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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-16 · 16 (16.4.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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M 16 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 377 Charakter und im künstlerischen Schaffen Richard Wagners mancherlei Wesenselemente, bie' Rassentheoretiker und Rassenschwärmer als semitische Merkmale anzugeben pflegen. In einem Artikel von Dr. Heinrich Pudor über deutsche Musik in der antisemitischen Zeitschrift: „Das zwanzigste Jahrhundert" heißt es wörtlich: „Richard Wagner darf man nicht etwa um dessentwillen zu den wahrhaft deutschen Musikern rechnen, weil er deutsche Sagen bearbeitet hat. Seine Musik ist im Allgemeinen durchms nicht deutsch. Der keltische Volkscharakter scheint es zu sein, der in ihm erklingt. Dahin rechne ich die stagnierende Sinnlichkeit, das kokette Zur-Schau-Tragen der Gefühle und Empfindungen, die Maßlosigkeit in der Entäußerung der Leidenschaften, die Verwertung des sinnlichen Klangreizes zur Erregung und Aufregung. — Man hat die Wagnerische Musik ja geradezu „Erregungsmusik" genannt. Alle diese Züge sind nicht rein deutsch, sondern scheinen mir keltisch zu sein. Und wenn man mit dem Wort „keltisch" ni! ts anzufangcn weiß. so sage ich: diese erwähnten Eigenschaften scheinen mir mehr französisch als deutsch, mehr semitisch als germanisch zu sein; — das Spiel des Zufalles wollte es, daß Wagner auf der Judenstraße „Brühl" in Leipzig geboren wurde, mit Hilfe des Juden Meyerbeer das erste Fortkommen fand, für die Pariser Inden den „Tannhäuser" bearbeitete, und in der Nähe des Judenviertels in Venedig seine Augen schloß. Dabei kann gar nicht geleugnet werden, daß die Wagnerische Musik der Aeußerlichkeit und Veräußerlichung zum Mindesten Tor und Riegel öffnete, denn die Entäußerung der Leidenschaft, wie sie bei ihm stattfand, verhuidert naturgemäß eine Verinnerlichung und befördert eine Veräußerlichung. Die Verinnerlichung ist aber gerade ein Grundzug deutschen Wesens. Innigkeit hängt zusammen mit Innerlichkeit. A ch die Raffiniertheit kann man der Wagner'schen Kunst nicht durchaus absprcchen. Ganz raffiniert ist jedenfalls der „Rienzi". Und gegen die Bezeichnung von „Tristan und Isolde", „den Nibelungen" und „Parsifal" als „raffinierte Erregungsmustk" wird man nicht viel einzuwenden haben. Diese Raffiniertheit aber ist deutschem Wcsen völlig fremd, wohl aber semitisch-phönizischem Geschäftsgeiste zu eigen. So bleibt bei Wagner wenig deutsches. Auch die Einfachheit des deutschen Wesens ist bei ihm nicht zu finden: er mußte alle Künste verbinden, um ein Kunstwerk zu schaffen! Auch äußerlich hat er nichts Deutsches, sondern etwas Fremdes an sich." Gustav Freytags gesammelte Aufsätze enthalten eine sarkastische Kritik über Richard Wagners Schrift: „Das Judentum in der Musik." Gustav Freytag erklärt diese Angriffe Richard Wagners gegen jüdische Komponisten als unzeitgemäß und ungerecht. Merkwürdig indessen ist folgende Stelle in seinen Ausführungen: „Im Sinne seiner Broschüre erscheint Wagner selb st als der größte — Jude. Die Effekthascherei, das anspruchsvolle und kalt überlegte Streben nach Wirkungen, welche nicht durch sicheren Kunstgeschmack hervorgebracht werden, der Mangel an Fähigkeit musikalischer Empfindung ihren melodischen und harmonischen Ausdruck rein und voll zu geben, die übergroße nervöse Unruhe, Freude am Seltsamen und Gesuchten, das Bestreben, durch witzigen Einfall und äußerliche Kunstmittel die gelegentliche Schwäche seiner musikalischen Erfindung zu decken, dazu selbst das große Talent für raffinierte Regie der Effekte, gleichend einem eigenwilligen Dilettanten, welcher begehrlich über die Grenzen seiner Kunst hinausfährt und den Gesetzen der Schönheit deshalb widerspricht, weil er ihnen zu folgen außer Stande ist; ein abenteuerlicher Sinn, der im Ungeheuerlichen Befriedigung sucht, unbekümmert darum, ob durch seine Arbeit Sänger, Orchester und der schöne Gesamtbau des musikalischen Dramas verwüstet werden; solche Schwäche und Unart finden wir überall in seinen Werken neben Teilstücken von wahrhaft schöner, zuweilen wahrhaft hinreißender Empfindung. Diese Beschaffenheit seiner merkwürdigen und für unsere Musik verhängnisvollen Begabung scheint uns gerade eine solche zu sein, welche in seinem Sinne als eine dem Judentum eigentümliche aufgefaßt werden müßte." Inzwischen hat auch die biographische Wagner-Literatur an Umfang bedeutend zugenommen und mancherlei zutage gefördert, was den nationalen Wagnerschwärmern schwere Bedenken einflößt. Richard Wagner war das neunte Kind Friedrich Wagn ers von seiner Gattin Johanna Rosina,geb.Peetz.Friedr. Wagner, der Rechtswissenschaft studierte, war Aktuarius beim Leipziger Stadtgericht, später Chef der städtischen Sicherheitspolizei. Seit 2. Juni 1798 vermählt, erhielt er in dieser Ehe acht Kinder, das neunte war der Sohn Richard (2. Mai 1813). Am 22. November desselben Jahres starb Friedrich Wagner und die Witwe vermählte sich mit dem langjährigen treuen Freunde ihres Hauses, dem Maler und Schauspieler Ludwig Geyer. Richard erhielt dann noch eine Schwester Cäcilie Geyer — die nachmalige Mutter des Dichters Ferdinand Avenarius. Wagner selbst hat im Gespräch mit vertrauten Freunden die Möglichkeit ventiliert, daß er Ludwig Geyer und nicht Friedrich Wagner sein Dasein zu danken habe. In den Schülerlisten der Dresdner Kreuzschule und im Konfirmations-Verzeichnis ist er unter dem Namen „Richard Geyer" vermerkt. Die Anmeldung erfolgte durch die Mutter. Bekannt ist, daß Geyer gerade den kleinen Richard mit der zärtlichsten Liebe umgab, Richard selbst wieder zu der Schwester Cäcilie sich mit unwiderstehlicher Gewalt hingezogen fühlte, sie hing ihm an, während die anderen Geschwister für Richard Genius kein Verständnis hatten, ihm oft auch feindlich entgegentraten. Von der Mutter Wagners besitzen wir ein Bild, welches Ludwig Geyer gemalt hat, zu einer Zeit als Johanna noch die Gattin Friedrich Wagners war. Das Oelporträt zeigt sie uns in voller jugendlicher Frische, ihre Gesichtszüge woh!- gebildet und sinnig, jeden Augenblick bereit, sich in freundlicher Schalkhaftigkeit zu beleben; das Häubchen mit dem „Bandeau" unter dem Kinn, wie sie es zu tragen pflegte, u.id wie es das ebenmäßige Oval ihres Gesichtes recht hervortreten ließ. Ludwig Geyer, zu Eisleben am 21. Jänner 1780 geboren, entstammte einer jüdischen Familie. Der Großvater Ludwigs soll vom Judentum zum Christentum übergetreten sein. Jnwieferne diese uns zugekommene Mitteilung richtig ist, müssen weitere Nachforschungen ergeben. 4- * * Von einem Aufenthalt Richard Wagners in Frankfurt a. M. plaudert in der daselbst erscheinenden Wochenschrift „Th6 Englhh Mai]“ der Herausgeber Dr. Heinrich Felbermaun: „Ich war als Gast in dem Hauie eines Freundes, des Generalkonsuls Jacqncs Hahn, dessen Privatsekretär ich eine Zeit lang gewesen war. Jacques Hahn wurde in gewiffem Sinne als ein Original betrachte:, dabei war er einer der besten Men'chen, die je gelebt haben, ein Mann von großer geistiger Beweglichkeit und vi lfachen Vorzügen, der Kunst und Literatur in großzügiger Weise unterstützte. Eines Abends saßen wir in größerer Gesellschaft an seiner Tafel. Richard Wagner, der zu den Gästen gehörte, äußerte sich in schroffer Weise gegen Meyerbeer. Mendelssohn, Halevy u. s. w. und bestritt überhaupt der jüdischer. R isse die Fähigkeit der Tonkunst und der Harmonie, indem er die jüdischen Komponisten des Plagiats bezichtigte. Obgleich mir das sehr geschmacklos erschien, da er doch wußte, daß der Mann, deffen Gast er war, und von dem er häufig Geld entliehen hatte, ohne es zurückuierstatten, ein Jude war und zwar ein idealistischer Jude, der die Mesusah überall angebracht hatte und auf deffen großem Kristallsiegel das Wort Schadai eingraviert war. obgleich auch die meisten Gäste, darunter die große dramatische Sängerin Sarah Oppenheimer, die neben ihm saß und die eine seiner schönsten Rollen kreiert hatte, Juden waren, so blieb ich doch bei der provozierenden Aeußerung ruhig. Als dann aber Wagner in seiner autoritativen Weise über die persische und arabische Literatur sprach und die Meinung äußerte, die Perser, die Araber und Mauren, überhaupt hätten große Denker und Dichter von unsterblichem Ruhm hervorgebracht, die Juden niemand, der die Mittelmäßigkeit überschritt, da konnte ich mich nicht enthalten, laut zu lachen. Gereizt durch mein unverschämtes Lachen, wie er es nannte, rief er mir blaß vor Zorn zu: „Was haben Sie zu lachen. Sie Rotz bube?" Ich sprang von meinem Stuhl auf und erwiderte laut und scharf: „Ueber Ihre kraffe Ignoranz." Wir wären wahrscheinlich aneinander geraten, wenn nicht die anderen Anwesenden dazwischen getreten wären. Ein Interview mit Giaeomo Meyerbeer. Nr. 13 des Jahrganges 1864 der „Arch. isr." enthält ein interessantes Interview, das Alexander Weil! im Sommer 1863 in Baden-Baden mit Meyerbeer hatte. Es seien hier die interessantesten Momente der Unterhaltung der Vergangenheit entrüsten. Herr Weill erzählte dem Komponisten, man werfe ihm vor, daß er nichts für die Synagoge komponiert habe, worauf dieser erwiderte! „Das wundert mich nicht. Seit 30 Jahren werfen mir die deutschen Christen vor, daß ich nur Judenmufik mache; — da müssen mir notwendigerweise die Juden zum Vorwurf machen, daß ich keine Judenmufik komponiere." Meyerbeer erzählte dann, daß er den Plan zu einer Oper „Moses" im Kopfe getragen, ihn aber hauptsächlich deshalb wieder aufgegeben habe, weil er des Hebräischen unkundig sei. „Um Jude zu sein, ja, um nur etwas Jude zu sein, muß

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