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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 328 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 19 freudigen Herzens bereit, dem Rufe Euerer Majestät als dem obersten Kriegsherrn zu folgen und Gut und Blut für Kaiser und Vaterland zu opfern. Und jetzt, da die Weisheit und Friedensliebe Euerer Majestät den Völkern der Monarchie die Segnungen des Friedens gesichert hat, rufen wir, gleich allen Bürgern des Reiches, dankerfüllten Herzens: Gott erhalte, Gott beschütze unseren erhabenen Kaiser! Für den israelitischen Eemeindetag: Dr. Alfred Stern, Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Präsident Dr. Stern: Wir haben uns gestern entschlossen, zwei Vizepräsidenten zu bestellen. Ich erlaube mir, die Herren Dr. Fialla und Dr. Schanzer vorzuschlagen. (Bravorufe.) Ferner schlagen wir zur Wahl in d en Legitimationsazlsschuß vor die Herren Dr. Kraus, Dr. Schanz er, Dr. Br au de. (Zustimmung.) Sekretär Kraus verliest hierauf aus dem Einlauf die Zuschriften der Kultusgemeinde Krakau, Uhnow, Beneschau und die des Kantorenverbandes. Präsident Dr. Stern: Entschuldigungen sind eingelaufen von Herrn Dr. Rosenbacher in Prag wegen Krankheit und von Herrn Dr. Grunwald wegen dienstlicher Verhinderung. Protest gegen die Zusammensetzung der Versammlung. Abg. Dr. Gabel: Die jetzige Versammlung ist meiner Ansicht nach eine Fortsetzung der vorjährigen, die einen Ausschuß wählte mit dem Auftrag, das Statut zu beraten und den Entwurf einer zweiten Versammlung vorzulegen, es müßten sonach die früheren Vertreter auch bei der heutigen Versammlung Sitz und Stimme haben. Ueberdies ist der Beschluß, daß die Gemeinden nur durch Gemeindevorsteher bei dem neuen Gemeindetag vertreten werden dürfen, illegal. Da den Delegierten des ersten Tages die Bevollmächtigung nicht entzogen wurde, haben auch wir hier das Recht hierzu. Ich stelle daher den formellen Antrag, ihnen auch hier Sitz und Stimme zu gewähren. Wenn die Versammlung dieser Anschauung nicht Beitritt, habe ich den Auftrag, dagegen zu protestieren. Präsident Dr. Stern: Ich möchte hierüber folgendes bekanntgeben: Als der Ausschuß die Normen über die Vertretung annahm, ließ er sich von dem auch an anderer Stelle als richtig bezeichneten Gedanken leiten, daß die Delegierten durch ihre Tätigkeit in dem Gemeind evorstand oder in dem vorbereitenden Ausschuß ihr Interesse und die Legitimation bekunden müssen, als Repräsentanten der österreichischen Juden zu gelten. Dies war notwendig, wenn wir der Regierung gegenüber mit der notwendigen Autorität auftreten wollen. Ferner ist es im Sinne unseres Vereinsgesetzes nicht zulässig, mindestens zweifelhaft, daß eine einmal beendete Versammlung eine Fortsetzung findet. Eine neue Versammlung ist nicht die Fortsetzung einer vergangenen, und es ist vielleicht eine Verletzung des Gesetzes, wenn wir dem Antrag Dr. Gabels folgen würden. Ferner hat aber auch bei der Fixierung dieses Paragraphen im Ausschuß Dr. Gabel mitgewirkt, und auf seinen Antrag wurde beschlossen, daß die Mitglieder des vorbereitenden Ausschusses Mandate annehmen können. Seinem heutigen Antrag aber bin ich nicht in der Lage, Folge zu leisten, da mich die Verantwortung für die Durchführung der Versammlung trifft. Es ist sogar zweifelhaft, ob ich ihn zur Abstimmung bringen darf. Ich werde den Antrag Gabel nicht zur Abstimmung bringen und erteile dem Herrn Referenten das Wort. Dr. Sonnenschein: Wir sind nicht zu Protesten zusammengekommen, sondern zu ernster Arbeit und besonders Herr Dr. Gabel hat versprochen, alles zu tun, damit die Organisation zustande kommt. Ich weiß nicht, was der Protest bedeuten soll. Im vorigen Jahre war nur eine bestimmte Zahl von Kultusgemeinden eingeladen, heuer alle, und nichts hätte sie gehindert, Delegierte zu wählen. ' Zur Sache übergehend, will ich bemerken, daß alles, was ich zu sagen hätte, sich im vorigen und heurigen Motivenbericht befindet. Ich werde deshalb nur einige Worte zur Einleitung der Debatte Vorbringen. Ich muß nicht über Nutzen und Zweck der Organisation sprechen, da schon die vorige Versammlung sie beschlossen hat. Hier wird es sich nur um die Form handeln, insbesondere ob dieser Entwurf die Grundlage sein soll. In diesen Tagen haben wir ein lebendiges Beispiel vor uns: wie in Neu-Oesterreich von der Regierung für die Mohammedaner ein Gesetz auf den gleichen Prinzipien angestrebt wurde, das gleiche Bestreben hat sich auch in Deutschland gezeigt, wo der deutsche Gemeindebund, zusammen mit einem Komitee, die Organisation propagiert. Ich beantrage, in die Spizialdebatte einzugehen und Paragraph für Paragraph zu beraten. Ob nun die Regierung auf unseren Entwurf eingeht oder nicht, wir werden das Bewußtsein haben, eine positive Arbeit geleistet zu haben. Der Standpunkt der Wiener Orthodoxen. Herr V. Hofbauer: Ich muß mir erlauben, zur Generaldebatte zu sprechen. Zunächst gestatte ich mir, meine Anschauung darüber zu äußern, was Klerikalismus ist und was Frömmigkeit. Klerikal, glaube ich. ist derjenige, der durch eine Organisation jemanden anderen zur Religiosität zwingen will. Fromm ist, wer trotz seines Glaubens jeden anderen tun läßt, was er will. Das gleiche gilt von Liberalen und Bilderstürmern. Der Bilderstürmer ist umgekehrt wie der Klerikale:. Er wlll den anderen zur Unfrömmigkeit zwingen, der Liberale wird jedem seine Ueberzeugung lassen. Von diesem ^Gesichtspunkte ausgehend, sage ich, daß in einem Zeitalter, wo man in Frankreich die Trennung von Staat und Kirche durchgeführt hat und der Jude, der im Allgemeinen überall zur liberalen Partei zählt, daß es in dieser' Zeit ein österreichischer Jude ist, welche^ eine strenge Konsistorialverfaffung schaffen will, wenn Sie auch von Vorneherein sagen, daß sie nichts religiöses schaffen wollen. Ist es aber wirklich nichts religiöses, wenn die Organisation für Rabbiner, Schächter, Kantoren und Lehrer sorgen soll. Für mich sind das rituelle Angelegenheiten. Für Andere allerdings sind das keine rituellen Angelegenheiten. Vom liberalen Standpunkt sage ich Ihnen, daß heute in der Zeit der Trennung von Kirche und Staat und wo in Amerika oder in der Schweiz und in England die Kirche einfach unter das Ver'einsgesetz gestellt wird, es unmöglich ist, jemanden zu zwingen, daß er zu einer religiösen Gemeinschaft gehöre. Umgekehrt muß heute jeder nach seiner Fasson selig werden. Es ist heute eine historische Zeit für die Juden Oesterreichs und wir können eine Einigung, eine gemeinsame Organisation trotz aller Verschiedenheit der Richtungen herbeiführen. Heute will mau aber, wie ich aus Ihrem Entwürfe sehe, einen Teil der Juden zwingen, sich einsperren zu lassen in einer Organisation, in welcher ihre Interessen nicht gewahrt werden. Ich sage Ihnen dies als der Obmann der „Freien Vereinigung" zur Wahrung der Interessen der strenggläubigen Judenschaft. Wenn wir mit Ihnen halten würden und Sie nach Ihrem Statut eine Rabbinerschule gründen, so wäre die Folge, daß daraus Rabbiner hervorgehen, die für uns nicht maßgebend sind. Sie würden eine Organisation zur Heranbildung von Schächtern gründen, wir würden aber von diesen Schächtern nichts genießen. Ein Schächter aus dieser

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