Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Setie 318 De. Vlochs Wochenschrift. Nr. 18 ligung des Zionismus an der Landes- und Staatspolitik und über das Verhältnis dieser Politik zu der zionistischen Partei. Die Diskussion über dieses Thema wurde in einem sehr erregten Tone geführt und es kam sogar zu sehr unliebsamen Szenen, wobei das Präsidium mehrfach angegriffen wurde. Zuletzt wurde die Resolution des Doktor Ringel angenommen, welche besagt, daß die zionistische Organisation für Galizien die politische Tätigkeit im Lande als eine vom zionistischen Programm inbegriffene betrachtet. Zum Präsidenten des galizischen Zentralkomitees wurde einstimmig Abg. Dr. Stand gewählt. Das Martyrium eines jüdischen Ingenieurs. Vor dem Geschworenengericht in Maros VMrhely in Ungarn wurde vergangene Woche in mehrtägiger Verhandlung ein Prozeß zu Ende geführt, der ein recht trauriges Bild über die Verrohung der ungarischen Gentry und ihren Judenhaß entwirft. Der jüdische Ingenieur Julius P ä r t o s (Pollak) wurde vorigen Sommer dienstlich in die Gegend von Maros Vüfärhely verschlagen. Als intelligenter Mensch suchte er Anschluß an die dortigen „Honoratioren", die ihm diese Annäherung nicht nur übel nahmen, sondern ihn systematisch zu kränken und öffentlich zu verhöhnen trachteten. An der Spitze dieser antisemitischen Maffia stand der Grundbesitzer Virgil G i a c o m u z z i, der mit wahrem Saddismus den jüdischen Ingenieur auf Schritt und Tritt verfolgte. Pärtos verbiß eine Zeit lang die Invektiven. Eines Tages aber, als Pärtos auf der Landstraße nach Maros Väsärhely fuhr, wurde er plötzlich von Giacomuzzi, der sich in größerer Gesellschaft befand und auf Pärtos zu warten schien, mit den Worten angehalten: „Du stinkender Jud' wozu bist Du in diese Gegend gekommen, geh' zurück nach Palästina!" und ohne eine Antwort obzuwarten, hieb Giacomuzzi mit der bereitgehaltenen Peitsche auf Portos ein. Da konnte der verfolgte und tief gekränkte Pärtos nicht mehr an sich halten, zog den Revolver und schoß seinen Widersacher nieder. Die Prozeßverhandlung, die mehrere Tage dauerte, war reich an sensationellen Wendungen. Die meisten Zeugen bestätigten, daß Giacomuzzi das Haupt einer antisemitischen Organisation war, die den jüdischen Ingenieur in der ganzen Gegend unmöglich machen wollte, und daß der Getötete wiederholt öffentlich erklärte: „Dieser Jude muß von hier verjagt werden!" Der unglückliche Pärtos wurde schließlich der „fahrlässigen Tötung" schuldig gesprochen und zu einem Monat Gefängnis verurteilt, die Strafe jedoch als durch die Untersuchungshaft abgebüßt erklärt. Das Auditorium brach bei Verkündigung des Urteils in Hochrufe auf den Präsidenten aus. Der Begründer des modernen Weltbades Pistyan gestorben. In Pistyan verschied am 19. d. M. im 73. Lebensjahre der Senior der Generalpachtung des Bades Pistian, Mitglied der Kongregation des Komitats Hont, AleXander Winter. Der Verblichene, der durch rastloses Streben, zielbewußte Energie und große materielle Aufwände Pistyan in den letzten 20 Jahren aus bescheidenen Anfängen zur heutigen Blüte emporgebracht, stand auch im Honter Komitat, wo er begütert war. in hohem Ansehen. Die Jpolysäger jüdische Schule, deren Begründer der Verblichene war, wählte ihn zum Ehrenpräsidenten. Auch andere gemeinnützige, namentlich aber humanitäre Institutionen fanden im Verstorbenen einen opferfreudigen Förderer. Sein hervorragendes Werk aber verkündet das musterhafte Arbeiterhospital in Bad Pistyan, eine soziale Institution von weittragender Bedeutung. die selbst im Auslände eifrige Nachahmer fand. Auf Tausende beziffert sich die Zahl derjenigen Armen und Mittellosen ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, die in diesem der Arbeit gewidmeten Hospital ihre Genesung wiedererlangten. In allen Kreisen gibt sich für den Verblichenen und seine Angehörigen die regste Anteilnahme kund. Meraner Genesungsheim des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten." Am 23. Jänner 1909 fand die Einweihung des neuen Hauses statt, am 26. desselben Monates wurde das Genesungsheim mit Kranken belegt. Vom 26. Jänner bis 1. Februar wurden 60 Pfleglinge ausgenommen, vom 1. Februar bis 15. Februar weitere 24, so daß zu diesem Termine das Asyl vollständig belegt war. Welche Mühe und Arbeit der Direktorin Fräulein Salus, dem Anstaltsarzte Herrn Josef Kohn durch diese rasche Einberufung der Kranken erwuchs, kann nur der ermessen, welcher in einem ähnlichen Institute vor und bei Eröffnung desselben tätig war. Mit Aufgebot aller Kräfte gelang es, trotz vielfacher Hemmungen im Betriebe, aller Hindernisse Herr zu werden und den Kranken ihren sehnsuchtsvollen Wunsch, in die Anstalt ausgenommen zu werden, zu erfüllen. Unter den 84, resp. 87 Pfleglingen waren aus Böhmen 12 (hiervon aus Prag 9), aus Deutschland 17, aus Wien 33, aus Mähren und Schlesien 11 (davon aus Brünn 4), die übrigen Kranken rekrutierten sich aus Galizien, Ungarn, Steiermark und Rußland. Dem Stande nach waren 40 Handelsangestellte und die übrigen verteilten sich auf Lehrer, Studenten, Uhrmacher, Juweliere, Tapezierer, Schlosser, Marköre, Techniker, Maler, Diamantschleifer, Schneiderinnen, Erzieherinnen, Modistinnen, Sängerinnen, Lehrerinnen usw. Verheiratet waren 15. Die Pfleglinge standen im Alter von lS1/^ bis 50 Jahren. .. Aus dieser vorläufigen Statistik, die wir, wenn möglich, monatlich veröffentlichen wollen, ist zu ersehen, daß aus allen Ländern, aus allen Ständen und allen Altersstufen in unserem Heime Hilfe gesucht wird. Für die Verpflegung, die aus sieben Mahlzeiten besteht, für die Wartung, Bedienung, Beheizung usw. haben wir einen Aufwand von zirka 90.000 Kronen zu bestreiten, hiervon sind zirka 50.000 Kronen ungedeckt. Wir mußten, um unsere Baurechnungen bezahlen zu können, den Betrag von 150.000 Kronen auf unser Haus aufnehmen und müssen auch diesen Betrag verzinsen und amortisieren. Wir sind daher auf die Subventionen aller Vereine, sowie auf die wohltätige Hand und das goldene Herz aller. Glaubensgenossen angewiesen. Wir bitten deshalb alle unsere Glaubensgenossen, uns zu unterstützen, uns Gelder einzusenden, unserem Vereine als Mitglieder beizutreten, damit wir imstande sind, die Verpflegskosten für unsere Pfleglinge zu bestreiten, dieselben ihrer Krankheit entsprechend zu nähren und auf diese Art und Weise uns behilflich zu sein, daß wir unsere armen Glaubensgenossen wieder ihrem Berufe zuführen können. Wir glauben, keine Fehlbitte getan zu haben, und bitten, die milden Gaben an die Adresse: „Verein Asyl für mittellose kranke Israeliten iin Meran" oder Dr. Wilhelm Hersch, Meran, Winkelweg gütigst einzusenden. Die Amtssprache des Chacham Baschi von Konstantinopel. Der Chacham Baschi von Konstantinopel, Rabbi Chajim Nahoum, erließ an die Oberrabbiner aller ihm unterstehenden Gemeinden ein Rundschreiben, in welchem er sie beauftragt, sich in allen an ihn gerichteten Zuschriften ausschließlich der hebräischen Sprache zu bedienen. In dem Rundschreiben heißt es, daß