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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 337 sin, ist Vizepräsidentin unseres Fraüenvereines und zeichnet sich durch ein tiefes und reiches Gemüt, durch frommen, gottesfüxchtigen Sinn aus, welche Tugenden als mütterliches Erbteil sich auf den Sohn übertrugen, der trotz seiner hohen Stellung ein treuer, begeisterter Anhänger seines Glaubens ist. Herr Oberstleutnant Neu mann verdankt seine erfolgreiche Karriere seiner Berüfstüchtigkeit und -Würdigkeit, seinen hohen Geistesgaben und edlen Charaktereigenschaften, die wiederholt die allerhöchste Anerkennung fanden. Und er ist ein Mann von Herz, wie er ein Mann von Geist ist. Nichts kann dies besser bezeugen, als sein Verhältnis zur alten Mutter, das bei ihm weit die Grenzen kindlicher Dankbarkeit überschreitet und zu einer Art von Kultus sich gestaltet. Er besucht sie sehr häufig und umgibt sie mit einer schwärmerischen Liebe und Verehrung, die Rührung und Bewunderung Hervorrufen. Anläßlich der hohen Auszeichnung dieses edlen Mannes, die nicht blotz ihm, sondern auch dem Judentums zur Ehre gereicht, entbietet ihm seine Heimatsgemeinde, die mit Recht stolz auf ihn ist, die herzlichsten Glückwünsche! Möge der gute Sohn von Stufe zu Stufe emporklimmen .und möge die glückstrahende Mutter sich noch viele, viele Jahre in den Erfolgen des Sohnes sonnen! Ein jüdisches Militärkorps in England. In England gibt es bekanntlich keine obligate Militärdienst- Pflicht, sondern nur Freiwillige. In jüngster Zeit wurde eine starke Agitation zur Bildung einer großen freiwilligen Territorialarmee eingeleitet. Dem patriotischen Rufe haben auch zahlreiche Juden Folge geleistet. Diese jüdischen Soldaten, die sich zumeist aus der allgemeinen, konservativ erzogenen Mittelklasse rekrutieren, begegnen in ihrem Militärdienste gewissen Schwierigkeiten wegen ihrer religiösen Ueberzeugung. Besonders ist es der Mangel einer rituellen Verköstigung, den sie am empfindlichsten verspüren. Es wurde nun in Kreisen der jüdischen Soldaten der Wunsch laut, daß sie zu einem jüdischen Korps for.l'iert und mit eigener ritueller Menage versehen werden. Die Frage wird in den englischen Tagesblättern lebhaft diskutiert und Stimmen für und gegen die Bildung eines jüdischen Korps werden laut. Bemerkenswert ist, was das englische Mil tärblatt „United Service Gazette" hiezu schreibt : „Ein Punkt, der in der Arbeit zur Stärkung unserer territorialen Macht übersehen wurde", schreibt das genannte Blatt, „ist das glänzende Echo, welches der Ruf in der jüdischen Bevölkerung dieser Inseln gefunden hat. Daß unter ihnen stets ein starker patriotischer Geist gelebt hat, war längst bekannt allen jenen, die sich die Mühe nehmen, die Dinge nicht nur oberflächlich zu beurteilen. Hätte es überhaupt noch eines Beweises der Liebe der Juden zum Militärdienst bedurft, so wurde dieser durch die solenne Tatsache erbracht, daß, sobald das Projekt der Schaffung einer territorialen Armee greifbare Formen angenommen hatte, fast jeder Jude, der in der alten Freiwilligen-Armee gedient hatte, wie auf einen Schlag sich in die Territorialarmee eintragen ließ. Es wurde die Anregung gemacht, daß nachdem die Zahl der jüdischen Soldaten in der Territorialarmee groß genug ist, ein eigenes jüdisches Korps geschaffen werde. Wir halten jedoch einen solchen Vorschlag für ebenso unpolitisch als unerwünscht." _ Die Kunst im Leben des jüdischen Kindes. In Wilna wurde vor einigen Tagen eine Ausstellung eröffnet, die den Namen „Die Kunst im Leben des jüdischen Kindes" führt. Die Ausstellung wurde hauptsächlich von Privat-, Volks- und Mittelschulen, „Talmud-Thora"-Anstalten. Kindergärten usw. beschickt. Da die staatlichen Schulen aus irgend einem Grunde sich an der Ausstellung nicht beteiligt haben, ergibt es sich, daß die meisten Schüler, deren Arbeiten ausgestellt sind, Kinder des Ghetto sind. Besonders reich ist die Abteilung für Schulmalerei und Zeichenkunst, welche auch von englischen und amerikanischen Schulen (zumeist von Emigrantenkindern) beschickt sind. Interessant ist nun zu beobachten, womit sich die Phantasie dieser jüdischen Kinder beschäftigt. Die meisten Bilder dieser kleinen Aussteller aus dem Ghetto — die Zeichnungen wurden im Vorjahre angefertigt — stellen Szenen aus dem — russisch-japanischen Kriege dar. Der eine zeichnet ein Kriegsschiff, der andere versteigt sich sogar zur „Darstellung" einer Schlachtszene u. dgl. mehr. Selbst die Schüler der Talmud-Thora haben keine jüdischen Themata gewählt. Hier überwiegen Häuser und Felder das Gebiet der kindlichen Kunst. Die jüdischen Gymnasiastinnen wieder haben ihre Stoffe aus dem Novellenschatz russischer Dichter, Lermontow und Puschkin, gewählt. Blos eine kleine Kollektion von Arbeiten ganz kleiner Kinder im Alter von 4—7 Jahren ist vorhanden, die einen Stoff aus dem jüdischen Leben behandelt. Die Kollektion machte sich durch die weithin sichtbare hebräische Aufschrift: „Leil Sabbath" : (Sabbathnacht) bemerkbar. Die kindliche Phantasie hat die minutiösesten Einzelheiten einer zum Empfange des Sabbath vorbereiteten Stube festgehalten. Die einzelnen Teile der mit weißem Linnen bedeckte Tisch, die gescheuerten Sessel, die Sabbath lichter usw. sind natürlich dem Alter der „Künstler" entsprechend sehr primitiv gemacht, aber man sieht, daß die Kleinen mit Gefühl gearbeitet haben. Alles ist auf seinem richtigen Platze, nichts fehlt: der Wein, die Sabbathbrode. selbst die Schüssel zum Händewaschen und der Sabbathgoj fehlt nicht . . . Baruch Spinozas wahres Bildnis. Ein unbekanntes Spinoza-Bildnis aus den Jugendiahren des Philosophen veröffentlicht Ernst Altkirch im Maiheft von „Westermanns Monatsschriften". Es stellt Spinoza anders dar, als man ihn nach den bisher bekannten Bildern kennt: mit krausem kurzem Haar und Schnurr- und Backenbart. Es ist das einzige Bildnis. das den gesunden, noch nicht mit der Schwindsucht behafteten Spinoza, und zwar im besten und kräftigsten Jünglingsalter zeigt. An der Hand seines neuen Fundes nimmt Altkirch an, daß das lang herabfallende Haupthaar Spinozas auf späteren Bildern nicht sein echtes Haar zeigt: er trug vielmehr, als sein Leiden ihm den Scheitel zu lichten begann, der Sitte der Zeit folgend, eine Perücke. Der hervorragende Kenner Spinozas, Konstantin Brunner, ist mit Altkirch der Meinung. daß hier ein echtes, aus dem Jahre 1600 stammendes Porträt des großen Denkers vorliege. Mit Recht hebt er hervor, daß es nun erst möglich wird, das wahrhafte, real-ideale Aussehen Spinozas zu bestimmen und ein Porträt von ihm zu schaffen, wie es noch keines gibt, denn sein Bildnis muß ganz, bis in den kleinsten Zug. von der edelsten heroischen Gesundheit sein, wenn es dem geistigen Wesen des Mannes entsprechen soll. Die Verfassung der sLdifchen Religionsgemeinschaft in Preußen. Von Felix Makower. Unter vorstehender Ueberfchrift liest man in der letzten Sonntagsnummer des „Berliner Tageblatt" einen Artikel, den wir als merkwürdigen Beitrag zu den im deutschen Jud ntum gegenwärtig vorherrschenden Stimmungen und Strömungen im vollen Worlaut folgen laffen: Der Verband der deutschen Juden, in dem seit einigen Jahren die jüdischen Gemeinden und die größeren Vereine für jüdische Angelegenheiten sich zusammengeschloffen haben, hatte im Jahre 1906 mit einem dieser Vereine, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, eine

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