Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021839--18325-3043246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 20 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 359 Wien. Im Israelitischen Tempel-Verein Brigittenau, XX., Kluckygasse 11, findet Sonntag den 16. Mai 1909, 10 Uhr vorm., die Mädchen-Konfirmation statt. Wien. (Talmud - Thoratempel Malzgasse Nr. 16.) Samstag den 15. Mai 1909, nachmittag 3Vs Uhr, findet ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Bela Fischer statt. Thema: „Erläuterung der Zahl Zehn der Bibel und in der Ethik der Alt-Rabbinen. Jüdisch-Akademischer Juristenverein in Wien. Der jüdisch-akademische Juristenverein errichtet ein Seminar für jüdische Rechtswissenschaft, d >s unter der Leitung des Herrn Dr. S. Rubin stehen wird. Das Seminar besteht aus zwei Abteilungen, eine für Vorgeschrittenere und eine für Anfänger. In erstere werden Juristen ausgenommen, die bereits Vorkenntnisse besitzen und die rechtshistorische Staatsprüfung bestanden haben, in die letztere Anfänger ohne Vorkenntniffe auf dem Gebiete des jüdischen Rechtes. Der Beginn der Seminarübungen, die für Mitglieder des Juristenvereines unentgeltlich sind, ist M o n t a g d e n 17. Mai 1909, um 4 Uhr nachmittags. Zusammenkunft im Vortragssaal der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Die Festsetzung der Seminarstunden erfolgt Montag den 17. Mai. Weiters errichtet der Juristenverein einen Kurs für die judizielle Staatsprüfung, der ebenso wie der bereits bestehende rechtshistorische Kurs den Vereinsmitgliedern eine gründliche Vorbereitung zu den Prüfungen ermöglicht. Ferner werden diejenigen Kollegen, die fachwiffenschaftliche Werke kaufen wollen, aufgefordert, dies durch den Juristenverein besorgen zu lassen, der den Einkauf auf einmal vornimmt und dadurch seinen Mitgliedern günstigere Zahlungsbedingungen verschafft. Wien. (Goldene Hochzeit.) Am 22. d. M. feiert der durch seine langjährige humane Tätigkeit in weiten Kreisen bestbekannte Vizepräses des „Vereines zur Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten" und Vorstandsmitglied der Armenanstalt der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Josef Jelinek mit seiner Gattin Julie, geborenen 5 t i a s n y, die goldene Hochzeit. Verein der Sabbathfreunde („Schomre-Schabbos ). II., Kleine Schiffgasse 10. Montag den 10. Mai fand der erste vom Vereine veranstaltete Vortrags- und Diskussionsabend statt. Der große Festsaal des „Hotel Central" war von einem vielhundertköpfigen Publikum gefüllt. Der Vortragende, Herr M. A. Loeb aus Frankfurt a. M., wurde mit rauschendem Beifalle empfangen. Obmann Herr Moritz Felsenburg skizzierte kurz die Ziele des Vereines und stellte den Vortragenden vor, der, Chef einer bedeutenden Firma, auf unsere Einladung hieherkam, um über den „Sabbath im Kulturleben der Gegenwart" zu sprechen und uns Winke zur praktischen Gestaltung der Vereinstätigkeit zu geben. Herr Loeb warf vorerst einen Rückblick auf die große Bedeutung der Römer für die Verwaltungs- und Rechtspraxis, der Griechen für Kunst und Wissenschaft und endlich der Juden für Religion und Ethik. Er wies darauf hin, wie nur das jüdische Religionsgesetz vermochte, ein vergleichsweise kleines Volk trotz Druck und Verfolgung zu erhalten, während jene mächtigen Kulturvölker untergingen. Redner ging auf die soziale und hygienische Wichtigkeit des wöchentlichen Ruhetages über, den die Thora festsetzte, Jahrtausende, bevor die Sozialwiffenschaft diese Wichtigkeit erkannte. Redner feierte in schwungvollen Worten die dem jüdischen Sabbath innewohnende Weihe, die geistige und ethische Erhebung bietet, wie kein Ersatzruhetag. Referent schildert, wie die Umgestaltung der Verkehrs- und wirtschaftlichen Verhältnisse die Sabbathruhe erschwert, wies aber praktisch nach, daß dem wirklich gläubigen Juden kein Opfer zu groß ist und im Sabbath selbst der Segen liegt, der über alle Hindernisse siegen läßt. Um aber den schwächeren Elementen den für den Juden überhaupt. für den sabbathruhenden Juden noch besonders erschwerten Kampf ums Dasein zu erlerchtern, wurden in Deutschland die Vereine der Sabbathfreunde gegründet, die bis heute in Zahl von 160 Ortsgruppen 6000 Mitglieder umfassen und große Leistungen aufzuweisen haben. In lautloser Spannung horte das dichtgedrängte Auditorium den anderthalbstündigen Vortrag an, der ebenso vollendet in der Form als fesselnd in der Ausführung war, nur von Zeit zu Zeit lösten markante Stellen jubelnden Beifall aus. Nachdem Herr Felseuburg im Namen der Versammlung dem Vortragenden wärmstens gedankt hatte, entspann sich eine lebhafte Diskussion, die von Herrn Lehrer Plohn eingeleitet wurde. Die ehrwürdigen Herren Rabbiner Dr. Fenchtwang, Doktor David, Dr. Rosemann, Reich-Margarethen und Reich-Baden gaben sehr interessante Anregungen, auf die Herr Loeb in einem kurzen Schlußworte antwortete. Das Publikum, in dem außer vielen Herren Rabbinen auch Herr Kultusvorsteher Schrämet und viele Vorsteher von Vereinen, sowie zahlreiche Damen bemerkt wurden, verfolgte die Verhandlungen mit gespannter Aufmerksamkeit. Wir hoffen nach den zahlreich gefallenen Aeußerungen für die Vereinszwecke großen Erfolg, da auch viele Herren Chefs, die Samstag offen halten, sich bereit erklärten, einzelnen Angestellten den Sabbath freizugeben. Herr Loeb hat uns durch sein Erscheinen und durch seinen meisterhaften Vortrag in der Sache, der er einen großen Teil seiner Muße widmet, einen großen Dienst erwiesen. H. Austritte aus dem Judentum. Vom 1. bis 10. Mai 1909. Ernst Paul, Dr., k. k. Supplent, gab. 1885, Wien, I., Gonzagagasse 21. Fantl Friederike, geb. Grossmann, Private, geb. 1885, Wien, I., Schönlaterneasse 13. Feigl Alfons, geb. 1860, Urfahr, VI., Thecbaldgasse 16. Fein Franziska, geb. 1888, Wien. Fried Oskar, Privatbeamter, geb. 1879, Wien, Charlottenburg. Kohn Katharina, Handarbeiterin, geb. 1891, Wien, XVIII., Karl Beckgasse 35. Nettei Felix, Fabriksdirektor, geb. 1865, Glogau, IV., Mittersteig 3. Prauss Leopold, Bergwerksbesitzer, geb. 1893, Jaroslau, IV., Gusshausstrasse 19. Schulhof Hanns, geb. 1884, Krakau, IX., Fuchsthallergasse 12. Steiner Janos, Bankbeamter, geb. 1884, Budapest, IV., Johann Straussgasse 34. Stern Adolf, Witwer, geb. 1853, Wien, II., Franzensbrttckenstrasse 6. Zimmermann Betti, .geb. 1888, Odessa, II., Ob. Augartenstrasse 16, Prag. Das Oberstkämmereramt Sr. Majestät gab mit dem Erlasse vom 2. April d. I., Z. 1332, dem Rabbiner in Königliche Weinberge-Prag, Professor Dr. Gustav Weiner, für die anläßlich des Allerhöchsten Regrerungsjubiläums Sr. Majestät gehaltenen Festrede den Allerhöchsten Dank mit dem Beifügen bekannt, daß die erwähnte Festrede der k. und k. Familien-Fideikommiß--Bibliothek einvrrleidt werden wird. Znaiin. (Festfeierder „Chewr a-K a d i s ch a".) Sonntag den 25. April fand im hiesigen Tempel zur Feier des 40jährigen Bestandes der „ Chewra-Kadischa" ein Festgottesdienst statt. Nach Absolvierung zweier Kompositionen für Chor und Solo mit Orgel- und Orchesterbegleitung von S. Sulzer hielt der Rabbiner Dr. Kahan die Festrede über das Wesen der „Chewra-Kadischa" und ihre Stellung im Judentum und schloß mit einem Gebet für das Seelenheil der Mitglieder dieses Vereines. Den Schluß bildete ein Requiem von S. Sulzer. Herr Kantor Handgriff brachte die Soli in wirkungsvoller Weise zur Geltung, ebenso boten Chor und Orchester unter Mitwirkung des Herrn Lanz von der städtischen Kapelle tadellose Leistungen. Der Tempel war dicht gefüllt, namentlich waren Korporationen erschienen: der Kultusvorstand mit Herrn Kultusvorsteher Rudolf Wotzilka, der israelitische Frauen-Wohltätigkeits-Berein mit der Präsidentin Frau Louise Brüll und der Vorstand des Turnerklubs mit Herrn Robert Weiner. Der Obmann der „Chewra-Kadischa", Herr David Schlesinger, mit dem Gesamtvorstande empfing die Honoratioren und hat sich