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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-16 · 16 (16.4.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 278 Dr. Blochs WochenschM. Nr. 16 man" — fuhr er fort — „hebräisch verstehen; wie man französisch verstehen muß, um Franzose zu sein. Denn das Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine Nationalität. Die Nationalität bleibt uns schon darum, weil man sie uns immer vorwirft, selbst dann, wenn die Religion schon verschwunden ist. Wenn ich einen Sohn hätte und wenn ich diesen hätte in der jüdischen Religion erziehen wollen, ich hätte ihn hebräisch lernen lassen. Das Wenige, das mir vom Judentum geblieben ist, verdanke ich einigen biblischen Worten, einigen Erinnerungen an das Hebräische. Nicht nur die Jungen, sondern auch die Mädchen müßten im Alter von drei Jahren anfangen, hebräisch zu lernen; sie würden dann niemals der Gefahr ausgesetzt sein, ihre Religion wechseln zu wollen." Hier warf der Interviewer ein, warum Meyerbeer bei einer solchen Anschauungsweise gestattet habe, daß seine Töchter sich taufen ließen, „Warum! Ich glaubte damals, daß ein Vater nicht das Recht habe, die Religion seiner Kinder von Geburt an zu bestimmen, und ich ließ daher meinen Kindern die Freiheit, die Religion nach ihrem Ermessen zu wählen. Heute aber glaube ich, daß der Vater die Pflicht hat, seine Kinder in seiner Religion zu erziehen." „Glauben Sie, daß das Studium der hebräischen Sprache allein genüge, ein jüdisches Denken anzuregen?" „Sicherlich. — ©teil, Gott," sagt mir nichts. „Der Herr" ist ebenso christlich, wie jüdisch; auch „der Ewige". Aber der „Schem Hewaje" sagt mir etwas, besonders wenn ich weiß, daß dies ein geheimnisvolles Wort ist, welches die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft vereinigt." Ueues Affimilauteutuw unter „jiomstifcher" Flagge. In Nr. 12 unseres Blattes brachten wir über eine am 11. März stattgehabte Verhandlung des Herrn Lucian Brunner mit den Obmännern der jüdischen Studentenverbindungen betreffend die Veranstaltung einer Trauerfeier für die Märzgefallenen und das geplante jüdische „Studentenheim" einen Bericht, in welchem u. A. mitgeteilt wurde, daß die „meisten der anwesenden Hochschüler dem Obmanne der „Lesehalle" in dem Vorhalt zugestimmt haben", daß Lucian Brunner die Märzfeier gerade für Freitag ansetzte und die Fahrt in den jüdischen Friedhof für Samstag bestimmte, was eine Verletzung der Pietät und der religiösen Gefühle tausender von Juden bedeute. Die Kränze, die er für die Gräber der Märzgefallenen bestellt hatte, mußte Herr Brunner am Samstag selbst, in Begleitung von 5—6 Menschen, inklusive seines Hausmeisters, auf den jüdischen Friedhof tragen. Da der Obmann der Rede- und Lesehalle obendrein das Verlangen gestellt habe, daß in dem geplanten jüdischen Studentenheim die Küche auch jüdisch, d. h. koscher geführt werde, erklärte Herr Brunner, so lange in der Lesehalle der Geist herrsche, den ihr Obmann in der Konferenz vertreten habe, er ihr keine Unterstützung mehr zuwendc. Gegen diese Mitteilungen unseres Berichterstatters erhielten wir von Herrn Brunner eine langatmige „Berichtigung" auf Grund § 19 des Preßgesetzes. Das Schreiben enthielt indes mancherlei Enthüllungen, welche unseres Dafürhaltens geeignet sind, die Ehre und das Ansehen der Wiener jüdischen Studentenverbindungen zu schädigen; wir haben darum mit der Publikation uns nicht sonderlich beeilt. Es schien uns auch entsprechender, daß die Vorgänge, welche das Schreiben notiert, zuvor durch ein zweifelloses zionistisches Parteiorgan der Oeffentlichkeit vermittelt werden. Das ist nun am letzten Freitag geschehen und wir stehen nunmehr nicht an, die Zuschrift des Herrn Brunner — zu deren Publ'zierung eine gesetzliche Nötigung nicht vorliegt — wörtlich zur Kenntnis unserer Leser zu bringen. Das Schreiben lautet: Auf Grund des § 19 des Preßgesetzes fordere ich Sie aus, nachstehende Berichtigung der unter dem Titel „Lucian dictator“ in der Nr. 12 vom 19. d. M. gebrachten Notiz in Ihrem Blatte zu veröffentlichen. Es ist unwahr, daß ich „Befehlshaber" der radikalen Zionisten in Wien bin, wahr ist dagegen, daß ich mich in keiner der zionistischen Organisationen in Wien bis heute persönlich betätigt habe, somit auch nicht befehlen konnte. Es ist unwahr, daß ich eine „kurze, aber kräftige Parole" habe, „entweder folgen durch Dick und Dünn, oder — der Brotkorb wird höher gehängt". Wahr ist vielmehr, daß ich seit jeher alle jüdischen Institutionen unterstützt habe, welche mir fortschrittlich erschienen, ohne daß ich jemals einen Einfluß ausgeübt oder persönliche Gefälligkeit hiefür verlangt hätte. Es ist unwahr, daß mich eine Lust anwandelte, eine Märzparade zu arrangieren, — wahr ist, daß mir von Seiten einiger alter Herren der Studentenverbindungen der Wunsch ausgedrückt wurde, auch in diesem Jahre die zionistische Studentenschaft zur Märzfeier einzuladen, und daß zu diesem Zwecke mehrfache Besprechungen hierüber stattfanden. Es ist unwahr, daß bei der letzten Besprechung mit den Obmännern der Studentenverbindungen am 11. März ein Kausalnexus zwischen der Märzfeier und dem Studentenheim beabsichtigt war, weil ich „Staffage" brauchte. Wahr ist vielmehr, daß die Statuten für das jüdische Studentenheim schon Wochen vorher unter Beteiligung der Studentenverbindungen festgelegt wurden und in jener Obmännerversammlung nur die fertiggestellten und abgedruckten Statuten auf Wunsch verteilt wurden. Unwahr ist, daß ich die Staffage der Studenten brauche und aus Mangel an Gefolgschaft mich „zentraldemokratisch" nicht betätigen konnte. Wahr ist vielmehr, daß ich mich der zionistischen Studentenschaft nie als Staffage aus Mangel an Gefolgschaft bedienen wollte, ferner daß die Versammlung des Demokratischen Zentralvereines am 12. März zahlreicher besucht war als sonst, wenn auch wenig Studenten anwesend waren. Unwahr ist es, daß der Präses der jüdischen Rede- und Lesehalle die Forderung stellte, daß der Verein den Titel „Kaiser Jubiläumsverein" führe, — wahr ist nur, daß derselbe darauf hingewiesen hat, daß dadurch gewisse steuertechnische Begünstigungen erzielt werden könnten, worauf ich ihm erwiderte, daß mir das bekannt sei und daß man seinerzeit auf diesen Umstand Rücksicht nehmen werde, wenn nicht schon der Termin abgelaufen sei. Unwahr ist es ebenso, daß er die Forderung gestellt hat, daß die K ü ch e koscher zu führen sei. Unwahr ist auch die Bemerkung über das Verhältnis des Herrn Abgeordneten Doktor Mahler über seine Anteilnahme zum Studentenheim. Vielmehr hat sich die Sache folgendermaßen abgespielt: ich antwortete auf eine Anfrage, daß Herr Dr. Mahler in einer Vertrauensmännerversammlung vor mir die Mitteilung erhalten habe, daß aus einer Erbschaft ein Legüt von 10.000 Kronen zur Verfügung stehe, daß ich veranlaßt habe, daß dieser Betrag als Fond für ein jüdisches Studentenheim verwendet werde. Herr Dr. Mahler habe hernach ohne mein Wissen die Sache eines Studentenheims bei der „B'nei-B'rith" in Anregung gebracht und daselbst sei ein Komitee eingesetzt worden, an dessen Spitze Herr Dozent Dr. Markus Hajek stand, welcher auch das Referat darüber zu erstatten habe. Von Herrn Dozenten Dr. Hajek, den ich diesbezüglich ausgesucht hatte, sei mir die Mitteilung geworden, daß er dem Komitee den Antrag stellen wolle, von der Gründung eines jüdischen Studentenheims abzusehen, weil dasselbe nicht praktisch und zeitgemäß sei. Aus diesen Gründen müsse man auf die Mitarbeit obgenannter Herren verzichten. Es ist unwahr, daß wegen dieser Ausführungen die „Unitas" entrüstet abzog, — wahr ist dagegen, daß dieHerren die Versammlung deshalb verließen, weil ich sagte, man soll es vermeiden, daß sich die Studenten eine derartige Behandlung gefallen lassen müßten, wie sie der „Unitas" von Herrn Dr. Stern zuteil wurde.

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