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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-14 · 20 (14.5.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 358 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. LO sönlichen Wertes und seine Autorität haben seinem Worte entscheidendes Gewicht verliehen. Baron Kornfeld hat im Interesse der VoUswirtschast, des Handels und der Industrie eine leidenschaftliche, fieberhafte Tätigkeit entfaltet und der Förderung dieser Interessen einen großen Teil seines Lebens geweiht. Trotzdem ihn sein Beruf dazu zwang, fich mit Materiellem zu beschäftigen, ist er Idealist geblieben, ein Schwärmer für Wissenschaft, Kunst, für alles Gute und Schöne. Als Abkömmling einer alten angesehenen jüdisch:n Familie, die dem Judentum viele berühmte Männer geschenkt hat, schwärmte Baron Kornfeld für seinen Glauben und verherrlichte die Konfession, der er angehörte. Dieses Gefühl, sowie die aufrichtige Liebe zur Religion trug er mit seiner zartfinnigen Gemahlin auch in den Kreis seiner Familie hinein". Nach der ergreifenden Rede trug Oberkantor Lazarus unter Chorbegleitung ein Trauerlied vor, worauf das Seelenheilgebet gesprochen wurde. Die Feier des 70. Geburtstages des Chiefravbi Dr. Hermann Adler. London. Große Vorbereitungen werden getroffen, um den 70. Geburtstag des Chieftabbi Dr. Adler feierlich zu begehen, der am 30. Mai sein wird. Die vereinigten Synagogen haben ein besonderes Komitee eingesetzt, um einen Fonds zu schaffen, der verschiedenen Zwecken gewidmet sein soll, z. B. der Herstellung eines Porträts des Chiefrabbi sowie eines illustrierten Albums mit Unterschriften der Zeichner, der Schenkung einer Silberplastik von geschichtlichem jüdischen Interesse, was alles dem Chieftabbi überreicht werden soll. Am 14. Juni soll Empfang in Gronersbury Park, dem Besitztum Herrn Leopold de Rothschilds stattfinden, bei dem Lord und Lady Rothschild selbst die Gäste, die maßgebenden Vertreter der Londoner und Proviuzjudeuheit, begrüßen werden. Anläßlich seines fiebzigsten Geburtstages wird der Chiefrabbi einen Band gesammelter Schriften unter dem Titel „Anglo-jüdische Memoiren" veröffentlichen. Praktische Durchführung der Eintagsruhe in Algier. Pariser Blätter berichten: Die Durchführung des Gesetzes über die Eintagsruhe, mtt der vorigen Sonntag begonnen wurde, macht den dortigen Juden einige, wenn auch nicht unüberwindliche Schwierigkeiten. Der weitaus größte Teil der jüdischen Bevölkerung schließt die Läden am Samstag und hält sie am Sonntag offen. Da Artikel 2 des Gesetzes den Sonntag als Schließungstag bezeichnet, zog eine Gruppe von nichtjüdischen Angestellten und Kaufleuten durch die Straßen und zwangen diejenigen, welche ihre Geschäfte offen hatten, d. h. die Juden und einige Europäer, wie Friseure und Konfektionshändler, ihre Geschäfte zu schließen. Die meisten haben unter Protest nachgegeben (?!). Ernstere Zwischenfälle haben fich nicht ereignet. Die Frage des Geschästsschluffes der Juden an Samstagen ist der Administrationsbehörde überwiesen worden. Tatsächlich steht die Sache heute so: die Araber feiern am Freitag, die Juden am Samstag und die Christen am Sonntag. Die Jude« von Saloniki an die Sieger von Konstantiuopel. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Die Juden von Saloniki haben den Sieg der Befteiungsarmee, in deren Mitte sich bekanntlich zahlreiche jüdische Freiwillige befanden, in solenner Weise gefeiert. Unter Anführung des „Cercle des Intimes" wurde ein Maffenumzug durch die Stadt veranstaltet. An der töte des Festzuges marschierten mehrere jüdische Musikkapellen, die türkische und spaniolische Märsche und Lieder spielten. Die Herren Elijah Asilko und Advokat Moise Cohen hielten patriotische Reden in türkischer Sprache, worauf mehrere Offiziere in anerkennenden Worten für das Judentum antworteten. Am selben Tage sandte der „Cercle des Intimes" die folgende Depesche an den Generalissimus Schefked Pascha ab: „Wir gratulieren im Namen der Juden von Saloniki aufrichtig zu dem Erfolge, den die konstitutionelle Armee errungen hat, indem fie der edlen ottomanischen Nation die von den Verrätern des Jildis usurpierte heilige Konstitution zurückgab. Und indem sie uns von der unglückseligen Herrschaft Hamids befreit haben, haben sie fich durch ihre Tapferkeit das Recht auf den glorreichen Namen „Fatichi Sani", diezweiten Eroberer der Hauptstadt, erworben." An den jüdischen Deputierten Carasso wurde telegraphiert: „Wir gratulieren Ihnen für den von Ihnen bekundeten Eifer und die Bemühungen, die Konstitution wiederherzustellen, und bitten in unserem Namen, den neuen „Padischa" und das neue konstitutionelle Rabbinat zu beglückwünschen." An den jüdischen Deputierten Nissim Mazliach: „Ihre mutige Rede, welche Sie in der Kammer zu einer Zeit hielten, da alle die Sache des Terrorismus vertraten, machte dem Judentum, dem Sie mit so großer Liebe anhängen, große Ehre. Wir beglückwünschen Sie aus vollem Herzen." Am selben Tage erschien der Redakteur des „Jeni Asf'r", um im Namen des jungtürkischen Komitees dem „Cercle des Intimes" und den Juden von Saloniki den Dank und die vollste Anerkennung auszusprechen. Ebenso stellte sich auch eine Deputation von Offizieren im Cercle ein, um im Namen der Armee den Juden von Saloniki für ihre Tafperkeit und die großen Opfer an Gut und Blut, für die Freiheit des ottomanischen Reiches gebracht, feierlichst zu danken. Schließlich sei noch erwähnt, daß der „Cercle des Intimes" soeben einen Aufruf erließ, in welchem die Saloniker Bevölkerung aufgefordert wird, Beiträge für ein Kriegerdenkmal zum Andenken an die Märtyrer der Freiheit, die in dem Zusammenstöße in Konstantinopel gefallen sind, zu spenden. vermischtes. Protest-Versammlung. Am letzten Allgemeinen Oesterreichischen Israelitischen Gemeindetag, welcher Dienstag den 4. und Mittwoch den 5. Mai im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, getagt hat, wurden gegen die Juden Galiziens im allgemeinen und speziell gegen die Kultusvorstehungen der Groß- und Kleingemeinden unerhörte Verunglimpfungen und ehrenrührige Anschuldigungen vorgebracht, ohne daß von irgend einer berufenen Seite der geringste Einspruch erhoben und Verwahrung eingelegt worden wäre. Dringend notwendig ist es, gegen dieses Vorgehen energisch z« protestieren, und laden wir daher alle diejenigen Herren, welchen die Ehre und das Ansehen der galizischen Juden und ihrer Gemeinden am Herzen liegt, zu der am Samstag den 15. Mai, 8 V2 Uhr abends, im großen Saale des Restaurant G u t h, II., Stefaniestraße 14, stattfindenden Protestversammlung höflichst ein. Damit die Versammlung zu einer imposanten Kundgebung der in Wien lebenden galizischen Juden sich gestalten soll, ist ein zahlreiches Erscheinen unbedingt erforderlich. Das Komitee. Wien. (Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) findet Sonntag den 16. Mai 1909, 10 Uhr vormittags statt. Tagesordnung: 1. Prüfung und Erledigung der Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Verwaltungsjahr 1908. 2. Regelung der Rechtsverhältnisse der türkischen Israeliten in Wien. 3. Grabinschriften auf dem Friedhofe, IX., Seegasse. Wien. (Verein zur Abwehrdes Antisemitismus.) Die Generalversammlung findet Mittwoch, den 19. Mai a. c., abends 7 Uhr, im Saale des Klub österreichischer Eisenbahnbeamten, I., Eschenbachgaffe 11, mit der gewöhnlichen Tagesordnung statt. Nach derselben wird der bekannte Bibliothekar und Schriftsteller Dr. Bernhard Münz über „Die grundlegenden Ideen des Judentums" einen Vortrag halten, zu welchem Gäste bestens willkommen sind.

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