Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 319 die meisten an ihn gerichteten amtlichen Zuschriften in allen möglichen Sprachen, u. a. auch serbisch, deutsch, holländisch usw., nur nicht in der hebräischen Sprache abgefaßt seien und es schwer sei, für alle diese Sprachen Uebersetzer in konstantinopel zu finden. Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraelite Universelle. In Kirmanschah in Persien ist das Judenviertel ausgeraubt worden. Den Vorwand bot die Ausstreuung, daß ein „Seyed", das ist ein von Ali abstammender Priester, im Dienst eines Juden stehend, von dielen mißhandelt worden und zu Tode gekommen sei. Es war kein Wort davon wahr, aber es reichte aus, eine regelrechte und vollständige Ausplünderung des Judenviertels herbeizuführen. Die Konsuln, an der Spitze der englische Konsul, haben die Abberufung des Gouverneurs verlangt, der nichts getan hatte, um die Plünderung hintanznhalten. Der englische Konsul besteht auch unbedingt auf Entschädigung der Beraubten. Die Alliance Jsraölite Universelle, von den Unglücklichen um Hilfe angegangen, hat sofort telegraphisch 6000 Francs für die erste Hilfeleistnng nach Kirmanschah überwiesen. Die Qualen eines gewesenen jüdischen Dumadeputierten. Aus Petersburg wird berichtet: Im Umaner Gefängnis liegt der gewesene jüdische Dumadeputierte F. F r ä n k e I, der wegen der Unterzeichnung des Wyborger Aufrufes interniert ist, an einer Lungenentzündung krank darnieder. Zahlreiche Freunde des kranken verwendeten sich dafür, daß der Schwerkranke in ein Spital übergeführt werde. Selbst der Umaner Stadtarzt erklärte in einem Briefe an den Obersten Eefängnisverwalter kategorisch, daß der Zustand Fränkels sehr bedenklich sei. Die Verwaltung des Umaner Gefängnisses erklärt allen diesen Vorstellungen gegenüber, daß der „Zustand Fränkels nicht ernster sei, als vieler anderer kranker Arrestanten, die gleichfalls nicht ins Spital übergeführt würden", und verweigert die Spitalsbehandlung des vollständig herabgekommenen Deputierten Fränkel. Die Freunde Fränkels sind um sein Leben ernstlich besorgt. Aus den Geheimnissen der russischen Reaktion. Die Mörder Herzensteins von dem Verband russischer Leute gedungen. Petersburg, 25. April. In dem Prozesse wegen der Ermordung des Dumamitgliedes Herzenstein ist eine sensationelle Wendung eingetreten. Der Zeuge Brussakow, der ehemalige Privatsekretär des Präsidenten des Verbandes des russischen Volkes, Dubrowin, erklärte, dieser habe ihn beauftragt, für 15.000 Rubel Jemanden zur Ermordung Herzensteins zu dingen. Er habe aber abgelehnt und um die Entlassung aus den Diensten Dubrowins ersucht. Nach der Ermordung, Herzensteins habe einer der Teilnehmer an dem Morde, Juskewitsch, von dem Verbände 4000 Rubel erhalten. Als Juskewitsch von dem Verbände weitere Summen erpressen wollte, habe der verstorbene Johann von Kronstadt 10.000 Rubel gestiftet. Als führend in dem Verbände bezeichnete Brussakow Dubrowin, Bubazel und den Fürsten ÄLolkonski. Dr. Dubrowin, Präsident des Allrussischen Verbandes, ist auf Requisition der finnländischen Gerichte als Anstifter des Mordes an Herzenstein verhaftet worden. * * * Die Meldung von der Verhaftung Doktor Dubrowins kann nicht verfehlen, in allen Kreisen, in denen man über die Vorgänge in Rußland informiert ist, geradezu Sensation zu erregen. Der Präsident des Allrussischen Verbandes erfreut sich des unmittelbaren Schutzes und der persönlichen Gunst des Zaren. Auf seine Intervention wurden bisher alle von russischen Gerichten gegen die Veranstalter und die Verüber der Pogroms gesprochenen Urteile vom Zaren im Gnadenwege aufgehoben. Und nun unternimmt die russische Justiz, die — sofern sie nicht von Kriegsgerichten ausgeübt wird — im Zarenreiche wegen ihrer oft bewiesenen Unabhängigkeit und Mannhaftigkeit vielfach die Anerkennung selbst radikalster Kreise findet, einen direkten Angriff auf Dr. Dubrowin. Man kann auf die weitere Entwicklung dieser Affaire umso gespannter sein, als der Justizminister Schtschegliowitow und die höhere Justizverwaltung im Lager der Reaktion stehen und als die Verhaftung auf Requisition der finnländischen Gerichte erfolgt ist, die, gleich allen Institutionen Finnlands, von Dubrowin stets aufs lebhafteste bekämpft wurden. Der Ausgang der Affaire Dubrowin wird geradezu richtunggebend sein für den weiteren Kurs der inneren Politik Rußlands. Vermischtes. Allgemeiner Oefterreichifch - Israelitischer Bund Am 4. Mai 1909, 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, 1., Seitenstettengaffe 4, der Gemeindetag statt. Tagesordnung: Beschlußfaffung über den vorgelegten Entwurf zur Schaffung einer autoritativen Gesamtorganisation der Juden Oesterreichs. Wien. (Bet h-H ainiv rasch „T a l m u d-T Hora", Malzgasse 16.) Samstag den 1. Mai 1909, 1'24: Uhr nachmittags, findet im Bethause ein Vortrag Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schiniedl statt. Thema: „D i e Ehrfurcht und Liebe zu den Eltern ist die Quelle aller Tugenden." Wien. Die „Wiener-Zeitung" vom 22. April 1909 bringt eine Verlautbarung, wonach die Wirksamkeit des Gesetzes vom 2. August 1908, betreffend die Befreiung von aus Anlaß des sechzigsten Regierungsjahres des Kaisers errichteten Stiftungen und Widmungen von den Stempel- und unmittelbaren Gebühren, bis zum 1. Juli 1909 verlängert wird. Durch dieses Gesetz kommt allen jenen aus obigem Anlaffe errichteten Wohltätigkeits- Stiftungen, welche bis zum 1. Juli d. I. ins Leben treten, die Befreiung von allen mit der Errichtung verbundenen staatlichen Gebühren (l0"/g des gestifteten Kapitales) zugute. Wien. (Versorgung der Pfleglinge in den Landesheil- und Pflegeanstalten „Am Steinhof" mit ritueller Passahkost.) Heuer übertrug der löbliche Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien die Verpflegung dem Tempelverein des 13. Bezirkes, weil die Anstalten „Am Steinhos" in diesem Bezirke liegen. Die löbliche Bezirkskommisfion der israelitischen Kultusgemeinde für den XII. bis XV. Bezirk war durch ihren Obmann Herrn Samuel Mohr, der stets mit Umsicht und Gewandtheit die jüdischen Interessen der Bezirke vertritt, mit dieser Anordnung einverstanden und dabei behilflich. Der Tempelverein übertrug dem im Bezirke und in der Nähe der Anstalten wohnenden Herrn Seide Komet die Verpflegung während der neun Paffahtage. Es wurden 79 Pfleglinge versorgt, und zwar in glänzender und einwandfreier Weise, die das Wohlgefallen der kontrollierenden Herren des Tempelvorstandes, der Herren Karner, Popper und Herzog, fand. In minutiöser Weise wurden von Herrn Komet Veranstaltungen getroffen, daß das Effen Früh, Mittag und Abend den Pfleglingen warm, reichlich, gut und streng rituell verabreicht wurde. In einer halben Stunde waren alle Pavillons bedient. Die Küche war in einem Hause nächst dem Tore der Anstalt etabliert und 7 Diener besorgten die Zustellung. Alle, die Gelegenheit hatten, zu sehen, wie diesmal die Paffahkost verabreicht wurde, werden dem löblichen Kultusvorstand, dem Hietzinger Tempelverein und Herrn Komet Lob und Anerkennung spenden. Chewra-Kadifcha Fünfhaus. Zu Vorstands- und Ausschußmitgliedern unserer Chewra-Kadischa wurden gewählt die Herren: Julius Fritz und S. M. Höuigsberg.