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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-14 · 20 (14.5.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 355 Die Palästina-Frage. Berlin. Im „Tag" laßt Josef C. C o r t i s an die christlichen Nationen einen Kreuzruf ergehen, der auch an dieser Stelle als Beispiel weltfremdester Ideologie registriert zu werden verdient: . . . „Das hohe Ideal, das in gläubigen Jahrhunderten ganz Europa auf Jerusalem hinlenkte, ist mit den letzten Kreuzfahrern keineswegs untergegangen. Es hat sie glücklich überlebt und den christlichen Nationen auch zur Zeit des größten Skeptizismus vorgeschwebt. Schon seit drei Jahrhunderten mühen sich die Mächte um die brennende Frage ab, aber noch find sie über die Reformen und Konzessionen in einem Punkte nicht im reinen, da taucht das Problem wieder von einer anderen Seite auf. Gegenwärtig sind die Augen der ganzen Welt auf den Orient gerichtet. Wäre da nicht der geeignete Augenblick gekommen, um mit Nachdruck die Forderung zu erheben, daß das heilige Land endlich einmal in Hände gelange, die des in ihm vollzogenen Erlösungswerkes und der Achtung der zivilisierten Völker würdig seien? Gibt es auf der ganzen Welt ein billigeres Verlangen? Gibt es seit fast zwanzig Jahrhunderten ein Problem, das mehr Sympathien auf sich vereinigt hätte? Wir dürfen niemals vergrssen, daß Palästina und vorab Jerusalem den Christen gehört und daß keine andere Religion und kein Volk darauf Anspruch erheben kann. Selbst die Juden haben nicht dasselbe Anrecht, da sie von der Vorsehung nur zur Vorbereitung auf die Ankunft Christi berufen waren, wie alle ihre Propheten und Patriarchen bezeugen, und ferner zur Bestätigung seiner Ankunft. Seit fast zwanzig Jahrhunderten ist Jerusalem nach der Anschauung der ganzen Welt nicht mehr die Hauptstadt des Volkes Israel; es gilt vielmehr als Wiege und Heimat des Christentums. Und wenn auch die christlichen Mächte aus Selbstsucht oder Unvermögen es unterlassen haben, unser Recht wahrzunehmen, so sind diese doch immer unveräußerlich. Heute macht sich im christlichen Volke eine Art neuer Kreuzzugsbegeisterung bemerkbar, eine Erhebung im Sinne unserer uralten Forderungen. Sie ergibt sich aus den Verhältnissen ganz von selbst, und niemand kann ihr Einhalt gebieten, da die ganze Christenheit und die Zivilisation, die ja ihrem ganzen Wesen nach christlich ist, lebhaft darin interessiert sind. Deshalb erscheint es auch geboten, daß die Mächte die Angelegenheit ins Auge fassen, denn es ist kein Zweifel, daß sie von ganz Europa schmerzlich empfunden wird, bis die gerechten Ansprüche der Christenheit befriedigt find. Würden etwa die Türken es sich bieten lassen, daß Mekka sich in der Gewalt der Christen befände? Den Jungtürken müßte daran liegen, von vornherein diese Frage zu erledigen, die sich ihrer nach so vielen Bemühungen endlich zum Durchbruch gelangten Politik wohl einmal als Hindernis entgegenstellen würde. — Jerusalem und Palästina den Christen! Das möge das Ziel sein, dem alle Christen, reich und arm, gebildet und ungebildet, mit Eifer, Opfersinn und Ausdauer zustreben." Oskar Straus Botschafter in Konftantinopel. In einem längeren Aufsatze teilt die Newyorker „Times" mit, daß Präsident Taft in den allerjüngsten Tagen wiederholt längere Konferenzen mit dem gewesenen Handelsminister Oskar Straus gehabt habe, in welchen der Präsident Herrn Straus zu überreden suchte, die Botschafterstelle in der Türkei anzunehmen. Oskar Straus habe diesmal nicht mehr entschieden abgelehnt, sondern sich eine kurze Bedenkzeit erbeten. Aus dem Umstande nun, daß die Verhandlungen zwischen dem Präsidenten und Straus fortdauern, schließt das Blatt, daß es sich nur mehr um Formalitäten handle und man mit der Tatsache rechnen könne, daß Straus demnächst den Botschafterposten in Konstantinopel antreten werde. Amerika sei jetzt, sagt das Blatt wieder, mit Rücksicht auf die zahlreichen amerikanischen Bürger, welche in der Türkei leben, an den Vorgängen im ottomanischen Reiche außerordentlich interessiert. Als Beweis der Unruhe der amerikanischen Regierung wird angeführt, daß dieselbe sich an das Londoner Kabinet mit der Anfrage gewandt habe, ob die Signatare des Berliner Vertrages für einen ausgiebigen Schutz des Auslandes in der Türkei entsprechend Sorge getragen haben. In diesen schweren Zeiten, wie sie über die Türkei hereingebrochen find, müsse Amerika dort einen Vertreter haben, der nicht nur diplomatische Qualifikation überhaupt besitzt, sondern einen, der die orientalische Frage genau versteht und speziell die Verhältnisse in der Türkei aus eigener Erfahrung gründlich kennt. Ein solcher Mann nun sei Oskar Straus, der sich schon einmal als Botschafter in Konstantinopel ausgezeichnet bewährt habe und den nicht nur alle türkischen Kreise, sondern auch die übrigen Mächte gerne in Konstantinopel sehen würden. Ein Telegramm der Londoner „Times" meldet, daß Oskar Straus den Botschafterposten in Konstantinopel angenommen hat. Korrespondenzen Dritte ordentliche Generalversammlung des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines. Der Abend des 8. Mai vereinte in einem Saale des „Parkhotel Schönörunn" in Hietzing ein zahlreiches und illustres Publikum, das der Einladung des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines gefolgt war, um zu hören, welchen Aufschwung der Verein genommen und wie er sein Tätigkeitsfeld ausgedehnt hatte. Die' Präsidentin Frau Laura Krenberger begrüßte unter den Erschienenen namentlich Herrn Bezirksobmann Samuel Mohr, Herrn kais. Rat Doktor S. Krüger, Herrn und Frau Direktor Max Fischer, H rrn Amtsleiter Rudolf Kraus samt Gemalin und Vertreter des Hietzinger Tempelvereines. Nach Verlesung des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung durch Frau Helene Jacob und seine Genehmigung wurde der gedruckt vorliegende Rechenschaftsbericht durch Frau Adele Heller und der Kassenbericht durch Frau Franziska B i r m a n n vorgetragen und dem Vorstande unter lebhaftem Beifalle über Antrag der Frau Rosa Popper das Absolutorium erteilt. Der Hietzinger Frauenwohltätigkeitsverein hat 78 verlassene Kinder unter seinen Schutz genommen und sorgt mit Eifer und Liebe für ihr materielles und geistiges Gedeihen, er verwendet aber auch einen Teil seiner Einnahmen zu Akten unmittelbarer Wohltätigkeit. Das Vermögen des Vereines vermehrte sich im letzten Jahre um K 1621.20; es beträgt jetzt K 3729.32. Für Zwecke der Fürsorge und Wohltätigkeit wurden K 1409.50 verwendet. Nachdem noch der Antrag auf Abänderung der Statuten dahin, daß sich der Vorstand um 30 Mitglieder vermehren kann, angenommen worden war, wurden mit Akklamation in den Vorstand gewählt: Laura Krenberger als Präsidentin, Hermine Bernfeld und Gisela Z i r n e r als Vizepräfidentinnen, Helene Jacob, als Schriftführerin, Adele Heller als Kaffierin, Franziska B i r m a n n und Cäcilie S m e t a n a als Revisorinnen, Minna Baad, Eugenie H offmann, Emilie Adler Josifine Kahane, Regine K u n e r, Marie Steinberger in den engeren, Therese Fleischer, Eugenie Frank. Fanny Freund, Fanny Koppert, Anna Pick, Rosa Popper, Frieda Schleiffer, Katharina Seiler, Klara T a u s z i k und Emilie W e t f ch l in den weiteren Beirat. Bevor der geschäftliche Teil der Versammlung geschlossen wurde, machte die Vorsitzende noch Mitteilung, daß ihr eben 100 Kronen aus dem Nachlasse der oerstorbenen Frau Sofie Wolf zur Armenunterstützung übergeben wurden. Nun erstattete Herr Direktor Dr. S. Krenberger ein Referat über „das neue österreichische Fürsorgegesetz", in dem er auf die stets wachsende Zahl jugendlicher Verbrecher hinwies, die eine imminente Gefahr für die Gesellschaft bilden und der durch die Familie, die Schule und den Staat begegnet werden muß. Frau Gisela Z i r n e r dankte in herzlichen Worten dem Vortragenden für die neuen und belehrenden Darlegungen und Herr Fritz Blüh stellte den Antrag, den Vortrag in Druck legen zu lassen, was unter erneutem Beifall angenommen wurde.

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