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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 336 *•; Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 19 Referent Dr. Sonnenschein verteidigt den Entwurf und bittet, alle gestellten Abänderungsanträge abzulchuen. Bei der nunmehr erfolgten Abstimmung wurden sämtliche Abänderungsanträge aä § 7 abgelehnt mit Ausnahme des Antrages S t r a u ch e r, der zum Beschluß erhoben wurde. Zu § 8 wurden laut Antrag des Referenten die Worte „für Kultuszwecke eiugehobene Beträge" ausgenommen. Die §§ 9, 10 und 11 wurden en bloc angenommen, ebenso der § 12 mit Streichung der Worte „und 2 Verifikatoreu" (Antrag Dr. K o h n e r). Der Antrag Dr. David, der auch vom Rabbiner Dr. Re ach unterstützt wurde, dahingehend, daß im ersten Absatz der § 15 die Worte „und den der Verbandsoersammluug augehörenden Rabbinen die Verbandsleitung zu bilden" wurde auf Anraten Dr. Kohners abgelehnt. Zu § 16 lit. b erneuert Dr. David seinen früheren Antrag betreffs der Zuziehung von Rabbinen zur Erstattung von Gutachten, welcher Antrag aber gleichfalls abgelehnt wurde. Herr Hofbauer sagt, daß die Orthodoxen selbst den Rabbinern Mißtrauen entgegenbringen. Der Vorsitzende bedauert solches ausgesprochene, durch nichts gerechtfertigte Mißtrauen, worauf auch Herr Doktor Lazarus gegen Herrn Hofbauer in scharfen Worten sich wendet. Der § 16 wird hierauf unverändert angenommen. Ebenso auch der nächstfolgende § 17 mit dem bereits gestern erfolgten Amendement: „Hiebei soll in gemischtsprachigen Ländern den sprachlichen Bedürfnissen volle Rechnung getragen werden". Der § 18 wird nach eingehender Diskussion in folgender Fassung angenommen: „Der Reichsverband besteht aus 71 Delegierten, die in folgender Zahl von den einzelnen Städten beschickt werden: Wien 10, Triest 4, Czernowitz 7, die ehemaligen Verwaltuugsgebiete Lemberg und Krakau je 10, also zusammen 20, Prag 10, Brünn 5 und Schlesien 5. Dazu kommen noch 10 Rabbinen. § 19 wurde debattelos angenommen, hingegen entspann sich bei § 20 eine längere Diskussion. Herr Dr. Spitzer gab seiner Besorgnis Ausdruck, daß durch die neugeschaffeue Institution und die ihr auferlegte „Sorge für die standesgemäße Besoldung sämtlicher (!!) Kultusbeamten und ihrer Angehörigen" für die Wiener Gemeinde neue große Lasten und Verpflichtungen erwachsen werden, die daun für die Beamten außerhalb Wien „Sorge" zu tragen hätte. Er verlangte deswegen, daß bei der Redaktion dieses Paragraphen eine Stilisierung gewählt werde, die hierüber keinen wie immer gearteten Zweifel aufkommen lassen solle; welchem Anträge stattgegeben wurde. Nach Annahme der nächstfolgenden §§ .21—38 erklärte der Vorsitzende Dr. Stern den ganzen Entwurf für genehmigt. Unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung spricht er den beiden Autoren des Entwurfes, den Herren Dr. F i a l l a (Brünn) und Dr. Sonnenschein (Troppau), für ihre vortreffliche gediegene Arbeit den Dank aus und erklärt, daß der Wiener Kultusvorstand im Vereine mit dem Allg. österreichisch-israelitischen Bunde sich es werde angelegen sein lassen, das ausgezeichnete, nunmehr von den Delegierten der österreichischen Gemeinden genehmigte Elaborat der Finalisieruug zuzuführen. (Lebhafter Beifall.) Der Senior der Versammlung Vorsteher Glesinger (Teschen) dankt dem Vorsitzenden für seine mühevolle, kluge und zielsichere Leitung. Es war keine leichte Aufgabe, diese Obliegenheit in gerechter, den entgegenstehenden Ansprüchen und Interessen Rechnung tragender Weise zu Ende zu führen. Dem Vorsitzenden ist es geglückt. Die Vorsehung lohne diese opferreiche Arbeit. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. M. Spitzer spricht dem Sekretär des Bundes, Herrn Jakob Kraus, für seine trefflichen Dienstleistungen bei der vorbereitenden Arbeit fiir die heutige Tagung den Dank aus. Der Präsident dankt Herrn G l es i n g e r für seine herzlichen Worte und Wünsche, schließt sich seinerseits der Daukesäußerung für den Sekretär Herrn Jakob Kraus an und erklärt den diesjährigen Gemeindetag für geschloffen. Vom Jahrmarkt des Lehens. Oesterreichische Finanziers im Dienste des Staates. Unter dem Titel „Erinnerungen eines, alten Österreichers" veröffentlicht die letzte Nummer der „Deutschen Revue" eine Epistel „Aus der Aera Schmerling .und Belcredi". Dieser Brief ist einem im Herbst dieses Jahres erscheinenden Buche Ludwig Ritter von Pribram's entnommen, das eines der interessantesten Memoirenwerke zu werden verspricht. Im nachstehenden lasten wir einige besonders interessante Stellen aus dieser Publikation folgen, aus denen die. damalige Stellung der jüdischen Finanziers zur Monarchie beleuchtet wird. Es war in der Zeit des Kampfes um Schleswig-Holstein im Jahre 1864. Ludwig Ritter von Pribram schreibt: „Schwer drückte die Finanzlage auf alle Verhältnisse. Die Bankhäuser Rothschild, Wod inner, und Sina mußten .mit außerordentlichen Mitteln bewogen werden, der Regierung mit Vorschüssen beizuspringen, sonst wäre es nicht möglich gewesen, die Kosten für den Transport der Truppen nach dem Norden aufzubriygen. Aus jener Zeit datieren die ersten Kreierungen nichtchristlicher Barone, die dann einen epidemischen Charakter annahmen. Der aus Ungarn eingewanderte Moritz Wodianer sah allerdings nicht sehr freiherrlich aus, galt aber für einen „feinen Kopf". Sein Sohn hatte sich eben in den ungarischen Landtag wählen .lassen, doch wurde die Wahl wegen allzu großer Munifizenz annulliert. Der Vater jedoch bestritt dies lebhaft und rief aus: „Sie werden sehen, er wird wieder gewählt, coüte que coüte!" Sein Kollege Jonas Königswar t e r machte ihm scharfe Konkurrenz und erlangte durch seine kaustischen Aussprüche eine gewisse Berühmtheit. Zu einem geflügelten Worte wurde die .Abfertigung, die er einem Börsegenossen, der ihn. fragte, wjeso er es riskieren konnte, eine gewisse Sorte von ^AkUen zu kaufen, mit den Worten erteilte: „Was zerbrechen Sie sich meinen Kopf?" Auch dem alten Rothschild gebrach es nicht an Mutterwitz. Einem Fechtbruder höheren Stils der, unzufrieden mit der ihm gereichten Spende, ihm vorhielt, daß sein Sohn ihm mehr gegeben habe, antwortete er: „Wenn ich einen so reichen Vater hätte, wie mein Sohn, dann würde ich auch splendider sein." War die Lebensführung und das Auftreten dieser drei Finanzgrößen einfach und von bürgerlichem Zuschnitt, so trat Sina, entgegen den Traditionen seiner griechischen Konnationalen, als Grandseigneur auf und wurde als solcher auch in „höheren Kreisen" gewürdigt. Sein Haus war mit großem Lurus und vielen Kunstschätzen ausgestattet. Die ganze und halbe Lebewelt huldigte ihm. Gelegentlich einer Reise, die er mit Familie und Gefolge durch die Schweiz und Italien machte, hatte der vorausgeschickte Kurier dafür zu sorgen, daß jedes Appartement, das die Reisenden bezogen, mit neuen Möbeln und Tapeten ausgestattet werde. Kein Wunder, wenn die Gesamtkosten auf Milliönchen anschwollen. Im vollkommenen Gegensätze zu ihm suchte seine Frau, Baronin Marie Sina, eine engelsgute Seele, sich möglichst zu effazieren und Wohltätigkeit in aller Stille zu üben. Noch leben manche Künstler, die ihr Emporkommen der materiellen und moralischen Unterstützung jener Dame zu danken haben. Indes hat auch Baron Sina für sein hellenisches Heimatland große Opfer gebracht und seinen Namen mit manchen gemeinnützigen Institutionen verknüpft." Oberstlieutnant Josef Nenurmrn. Mißlitz. Herr Major Josef Neu mann in Pilsen wurde von Sr. Majestät zum Oberstleutnant befördert. Derselbe entstammt einer angesehenen hiesigen Familie, seine Mutter, eine allbeliebte, ehrwürdige Grei-

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