Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 32? Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift. Präsident Dr. Alfred Stern eröffnete um halb 11 Uhr die Versammlung mit folgender Ansprache: „Meine Herren! Der Gegenstand, welcher uns zusammenführt, ist Ihnen allen bekannt. Das Bestreben, eine Gesamtorganisation der österreichischen Inden herbeizuführen, datiert auf lange Zeit zurück. In den Archiven der Wiener Kultusgemeinde finden sich derartige Anträge vom Jahre 1849, die in der Mitte des Vorstandes beraten und auch vom Rabbiner befürwortet wurden. Solche Versuche haben auch in späteren Jahren stattgefunden, wir finden sie wieder 1869 und auch in späterer Zeit. Als 1890 das Gesetz über die äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgemeinschaft gegeben wurde, wurde schon in dem Motivenbericht der Regierung und im Herrenhaus vom Berichterstatter und demjenigen, der als der Wortführer unserer Glaubensgenossenschaft das Wort nahm, dem verewigten Baron Königswarter, betont, daß jenes Gesetz, welches die Bildung der Kultusgemeinden verfügte, nur den Anfang einer Organisation bedeute, und daß aus der Mitte der Gemeinden heraus sich die größeren Verbände, Landes- und Reichsverband, entwickeln müssen. Es war daher zu begrüßen, daß auch in neuerer Zeit von verschiedenen Seiten, so dem Benai Brith und dem Gemeindebund, wieder ein Anlauf zu diesen Bestrebungen genommen wurde, so daß wir heute darangehen wollen, die Grundlage einer solchen Gesamtorganisation zu schaffen und sie der Regierung vorzulegen. Ich habe mich selbst mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Regierung ins Einvernehmen gesetzt und das Elaborat vorgelegt, das von Herrn Dr. Sonnenschein und Dr. F i a l l a ausgearbeitet wurde. Bekanntlich bestehen bereits seit langen Jahren solche Entwürfe, die die Zusammenfassung der jüdischen Religionsgesellschaft beabsichtigen; sie wurden im Ministerium wiederholt umgearbeitet, wenn sie uns auch bisher nicht mitgeteilt worden sind. Dasjenige nun, was Ihnen heute hier vorgelegt wurde, ist ein Entwurf, an welchem gewiß im Laufe der Zeit Aenderungen vorgenommen werden, da wir uns nicht der kühnen Hoffnung hingeben, daß unsere heutigen Beschlüsse auch schon morgen im Reichsgesetzblatt stehen werden. An solche kühne Hoffnungen ist der Österreicher nicht gewöhnt. Um aber demjenigen, was von uns der Regierung vorgelegt wird, eine gewisse Sanktion und Autorität zu geben, mußte Vorsorge getroffen werden — und ich habe auch in dieser Richtung Rücksprache gepflogen — daß auch die Persönlichkeiten und Korporationen, die hier sprechen, eine gewisse Berechtigung für sich in Anspruch nehmen können, namens der österreichischen Judenschaft das Wort zu führen. Aus diesem Grunde wurde der Entwurf an alle österreichischen Gemeinden verschickt und sie wurden eingeladen, Vertrauensmänner zu entsenden. Es mußte aber auch hinsichtlich der Persönlichkeiten, die hier zu beraten haben, eine gewisse Einschränkung getroffen werden, daß nämlich nur solche Personen namens der Gemeinde sprechen dürfen, die einem Kultusvorstand oder dem Ausschuß angehören, der diese Vorlagen beriet, ferner Reichsratsabgeordnete und selbstverständlich auch Rabbiner der Gemeinden. Wir haben daher nicht nur Rabbiner Wiens, sondern auch anderer größerer Kultusgemeinden geladen, ebenso auch die Vertreter der Gesamtrabbinerschaft, so der Verbände in Böhmen und Mähren. Bedauerlicherweise sind aus Galizien Absagen gekommen. Es wird Ihnen eine Zuschrift verlesen werden, welche Ihnen diese Absagen mitteilt. Ich bedauere diese Absagen und muß hier folgende Mitteilung machen. Laut einer Zeitungsnotiz soll die Absage des Kultusvorstandes von Krakau aus dem Grunde erfolgt sein, weil der Vorstand in dem vielfach befürworteten Anträge, sich nicht aus der Gesamtorganisation auszuschließen, durch die Aeußerung eines Vorstandsmitgliedes wankend wurde, es seien in dem vorbereitenden Ausschüsse alle seine Anträge, die sich auf galizische Verhältnisse bezogen und eine Aenderung dieser Vorlage zu gunsten Galiziens bezwecken, abgelehnt worden und es sei, da er keine Hoffnung hatte, daß Galizien in entsprechender Weise gehört werde, überflüssig, daß die Gemeinde Krakau hier vertreten sei. Ich muß erklären, daß wenn eine solche mir unglaublich erscheinen.de Mitteilung wirklich gemacht worden sein sollte, sie vom Anfang bis zum Ende unrichtig ist. Auch nicht eine Silbe ist wahr, und ich fühle mich verpflichtet, Ihnen die Vorgänge im Ausschuß bekanntzugeben. Bei den Vorberatungen waren drei Vertreter aus Galizien anwesend, aus Lemberg. Krakau und Stanislau. Sie erklärten gleich zu Beginn der Beratungen vorweg, daß die orthodoxe Bevölkerung Galiziens gegen eine solche Gesamtorganisation entschieden Stellung nehme, daß sie daher an den Beratungen des Ausschußentwurfes nicht teilnehmen, daß sie vielmehr dagegen Stellung nehmen und zwar aus Gründen der Autonomie der galizischen Gemeinden. Ungeachtet der Versicherung, daß auf die Verhältnisse Galiziens die möglichste Rücksicht genommen werden würde, entfernten sie sich aus diesem Sitzungssaals. An diesem Tische hier hat sich dieser Vorgang abgespielt, und es ist vollständig unwahr, daß irgend ein Antrag von galizischer Seite auch nur gestellt wurde. Da vielfach bemerkt wurde, daß in dem Entwürfe auf die Verhältnisse der strenggläubigen Glaubensgenossen nicht entsprechend Rücksicht genommen wird, habe ich auch eine entsprechende Vertretung dieser Richtung eingeladen. und freue mich, zwei Mitglieder des Vereins und ihren Rabbiner hier zu begrüßen. Die Herren können überzeugt sein, daß wir nichts unternehmen wollen, wodurch irgend eine religiöse Ueberzeugung, irgend eine rituelle Betätigung angegriffen werden soll. Ich glaube, die Herren wissen, daß gerade in diesem Saale nichts geschieht, wodurch ein Angriff versucht würde auf eine religiöse Ueberzeugung und deren Uebung. Run meine geehrten Herren, wollen wir an die Arbeit gehen, indem ich Ihnen noch einmal für Ihr zahlreiches Erscheinen danke. In diesem Augenblicke wendet sich unser Blick nach jener erhabenen Stelle, an welcher wir stets Schutz und Gehör gefunden haben, (die Versammlung erhebt sich) dem geliebten Monarchen, welcher uns so viele Beweise seiner Huld und Gewogenheit gegeben hat. Ich erinnere nur an den huldvollen Empfang der Wiener und der anderen Kultusgemeinden bei Seiner Majestät bei Ueberreichung der Huldigungsadresse anläßlich des Regierungsjubrläum!s. Ich bin überzeugt, daß ich den Gefühlen aller Anwesenden Ausdruck gebe, indem ich die Absendung eines Telegrammes folgenden Wortlautes vorschlage: Sekretär Kraus fliest) : An Seme kaiserlich und königlich apostolische Majestät Budapest, königliche Hofburg. Die im Sitzungssaale der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zur Beratung über die Schaffung einer autoritativen Gesamtorganisation der Iudenschaft Oesterreichs versammelten Delegierten der israelitischen Kultusgemeinden Oesterreichs erlauben sich. Euerer Majestät die ehrfurchtsvollste Huldigung zum Ausdrucke zu bringen. In den schweren Tagen, da über unserer Monarchie die Gefahr kriegerischer Verwickelungen schwebte, waren unsere Glaubensbrüder, gleich allen Bürgern dieses Reiches,