Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 31$ Dr. Blochs Wvchenschrfft. Nr. 18 Folge zu leisten, obwohl er weder anderweitig beschäftigt, noch sonstwie verhindert war, sondern im Gasthause bei seiner Stammgesellschaft sah. Herr Schenk richtete gegen Dr. Pittroff eine Beschwerde an die Bezirkshauptmannschaft Tepl, welche dieselbe mit der Begründung zurückwies, dah in dem Vorgehen Dr. Pittroffs eine Verletzung der ärztlichen Pflichten nicht zu erblicken sei. Gegen diese unbegreifliche Entscheidung hat Herr Schenk durch unser Rechtsschutzbureau den Rekurs an die Prager Statthalterei ergriffen, und überdies haben wir die Strafanzeige beim Bezirksgericht und die Anzeige an die Aerztekammer für Böhmen veranlaht. Die Erledigung dieser erst in jüngster Zeit anhängigen Angelegenheit steht noch aus. Gegen die Verletzung des Marktrechtes durch den Gemeindeausschuh von Eg er, welcher im Widerspruche mit dem Staatsgrundgesetze und den diesbezüglichen Bestimmungen der Gewerbeordnung allen tschechischen und jüdischen Händlern und Verkäufern, ohne Ausnahme, die Zuweisung von Standplätzen für die Märkte in Eger zu versagen beschloh, haben wir das staatliche Auflichtsrecht angerufen und die Sistierung des ungesetzlichen Beschlusses erwirkt. Ferner haben wir gegen die von der Gutsverwaltung des Grafen Lanckoronski unter tätiger Mithilfe der Bezirkshauptmannschaft Czortkow betriebene Beschränkung des.uralten und wohlverbrieften Marktrechtes der Gemeinde Ulasykowce, durch welche zahlreiche Juden in ihrem Erwerbe schwer geschädigt wurden, bei der k. k. Statthallerei in Lemberg Vorstellung erhoben. Gegenüber der Stadtgemeinde Turnau, welche das gesetzliche Recht des Rabbiners, gleich den Geistlichen der anderen staatlich anerkannten Konfessionen in den ersten Wahlkörper eingereiht zu werden, anfocht, haben wir dieses Recht bis zum Verwaltungsgerichtshofe mit Erfolg durchgekämpft. Ungesetzliche Stellenausschreibungen, in welchen der Grundsatz verletzt wurde, dah die Zugänglichkeit der öffentlichen Aemter vom Religionsbekenntnisse unabhängig ist, wurde im Berichtsjahre von der Stadtgemeinde Innsbruck, der k. k. Statthalterei für Tirol und Vorarlberg, dem k. k. Oberlandesgerichte in Brünn, den Stadtgemeinden Asch und Komotau verlautbart. In all diesen Fällen haben wir die Annullierung der ungesetzlichen Ausschreibung und ihre Wiederholung ist gesetzlicher Form bewirkt. Von den übrigen zahlreichen Aktionen des Rechtsschutzbureaus sei uns gestattet, nur noch eine wegen ihrer besonderen Wichtigkeit hervorzuheben. Im letzten Ausgleiche zwischen Oesterreich und Ungarn wurde vereinbart. dah Angehörige des einen Staatsgebietes im anderen Staatsgebiete keinen Hausierhandel betreiben dürfen. Diese Bestimmung bedrohte etwa hundert Hausierer, welche ungarische Staatsbürger, aber seit Jahrzehnten in Wien ansäflig sind, mit dem Verluste ihres Erwerbes. Die einzige Rettung dieser armen aber ehrlichen Menschen und deren Familien lag in der raschen Erwerbung des österreichischen Staatsbürgerrechtes für dieselben. Wir leiteten, im Verein mit dem Präsidenten des Hausierer-Unterstützungsvereines, Herrn Dr. Arnold Ascher, eine Sammlung zur Bildung eines Fonds ein, aus welchem für die Aufnahmswerber die erforderlichen Taren bestritten wurden. Die Sammlung ergab bisher den Betrag von zirka 4000 Kronen, und es hat überdies die israelitische Kultusgemeinde noch einen Beitrag von 500 Kronen zugesagt. Unser Rechtsschutzbureau führte nun mit möglichster Beschleunigung die Einbürgerung der erwähnten Hausierer in mährische Jsraelitengemeinden und sonach deren Aufnahme in den österreichischen Staatsverband durch. Wir sprechen hier allen jenen edlen Menschenfreunden, welche diese Aktion durch Geldspenden förderten, unseren wärmsten Dank aus! Im abgelaufenen Vereinsjahre sind der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" 608 Mitglieder neu beigetreten. Diesem Zuwachs steht ein Ausfall von 517 Mitgliedern gegenüber, die wir infolge Ablebens, Austrittes usw. streichen muhten, so daß am 15. April 1909 unser Mitgliederstand sich auf 7827 belief. Unser Sekretär hat in der Zeit vom 7. Mai bis 4. Juni 1908 eine Reise durch Mähren unternommen und in folgenden Kultusgemeinden Vorträge abgehalten: in Lundenburg, Ung.-Hradisch, Prerau, Ung.-Ostra, Bisenz, Leipnik, Walachisch-Meseritsch, Wsetin, Mähr.-Weihkirchen, Friedek-Mistek, Göding, Damboritz, Kremsier, Eaya, Wischau, Pohrlitz, Eibenschitz, Nikolsburg und Trebitsch. Ueberdies sprach Herr Fleischer noch am 27. Mai in Wiener- Neustadt. In allen diesen Gemeinden fand unser Delegierter die freundlichste Aufnahme und gewann dem Verein eine beträchtliche Anzahl neuer Mitglieder. Das Bureau weist eine weitere Steigerung seiner Agenden auf: Der Einlauf betrug im Berichtsjahre 2347 Geschäftsstücke, während 2065 ausgingen. Für Propaganda- und Kalender-Expedition wurden 17.413 Briefe, im ganzen sonach 19.478 Briefe versendet. — Die Vereinsagenden wurden in 7 Vorstands- und 5 Präsidialsitzungen erledigt. Der „Union-Kalender" hat im abgelausenen Jahre eine Einnahme von 5659.45 Kronen gebracht, denen 3871.07 Kronen an Ausgaben gegenüberstehen. Der Reinertrag beläuft sich daher auf 1788.38 Kronen, um 132.10 Kronen weniger als im Vorjahre. Unsere Versammlungstätigkeit erfuhr im Berichtsjahre einen erfreulichen Aufschwung, und die von uns veranstalteten Vorträge, welche zumeist Themen von lebendigster Aktualität betrafen, waren überaus zahlreich besucht. Zur Besprechung der Landtagswahlen hielten wir am 21. Oktober 1908 eine Plenar-Versammlung ab. In den Monaten Jänner und Februar veranstalteten wir einen vielbemerkten Vortragszyklus. Es sprachen am 11. Jänner im Saale des „Hotel Post" Hof- und Gerichtsadvokat Dr. R. Schwarz-Hiller über „Staatsbürgerrecht und Boykott", am 21. Jänner im Saale des niederösterr. Gewerbevereines Dr. Stephan Darnau über „Die palästinensische Jüdin am Putztis ch", am 11. Februar Reichsratsabgeordneter Dr. Arthur Mahler über „Die Taufbewegung" und am 24. Februar Dr. Isidor Samuely über „Die Reform der Armenpfleg e". Mit tiefem Schmerze erfüllte uns der am 5. Juni 1908 erfolgte unerwartet frühe Tod unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes, des Herrn Kommerzialrates Emanuel K.a uders, deflen kluges und maßvolles Wesen, deflen treffsicheres Urteil und deflen warme und hingebende Liebe zum Judentums ihn zu einer unschätzbaren und schwer zu ersetzenden Kraft im Schoße unseres Vorstandes machten. Das Andenken Emanuel Kauders wird in unserem Vereine unvergänglich bleiben. An Stelle des Dahingegangenen wurde Herr Architekt und Stadtbaumeister Edmund Melcher in die Vereinsleitung kooptiert, und wir hoffen, dah die Generalversammlung diese Berufung ratifizieren werde. Auch heuer hat der Tod in den Reihen unserer Mitglieder eine nur allzu reiche Ernte gehalten. Wir gedenken zunächst des vor wenigen Tagen vorzeitig abberufenen Wiener Anwaltes Dr. Friedrich E l b o g e n, der mit der ihm eigenen Jmpetuosität und Zähigkeit, wenn auch Abseits von der durch uns verfolgten Richtung, für die Befreiung des verurteilten Hilsner tätig war, Wir betrauern ferner das Ableben der Herren: