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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-23 · 17 (23.4.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
17 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Seite 295 Dr. Blochs Wochenschrift. auck> nicht die Literatur des Volkes, unter dem sie lebten, die sie kennen lernten, war es auch nicht des Volkes Schrift, deren sie sich bedienten, so konnten sie doch immerhin ihre jüdische Schrift schreibenso konnten sie doch immerhin lesen, und zwar ein Buch und solche Worte lesen, die nicht allein ihre ganze Geistestätigkeit herausforderten, sondern ihnen den Schatz des Bildungs- und Erziehungsmaterials boten, welches heute noch die Grundlage einer jeden Erziehung bildet. Und so wußten sie sich stets durch ihren immensen Bildungstrieb ihre klare Geistestätigkeit zu bewahren, sie setzten weiter ihre eifrigen Studien fort, sie erzeugten weiter Dichter und Denker, als Europas Völker sich in wilden Kämpfen zerfleischten. Und während andere. Völkerschaften bergab eilten, während der hohen Flut die niedrige Ebbe folgte, blieben die Juden, die ihr ganzes Dasein auf die allgemeine Erziehung des Volkes gründeten, in allen Lagen unter allen Völkern sich gleich in ihrem Streben nach Wissen und nach Bildung. Korrespondenzen. Die Söhne Sonnenthals beim Kaiser. Eine interessante Audienz. Die Söhne des verstorbenen Hofburgschauspielers Adolf Ritter von Sonnenthal wurden letzten Montag vom Kaiser in gemeinsamer Audienz empfangen, um den Monarchen den Dank für die innige Anteilnahme auszudrücken, die er der Familie anläßlich des Todes Sonnenthals bekundet hat. Bekanntlich hat im Aufträge des Kaisers der Obersthofmeister Graf Paar unmittelbar nachdem der Kaiser vom plötzlichen Tode Sonnenthals erfahren hatte, an dessen Sohn Paul Ritter von Sonnenthal ein in den wärmsten Worten abgefaßtes Telegramm gerichtet, aus dem deutlich hervorging, wie schmerzlich der Tod Sonnenthals den Monarchen berührt hatte. Ein weiteres Zeichen der großen Huld, mit der der Kaiser seinem großen Schauspieler gewogen war, ist darin zu erblicken, daß allen vier Kindern Sonnenthals die Erlaubnis erteilt wurde, in einer Audienz beim Kaller ihren Dank für dessen Teilnahme abzustatten, denn in ähnlichen Fällen ist es üblich, daß das älteste Familienmitglied allein im Namen der Angehörigen in Audienz erscheint. Zu ihrem Schmerze konnte die Tochter Sonnenthals von der Erlaubnis, mit ihren Brüdern beim Kaiser zu erscheinen, keinen Gebrauch machen. Frl. Hermine von Sonnenthal ist unter dem Einflüsse der großen Aufregungen, die mit dem Tode ihres Vaters verbunden waren, erkrankt und hütet feit dem Tage des Begräbnisses das Bett. Ihr Zustand macht ihren Angehörigen Sorge, die Aerzte h«ben die Fernhaltung jeder, auch der freudigsten Gemütsbewegung geboten. Der Beginn der Audienz war auf lOVo Uhr festgesetzt. Als die Herren Felii, Dr. Siegmund und Paul Ritter von Sonnenthal — letzterer trug die Offiziersuniform der Landwehr-Ulanen — eintraten, schritt ihnen der Kaiser rasch entgegen, worauf der älteste der Brüder, Herr Felir Ritter von Sonnenthal, in ehrfurchtsvollen Worten den Dank für die Anteilnahme des Kaisers sowohl im eigenen als im Namen seiner Brüder und der durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Schwester aussprach. Der Kaiser sprach dann nochmals sein wärmstes Beileid aus und sagte u. a.: „Es ist Mir wirklich sehr nahe gegangen. Ihr Vater war ja nicht nur der große Künstler, sondern auch ein sehr braver Mensch. Sein Tod ist Ihnen wohl sehr plötzlich gekommen!" Dann erkundigte sich der Kaiser huldvoll nach dem Berufe jedes einzelnen der Brüder und sagte weiter: „Ich höre, Ihre Schwester ist krank: der Schlag wird sie wohl am härtesten getroffen haben, sie war ja immer bei ihrem Vater." Herr Felir von Sonnenthal erwiderte hierauf: „Ia. die Arme ist jetzt ganz allein, denn wir Brüder sind alle verheiratet." Als der Kaiser Herrn Felir von Sonnenthal nach seinem Berufe fragte und hörte, daß er die Stellung eines Börsensensals bekleide, meinte der Kaiser l ächelnd: „Sie haben jetzt eine aufgeregte Zeit an der Börse gegehabt!" „Gewiß, Majestät", lautete die Antwort, „aber wir haben immer die volle Friedenszuversicht gehabt." „Nun", antwortete der Kaiser heiler, „glücklicherweise hat sie sich erfüllt!" Die Audienz, die den Kindern Sonnenthals fo viele Beweffe kaiserlicher Huld gebracht hatte, war damit zu Ende, nachdem sie ungefähr eine halbe Stunde gedauert hatte. Duell und Ehrengericht. Ueber dieses Thema sprach vorgestern in der Generalversammlung des Internationalen Anwallbundes Hof- und Gerichtsadvokat Dr. E. F. Weisl. Duelle, so führte er aus, sind in den seltensten Fällen unerläßlich. Selbst tödlich verlaufene Duelle entsprangen oft den nichtigsten Gründen und wären bei erforderlichem Takt und gutem Willen der Sekundanten vermeidlich gewesen. Dr. Weisl schilderte dann in sehr eingehender Weise, welch lächerliche Motive oft den Duellen zu gründe liegen, und meint, daß die Hauptschuld an dem Bestehen der Duelle den mangelhaften Gesetzen in Ehrenangelegenheiten zuzumessen sei. Er plädiert weiters für die Organisation eines außerordentlichen Ehrengerichtes jeder Berufskategorie und verweist auf die gleichen Einrichtungen in Offiziers-, Advokaten- und Aerztekreisen, deren Tätigkeit er in großen Zügen entwickelte und schloß mit den Worten: „Da die Duellunsitte eine internationale ist, muß auch deren Bekämpfung eine internationale sein, einerseits auf dem Wege der Verbesserung der Justiz anderseits durch Anbahnung einer den Offiziersehrenräten analogen Institution. Das erstere ist gewiß eine Berufspflicht eines jeden Advokaten, weshalb ich die Anregung bezüglich der allgemeinen Ehrengerichte, welche eine Erweiterung der Prinz Alfonsschen Idee der gemischten Ehrengerichte bedeuten, vor die Generalversammlung des Internationalen Anwaltverbandes gebracht habe." Der Vortrag, dem Vertreter der akademischen Antiduelliga, die Herren H. Rosenthal und F. Sueß sowie Baron Scheichenthal als Vertreter der Allgemeinen Antiduellgegner, beiwohnten, fand lebhaften Beifall. Chewra-Kadifcha Fünfhaus. Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, XV., Turnergasse 22, fand Sonntag den 11. April die 44. ordentliche Generalversammlung der Chewra-Kadischa Fünfhaus statt. Unter den Anwesenden bemerkte man Rabbiner^Dr. Grunw a l d. die Kultusvorsteher kais. Rat Wilhelm P o l l a k und Samuel Steiner und andere Ehrengäste, sowie zahlreiche Mitglieder des Vereines. Der Präses des Vereines, Herr Heinrich N e u f e l d, eröffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Ehrengäste und widmete den verstorbenen Vereinsmitgliedern einen herzlichen Nachruf; insbesondere gedenkt er des Heimgegangenen Vorstandsmitgliedes Leopold L a n d e i s, welcher für den Verein so vieles gewirkt hat und dessen Verlust nahezu unersetzlich ist. Zum Zeichen der Trauer und Teilnahme erhob fich die Versammlung von den Sitzen. Dem Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, daß sämtliche Einnahmen und Spenden des laufenden Vereinsjahres für

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