Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021839--18322-3043243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 356 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 20 Darauf erstattete Herr Rudolf Kraus, Leiter des Wohltätigkeitsamtes der israelitischen Kultusgemeinde, ein Referat über die „Zentralisierung des jüdischen Armenwesens", welches mit allgemeinem Beifall belohnt wurde. Der Vortrag gab zu einer regen, recht interessanten und instruktiven Diskussion Anlaß, an der sich die Herren Obmann Mohr, kaiserl. Rat Dr. Krüger, Direktor Max Fischer, Sekretär Jung und Beamter Lemberger beteiligten. Frau Eugenie H o f f m a n n richtete nun an die Präsidentin des Vereines, Frau Laura Krenberger, im Namen des Vorstandes Worte des Dankes und der Anerkennung für ihre bisherige rührige Arbeit und bat sie, den Verein weiter zum Besten der Armen und Verlassenen zu führen. Lebhafter Beifall zeigte, daß di:se Worte allgemeine Zustimmung fanden. Die jüdische Wahlkurie der bosnischen Juden. In letzter Zeit ist es über die Schaffung einer jüdischen Wahlkurie in Bosnien und Herzegowina bedenklich still geworden. Das Gesetz über die Kultusautonomie der Mohammedaner ist bereits in Kraft getreten, über Juden hingegen verlautbart nichts Authentisches. Desto beunruhigender wirkt auf die Juden eine Meldung der in bosnischen Angelegenheiten sonst gut informierte „Kroatischen Korrespondenz", aus welcher hervorgeht, daß den Juden außer einer Virilstimme, welche dem Oberrabdiner von Sarajewo zugedacht ist, keine gewählte Vertretung im künftigen bosnischen Landtage eingeräumt werden soll. Ueber den wesentlichen Inhalt der neuen Landesverfassung für Bosnien und die Herzegowina — deren Entwurf im Reichsfinauzministerium bereits abgeschlossen ist — erfährt nämlich die „Kroatische Korrespondenz" Folgendes: Der Landtag wird insgesamt 91 Mitglieder haben, wovon 19 Stimmen auf die Virilisten entfallen. Die Wahlordnung wird drei Kurien enthalten, und zwar eine der Meist besteuerten, eine städtische und eine Landgemeindenkurie. Von den 72 gewählten Landtagsabgeordneten entfallen 32 auf die Griechisch-Orientalen, 24 auf die Moslims und 16 auf die Katholiken. Die Wahl der Abgeordneten erfolgt nach Konfeffionen und jede Konfession wird für sich selbst ihre Abgeordneten zu wählen haben. Unter die Virilisten wurden eingerecht: 5 moslimitische Muftis, 4 katholische Bischöfe, 4 griechischorientalische Metropolisten und der Oberrabbiner von Sarajewo. Weiter erhalten die Virilstimme im Landtag: der Präsident des Obergerichtshofes, der Präsident der Advokatenkammer, der Präsident der Handels- und Gewerbekammer, der Präsidint der moslimitischen Wakufgüter und der Vizepräsident des griechischorientalischen Kultusrates. Die Landtagsgeschäftsordnung wurde nach der Geschäftsordnung des Wiener Gemeinderates ausgearbeitet. Dem Monarchen allein steht das Recht der Ernennung des Landtagspräsidenten zu. Die Einberufung des Landtages ist für den 1. September in Aussicht genommen. Die Landtagswahlen dürften im Laufe der Monate Juli und August vorgenommen werden. Der Landtag wird im Gebäude des Sarajewoer Magistrates tagen, wo gegenwärtig die notwendigen Bauveränderungen in Angriff genommen werden. Welche Jntriguen hier wieder eingewirkt haben, daß die maßgebenden Faktoren, welche noch vor einigen Wochen behaupteten, von der Gerechtigkeit der Forderung der Juden nach einer jüdischen Wahlkurie überzeugt zu sein, plötzlich ihre Ueberzeugung geändert haben, ist uns nicht bekannt, jedenfalls wird der Gemeindebund, der die Aktion in dieser Angelegenheit in die Hand nahm, doch noch den Versuch machen, die den bosnischen Juden drohende Zurücksetzung in letzter Minute abzuwenden. Eine Beratung in dieser Angelegenheit hat Mittwoch stattgefunden. Ein Seehospiz für kranke jüdische Kinder. Aufruf! Wir wenden uns an alle Mütter und Väter und im Namen der Menschenliebe auch an jene glückliche Jugend, die, trotzdem sie vom Schicksal liebevoll gebettet ist, für den Jammer des Lebens doch Sinn nnd Miti-f'f’hl besitzt. Unser Zuruf lautet: Helfet, damit auch jüdische Kinder, die von Skrophulose, ßhachitis, Anämie heimgesucht sind, der Genesung zugeführt werden können! Ihre Leiden, oftmals eine traurige Folge der Not, sind zumeist heilbar durch das köstliche Salz des Meeres, durch die erquickende frische Luft, die an den Ufern des Meeres weht, durch die kräftige Einwirkung des Sonnenlichtes, durch eine rationelle Ernährung. Helfet uns daher, an der Küste unserer sonnenumglänzten Adria Seehospitze — zunächst in Grado — zu errichten, um kranken Kindern aus allen Teilen der Monarchie, die dorthin gebracht werden würden, Gesundheit und Kraft wiederzugeben und sie widerstandsfähig gegen die mörderische Tuberkulose zu machen, die beim weiteren Verlaufe ihrer Leiden ihnen droht! Vereinigt euch zur Mitarbeit an diesem Werke, das eine Schar warmfühlender Frauen und Männer begonnen hat und das bei den Behörden soviel Anklang gefunden hat, dass sowohl das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht, wie auch die k. k. Statthalterei und schliesslich auch die k. k. Polizeidirektion ständige Delegierte in das Kuratorium entsenden. Helfet uns, unserem Volke und zugleich unserem Vaterlande einen bedeutsamen Dienst zu erweisen. Um Tempel der Menschenliebe zu bauen, bedarf es nicht bloss der Marmorsäulen — der hohen Summen, die wir von unseren reichen Mitbürgern erbitten, sondern auch der bescheidenen Ziegelsteine — der Beiträge in Kronen und Hellern Jeder Heller ist willkommen! Das Kuratorium und der Zentralausschuss des österreichischen Kaiser Franz Joseph -Jubiläums-Seehospitzes Wien, I., Schottenring 2: Dr. Alfred Berger, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. 8. Ehrmann, k. k. Univ.-Protessor; Max Frank, Kaufmann; Egon Frankl, Grossindustrieller; Karl Freund, Privatier; Wilhelm Freyberg, Privatier; Adele Friedmann, Arztensgattin; Dr. Julius Graf, techn. Sekretär der „Assikurazioni Generali“, Triest; Sofie Grünfeld, Arztensgattin; Dr. Moriz Güdemann, Oberrabbiner; Rudolf Hermann, k. k. Baurat; Friedrich Herrnfeld, Redakteur; Benno Kahane, Prokurist; Dr. Edmund Kohn, prakt. Arzt; kais. Bat Johann Lichtenstadt, Redakteur; Univ.-Dozent Dr. Arthur Mahler, Reichsratsabgeordneter Philipp Porgss, Generaldirektor; Dr. Benno Rappaport, k. k. Hofrat; kais. Rat Leopold Sachs, Prokurist; Dr. Ludwig Sachs, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. Is. Samuely, prakt. Arzt; Univ.-Professor Dr. Julius Schnitzler, k. k. Primarius; Adolf Schwadron, Ingenieur; Dr. Alfred Stern, Präsident der Israel. Kultusgemeinde; Dr. Luzius Stolper, prakt. Arzt; Univ.-Priv.-Dozent Dr. Julius Zappert; Adele Zins, Advokatens-Witwe. Der Sitz des Vereines befindet sich: Wien’ l. , Schottenring 2. Reichsratsabgeorbueter Dr. B. Straucher — Ehrenbürger von Czeruowitz. Die Gemeindevertretung von Czernowitz hat den Abgeordneten Dr. B. Straucher zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Diese Auszeichnung wurde dem genannten Abgeordneten durch folgendes Telegramm des Bürgermeisters Baron Fuerlh zur Kenntnis gebracht: „Der Gemeinderat hat Euer Hochwohlgeboren, seinem langjährigen Mitgliede, in dankbarer Würdigung Ihrer hervorragenden Verdienste um Stadt und Land das Ehrenöürgerrecht verliehen. Es freut mich, Ihnen namens des Präsidiums die herzlichsten Glückwünsche auszudrücken." Die Kundgebung für Dr. B. Straucher erfolgte einmütig, sämtliche Klubs des Gemeinderates beteiligten sich an derselben, in erster Linie der Deutsche Klub. Unter den zahlreichen Glückwunschdepeschen aus Czernowitz und der Bukowina an Dr: B. Straucher befinden sich solche vom Landeshauptmann Baron Wassilko und von den Spitzen der städtischen und Landesbehörden. Mtera» Der Verein „Asyl für mittellose, kranke Israeliten" hat nach einjähriger, erfolgreicher Tätigkeit durch den Betrieb des herrlichen Genesungsheims, in welchem seit Februar 1909 die zur Verfügung stehenden 86 Betten mit über hundert Pfleglingen dauernd belegt waren, den Beweis seiner Tüchtigkeit erbracht. Am 28. März legte der Vorstand der Generalversammlung Rechenschaft ab. Der Präsident, Herr Dr. med. M. Koref, begrüßte die Anwesenden in einer längeren Ansprache, in welcher er nicht allein die Prinzipien, nach denen das Haus geführt wird, auseinandersetzte und das Verständnis für die Geschäftsgebahrung bei den Anwesenden weckte, sondern auch in herzlichen Worten des verstorbenen Präsidenten Herrn Friedrich Stransky und der