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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-16 · 16 (16.4.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 383 über die Altneuschul und den Judenfriedhof in Prag", deren sehnsuchtsvoll träumerische Klänge in den Herzen der atemlos Lauschenden verwandte Gefühle der Andacht und stolzen Selbstbewußtseins auslösten. Kein Wunder daher, daß Dr. Salus, der sich zugleich als Rezitator von Distinktion und feinstem Geschmack bewährte, als er schloß, mit stürmischem Beifalle bedacht und die Dankesworte des Vereinsobmannes Herrn Liebers lebhaft akklamiert wurden. Die Ovation für Hugo Salus, der nachher im Freundeskreise auch noch als treuer Genosse der jüdischen Sache gefeiert wurde, steigerte sich zu hellem Enthusiasmus, als ihm zum äußeren Zeichen der Dankbarkeit seitens des Vereines ein riesiger Lorbeerkranz überreicht wurde, mit der Widmung: Dem gefeierten Dichter und hilfreichen Manne, zur Erinnerung an den 3. April 1909. Ein jüdisches Gymnasium in Budapest. Seit vielen Jahren schon verwaltet die Budapester israelitische Religionsgemeinde eine Stiftung, deren Kapital für die Errichtung eines jüdischen Gymnasiums in Budapest bestimmt ist. Die vorherigen Regierungen haben die Errichtung dieser ersten jüdischen vollklassigen Mittelschule in Ungarn nicht bewilligen wollen. In der letzten Plenarsitzung der Religionsgemeinde meldete nun der Präsident Hofrat Dr. Philipp Weinmann, daß der Kultus- und Unterrichtsminister die Vorlage der Religionsgemeinde über die Errichtung eines israelitischen Gymnasiums vollinhaltlich genehmigt habe. Der Titel dieser Anstalt wird „Stiftungs-Obergymnasium der Pester israelitischen Religionsgemeinde" sein. Die Professoren werden vom Ausschuß ernannt, der die Ernennung zur Kenntnisnahme dem Kultusminister vorlegt. Zur Ernennung des Direktors ist die Genehmigung des Kultusministers erforderlich. Den Lehrplan und den Stundenplan stellt der Ausschuß fest. An Samstagen, den anderen israelitischen Feiertagen und den Nationalfeiertagen findet kein Unterricht statt. Im Gymnasium finden auch Schüler anderer Konfessionen Aufnahme. Dem Unterrichte in der Geschichte der Juden wird besondere Sorgfalt zugewendet. Auf Antrag des Präsidenten wurde dem Kultus- und Unterrichtsminister Grafen Albert Avponyi. Staatssekretär Dr. Viktor Molnär und dem .Professor Moritz Karman für ihre Verdienste um das Zustandekommen dieses Gymnasiums Dank votiert. Die Plenarversammlung veranstaltete sodann eine Kundgebung des Dankes für den Präsidenten Dr. Philipp Weinmann und den Ausschuß. So sehr es auch zu begrüßen ist, daß die der Errichtung eines jüdischen Gymnasiums gewidmet? Stiftung nunmehr ihrem eigentlichen Zwecke zugeführt werden kann, so muß man andererseits die Befürchtung der liberalen Presse Ungarns. daß dieses Zugeständnis des klerikalen und nichts weniger als judenfreundlich gesinnten Unterrichtsministers an die Juden sich bald als ein Danaergeschenk erweisen werde. Die Befürchtung liegt nämlich nahe, daß jüdische Lehrkräfte an staatlichen Mittelschulen jetzt noch schwerer Anstellung finden werden als bisher und daß die Unsitte, jüdische Schüler in gewissen Lehranstalten nur dann aufzunehmen, wenn die Schüler anderer Konfessionen noch Platz übrig ließen, in Zukunft noch intensiver betrieben wird als bisher. Das Schicksal einer aufrechten Jüdin. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der Ministerialrat im Ministerium für Kultus und Unterricht Baron Alexander Barkoczy ist ein bekannter Antisemit und macht aus dieser seiner Gesinnung um so weniger ein Hehl, als ihm dieselbe bei seinem Chef. Kultusminister Grafen Albert Apponyi, nicht im geringsten schadet. Ministerialrat von Barkoczy sagt ganz offen, daß bei Lehrerernennungen der Taufschein wichtiger sei, als alle übrigen Dokumente. Vor kurzem sollte nun in einer Provinzschule eine Lehrerin ernannt werden. Die^ provisorisch angestellte Lehrerin an der betreffenden Schule ist eine Jüdin. Sie aspirierte auf die bescheidene Stelle und Herr von Barkoczy hat ihr auch ihre Ernennung bestimmt zugesagt. Gleichzeitig aber schrieb er an einen Freund in jene Provinzstadt, derselbe möge auf die jüdische Lehrerin einwirken, daß sie sich taufen lasse. Er. der gestrenge Herr von Barkoczy, sei gerne bereit, die Taufpatenschaft zu übernehmen, und habe auch den berühmten Budapester Pfarrer Reichs^agsabgeordneten Johann Hock dajÄr gewonnen, den Taufakt zu vollziehen. Trotz dieser verlockenden Aussichten erklärte das alleinstehende jüdische Mädchen, zur großen Verwunderung der Seelenfänger, auf alles zu verzichten und Jüdin bleiben zu wollen. Die jüdische Lehrerin hat ihr Wort gehalten: sie ist ihrem Glauben treu geblieben. Herr von Barkoczy aber hat sein Wort nicht gehalten: das jüdische Mädchen hat die Stelle nicht erhalten, sie hat ihren provisorischen Posten bereits verlassen. An ihre Stelle wurde eine andere ernannt, deren Zeugnisse wohl nicht so erstklassige sind wie diejenigen der jüdischen Lehrerin, die aber das „wichtigste Dokument" besitzt, den Taufschein. Das Vorlesungsverzeichnis der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums für das Sommersemesier ist soeben erschienen: Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud, Synhedrin. Kap. 1 (Forts.). 4 Stunden, Montag und Donnerstag 10—12 Uhr. 2. Talmud babli. Hullin, Kap. 1 (Forts.), 4 Stunden. Montag und Donnerstag 8-10 Uhr. 3. Mischna Thora. Buch 8 (Forts.), 3 Stunden, Sonntag 8—10 Uhr. 4. Jore De'a, Hilch. Ta'arubot (Forts.), 2 Stunden, Mittwoch 8—10 Uhr. 5. Eben Haezer, Hilch. Jschut, 1 Stunde» Montag 12—1 Uhr. 6. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde» Mittwoch 10- 11 Uhr. Herr Dr. Elbogen wird lesen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums. 2 Stunden. .Montag und Donnerstag 10 bis 11 Uhr. 2. Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden. Mittwoch 11— 1 Uhr. 3. Talmud babli, Pesachim, Kap. X, 4 Stunden, Montag und Donnerstag 8—10 Uhr. 4. Geschickte der Juden im amoräischen Zeitalter, 2 Stunden, Dienstag und Donnerstag 10—11 Uhr. 5. Historische Uebungen, Dienstag 8—10 Uhr. Herr Professor Dr. Maybaurn wird lesen: 1. Midrasch, 1 Stunde, Dienstag 9—10 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitag 8—10 Uhr. Herr Dr. Vahuda wird lesen: 1. Einleitung in die Heilige Schrift (Forts.), 2 Stunden» Montag und Freitag 10—11 Uhr. 2. Genesis (Schluß) und Exodus, 4 Stunden, Montag und Dienstag 11—1 Uhr. 3. Chobot hallebabot von Bachja ben Josef mit Berücksichtigung des arabischen Originals, 2 Stunden, Dienstag 10—11 Uhr, Freitag 11—12 Uhr. 4. Ausgewahlte Gedichte von Abraham ibn Ezra, 1 Stunde, Freitag 12—1 Uhr. 5. Arabisch: Magani al — Adab, 2 Stunden, Mittwoch 6—8 Uhr abends. Herr Dr. Freund wird lesen: Das Staatskirchenrecht der Juden in Preußen» 2 Stunden wöchentlich. Herr Dr. Hochfeld wird lesen: Methodik des Unterrichts in der nachbiblischen jüdischen Geschichte mit anschließenden Uebungen- 2 Stunden, Montag 6—8 Uhr. Vorbereitungskurse im Hebräischen werden von mehreren der vorgenannten Herren Dozenten und Herrn Dr. Barol in noch zu bestimmender Zeit gehalten. Alle Vorlesungen und Uebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des Sommersemesters erfolgt Mittwoch, den 21. April, 11 Uhr vormittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie die rite immatrikulierten Studierenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrer-Kollegiums, Herrn Vahuda am 21.» 22. und 33. April, 12—1 Uhr nachmittags, im Sprechzimmer der Lehranstalt.

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