Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 17 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Serie 286 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 17 Unterstützungen an Arme, für Medikamente an Kranke, sowie zu Bestattungskosten für Mitglieder verwendet wurden. Besonderen Beifall findet die Mitteilung des Vorfitzenden, daß die Krankengelder für Mitglieder auf 16 Kronen pro Woche erhöht wurden. Das Vorstandsmitglied Herr Max Haas begeht das 25jährige Jubiläum seiner Tätigkeit als Vereinsvorsteher. Die Generalversammlung spricht ihm hiezu die Glückwünsche und den Dank für seine ersprießliche pflichteifrige Tätigkeit aus. Der Vorsitzende beantragt ferner, Herrn Moriz B l ö d y in Anerkennung seiner langjährigen Tätigkeit zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Der Antrag wird angenommen. Bei den hierauf vorgenommenen Neuwahlen wurden die Herren Präses Heinrich N e u f e l d, Max Haas und Jakob Fritz auf drei Jahre wiedergewählt, in den Ausschuß die Herren Bethausvorsteher Hermann Weinberger, Pferdehändler Wilhelm Glaser, sowie F. M. Hö.nigsb erg neugewählt, als Revisoren die Herren Anton Pick und Isidor Spitz. Mit dem Danke für das zahlreiche Erscheinen der Mitglieder schloß der Vorsitzende die Generalversammlung, der sogleich die Konstituierung des Vorstandes und der Sektionen folgte. Bei dieser wurde Herr Heinrich N e u f e l d wieder einstimmig zum Präses gewählt, Herr Jakob D u s ch i n s k y zum Präsesstellvertreter, Hrrr I. L ö w y als Kassier, Herr Al. Simon als Schriftführer, die Herren Max Haas und Moriz Weiß als Kontrollore. Die Herren Jakob Fritz. Arnold Landsberger, Hermann Weinberger, Jonas K ö a i g st e i n, Wilhelm Glaser und F. M. Honigsb e r g wurden in die verschiedenen Sektionen eingetcilt. Baden. (Neuwahlen.) Am 18. d. M. fanden in der israelitischen 51ultusgemeinde Baden Neuwahlen der Vertretungskörper statt. Wiedergewählt in den 51ultusausschuß wurden die Herren: Moriz Leitner, Sigmund Nausnitz, kais. Rat Dr. Emil Raab, Simon Mandl, Jakob 51 ohn, Anton Schneider, Albert Deutsch, Moriz Daniel, Alois Fleischmann, Bernhard Rosner, Ludwig Lackenbacher,- neugewählt: Herr Alfred Leitner-, als Ersatzmänner wurden gewählt die Herren: Gottfried Flaschner, Philipp R o t h o l z, Leopold Weißmann und Mathias Adler. Als Vertrauensmänner in den verstärkten 51ultusausschuß wurden gewählt die Herren: Ernst Hönigsberg, Ignaz Lederer. Alerander Spitzer, Gustav Ödenburger, Adolf 51 ohn, David Daniel, Mar L ö b l, Adolf Weiß, Dr. Mar Bauer, Bronislaw Herz, Mar Schwarz und Dr. Felir Horn. Die 51onftituierung des Vorstandes findet in 14 Tagen statt. Nyiregyhäza (Ungarn). Die vor einem Vierteljahrhundert zu trauriger Berühmtheit gelängte Stadt Nyiregyhüza war heute der Schauplatz einer denkwürdigen Feier, an der die ganze Stadt ohne Unterschied der Konfcffion teilgenommen hat. Es wurde nämlich Oüerrabbiner Dr. Bela Bernstein, der 16 Jahre in Steinamangcr tätig war, anläßlich seines Amtsantrittes als Oberrabbiner der Status quo israelitischen Gemeinde mit hierzulande noch nicht dagewesenem Pomp begrüßt. Alle Bürger, Groß und Klein, alle Spitz:n der Behörden beeilten sich, der Amtseinführung ein feierliches Gepräge zu geben und dem an Tugenden reichen Seelsorger, dessen glänzender Ruf die Herzen eroberte, ihre Reverenz zu bezeigen. Allerdings ein erfreuliches Zeichen, der Zest! Die Stadt, in der noch vor 25 Jahren die Gerichtsverhandlung eines Ritualmordprozesses, von den Sym- . vathien der ganzen nichtjüdischen Bevölkerung begleitet, stattfaud, feierte heute einen jüdischen Seelsorger bei seinem Einzuge mit allgemeiner einmütiger Begeisterung! Kein Mißton störte diese Feier, an die sich der Anfang einer neuen Epoche unserer Gemeinde knüpft. Hoffentlich wird die Amtstätigkeit dieses Mannes unsere Institutionen zum Frouimen und Nutzen der hiesigen Judenschaft auf den gewünschten Höhepunkt bringen, auf dem sie schon lange stehen sollten. _ E. Blumgrund. Alliance Jsraelite Universelle. (Deutsches Bureau.) Berlin. Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle versendet soeben den Bericht des Herrn Rabbiners Dr. Porges-Leipzig, den er jüngst über die mit Herrn Professor Israel Levi - Paris unternommene Inspektionsreise zu den Orientschulen der Alliance erstattet hat. Der Bericht, der in seinen Einzelheiten bedeutsame Aufschlüsse über das 51ulturwerk der Alliance gibt, kommt zu folgenden Ergebnissen: 1. Die Anklagen, die gegen die religiöse Richtung der Allianceschulen, gegen die religiöse Führung ihrer Lehrer und ehemaligen Schüler vorgebracht worden, sind unbegründet, irrtümlich erhoben oder tendenziös erdichtet oder auch ungerechtfertigte Verallgemeinerungen bedeutungsloser Einzelfälle. 2. Der Religionsunterricht an den Allianceschulen, weit entfernt davon, das jüdisch-religiöse Gefühl zu schwächen, hat vielmehr dazu beigetragen, dieses Gefühl zu stärken und der Heranwachsenden Jugend aufrichtige Liebe zum Judentum, wie auch Verständnis und Eifer für die Ehre des Judentums einzuflößen. Der von der Alliance zuerst eingeführte Unterricht in der jüdischen Geschichte hat sich als wertvolles Mittel zur Hebung des jüdisch-religiösen Sinnes bewährt. 3. Der hebräische Unterricht an den Allianceschulen ist durchschnittlich genügend, an einigen Schulen sogar sehr gut. Verständnis aller leichteren Stücke der Bibel im Urteil wird in der Mehrzahl der 51nabenschulen erreicht, genaue 51enntnis des Gebetbuches und geläufiges Beten überall von 51naben und Mädchen, das Auswendigwissen eines großen Teiles des Gebetbuches und die volle Beherrschung des gottesdienstlichen Gebetstoffes von den Knaben. Wv der hebräische. Unterricht zu wünschen übrig läßt, liegt die Schuld an den ungeeigneten vädagogisch ungeschulten Lehrkräften, den Rabbinern alter Schule, denen nach hergebrachter feststehender Sitte der hebräische Unterricht in den Gemeinden des Orients anvertraut wird und vorerst nicht aus den Händen genommen werden kann. Sache der Alliance wird es sein, hierin eine Besserung anzubahnen und allmählich herbeizuführen. Der Unterricht, wie auch die religiöse Erziehung und die damit eng verbundene sittliche Ausbildung, die die Schüler und Schülerinnen der Alliance erhalten, entspricht durchaus den religiösen, sittlichen und materiellen Bedürfnissen der dortigen israelitischen Bevölkerung. 4. Es ist eine Verkennung und Entstellung der Tatsachen, wenn gesagt wird, daß die Schulen der Alliance nur wenig zur geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Hebung der Gemeinden beigetragen haben. Das Gegenteil ist der Fall. Weitreichend -und tiefgehend ist der Segen, den die Allianceschulen gestiftet haben. Was die Türkei an besseren Elementen unter den Juden aufzuweisen hat, die vielen durch Bildung, Wohlhabenheit, Lebens- und Ehrenstellung Einfluß und Ansehen hervorragenden Israeliten der Türkei, insbesondere die leitenden Männer in den größeren Gemeinden, sind fast alle durch die Schulen der Alliance hindurchgegangen. Gewesene Schüler der Alliance stehen überall an der Spitze, wo es gilt, Bildung und Wifien zu verbreiten. Wohltun zu üben, Gutes anzuregen und zu fördern!, die Ehre des Judentums zu vertreten und zu erhöhen, das Wohl des Vaterlandes zu heben und zu mehren. Von den Schülern und Schülerinnen der Alliance ist die äußere.Hebung und innere Kräftigung des Judentums im Orient ausgegangen, und auf diesem Wege wird der geistige, sittliche und wirtschaftliche Fortschritt der jüdischen Bevölkerung, wie bisher immer weiter sich vollziehen.