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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-16 · 16 (16.4.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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©eiie£280 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 reits früher mir zu Ohren gekommen, allein ich habe mir eine gewisse Vorsicht bei Entgegennahme solcher Nachrichten im Laufe der Jahre angewöhnt; man wird so häufig das Opfer von Mißverständnissen und auch böswillig ausgesprengter Unwahrheiten! Allein der Bericht des Herrn Brunner in dem offiziellen Parteiorgan schließt jeden Zweifel aus, daß derlei Dinge in Wien sich tatsächlich zutragen. Ein solches unjüdisches Gebühren, welches unsere Jugend systematisch korrumpiert und entjudet, sollte aber nicht ohne nachdrücklichen öffentlichen Protest verbleiben. Ich bin kein Gegner aber auch kein Anhänger des Zionismus, es fehlt mir darum die Eignung, zu beurteilen, ob nicht die zionistische Partei selbst in Oesterreich und im Ausland durch derlei Ausschreitungen der Wiener Partei-„Männer" kompromittiert werde und moralische Schädigungen erfährt. Allgemach sollte auch der obersten Parteileitung in Köln der Gedanke aussteigen, daß der Knabe Karl ihr anfängt fürchterlich zu werden und daß es vielleicht an der Zeit sei, die sonderbare Wiener Gesellschaft von den Rockschößen der Partei abzuschütteln! Indessen ist es nicht unsere Aufgabe, irgend jemand ungebetene Ratschläge zu erteilen; wohl aber möchte ich daran erinnern, daß die Urheber solcher ärgerniserregenden, alles jüdische Empfinden beleidigenden Veranstaltungen, die Entreprenneure eines „Jüdischen" Studentenheims mit unjüdischer Küche, auf die Leitung und Führung unserer jüdischen Gemeinde und ihrer Kultusinstitutionen aspirieren. Bei den letzten Wahlen in den Vorstand der israel. Kultusgemeinde haben diese Leute unter lärmenden Agitationen „ihre" Kandidaten den Wählern zugemutet. Darum empfiehlt es sich, die Geschehnisse, von welchen das Schreiben des Herrn Lucian Brunner den Schleier lüstet und welche zur Naturgeschichte der derzeitigen Wiener „Parteizionisten" einen überaus charakteristischen Beitrag bringen, im Gedächtnis zu bewahren und die Kenntnis derselben den weitesten Kreisen unserer Gemeinde zu übermitteln. Genehmigen Sie den Ausdruck rc. rc. Ein alter Jude.- Korrespondenzen Eine Zentrale der jüdischen HilfsorgLnisationrn. Wie bekannt, werden seit längerer Zeit Anstrengungen gemacht, um eine Verbindung aller großer Institutionen herzustellen, die sich dem Hilfswerk für die Juden des Ostens und der Kolonisation derselben widmen. In Berlin wie in Newyork hat man sich alle Mühe gegeben, diese ausgezeichnete Idee zu verwirklichen, in der Ueberzeugung, daß nur durch ein Zusammenwirken große Erfolge erzielt werden könnten. Bisher hatte man den Zusammenschluß nur angesichts großer Katastrophen gesucht. Einen wichtigen Schritt zur Erreichung dieses Zieles hat nun die Iewish Colonization Association unternommen, indem sie ein Bureau eiarichtete, an welches sich in gegebenen Fällen die jüdischen Organisationen, die sich zu gemeinsamer Aktion verbunden haben, wenden können. Dieses Bureau wird in direkter Verbindung mit ihnen stehen und wird besonders das Zustandekommen einer Konferenz herbeizuführen sich bemühen, auf welcher jede Organisation durch zwei Delegierte vertreten sein soll. Die Institutionen, welche dabei in Frage kommen, sind folgende: Iewish Colonization Association, Alliance Israelite Universelle, Deutsche Konferenz-Gemeinschaft, Hilfsverein der deutschen Iuden, Anglo Iewish Association, die Israelitische Allianz in Wien und das American Iewish Committee in Newyork. Wir begrüßen diese Nachricht mit aufrichtiger Genugtuung. Von jeher haben wir einem Zusammenschluß dieser Organisationen das Wort geredetweil nur durch einen solchen Ersprießliches geleistet werden kann. Das Reichskriegsmimstermm und die jüdischen Reserveoffiziere. Wir haben bereits vor einiger Zeit berichtet, daß. als in Oesterreich-Ungarn die Kriegsgefahr bestand, trotz der antimilitärischen Bewegung besonders in den steirischen Gegenden des Reiches kein Fall bekannt wurde, daß jüdische Soldaten welchen Standes immer, sich der Einberufung entzogen hätten. Trotzdem hören die antisemitischen Blätter sowohl in Oesterreich als auch in Ungarn nicht auf, mit lügenhaften Ausstreuungen gegen die jüdischen Soldaten zu hetzen. Deshalb gewinnt die folgende Mitteilung des vornehmen ungarischen Tagblattes „Budapests Naplö" besondere Bedeutung. Das Blatt schreibt: „Die Kriegsgefahr ist vorüber und so kann denn der alte, tausendjährige Kampf wieder fortgesetzt werden. Und warum sollten wir auch nicht so eine kleine Meldung ins Publikum hineinschleudern, in welcher behauptet wird, daß „die Iuden eine feige Rasse seien, daß sie alles aufwendeten, um dem Kriege zu entkommen und daß die jüdischen Reserveoffiziere in Massen um ihre Entlastung aus dem Heere ansuchten"? Solche Nachrichten finden bei einem großen Teile des Publikums Gefallen, und schließlich werden die Iuden in diesem schönen Lande auch so schon hinreichend verachtet, was schadets, wenn dies noch um einen Grad mehr geschieht? Und so erschien denn die Meldung, die jüdischen Reservisten batten, als die Kriegsgefahr am drohendsten war. in Masten um ihre Entlassung aus dem Heeresverbande angeftlcht. Schon wollten auch wir diese „niedrigen feigen jüdischen Hunde verachten", da erinnerten wir uns daran, daß das Telephon bereits erfunden sei, und wir daher in der Lage sind, innerhalb zehn Minuten das Reichskriegsministerium in Wien direkt anzufragen, wie viel solcher „niedriger, feiger jüdischer Hunde" es eigentlich gegeben habe? Wir ließen uns mit dem Reichskriegsministerium telephonisch verbinden und fragten, was denn eigentlich an dem über die jüdischen Reservisten in Umlauf gesetzten Gerüchten wahres sei. Das Reichskriegsministerium erteilte uns die .folgende kategorische Antwort: „Uns ist kein einziger solcher Fall bekannt." Es hat sich also kein einziger Fall ergeben, in dem ein jüdischer Reservist aus Angst vor dem Kriege um seine Entlastung aus dem Heeresverbande angesucht hatte. Die ganze Nachricbt ist also pure Lüge. Man wollte also in leichtfertiger niedriger Weise die jüdischen Reserveoffiziere der allgemeinen Verachtung preisgeben. Und es wäre doch so leicht gewesen, durch eine einfache Anfrage die Wahrheit zu erfahren. Aber so sind ja die Waffen, mit denen dieser alte, tausendjährige Kampf geführt wird." Wir haben den Ausführungen des Organs der ungarländischen Protestanten kaum etwas hinzmufügen. Höchstens die Frage: Warum die Budapester Staatsanwaltschaft, die in jüngster Zeit in viel geringfügigeren Fällen so rasch mit der Konfiskation zur Hand war. diese Verleumdungen gegen eine ganze Religionsgemeinschaft so ruhig passieren ließ? Banrat Oskar Marmorek. Am 9. d. M. vormittags wurde die Leiche des auf tragische Weise aus dem Leben geschiedenen Architekten Baurat und Kultusvorsteher Oskar Marmorek zur ewigen Ruhe gebettet. Die Beteiligung an der Trauerfeier war ungemein groß. Außer der Witwe und den übrigen Familienmitgliedern waren anwesend: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Alfred Stern mit dem I. Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n,

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