Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 16 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 276 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 Weise Christ. Seine Eltern halten in Neavel die Familie Rothschi d kennen gelernt, mit der sie in geschäftlicher Verbindung standen. Cs entspann sich ein lebhafter Verkehr zwischen den beiden Familien und Frau Mendes, Catulles Mutter, ließ sich, obwohl sie streng katholisch war, nicht abhalten, das jüdische Paffahfest im Hause Rothschild mitzufeiern. Catnlle war damals kaum drei Jahre alt. Mit seiner Erzieherin verließ er das Haus der Rothschild etwas früher als seine Eltern. Da geschah es, daß ein Bettelmönch. den er schon mehrere Male in dem Stadtviertel getroffen hatte, sich ihm schmeichelnd näherte, seine Hand ergriff, ihn mit Zustimmung der Erzieherin z - einer Quelle führte und ihn sozusagen mit Blitzesschnelle taufte. Ein altjüdischer Münzfund in Südafrika. Im „Anthropos", einer internationalen (mehrsprachigen) Zeiischrift für Völker- und Sprachenkunde, berichtet Bruder ^Otto, ein Trappistenmönch ans Marianhill (Natal) über eine alte Münze, di, sich in dem Museum dieser südafrikanischen Stadt befindet, wohin s>> im Jahre 1898 nach ihrer Auffindung gebracht worden war. Arbeitende Chorreligiöse des Klosters hatten sic in einer Gartenanlocc aufgelesen, wo sic in der oberen Sand- und Humusschicht, etwa 6" bis L0 Zentimeter tief, lag. „Das Gepräge der Münze," so schreibt Bruder Otto, „ist noch sehr scharf; sie kann nur kurze Zeit du^ch Menschenhände gegangen sein. Das Fundstück ist, wie P. Th. Strohmann (Mödling) in der genannten Zeitschrift erklärend mitteilt, „nach Form und Aufschrist eine jüdische Kupfermünze aus vorchristlicher Zeit. Die außerordcntbch gut erhaltenen Schriftzcichcn sind altsemitische Charaktere in der Gestalt, wie sie im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. noch auf Münzen und Denkmälern angewendet wurden. Die Transskription in d'c hebräische Quadratschrist ergibt die Worte: (Vorderseite:) „viertes Jahr (Rückseite:) der Befreiung Zions". Münzen dieser Art, m t denselben Symbolen und derselben Aufschrift sind allerdings nicht unbekannt; man hat deren schon viele gefunden und als ihre Entstehungszeit das zweite vorchristliche Jahrhundert allgemein anerkannt, naher: die Regierungszeit des Simon Maccahaeus (143 bis 136). Was aber diesem Funde hier eine besondere und einzigartige Wichtigkeit verleiht, das ist der Fundort: Südafrika. Die viclumstritteue Frage nach dem Charakter und der Herkunft der fürafrikanischen Ruinenstätten tritt mit diesem Funde zweifellos in ein ganz neues Stadium " Der Steinbrucy des Königs Salomo. (Aus dem offiziellen Berichte des amerikanischen Konsuls in Jerusalem.) Der amerikanische Konsul in Jerusalem, Mr. Thomas R. Wallace hat seiner Regierung in Washington einen interessanten Bericht über die Geschichte des in der Nähe von Jerusalem befindlichen Steinbruches des Königs Salomo unterbreitet. Der Konsul schreibt u A., „Es wird über die Entdeckung der Steinbrüche intercffant sein festzustellen, daß alle Aufzeichnungen über dieselben verloren gegangen zu sein scheinen und daß ihre Wiederentdeckung dem reinen Zufall zu verdanken ist. Es geschah nämlich, daß ein Herr Dr. Barclay auf die Jagd gegangen war und bei diesem Anlasse sein Jagdhund in einer Höhle unterhalb der nördlichen Stadtmauer verschwunden war. Da der Hund nicht mehr zum Vorschein kam, grub der Doktor das Unkraut und die Erde an der Mündung der Höhle so lange, bis sie zugänglich wurde. Dr. Barclay begab sich nun selbst in die Höhle, um nach seinem Hund zu suchen und er entdeckte die Steinbrüche. Ursprünglich wurde angenommen, daß es sich bloß um die Auffindung eines alten Kellers handle, die weiteren Nachforschungen ergaben jedoch, daß man es mit einem immensen Steinbruch zu tun habe, in welchem ein Felsblock behufs Steingewinnung am Grunde gesprengt wurde. Die Art der Arbeit und die Methode des Sprengens des Felsblockcs ließen auf ein großes Alter der Steinbrüche schließen. Die Forscher entschlossen sich, ihnen den Namen „Steinbrüche Salomo's" beizulegen. Diese Steinbrüche wurden von Josephs als die „Königlichen Steinbrüche" wiederholt erwähnt. Die Archäologen und Schriftsteller der neuen Zeit haben jedoch diesen Steinbrüchen wenig Aufmerksamkeit gewidmet und fanden bloß bei freimaurerischen Touristen, welche die Stadt einzeln oder in corpore besuchten, besonderes Interesse, welche an der Legende von dem alten Meister, der hier die crste Freimanrc.- loge gegründet haben soll, festhalten. Ein Raum im Steinbruch wird den Touristen als die Stätte dargestellt, in welcher angeblich die erste freimaurerische Versammlung stattgefunden l aben soll. Hinsichtlich der Zeit, wann die Stcinbiiiche geschlossen worden seien, kann man nur Vermutungen ausstellen. Es kann als wahrscheinlich angenommen werden, daß dies zur Zeit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer geschehen ist. Es ist auch möglich, daß die Steinbrüche, die wie erwiesen als Schuttablagerungsstätte benutzt wurden, von den angehäuften Schutt und Straßcnmist allmählich verschüttet wurden. Bezüglich der Zeit, seit wann die Steinbrüche verschüttet sein könnten, bietet ein Fund, dem Mr. Page, ein Mitglied der amerikanischen Kolonie in Jerusalem, gemacht hat. einige Anhaltspunkte. Mr. Page entdeckte nämlich eine kleine irdene Lampe, die fast ganz mit dem in der Luft hernmfliegenden Staub gefüllt war. Die große Dichtheit der Staubpartikel, mit denen die Lampe bis an den Rand gefüllt war und die sich in diesem geschlossenen, vor jedem Windhauch geschützten Raume nur langsam sich haben ansammeln können, weise auf eine sehr lange Zeit hin, seit welcher die Lampe in diesem unterirdischen Raume gestanden haben muß. Allen Besuchern der Steinbrüche fällt deren kolossaler Umfang auf. Man erhält einen Begriff von den großen Arbeiten, die hiervor vielen Jahrhunderten vollbracht wurden und man ist ganz verblüfft, die Spuren erstaunlicher Geschicklichkeit vorzufinden, mit welcher jene Arbeiter die Felsblöcke loslösten, sie zu Bausteinen verschiedenster Art formten, obgleich ihnen damals sicherlich nicht die technischen Werkzeuge unserer Zeit zur Verfügung gestanden hatten. Mit der Entdeckung der Steinbrüche tauchte gleichzeitig, der Gedanke auf, daß König Salomo die Bausteine zum Baue seines Tempels in diesen Steinbrüchen habe hauen lassen. Verschiedene Fakten unterstützen diese Hypothese. Das erste ist, daß Josephns Flavins in seiner Schilderung des Tempels besonders hervorhebt, daß der Tempel blendend weiß gewesen sei, wie ein mächtiger Berg frisch gefallenen Lchnces. Das erste, was einem beim Besuche der Steinbrüche in die Augen springt, ist eben die auffallend weiße Farbe ihrer ,natürlichen Steinwölbung. Die Versuche haben auch ergeben, daß das in diesen Steinbrüchen gefundene Material von Natur aus weich ist, in der freien Luft aber an Härte gewinnt, wodurch es sich zu Bauzwecken in besonders hervorragendem Maße eignet. Josephus spricht auch von einem unterirdischen Gewölbe in der Nähe von Jerusalem, das den Namen „Königlicher Keller" führt und zweifellos mit den Steinbrüchen identisch ist. Es wird auch behauptet, daß einzelne Steinblöcke, ans welchen die alte Stadtmauer besteht, gleichfalls aus dem Steinmaterial dieser Steinbrüche stammen. Ein weiteres Beweisfaktum ist, daß der Boden der Steinbrüche eine ganze Schicht von Steinspähnen aufweist, welche beweist, daß hier die Steinblöcke zu mächtigen Quadern verarbeitet wurden, und an die Bemerkung der Bibel erinnert, daß der Tempel gebaut wurde, ohne daß man den Laut des Hammers oder der Säge vernahm. Allen diesen Umständen ist es wohl zuzuschreiben, daß der allgemeine Sprachgebrauch diese Steinbrüche jetzt kurzweg „Steinbrüche Salomo's" nennt. Es muß jedoch nochmals betont werden, daß in den archäologischen Werken dieser Name nirgends zu finden ist. In diesen Schriften werden sie häufig „Kö, igliche Grotte" genannt. Die Annahme nun, daß König Saloryo mit diesen Steinbrüchen in Verbindung gestanden, im Zusammenhänge mit der Freimaurerischen Legende vom König Salomo als dem ersten Freimaurer, macht das Interesse, welches die Freimaurer diesen Steinbrüchen und hauptsächlich jenem Raume, von welchem oben die Rede war, entgegenbringen, erklärlich. Tatsächlich werden auch in vielen Geschäften Jerusalems Hammer und Briefbeschwerer, aus dem von diesen Steinbrüchen stammenden Material hergestellt und mit freimaurerischen Emblemen verziert, verkauft." Zur Abstammung Richard Wagners. Die roffcnreine arische Abstammung Richard Wagner's erschien nicht bloß eifrigen, mit dem Geruchssinn des Spürhundes ausgerüsteten Rassenschnüfflern verdächtig; auch hervorragende Schriftsteller freisinniger Richtung fanden im