Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Jir. 19 Seite 393 Dr. Blochs Wochenschrfft. Kaiserlicher Rat Pollak, Bielitz: Die Delegierten von ganz Oesterreich, einschließlich Galizien, haben im Vorjahre die Organisation gutgeheißen. Allerdings habe ich in der vorjährigen Versammlung gesehen, daß man nicht zweihundert Menschen unter einen Hut bringen kann, um wie viel weniger l1/* Millionen. Und doch gibt es kein Gebiet, auf welchem nicht die Organisation zur Herrschaft gelangt ist. Der Entwurf enthält nichts, was das Gewissen der Frömstett verletzt. Die Organisation hat einen politischen Zweck und soll auch eine Stärkung nach innen bezwecken, Ich glaube, es wird sich auch mit Galizien auf ruhigem Wege ein Abkommen treffen lassen. Vermeiden wir alles, was uns trennt. Ueber eine Million Seelen können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Das ist nicht unser Interesse, wir wollen im Gegenteile aus diesen Leuten etwas machen. Ich wohne an der Grenze und der erste Zug aus Galizien trifft bei mir ein. Aber ich mache den Leuten keinen Vorwurf, sie sind zusammengepfercht in schlechten Erwerbsverhältnissen, und mit schwachen Menschen kann man keine Bergpartien machen. Wir müssen mit Galizien einen Weg einschlagen, der langsam zum Ziele führt. Referent Dr. Sonnenschein führt im Schlußwort aus: Ich möchte betonen, daß das österreichische Judentum an Galizien leidet, wir aber haben keinerlei Macht in Galizien und selbst jene Kreise, deren Existenzberechtigung auf Galizien fußt, haben daselbst gar keinen Einfluß und haben trotz ihres Versprechens die galizischen Juden nicht herbringen können. Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als eine Organisation des Judentums zu gründen, die wir brauchen, und wenn Galizien sich ausschließen will: in Gottes Namen. Wenn 207 Kultusgemeinden einen Protest gegen die Organisation überreichen wollen, bei denen die 19 Großgemeinden gar nicht eingezählt sind, so müssen wir in Westösterreichdie Organisation für uns anstreben. Die Galizianer müssen sich sagen, sie haben die Juden in Westösterreich in einem Momente im Stiche gelassen, in welchem das Schicksal der Juden Oesterreichs in Frage stand. Die Spezialdebatte möge so geführt werden, daß wir Galizien aus der Organisation ausscheiden. Ich teile da größtenteils die Ansichten des-Herrn Dr. Fialla und ich bitte deshalb um das Eingehen in die Spezialdebatte. Abgeordneter Dr. Gabel zur tatsächlichen Berichtigung: Es ist eine Tatsache, daß das jüdische Volk sich die Organisation wünscht, aber man muß zwischen diesem und den Kultusvorständen unterscheiden, die auf hohnsprechende Weise gewählt wurden Wir haben nun in 19 Städten, die sich der die Organisation ablehnenden Lemberger Resolution anschlossen, Volksversammlungen einberufen, die sich alle für die Organisation erklärten. Die Worte der Herren Doktor Fialla und Doktor Sonnenschein haben mich schmerzlich berührt. Ich protestiere dagegen, daß man Galizien ausschalte, wir werden die Stimme erheben, daß wir ein Körper sind mit allen Juden Oesterreichs. Kämpfen wir zusammen zum Wohle des Volkes. Dr. Sonnenschein: Zur Einigkeit gehören zwei. Westn Dr. Gabel sagt, baß nur die Kultusvorstände gegen die Organisation find, so müssen wir uns doch an die Kultusvorstände halten. Wenn wir heute die Organisation bloß für Westösterreich beschließen, so ist das auch Ihr Interesse, weil Sie-hmausgehen können und sagen, seht, wohin euch eure Kultusvorstände geführt haben. Präsident Dr. Stern: Bevor wir in die Spezialdebatte eingehen, habe ich die Mitteilung zu machen, daß soebkn eine Unterredung mit Herrn Schreiber aus Drohobycz stattgefunden hat, an welcher auch Herr Referent und die Vizepräsidenten des Gemeindetages teilgenommen haben. Herr Schreiber legte uns Proteste von 207 galizischen Kultusgemeinden vor und' erklärte, daß er den Auftrag habe, diese Proteste dem Ministerium zu überreichen, er sei jedoch in loyaler Weise vorerst hiehergekommen, um uns hievon zu verständigen. Herr Schreiber erklärte, daß für den Fall, als der Gemeindetag beschließen würde, daß die Organisation nur für Westösterreich mit Ausschluß von Galizien beschaffen werde, die Proteste gegenstandslos wären, und er würde auch in diesem Falle von deren Ueberreichung Abstand nehmen. Unter solchen Umständen habe das Präsidium im Einvernehmen mit dem Referenten sich entschlossen, dem Gemeindetage die Schaffung einer Organisation nur für Westösterreich mit Ausschluß von Galizien vorzuschlagen. Man könne nicht gut ein Land in eine Organisation einbeziehen. von deren ungefähr 245 Gemeinden zusammen 226 Gemeinden schon von vorneherein gegen ihre Einbeziehung in die Organisation bei der Regierung protestieren. Präsident legt das Verzeichnis der 207 Gemeinden, sowie es ihm von Herrn Schreiber eingehändigt wurde, vor. Abgeordneter Dr. Stand: Ich habe Ihnen eine überraschende Mitteilung zu machen. Es wurde hier eine Liste der Gemeinden aus Galizien vorgelegt, unter diesen auch Strzesyz und Ottinia. Ich lege hier einen rekommandierten Brief dieser Kultusgemeinden vor, in welchem diese mich bitten, in ihrem Namen hier zu sprechen. Dies zur Charakterisierung, wie solche Proteste zu Stande kommen. Dr. Stern: Zur Ergänzung teile ich mit, daß auch ich von einer der protestierenden Gemeinden die Vollmacht zur Ausfüllung erhalten habe, mit dem Hinzufügen, daß der Bevollmächtigte orthodoxer Richtung sein soll. (Allgemeine Erregung.) Hierauf wird das Eingehen in die Spezialdebatte beschlossen. Dr. Fialla: Es erfüllt mich mit Befriedigung, daß wir endlich zur Spezialdebatte kommen. Ehe ich einen Antrag stelle, möchte ich nur aufklären, daß es uns nicht darum zu tun war, Galizien auszuschließen, nur zwingen können wir Niemand. Da wir die Proteste und Gegenproteste nicht prüfen können, wird es das Beste sein, den Anschluß oder Ausschluß offen zu lassen. Hinsichtlich der Spezialdebatte möchte ich die Anregung geben, nur über die Prinzipien einig zu werden und die Abänderungsvorschläge dem Ministerium im Anschlüsse an den Entwurf zur Würdigung vorzulegen. Dr. Sonnenschein: Die Vorlage von Wünschen ist undurchführbar, weil zu viel Vorlagen entstünden. Vizepräsident Dr. Kohn: Ich bin gleichfalls für die Fassung prinzipieller Beschlüsse, deren Redaktion dem Komitee obliegen soll. Hinsichtlich Galiziens möchte ich beantragen, die Frage offen zu lassen und für den Eintritt eine gewisse Zeit anzusetzen. Dr. Wolf, Troppau, ist gleichfalls nicht für die Vorlage von Wünschen an das Ministerium. Er beantragt die 6v dloe-Annahme des Entwurfes. Dr. Grüner ist für die Fassung prinzipieller Beschlüsse. Hofbauer glaubt, daß Galizien nicht mitgehen wird. Er schließt sich Dr. Fialla darin an, daß besondere Wünsche dem Ministerium mitgeteilt werden. Wir können nur beisammen bleiben, wenn für die Orthodoxen eine eigene Sektion gebildet wird. Dann hätte ich nicht nötig, später bei der Regierung vorstellig zu werden. (Rufe: Eine Drohung!) Das ist keine Drohung, aber gegen die gemeinsame Organisation werden wir mit allen Kräften kämpfen. Dr. Sonnenschein: Der Titel des Entwurfes würde also lauten: . . . „Mit Ausnahme von Galizien und Lodomerien". Wenn sich die offiziellen Faktoren Galiziens anschließen wollen, wird ihnen nichts im Wege stehen. Der Vorschlag des Herrn Dr. Kohn ist nicht denkbar, denn wer soll die Gewähr für den Anschluß bieten. Abg. Dr. Gabel: Ich konstatiere, daß die Proposition des Herrn Dr. Sonnenschein in letzter Minute gestellt wurde. Es ist klar, daß der größte Teil der Protest-Erklärungen gefälscht ist. Das werde ich Ihnen beweisen. Man hat Stampiglien verwendet und auf die Drucksorten ge-