlen, wohin sie uns einladen. Die eingeborenen Araber sind noch weit davon entfernt, friedliche türkische Untertanen zu sein. In Palästina gebärden fich die Araber mit ihren mörderischen Ueberfällen auf unsere jüdischen Kolonisten böse genug. In Mesopotamien aber wurde selbst auf dem Dampfer des Sir William Willcocks, d. h. des Emissärs des Sultans geschossen und während der jüngsten Unruhen war die Schiffahrt auf dem Tiger vollständig unterbrochen. Wir sind wohl geneigt, den Türken die Kastanien aus dem Feuer zu holen, aber nicht ohne zu wissen wofür. Ich habe daher auch an Riza Bey geschrieben, daß, wenn die Türkei Gewicht daraus legt, daß die Judenschaft nicht nach Amerika, sondern nach der Türkei gehe, so möchten uns hier auch bessere Bedingungen gestellt werden, als wir fie jenseits des Ozeans bereits haben. Zum Schluffe teilte Zangwill mit, daß bedeutende jüdische Finanziers sich bereits für diesen Plan ernstlich interessieren. Zangwill schließt seine Rede mit folgenden Worten: Bisher war das jüdische Volk geeinigt durch die gemeinsamen Leiden und gemeinsamen Verfolgungen. Wenn jüdisches Blut fließt und die Lust erfüllt wird von dem Wehklagen der jüdischen Witwen und Waisen, da fühlen alle Juden, daß sie Brüder seien. Lasset uns endlich einmal vereinigt sein in Glück und Freude an der gemeinsamen Arbeit für eine sichere, große Zukunft: Ein Plan, ein Volk!" Die finanzielle Förderung des „Jto" - Projektes in Mesopotamien. In der am vorigen Montag in London stattgehabten Massenversammlung, in welcher Israel Zangwill seine vorstehend skizzierte Rede gehalten hat, erklärte der Multimillionär Joseph Fels, einer der eifrigsten Anhänger der „Jto", unter stürmischem Beifall der Versammlung, daß er für den Ankauf kommunalen, dem jüdischen Volke gehörenden Landes im neuen Territorium die Hälfte seines Vermögens zu widmen berei sei. Nathan Straus' neue philanthropische Tat. Der auch in Europa bekannte jüdische Philanthrop Nathan Straus in New-Iork hat, wie „New-Iork Times" berichtet, neuerdings bewiesen, daß er es versteht, auch die Philanthropie der modernen Sozialpolitik anzupassen. Mr. Straus hat nämlich das unweit von New-Iork gelegene Gut des gewesenen Präsidenten von Kuba, G. Estrada Palma, angekaust und es als Erholungsheim für die weiblichen Angestellten der Firma Nathan Straus gestiftet. Das Haus soll den kränklichen und rekonvaleszenten weiblichen Angestellten der Firma sowohl im Sommer als auch im Winter zur Erholung dienen. Das auf dem Gute befindliche Herrschaftshaus hat 30 geräumige Zimmer samt Nebenräumlichkeiten und liegt am Rande eines gleichfalls zum Besitze gehörenden großen Nadelwaldes. Außer einer Bibliothek und einem Lehrsaale stehen auch verschiedene Plätze für leichte Sportspiele zur Verfügung. Mr. Strauß hatte bisher seine erholungsbedürftigen weiblichen Angestellten in einem gemieteten Landhause untergebracht. _____ Generalkonsul Nathan in Messina. Wie uns aus Konstantinopel. gemeldet wird, hat Mister Edward I. Nathan aus Philadelphia, der bis jetzt amerikanischer Generalkonsul in Patras, Griechenland, war, von seiner Regierung den telegraphischen Auftrag erhalten, sofort sich nach Merfina (Türkei) zu begeben und das dortige Generalkonsulat zu übernehmen. Maßgebend für diese Ordre waren nicht nur die diplomatischen Fähigkeiten Nathans, sondern auch seine hervorragenden Kenntnisse der arabischen und griechischen Idiome. Mr. Nathan gehört zu den jüngsten Mitgliedern des amerikanischen Konsulardienstes, denn er ist kaum 28 Jahre alt. Große Spende für ein jüdisches Waisenhaus. Aus London wird geschrieben: Der Präsident des hiesigen jüdischen Spitales, Sir George Faudel-Philipps, erhielt dieser Tage von einer Dame, namens Mrs. Arnold Gabriel ein Schreiben, in welchem fie bekanntgibt, daß fie aus Anlaß ihres 70. Geburtstages für die zwei obgenannten jüdischen Anstalten je 5000 Pfund Sterling, zusammen 10.000 Pfund (240.000 Kronen), stiftet. In dem Schreiben sagt die hochherzige Dame: „Anläßlich meines 70. Geburtstages empfinde ich den Wunsch, eine bestimmte Summe einem wohltätigen Zwecke zuzuführen und ich glaube, es wäre angesichts des neuerlichen Anwachsens der armen jüdischen Bevölkerung von London wohl das Entsprechendste, das jüdische Spital und Waisenhaus in die Lage zu versetzen, eine größere Anzahl jüdischer Waisen auszunehmen und zu versorgen. Die einzige Bedingung, die ich stelle, ist, daß die Stiftung und der Zubau der aus diesem Gelde errichtet oder erworben werden soll, den Namen »Arnold und Jeanette Gabriel-Heim" zu führen habe". Agronom Aaronsohn. Der durch die Entdeckung des wilden Urweizens in der wissenschaftlichen Welt bekannt gewordene Agronom Aaronsohn aus Palästina unternahm im Aufträge des unter Vorsitz von Professor Marburg, Berlin, stehenden Komitees zur Schaffung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina, dem eine Reihe namhafter Gelehrter aus verschiedeneu Ländern angehören, eine wissenschaftliche Exkursion im Jntereffe der genannten Versuchsstation nach Süd-Frankreich, Italien, Tunis und Algerien. Von Frankreich aus schloß fich Herr Aaronsohn einer Gesellschaft französischer Gelehrter an, die eine Forschungsreise nach Tunis unternahmen. Hier in Tunis fand außerdem ein großer botanischer Kongreß statt, bei dem Herr Aaronsohn zu einem der Vizepräsidenten gewählt wurde. Auch sonst war Aaronsohn Gegenstand großer Ehrungen auf dem Kongreß. Einen besonders freundlichen Empfang fand er bei den lokalen arabischen Behörden, die sehr darüber erfreut waren, daß dieser moderne Forscher die arabische Sprache so vollkommen beherrscht. Herr Aaronsohn, ein begeisterter Zionist, der überall bemüht ist, dem Zionismus neue Freunde zu werben, hat auch in Tunis hervorragende Teilnehmer des Kongresses, u. a. ein Mitglied des französischen Parlaments sowie eine bekannte französische Schriftstellerin für den Zionismus gewonnen. Felix Dahn und die Juden. Was Dahn über den Anteil der Juden an der Verteidigung Neapels gegen den Angriff Belisars sagt, sind nur einige schwache Worte von dem, was der Geschichtsschreiber Prokopius von Cäsaria, der der Geheimschreiber Belisars war, in seinem großen Geschichtswerks »vs bslto gothiko“ über die Tapferkeit und den Hrldenmut der Juden berichtet, die die Meeresseite ganz allein mit solchem Heroismus verteidigten, daß Belisar die Hoffnung aufgeben mußte, von dieser Seite aus die Stadt erobern zu können und daher seine Angriffe auf eine andere Seite richtete. Die Juden hielten auch bis zum letzten Augenblicke Stand und wurden zuletzt von dem von anderer Seite hereingedrungenen Feime niedergemacht. Was Prokopius über den Heldenmut und die Todesverachtung sagt, widerlegt noch mehr die lügenhafte Behauptung von der Feigheit der Juden, als etwa die ruhmvollen Kriegstaten der Makkabäer, denn diese haben für die Erhaltung der Religion und der Befreiung des eigenen Volkes gekämpft, während die Juden in Neapel nur für ihr Adoptivvaterlan), dem sie noch nicht gar viel zu verdanken hatten, bereitwillig und allen anderen voran ihr Leben Hingaben. Immerhin aber hat Dahn durch seine Hervorhebung der jüdischen Hilfe gezeigt, daß er nicht zu denen gehört, die alle schönen und rühmlichen Handlungen der Juden totschweigen und ihnen dafür alle nur möglichen Schandtaten andichten. Prag. M. S t a r k.