Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 360 Dr. Vlochs Wochenschrift. Tr.. 2« um das Zustandekommen dieser schönen Feier ein großes Verdienst erworben. Vom Obmann des Vereines ist aus diesem Anlaß eine Vereinsstatistik herausgegeben worden. Ei» jüdischer Forschungsreisender. Aus Budapest wird berichtet: Der Astistent der geologischen Lehrkanzel der Budapester Universität Dr. Julius Prinz unternimmt eine wistenschastliche Expedition in das Innere Asiens, um die geologischen und geographischen Verhältniste des Tien-Shan-Gebirges und seiner Umgebung zu erforschen. In seiner Expedition wird er zum Teile die Route Sven Hedins verfolgen. Die Expedition wird durch eine 4000 Kronen betragende Unterstützung der Akademie der Wissenschaften ermöglicht. Jüdische Athletik. Am 23. Mai d. I. kommt, wie unser Budapester Korrespondent mitteilt, ein jüdisch-akademischer Fußballklub aus Budapest nach Wien, um hier mit den „Erickettern" (Reserve) ein Match auszutragen. Es ist der erste Fall, daß ein jüdischer Athletikklub auf dem Gebiete des Sports die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich lenkt. Wir hoffen, daß die jüdischen Kreise diesem Kampfe des noch jungen Vereines in weitgehendstem Maße ihr Interesse zuwenden und durch zahlreichen Besuch dartun werden. Bonn. Der Bonner Orientalist Professor Dr. Hermann Jakobi ist zum Ehrenmitglied der „American Oriental Society" ernannt worden. Wissenschaftliche Ehrung eines jüdischen Ministers. Aus Paris wird berichtet: Die Pariser Akademie der moralischen und politischen Wiffenschasten hat M. Aster, Staatsminister im Haag und gewesener Professor sür Handels- und internationales Recht an der Amsterdamer Universität, zu ihrem korrespondierenden Mitgliede erwählt. Eine neuerliche große Spende von Jakob H. Schiff. Der auch in Europa bekannte jüdische Philanthrop hat neuerdings 100.000 Dollars zur Gründung eines jüdischen Lehrerseminars in Cincinnati gespendet. Aus diesem Lehrerseminar sollen hauptsächlich Lehrer für die in Amerika eingeführten jüdischen Sabbath-Schulen hervorgehen. Die jüdische Auswanderung nach Galveston. Wie uns Herr Dr. Jochelmann namens des Kiewer Jnformationsbureaus mitteilt, geht in diesem Sommer das erste Schiff, welches jüdische Emigranten nach Galveston bringt, am 20. Mai d. I. von Bremen ab. Die nächsten Partien gehen an folgenden Tagen von Bremen ab: am 31. Mai, 10. Juni, 21. Juni, 1. Juli, 12. Juli, 22. Juli u. s. f. jede drei Wochen. Die Fahrtspesen von einer beliebigen preußischen Kontrollstation bis nach Galveston betragen bei der ersten Partie 35 Rubel für Erwachsene über 12 Jahre. Die Preise der übrigen Partien können noch nicht angegeben werden, da dieselben jetzt häufige Schwankungen aufweisen. Alexandrien. Aus Alexandrien (Egypten) wird uns geschrieben: Bon den drei Kandidaten, welche sich um den ausgeschriebenen Posten eines städtischen Oberarztes bewarben, wurde der noch junge jüdische Arzt Dr. Isaak Levy gewählt. Dr. Levy genießt nicht nur als Arzt einen guten Ruf, sondern hat sich auch um die Schaffung und Förderung verschiedener jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen, hauptsächlich zugunsten der täglich wachsenden Zahl jüdischer Einwanderer große Verdienste erworben. Eine hebräische Huldiguugsansprache in Jaffa. Aus Jaffa wird uns berichtet: Als die Nachricht von der Entsetzung Abdul Hamids und die Thronbesteigung Nehmed V. hier offiziell bekannt wurde, erfaßte die gesamte Bevölkerung unendlicher Jubel. Die Leute gingen scharenweise über die Straßen, sangen Lieder in allen Sprachen und hielten Festreden zu Ehren des Tages. Alle Häuser waren beflaggt und als die Nacht hereinbrach, wurden ohne jeden Zwang die Häuser illuminiert. Sämtliche hiesigen Rabbiner erschienen im Palais des Kaimakam um im Namen der Juden Glückwünsche zum Ausdrucke zu bringen. Der Oberrabbiner hielt die Rede in hebräischer Sprache, die dann von einem Dolmetsch ins Arabische übersetzt wurde. Eine wertvolle Kunstspende. Aus New-Pork wird berichtet: Der bekannte Philanthrop Jakob 5). Schiff hat vor seiner Abreise nach Europa der hiesigen Bibliothek eine wertvolle Schenkung gemacht, indem er die von I. I. Tissot ausgeführten Illustrationen zum Alten Testament für 25.000 Dollar kaufte und diesem Institute überwies. Abgesehen von ihrem Kunstwerte, zeichnen sich diese Gemälde durch größtmöglichste historische Treue in allen Einzelheiten aus. Bevor der Maler diese Werke begann, hatte er Jahre lang gründliche, archäologische und ethnographische Vorstudien sür sie gemacht. Besonders interessant sind die Bilder über Josef, von dem Tage, da er von seinen Brüdern an die Egypter verkauft wurde, seine weiteren Schicksale und sein Wirken am Königshofe. Nicht minder interessant ist das Bild „Die Opferung Isaaks", auf welchem der kleine Isaak das Holz zum Opfcrfeuer selbst auf dem Nucken herbeischafft. Feuilleton. Heine in Paris. Die „Morning Post" veröffentlicht durch die Vermittelung von Maurice Baring einen hochintereffanten, bisher ungedruckten Brief, der sich in der Hauptsache mit „Heine in Paris" beschäftigt. Wir geben den Brief, soweit er in der „Morning Post" veröffentlicht ist, in extenso, weil die Schilderung des Milieus, in dem des Dichters Bemerkungen fallen, für deren Würdigung uns nicht entbehrlich scheinen. Eine Lady G. schrieb an ihren Onkel, Lord C., in den Dreißiger Jahren aus Paris folgendes:*) „Mein lieber Onkel H. . . . Wir brachten gestern einen sehr angenehmen Abend bei Madame Iaubert zu. Es war dort eine große Gesellschaft, zu der wir eingeladen waren, um Bellini kennen zu lernen. Unter den Gästen befanden sich viele, die ich nicht kannte, und andere, die mir zwar vorgestellt wurden, deren Namen ich aber nicht verstand. Belli ü erschien früh. Er sah scharmant aus, wie ein fettes Baby, rosig und weiß, gutmütig und nicht im geringsten eitel oder anspruchsvoll. Bald darauf erschien Prinz und Prinzeffin Belgiojoso. Es war das erstemal, daß ich sie sah. Man hat ihre Schönheit nicht übertrieben. Sie gleicht einer klassischen Statue, ihr Gesicht hat dabei den Ausdruck eines Renaissancebildes. Ihre Züge sind regelmäßig, aber in ihrem Gesicht und ihren tief dunklen Augen liegt etwas Mysteriöses oder vielmehr Befremdendes. Sie ist brünett, aber ihr Teint ist sehr weiß, und sie lächelt mit einem gelangweilten Blick, wie ein chinesischer Götze. Ihre Hände, ihr Haar sind wunderschön und sie tritt ins Zimmer, wie wenn sie nicht den geringsten Zweifel hätte, daß sie die schönste Person darin sei. Und das ist wahr, obwohl sie zu schlank ist. Kaum war das Paar in den Salon getreten, so geleitete Madame Iaubert den Prinzen zum Klavier und drang in ihn, ein Duett mit Madame Vergennes zu singen, und zwar aus dem „Seeräuber", da Bellini anwesend war. Der Prinz entschuldigte sich, er könne nicht in Anwesenheit des Meisters singen, aber Madame Zaubert appellierte an Bellini, und beide bestanden darauf. *) Da Bellini am 23. September 1835 gestorben, wäre der Brief am 21. September 1835 geschrieben worden.