Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 16 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 281 die Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Prof. Dr. S. E h rmann, Emil Horner, Em. H o f f m a n n, Prof. Dr. Josef P o l l a k, die kais. .Räte Leopold K a u d e r s, Leopold Sachs und Jonas Weil, Kommerzialrat Leopold S i m o n, Adolf S ch r a m e k und S. S t e i n e r, die Bethausvorsteher Karl L e m b e r g e r, Rudolf K o h n und S. A. W a s s e r v o g e l, die kais. Räte Karl D u s ch n i tz und S. W o r t m a n n, ferner aus dem engen Herzlichen Kreise Dr. Schnürer, Heinrich Aork-Steiner, Direktor Dr. Krenberger und Johann Kremenetzky, dann die Reichsratsaögeordneten Doktor Mahler und Dr. Ritter v. P a n tz und Gemahlin, Börsenrat S t e i n h ü b e l, kais. Rat Alexander Engel v. I a n o s i, Prof. Dr. K a n i tz, die Advokaten Dr. Schneeberger und Dr. Geza Winter, Abordnungen der jüdisch-akadrmischen Verbindungen rc. Oberkantor Don Fuchs intonierte die ritualen Gesänge mit dem Tempelchor, worauf Oberrabbiner Doktor Güdemann die Trauerrede hielt, in deren Beginn er anführte, daß Marmore! gerade heute den 46. Geburtstag gefeiert habe, daß sich jedoch der Tag in einen Tag des größten Schmerzes und der tiefsten Trauer für die Fani'lie verwandelt habe. Dr. Güdemann schilderte Marmorek als Mann von seltener Begabung, beseelt von den edelsten Bestrebungen und edelstem Empfinden. Durch Fleiß, Begabung und Geniol tät habe er es verstanden, Neues zu schaffen und Altem, Längstvergangenem ein neues, schönes Gewand zu geben. Mit Worten des Trostes an die Familie schloß Dr. Güdemann. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern widmete dem Ö?‘^igegaitgenen folgenden Nachruf: Teuerer, lieber Freund! Fs sind lange Jahre her, dass unter der Judenschaft eine 'heue, politische Bewegung entstand. Einer ihrer feurigsten Adepten war der Dahiugeschiedene, Wir waren in unseren Meinungen Gegner; aber die uvban'e Form, die ihm eigen war, in der Liebenswürdigkeit einer edlen Seele ihre Quelle hatte und in welcher er seine Üeberzengung stets zum Ausdrucke zu bringen wusste, die jugendliche, von Begeisterung getragene Ueberzeugungstreue, die man sofort erkennen musste, waren es, welche die zwischen uns bestandenen Meinungsgegensätze überbrttckteh, so dass unsere Freundschaft durchaus keinen Abbruch Erlitt. Indem ich hier unser gegenseitiges Verhältnis bezeic) ne, 'entwerfe ich zugleich das Bild des Verhältnisses, wie es im Kultusvorstand bestand, dem der Entschlafene in den letzten Jahren angeherte. Er bat durch seine Tätigkeit und Tüchtigkeit, durch seinen unermüdlichen Fleiss, durch die stets liebevolle Aufmerksamkeit, welche er den Angelegenheiten der Gemeinde entgegenbrachte, sich um dieselbe grosse Verdienste erworben die Anerkennung des Vorstandes und die Freundschaft seiner sämtlichen Mitglieder errungen. Sein liebenswürdiges Wesen, sein Feuereifer, die ehrliche Ueberzeugung, die aus jedem seiner Worte sprach und der er bis an sein Lebensende treu blieb, verschafften ihm das Ohr des Hauses, brachten es zustande, da:s seinen Aeusserungen mit voller Aufmerksamkeit gelauscht wurde, und erzielten auch manche Erfolge nach der Richtung, welche er vertrat. Er erfreute sieh des vollsten Veitiauens; man schätzte seine vollste Uneigennützigkeit und so gab er sich noch in _ letzter Zeit die redlichste Mühe, um eine für unsere Gemeinde höchst wichtige Institution zu schaffen, deren Bau er auch begann, aber nunmehr leider nicht vollendet, mit welcher aber der Name Oskar Marmorek stets zu dauerndem Gedenken verknüpft sein wird. Dieser seiner Sorge um die im Baue begriffene Institution galt auch ein Schriftstück, welches er am Tage* seines Todes ausfertigte und nach seinem Tode in meine Hände gelangte. Lehe wohl, lieber teurer Freund! nsi-b “Ci Dein Andenken wird gesegnet sein! Im Namen des großen zionistischen Aktionskomitees würdigte Dr. Schnürer die Verdienste Marmoreks um die zionistische Bewegung. Ergreifende Worte der Trauer sprach sodann der Schriftsteller und Redakteur Bernhard Münz namens eines besonderen Kreises von Freunden des Verewigten. Im Aufträge des engeren zionistischen Aktionskomitees, speziell des Präsidenten David W o l f f s o h n widmete Johann Kremenetzky dem Verblichenen wehmütige Worte des Gedenkens. Aus all diesen Reden klang der tiefe Schmerz um den frühen Heimgang des Mannes mit dem treuesten jüdischen Herzen. Adolf von Sonnenthnl und seine Stellung zurrt Judentum» Sonnenthals jüngster Sohn Paul, der bei der Kavallerie sein Einjährig-Freiwilligen-Jahr abdiente, empfand derartige Lust und Liebe znm Soldatenstand, daß ihm von berufener Seite nahegelegt wurde, sich doch gänzlich demselben zu widmen. Und in der Tat, der junge Mann trug sich nach vortrefflich abgelegter Offiziers Prüfung, da ihn auch der Oberst in seinem Vorhaben, Berufsoffizier zu werden, bestärkte, mit dem Gedanken, den Wafftorock nicht mehr abzulegen. Seine militärischen Aspirationen wurden jedoch gar bald zerstört, denn der Vater wollte es nicht zugeben, daß fein Sohn gelegentlich des Stundeswechsels auch einen Religionswechs-l, d r in diesem Falle allgemein angeraten wuröes vornehme. Da nutzten reine Vorstellungen, kein Bitten, keine Erklärungen, der sonst so liebende Vater blieb standhaft im Bewußtsein, das Rechte zu tun. Da gab es nun keine weitere Opposition m hr, der diesmal allerdings Wider Willen gehorsame Sohn zog den ihm so lieb gewordenen Waffenrock aus und trat als Beamter in ein großes Bankgeschäft. . . Der Nachruf, welchen der Präsident der Kuliusgemeinde^ Herr Dr. Alfred Stern, an der Bahre Sonnenthals gesprochen, wurde von den Journalen in verstumm lter Form wiedergegcben. Ebenso die Ansprache des Herrn Baueares S t i a ß n y. Wir wiederholen darum an dieser Stelle die b iden Reden nach ihrem Wortlart: Rede des Präsidenten Dr. Alfred Stern am Grabe Sonnenthals. „Es tönt die Welt von deines Ruhmes Preis. Ein Dichter- Wort — ein Nachruf, der dir ward, ein wahres Wort, das Zeuge ist. die Kundgebung, die wir soeben miterlebt. Des Zeuge ist die Trauer, die eine Stadt erfüllt. Des Zeugen sind die Beileidskundgebuugen, allen voran, die unseres erhabenen, edlen Monarchen, die Beileidskundgebungen deiner Berufskollegen, der Stadt Wien und unserer Gemeinde, deren treuer Anhänger du warst. „Ich habe als Jude gelebt“. Das ist das Wort, das uns dein letzter Wille kündet, und es ist ein Wshrwort gewesen. Du hast es bezeugt durch deine Lebensführung jeder Zeit, du hast es bezeugt'durch deine lebhafte Anteilnahme an unseren wohltätigen und3 gemeinnützigen Institutionen, deren warm°r Förderer du jederzeit warst, in deren Dienst du auch nicht seiten deine Kunst stelltest. Des danken wir dir und tieftraurig, tief erschüttert sagen wir dir unser Lebewohl! Dein Andenken ist und wird gesegnet sein Ansprache des Baurates Ztraftny. Die Kuratoren des „jüdischen Museums“ nehmen schmerz-' erfüllt Abschied von ihrem langjährigen Vizepräsidenten, dem erhabenen Künstler, dem treuen Freu;de und weisen Berater, dem begeisterten Bewunderer der vielen Schätze an Kunst und Wissenschaft, die in unserem Museum angesammelt. »ind. Wenn da ein Mann aus weiter Ferne kommen und die schier unzählige Menge erblicken würde, die trauernd den schlichten Sarg umsteht, wahrlich man könnte ihn nicht besser aufkläreu als durch die biblischen Worte: „Wisset Ihr denn nicht, dass ein Fürst und Grosser gefallen ist in unserem Volke am heutigen Tage!“ Fürwahr, ein Fasst im Reiche der Kunst, einer der Grössten unter uns ist für iimn r hinweggegaugen, wir werden seinesgleichen nicht wiederlinden. Theaerer» Freund! Wie hast Du mit den Gaben Deiner Kunst die Herzen von Tausenden von Mitgliedern und Freunden unserer Gesellschaft erquickt und gestärkt. Wie hast Du im „Rabbi von Baeharach“ dis herrliche Idylle vom Leben iu der Judengemeinde geschildert! Und in der „Prinzessin Sabbat b“ hast Du das Bild des frommen Familienlebens am Sabbatb und in der guten Stube hingezaubert, so schön als Heinrich Heine es gekonnt und gewollt hat. 0 Sonnenthal! Du warst ein ganzer Mann, gut, edel und gerecht und als eia Gerechter bist Du von uns gegangen. Unsere Weisen sagen: „Der Tod des Gerechten versöhnt.“ Möge, Du Gerechter und (gegen den in der Nähe stehenden Vizebüvgermeister Hierhammer gewendet) es sind am heutigen Tage die ersten Anzeichen, gleich Lichtbildern, vorhanden, Dein Tod die Morgenröte der Versöhnung zwischen den Bewohnern dieser Stadt bedeuten. Secher zadik liwrocho. Das Andenken"^des Gere chteu sei gesegnet. Nach Beendigung der Ansprache trat Vizebürgr rmerster Hierhammer aus den Redner zu und drückte ihm wc. rm die Hand. Dieser Zwischenfall wurde vielfach bemerkt und al Wt? zustimmend besprochen.