Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 16 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 275 der Annahme, daß sie die Tochter oder zumindest die Enkelin des in Frankls Inschriften unter Nr. 38 erwähnten und am 11. Siwan 5379 (1619) in Wien verstorbenen und vornehmen Michel Jechiel war. Budapest, 28. März 1909. Bernhard Mandl. Baron Siegmund Kornfeld. (Eingesendet.) Geehrte Redaktion! Bei der Verbreitung Ihres Leserkreises, besonders in Oesterreich, sollte es nicht schwer sein, Aufklärung in einer Frage zu erlangen, welche durch eine ganz unglaubliche Verwirrung in den Zeitungsberichten entstanden ist. Ihr geschätztes Blatt berichtet in Nr. 10, Seite 170, anläßlich der Erhebung Sigmund Kornfelds in den Freiherrnstand: „Baron Sigmund Kornfeld, der aus Mähren stammt, ist ein Enkel des bekannten mährischen Talmudisten Rabbi Abraham I e n ik a u." „Iewish Chronicle", 5. März, Seite 9, sagt: „The new Baron who was born in Moravia, is a grandson of the well-known Talmudist Rabbi Ienikau." Die „Allgemeine Zeitung des Judentums", Nr. 10, erzählt wieder: „Sigmund Kornfeld ist der Sohn des berühmten Talmudgelehrten R. Aron Kornfeld sei. Andenkens in Goltsch-Jenikau (Böhmen)." Die „Laubhütte" (Regensburg), Nr. 9, erzählt wieder, daß Baron Kornfeld „der Sohn eines Rabbiners" sei. Bekannt ist mir, daß Rabbi Aron Kornfeld, geboren in Goltsch-Jenikau, Böhmen, am 2. August 1795, gestorben daselbst am 16. Oktober 1881, der letzte Typus der guten alten Zeit in Böhmen war, ein Destillateur, der ein hervorragender Talmudist war und einer Ieschibah Vorstand. Im Jahre 1865 veröffentlichte er ein in seiner Naivetät wohltuendes Büchlein unter dem Titel „Zijunim le-Dibre Ha-Kabbalah", in dem er dartun will, daß auf dem Wege des Zahlenwertes der biblischen Gesetze sich die Richtigkeit der rabbinischen Gesetzesauslegung beweisen läßt. Ist der neue Baron mit diesem Aron Kornfeld, gewöhnlich Reb Aron Ienikau genannt, verwandt, dann stammt er nicht aus Mähren und kann wohl kaum dessen Sohn sein. Noch weniger kann „Iewish Chronicle" Recht haben, wenn es behauptet, daß Baron Kornfeld ein Freund des vor 24 Jahren als Hundertjähriger verstorbenen Sir Moses Montefiore gewesen ist. Vielleicht beruht diese Angabe auf einer Verwechslung mit der allerdmgs auch auffallenden Angabe der „Iewish Encyclopedia", (Vol. Vii, p. 562), daß Moses Montefiore auf seiner Rückreise von Damaskus Rabbi Aron Kornfeld besucht habe. Mein Interesse an dieser Verwirrung beruht auf dem weiteren Interesse, Daten dafür zu sammeln, wie falsch es ist, aus den Angaben der alten jüdischen Geschichtsquellen über die verschiedenen Gamaliels Iehudas usw. sichere Schlüsse zu ziehen. In diesem Falle möchte ich deshalb gerne das Tatsächliche feststellen, was sich durch die Vermittlung Ihres geschätzten Blattes unschwer bewerkstelligen lassen sollte. Für Ihre Freundlichkeit im Vorhinein dankend, bin ich Ihr aufrichtig ergebener Gotthard Deutsch. Cincinnati, 21. März 1909. Zur Statistik der Jude» in Böhmen. Dem letzten Berichte des Generalvikariats von Königgrätz entnehmen wir die folgenden, auch die Juden interessierenden statistischen Daten. Die Königgrätzer Diözese zählt 1,496.886 Katholiken 60.071 Nichtkatholiken (Protestanten, Altkatholiken), 82 griechischnichtunierte Christen, 11.734 Juden, 346 Konfessionslose. Sie wird in das Generalvlkariat Königgrätz und 31 Vikariate eingeteilt. Darunter befinden sich das Vikariat Hohenelbe mit 88.624 Katholiken, 3772 Nichtkatholiken, 1 griechisch-nichtunierten Christen, 296 Juden, 109 Konfessionslosen; das Vikariat Arnau mit 31.955 Katholiken, 764 Nichtkatholiken, 258 Juden; das Vikariat Braunau mit 46.479 Katholiken, 304 Nichtkatholiken, 121 Juden, 98 Konfessionslosen: das Vikariat Grulich mit 42.864 Katholiken, 104 Nichtkatholiken 133 Juden, 3 Konfessionslosen; das Vikariat Landskron mit 63.017 Katholiken, 1708 Nichtkatholiken, 175 Juden, 6 Konfeffionslosen; das Vikariat Trautenau mit 53.134 Katholiken, 343 Nichtkatholiken, 490 Juden, 8 Konfessionslosen. Die Stammpflanze des Weizens in Palästina. Wir lesen in der „Neueil Freien PresseJ: „Die viel umstrittene Frage nach der Herkunft des Kulturweizens, bezw. nach der Beschaffenheit der Stammpflanze desselben, bildete den Gegenstand eines Vortrages, den Herr A. Aaronson aus Haifa in Palästina am 19. v. M. in der k. k. Zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien hielt. Dem Vortragenden war es geglückt, eine der zweifellosen Stammpflanzen des Kulturweizens wildwachsend in der Nähe von Safed und am Hermon aufzusinden. In dem Vortrage erläuterte Herr Aaronsohn das große Interesse, welches der Feststellung der Stammpflanzen des Weizens in botanischer und kulturhistorischer Hinsicht zukommt, und die große Tragweite, welche die Entdeckung für die Züchtung neuer Kulturrassen erlangen kann. Herr Aaronsohn hat schon vor zwei Jahren eine größere Menge von Früchten der gefundenen Pflanze an die landwirtschaftliche Hochschule in Bonn-Poppelsdorf gesendet, wo im vergangenen Jahre reiches Saatgut eingeerntet wurde; er beabsichtigt selbst, die Frage der Verwendbarkeit der Pflanze für die landwirtschaftliche Züchtung zu verfolgen. Der Vortrag und die vom Redner demonstrierten Objekte erregten das größte Interesse und den wohlverdienten Beifall der Versammlung. Felix Dahn und die Juden. Von Beginn aus zog Belisar (im Jahre 536) gegen Neapel. Er forderte die Stadt zur Aebergabe auf; aber, obwohl auch hier eine Partei geneigt war, die Freiheit und den Segen byzantinischen Kaisertums vorzuziehen, überwogen doch die gothifch gesinnten Bürger, von denen unterstützt die schwache gothische Besatzung einundzwanzig Tage tapfersten Widerstand leistete, zumal mit Hilfe der Juden, welche dankbar der schützenden Milde Theodorichs gedachten. Dahn, Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker. Bd. I. 1881, S. 254/255. Wie Catulle Mendes getauft wurde. Der französische Dichter Catulle Mendes, der auf so entsetzliche Weise ums Leben gekommen ist, stammte, so erzählte ein Mitarbeiter des „Temps", von einem jüdischen Vater und von einer katholischen Mutter. Sein jüdischer Großvater, der in Bordeaux ein Bankhaus gegründet hatte, war ein hochgebildeter Mann; er hatte das Buch Hiob und eine große Anzahl Elegien lateinischer Dichter ins Französische übersetzt; in seiner Lateinschwärmerei nannte er seinen Sohn Tibulle und sein Enkel mußte Catulle heißen. Catulle war diesem Großvater nicht nur geistig, sondern auch physisch auffallend ähnlich und empfand für ihn, obwohl er ihn nie gekannt hatte, eine instinktive Zuneigung. Das Bankgeschäft hatte die Familie reich gemacht, aber die Revotution von 1830 führte ihren vollständigen Ruin herbei. Mit stoischer Ruhe bezahlte der Großvater Catulles, der ein überzeugter Republikaner war, die Gläubiger seines Hauses und hatte auf seinem Schreibtisch stets eine Pistole liegen, da er entschlossen war, seinem Leben ein Ende zu machen, wenn das Geld ihm ausgehen sollte. Catulle war in Italien in einer etwas ungewöhnlichen