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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-30 · 18 (30.4.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 313 Millionen zu geben, wenn sie nicht weiter lamentiert und die Annexion anerkennte Der Ministerrat willigte ein. Als er aber dann mit dem türkischen Unterhändler, der die klingende Abfertigung im Prinzipe akzeptiert hatte, verhandelte, habe ihn Aehrenthal gefragt: Wie viel verlangt Ihr? Hundert Millionen, war die Antwort. Hundert Millionen? Das ist ungeheuer viel, sehr viel. So viel kann ich nicht geben. Höchstens fünfzig Millionen. Nicht einen Knopf mehr. Und das Abkommen wurde mit 65 Millionen abgeschlossen. Der Publizist zählt noch eine Reihe solcher Züge aus der Politik Aehrenthals auf und schließt: Aehrenthal ist Jude, Jude, Jude! . . . Ein zweiter Fall, der noch romantischer klingt. Ein Mitarbeiter der englischen „ Mornin g Post" hat irgend einen Grund, auf den Verfasser des „Sherlock Holmes", Conan Doyle, recht böse zu sein und er setzt sich hin und „stempelt" den Helden Sherlock zum Juden. Der Autor weist nach, daß das Urbild des „Weltdetektives" im — Talmud zu finden sei. Der nächste Ahne Sherlocks sei demnach Voltaires berühmter „Zadig", der sich derselben Methode bedient, wie Sherlock. Voltaire selbst wird nebenbei des Plagiats an einem Schriftsteller aus dem Anfänge des achtzehnten Jahrhundertes beschuldigt. Es ist dies De Mailly, dessen „Trois Princes de Sarendip“ im Jahre 1719 erschienen ist. De Mailly wieder habe einfach den Italiener Christophero Armeno übersetzt und dieser schließlich entnahm den Stoff einem persischen Buche. So werden wir bis zum Talmud zurückgeführt, woselbst sich die bekannte Erzählung von dem Juden findet, der aus den Spuren des Kamels genau zu folgern versteht, ob das Kamel von einem Juden oder einem Heiden geführt wurde, und andere Wunderdinge mehr. Diese „Entdeckung" wurde nun von den judenfeindlichen Blättern aufgegriffen, um zu „beweisen", was für „schauderhaftes" Buch dieser Talmud ist. Und nun noch das dritte „Opfer". Der in in allen Weltteilen gefeierte Sänger Enrico Caruso hat angeblich, seine Stimme verloren. Und wenn ein Sänger seine Stimme verliert, was bleibt ihm da noch übrig? Er sinkt zum Nichts herab, er wird — Heinrich Kohn. In deutschnationalen Blättern las ich vor Kurzem die folgende Notiz: Enrico Caruso — Heinrich Kohn. Anläßlich der Meldung, (eie!) daß der gefeierte Tenorist Caruso seine Stimme verloren hätte, erinnern galizische Blätter daran, daß Caruso ein Oesterreicher sei und einer bekannten galizischen Kantorsfamilie namens Kohn entstamme. Caruso selbst war noch in Galizien als Tempelsänger tätig, ging aber dann zur Ausbildung seiner Stimme nach Italien, wo er sich naturalisierte und zuerst Cahn, dann Caruso nannte. (??) So lange Caruso noch der gefeierte Heldentenor war, „erinnerte sich Niemand an seine jüdische Abstammung, erst „anläßlich der Meldung", daß er seine Stimme verloren habe, wird er zum Juden „gestempelt". _ A f f u r. Heber die Ruinenstätte der ältesten Hauptstadt des assyrischen Reiches, Assur, veröffentlicht F r d. Delitzsch in Nr. 26 von „Ueber Land und Meer" ein ausführliches Feuilleton, aus dem uns besonders die nachfolgende Schilderung interessiert: „Es ist eine weltgeschichtliche Stätte, auf die wir von der Sigurrat hinabschauen. Auf dieser Höhe also hatten sich zuerst jene von Babylonien ausgegangenen Militärkolonien angesiedelt, die allmählich die ganze Ebene zwischen unterem und oberem Zab den früheren (hettischen?) Bewohnern entrissen und, schon sehr frühzeitig über den oberen Zab hin sich ausdehnend, in Ninive einen weiteren Stützpunkt gewannen. Hier lag das affyrische Nationalheiligtum, der dem Gotte Assur geweihte Tempel Eschara, ursprünglich „der Tempel des (großen) Länderberges", E-charsag- (gal-) kurkura genannt. Hier residierte während des langen Zeitraumes von mehr als 1200 Jahren die erste, älteste, affyrische Dynastie, die in zum Teile langer, ununterbrochener Reihenfolge von Vater und Sohn gegen 60 Priesterkönige dem assyrischen Staate gegeben. Affur war und blieb das Herz des assyrischen Reiches, das von einem ungewöhnlich kleinen Stammlande aus mit einzigartiger Expansionskraft und in fast immer aufsteigender Entwicklung zu einem Machtgebiet ohnegleichen gelangte. Aus den altehrwürdigen Mauern dieser Stadt zogen im vierzehnten Jahrhundert vor Christus unter ihrer Könige persönlicher Führung die tapferen affyrischen Heere aus, um in jahrhundertelangem Ringen mit gleich tapferen und in unnahbaren Felsenburgen hausenden Bergvölkern nach Nord, Nordwest und Nordost dem jungen affyrischen Staat sein kleines Territorium zu sichern; von hier aus gründete Salmanaffar I. (um 1320 v. Chr.) eine assyrische Militärkolonie in der Nähe von Amed, dem heutigen Dior» bekr, und ging dann eine lange Reihe von Helden auf dem affyrischen Thron mit bewunderungswürdiger Zähigkeit und Zielbewußtheit da^u über, durch Mesopotamien hin und über den Euphrat hinaus nach dem großen Meere des Westens zu die Herrschaft zu erweitern und Egypten die Vorherrschaft über die Mittelmeerländer zu entreißen. Trotz mächtiger ihr sich entgegenwerfender Feinde, wie der Hettiter, schreitet die assyrische Macht in nimmer ruhenden Kriegs- und Siegeszügen, auch durch Niederlagen nicht gebeugt, von Etappe zu Etappe: von Hamoth nach Damaskus, von Damaskus nach Samarien und Philistäa, von Asdod nach Memphis; das Mutterland Babylonien selbst muß immer vollständiger der affyrischen Oberherrschaft sich beugen; noch wenige Jahrzehnte vor Ninives Fall sehen wir die affyrischen Soldaten dru. ten im fernen Südwesten das egyptische Tvcben erstürmen und im Osten Susa, die Hauptstadt Elams, erobern — einem Adler vergleichbar, umspannt und umklammert das affyrische Königtum mit weit ausgebreiteten Schwingen die äußersten Enden erreichbarer Machtspäre, um plötzlich (606 v. Chr.), von dem Pfeilschuß des nordischen Meders ins Herz getroffen, jählings zusammenznbrechen' auf der höchsten Höhe des Ruhmes den Heldentod sterbend. Und wenngleich Asurnazirpal um 680 Kelach sich zur Residenzstadt erkor und später während des letzten Jahrhunderts des assyrischen Weltreiches Ninive deffen alles überstrahlende Metropole bildete, so behielt Affur als Sitz des Nationalheiligtums dennoch seine hohe Bedeutung, also daß auch noch die jüngeren Könige bis herab auf Asurbanipal und Sin-sar-iskun der Stadt Affur ihre besondere Fürsorge zuwandten." Luigi Luzzatti über Judentum und Liberalismus. Aus Rom wird uns geschrieben: Anläßlich der Diskussion über ein zu schaffendes Gesetz, betreffend die soziale Fürsorge der italienischen Arbeiter im Oberrate. Vertretung aller Arbeiterorganisationen, also auch der nicht sozialistischen, im permanenten Komitee ausgesprochen. Das sozialdemokratische Organ „Avanti" griff Luzzatti deshalb heftig an, indem es ihn wiederholt höhnisch als „L'Israelita e laico Luigi Luzzatti" apostrophierte. Luzzatti richtete hierauf an den „Avanti" ein Schreiben, in welchem sich die folgenden Stellen finden: „Geehrter Herr Kollega! Sie sagen in Ihrem Blatte, daß im Oberrate für soziale Arbeiterreform nur eine Stimme sich zugunsten der Gelben meldete, (so werden die nicht sozialistisch-organisierten, christlichen Arbeiter, im Gegensätze zu den „roten" Sozialdemokraten genannt. Anmerk. d. Red.), u. zw. diejenige des „Israeliten und Laien Luigi Luzzatti". Es wird daher gut sein, sich auch über diesen so delikaten Punkt mit voller Klarheit zu verständigen. Ein Teil der Arbeiter hat sich Genossenschaften mit überwiegend konfessionellem Charakter angeschlossen, ein Vorgang, der meinem von jeher verkündeten und hochgehaltenen Ideal der Brüderlichkeit aller anständigen, arbeitsamen Elemente ohne Rücksicht auf ihr politisches und religiöses Programm sicherlich nicht entspricht. Das Arbeitskomitee muß jedoch, wie ich dies in meiner Parlamentsrede auseinandersetzte, alle die vielfältigen Aspirationen und Bedürfnisse der großen Volksseele vertreten und berücksichtigen. Genau so, wie die Liberalen und Sozialisten, die Befürworter der sozialen Solidarität und die Beschützer des sozialen Klassenkampfes, in diesem Komitee Sitz und Stimme haben, gebühren sie auch den Vertretern der anderen Organisationen. Indem die Diskussion auf diese Weise in einen Konvent von Vertretern verschiedener Interessen gebracht wird, kann an die Betrachtung aller zu gunsten der Schwachen vorgebrachten Vorschläge geschritten und können alle Berührungspunkte in der gemeinsamen Arbeit

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