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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 341 desselben Dorfes, der Freitag abends, den 9. April — wie alltäglich — tritt der Losung nachhause ging. Bon da ab fehlte jedoch jede Spur von ihm. Das Blutmärchen war sofort konstruiert und die Christen belagerten das Haus des Schänkers unter Drohungen, sie wurden ihn und sämtliche jüdische Bewohner des Dorfes erschlagen, wenn man ihnen nicht den Bauern zurückstellt. Die Juden waren der größten Gefahr ausgesetzt, trotz der durch die Gendarmerie vorgenommenen gründlichen Hausdurchsuchung auf Veranlassung des Schänkers, wobei jedoch nichts Belastendes vorgefunden wurde. Zum Glücke wurde der Bauer nach einigen Tagen in einem Teiche, in dem er in betrunkenem Zustande wahrscheinlich hineinfiel, ohne jede Blutspur gefunden. LeoSalomon. Berlin. (Verein für Statistik der Juden.) Für das Bureau f. St. d. I. eröffneten fich weitere Aufgaben- Zunächst ist an eine Neubearbeitung der „Juden in Deutschland" zü denken, sobald die Ergebnisse der Berufszählung vom Jahre 1907 zur Veröffentlichung gelangt find. Eine zweite, schwierigere Aufgabe besteht darin, statistische Erhebungen in jenen Ländern zu veranstalten, deren amtliche Statistik das Religionsbekenntnis gar nicht oder in ungenügender Weise berücksichtigt, wie Frankreich. England, Belgien, die Schweiz, die Vereinigten Staaten, sowie in den Ländern, die keine amtliche Statistik, wohl aber eine jüdische Bevölkerung besitzen. An zwei Punkten haben die diesbezüglichen Bemühungen des Vereines eingesetzt. Es schweben Unterhandlungen mit den maßgebenden Körperschaften der Schweiz, um dort eine eingehehende Enquete zur Durchführung zu bringen. Seit längerer Zeit wird ferner eine Originalerhebung über die jüdische Bevölkerung in Palästina vorbereitet, die zunächst die Unterrichts¬ und Erziehungsverhältniffe beleuchten soll. Eine dritte Aufgabe bildet die Gesamtstatistik der Juden. Es liegt der Plan vor, tabellarische Ueberfichten zu schaffen, die die gesamten Verhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern übersichtlich darstellen und einerseits zur schnellen Orientierung über einzelne Fragen dienen, andererseits Bausteine für die Gesamtstatistik der jüdischen Bevölkerung der Welt bilden sollen. An diese Serie von Arbeiten werden fich Monographien über einzelne soziologische Erscheinungen angliedern. So wird z. Z. eine Originalerhebung über die Verhältnisse der arbeitenden jüdischen Mädchen und Frauentit Berlin vorbereitet, die hauptsächlich die Lebensbedingungen der in den großen Warenhäusern beschäftigten Frauen und Mädchen beleuchten soll. Ferner werden Monographien über die Verhältniffe großer jüdischer Gemeinden wie Berlin, Frankfurt u. a. vorbereitet. Professor Dr. Benno Badt. Einer der Besten und Edelsten der Breslauer Gemeinde, ein treuer Sohn des Judentums und ein hochherziger mildtätiger Mann ist mit Prof. Dr. Badt am 15. vorigen Monats zu Grabe getragen worden. Ein arbeits- und verdienstreiches Leben hat seinen Abschluß gefunden und weit über die Mauern der Stadt Breslau, wo er lebte und wirkte, wird der Heimgang dieses hervorragenden Mannes beklagt. In Kurnik, einem kleinen Städtchen im Posenschen geboren, aus ärmlicher, aber hochachtbarer Familie kam Benno Badt in den 60 er Jahren auf das Breslauer Rabbinerseminar. Nachdem er das Rabbinereramen bestanden, wandte er sich dem Lehrerberuf zu und wurde zuerst Hilfslehrer bei dem Elisabethgymnasium in Breslau. Als die Stadt Breslau anfang der 70 er Jahre das Johannesgymnasium begründete, trat er in deffen Lehrkörper ein. dem er bis zum Tode angehörte. Er war in den letzten Jahren Ordinarius der Oberprima. Er lieh es sich aber auch nicht nehmen, den jüdischen Schülern der oberen blassen den Religionsunterricht selbst zu erteilen. Sein unbeugsames Pflichtgefühl, seine persönliche Anteilnahme an dem Ergehen jedes einzelnen seiner Schüler liehen ihn noch am letzten Abiturienteneramen teilnehmen, obwohl er sich schon krank fühlte. Benno Badt war eine der arbeitsamsten Naturen. Sein Lehramt erforderte viel Arbeit. Das hinderte ihn aber nicht, überall da mitzuwirken, wo er etwas erstrebt oder gefördert sah. das ihm erstrebenswert schien, oder wo er empfand, daß einer Not, dah einem Uebelstand abgeholfen werden muhte. Das Breslauer Lokalkomitee des „Esra" verliert in Benno Badt seinen Vorsitzenden. Dem ..Hilfsverein der deutschen Juden" war er ein sehr geschätztes Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses, in dem er sich insbesondere für die palästinensischen Schulen, deren Lehrpläne und Einrichtung intereffierte. Auch dem Lokalkomitee der Alliance gehörte er als stellvertretender Vorsitzender an. Im Lokalkomitee des Hilfsvereins und der mit ihm verbundenen Auswandererorganisation scheute er bis in die letzten Jahre hinein nicht die geradezu aufreibende Tätigkeit der Versorgung der durch Breslau durchziehenden rusfffchen. galizischen, auch rumänischen Auswanderer. Mit großer Liebe und Aufopferung nahm er sich ihrer an, wie ein Vater. In letzter Zeit intereffierte ihn sehr eine Förderung der Falascha- Angelegenheiten. Vor Jahren begründete Badt auch den sehr segensreich wirkenden ..Verband zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder". Auch der Provinzialverein israelitischer Lehrer und seine Unterstützungskasse verlieren in ihm ihren für sie äuherst tätigen Mitbegründer und ersten Vorsitzenden. Ein besonderes Kapitel ist seine Tätigkeit für die Breslauer Gemeinde. Kein Opfer war dem wahrhaft Unermüdlichen zu groh. keine Stunde zu früh oder zu spät, wenn es galt, im Dienste humanitärer Bestrebungen seine Kraft einzusetzen. Caraffo in der jnngtürkischen Bewegung. Bekanntlich befand sich unter den Deputierten, welche den gewesenen Sultan Abdul Hamid von seiner Absetzung verständigten, auch der jüdische Abgeordnete von Salonichi Emanuel Carasso Effendi. Carasso hat von jeher unter den Iungtürken eine hervorragende Rolle gespielt. Man baute in diesen Kreisen so viel auf ihn. daß man ihn seinerzeit bei der Devutierfenwahl fast gegen den Willen eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung zum Abgeordneten von Salonichi durchsetzte. Dieses Mandat der Stadt Salonichi. des Zentrums der jungtürkischen Macht und gleichzeitig das Emporium der jungtürkischen Intelligenz hat naturgemäß den Einfluß Caraffos nur noch erhöht. Die Entsendung Carassos in jene denkwürdige Deputation an Abdul Hamid sollte nicht nur eine Anerkennung der persönlichen Verdienste Caraffos um die jungtürkische Bewegung, sondern auch der Ausdruck der höchsten Anerkennung für die Salonicher Juden sein, die in dem ganzen Freiheitskampfe sich unvergängliche Verdienste um Einführung und Restituierung der Konstitution erworben haben. Allerdings fehlt ^es auch nicht an Stimmen, welche meinen, daß Carapo mit der Annahme der Ehre. Mitglied der Entsetzungsdeputation zu sein, zu weit gegangen sei. da der Sultan nicht nur das weltliche, sondern auch das religiöse Oberhaupt der Mohammedaner ist und die mit dem heutigen Stande der Dinge es den Juden niemals verzeihen würden, sich in diese Aktion offiziell hineingemischt zu haben. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß der bisher so glänzend sich bewährten politischen Kunst der führenden Salonicher Juden, die ihr Zentrum im Cercle des Intimes haben, dieser Umstand entgangen sei. Hier sei auch eine Charakteristik Carassos vermerkt, welche dem ..Berliner Tageblatt" von seinem Spezialkorrespondente-r in Salonichi eingesandt wurde In dem genannten Blatte heißt es:

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