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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-09 · 15 (9.4.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
15 (9.4.1909)
Date
1909-04-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 266 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 15 nehmung lehrt und durch viele Fakten erhärtet werden kann. Gleich bei den ersten Vorberatungen hätten auch die Gründer des galizischen Institutes darauf sehen müssen, daß Männer wie der Präsident der Lemberger Handelskammer v. Horowitz und ähnliche wirtschaftlich einflußreiche, jüdische Persönlichkeiten Lembergs, Krakaus und der sonstigen größeren Städte Galiziens an dieser Aktion teidrehmen sollen. Wie es schon wiederholt gelungen ist, diese Herren aus irgend einem sehr wichtigen Anlasse unter ein Dach zu bringen, könnte es auch hier gelingen. Wenn die einzelnen Personen auch politisch eine breite Kluft trennt, in Fragen, die das gesamte Judentum des Landes berühren, muß und kann ein gemeinsames Vorgehen erzielt werden. Welchen moralischen Eindruck würde es machen und um wieviel mehr Vertrauen würde ein Geldinstitut überall gewinnen, wenn neben dem Abgeordneten Adolf Stand auch der Abgeordnete Dr. Löwenstein, neben Dr. Braude der Präsident der Lemberger Handelskammer v. Horowitz, neben dem Abgeordneten Dr. Gabel der Präsident der Krakauer Handelskammer Dattner und neben einem anderen Zionisten der Präsident irgend einer größeren Kultusgemeinde im Verwaltungsrat säße. Die Zionisten Mährens und Schlesiens, die ebenfalls ein derartiges Institut mit dem Sitze in Brünn ins Leben gerufen haben, scheinen wohl einzusehen, daß nurbeisolchem Vorgehen Ersprießliches erzielt werden kann, und so haben sie alle für diesen Zweck in Betracht kommenden Personen der größeren Städte ihres Tätigkeitsgebietes heravgezogen. Ein Geldinstitut, das nur von Führern einer Partei geleitet wird, kann beim besten Willen nicht hinreichend Objektivität walten lassen. Es hat zum Beispiel der Direktor im Bedarfsfälle nicht die nötige Energie gegen einen der Kommittenten, der zufällig in dem Kreise, wo er, der Direktor, oder einer der Verwaltungsräte als Kandidat für den Reichsrat oder Landtag auftritt, sich als guter Agitator erweist, aufzutreten. Er kann auch nicht, sagen wir einem verunglückten Studenten, der seine theologischen oder, philosophischen Studien aus irgend einem Grunde aufgab und sich dafür umso besser als Parteiagitator bewährt — wenn er sich um eine Stellung im Institute, (die auszufüllen ihm infolge seiner Unkenntnis des kommerziellen Lebens ganz unmöglich ist) bewirbt, dieselbe nicht vorenthalten, weil er ja fürchten muß, daß am nächsten Parteitag oder bei der nächsten Wahl ihm dieser Student sehr unangenehm werden kann. Dadurch muß ein solches Institut schweren Schaden erleiden. Wollen also die Herren ernstlich für die Hebung der wirtschaftlichen Lage ihrer Stammesgenossen in Galizien etwas tun, so müssen sie unbedingt noch, bevor sie sich konstituieren, mit den maßgebenden Faktoren außerhalb ihrer Partei in Fühlung treten und sie zur gemeinsamen Arbeit heranziehen. Der Erfolg dürste dann sicherlich nicht ausbleiben und die Juden außerhalb Galiziens würden dann erkennen, daß der galizische Kaufmann oder Gewerbetreibende nicht minder fähig ist als der aus Böhmen oder Mähren, wenn er nur dieselben Bedingungsmöglichkeiten gewinnt. I. G r o b t u ch. Korrespondenzen Israelitische Allianz in Wien. Plenarsitzung. In der am 31. März abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes der „Israelitischen Allianz" teilte der Präsident Herr David R. v. Gutmann mit, daß die Eröffnung des in Chrzanow zu begründenden Kindergartens schon im Mai d. I. in Aussicht genommen ist, ferner daß Verhandlungen eingeleitet wurden, um in Olesko bei Zloczow für Rechnung der Allianz mit Beginn des nächsten Schuljahres eine jüdische Volksschule zu eröffnen. Dem „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" wurde zu den Kosten des Unterrichtes in der Spitzeuklöppelei, zu denen bereits im Jahre 1908 ein Beitrag von 5000 K bewilligt war, eine nochmalige Subvention in gleicher Höhe votiert. Dem Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim in Wien wurde pro 1909 ein Beitrag von 1500 Kronen bewilligt. Ferner wurden mehreren jüdischen Schulen in Rumänien auch für das laufende Jahr die ihnen gewährten Subventionen erneuert und für eine Anzahl von wissenschaftlichen Publikationen Beiträge zu den Druckkosten votiert. Mit Rücksicht auf den endgiltigen Abschluß der rumänischen Aktion, mit deren Durchführung die Israelitische Allianz von den europäischen und amerikanischen Organisationen betraut worden war, ging der Leitung der Wiener Allianz u. a. folgendes anerkennendes Schreiben des Hilfsvereines der deutschen Juden zu: „Wir freuen uns, die Gelegenheit wahrnehmen zu können, Ihrer Organisation für die tatkräftige Durchführung des Mandates der Wiener Konferenz und für die erfolgreiche Beendigung der rumänischen Hilfsaktion unsere Anerkennung und unseren Dank auszusprechen. Die schwere Aufgabe, die Sie zu bewältigen hatten, ist von Ihnen mit einem Eifer und einer Aufopferung durchgeführt worden, die vorbildlich bleiben werden. Hilfsverein der deutschen Juden gez. James Simon." Russische Flüchtlinge in der Bukowina. Durch die im März d. I. an die zumeist seit den Unruhen in Rußland vom Jahre 1906 in Czernowitz weilenden russischen Flüchtlinge ergangenen Ausweisungen wurden 43 jüdische Familien, vorwiegend arme Handwerker und Gewerbetreibende, betroffen. Die Leitung der „Israelitischen Allianz" hat sofort beim Ministerium des Innern und bei der Landesregierung in Czernowitz zugunsten der Ausgewiesenen interveniert und bei den Behörden in gewohnter Weise Entgegenkommen gefunden. Luegers Unparteilichkeit. Dr. 5larl Lueger wurde abermals — einstimmig — zum Bürgermeister der Stadt Wien gewählt. Die Wahl hat niemanden überrascht, auch die zartfühlende Rücksichtnahme der Opposition nicht, die die freundlichere Form der Demonstration gewählt hat, indem sie leere Stimmzettel abgab. Wir hätten also keinen besonderen Grund, uns mit der Wiederwahl Luegers zu beschäftigen. Ein Passus aus der Dankrede Luegers ist es bloß, den wir festnageln möchten: derjenige nämlich, in welchem Lueger die Gesamtheit der Wiener Bevölkerung seiner Unparteilichkeit versichert. Lueger sagte nämlich: „Es wird auch (?) fernerhin meine Aufgabe sein, alles zu tun, was im Interesse der Gesamtheit der Wiener Bevölkerung ohne Unterschied des Standes und des Ranges (!) liegt." Wäre Dr. Lueger heute noch in der Opposition, so würde er diese Formulierung der künftigen Unparteilichkeit des Wiener Bürgermeisters in seinem antisemitischen Jargon, sicherlich einen „jüdischen Dreh" genannt haben. Natürlich wird es auch in Zukunft „seine Aufgabe sein", der Gesamtheit der Wiener Bevölkerung zu dienen, aber er wird diese Aufgabe in Zukunft ebensowenig ernst nehmen, wie er es in der Vergangenheit getan. Ja selbst mit dieser reservatio mentalis scheint der inzwischen gebeimrätlicher Exzellenzherr gewordene Lueger eine bewußte Unwahrheit gescheut. selbst in dieser Form hat er die landläufige Phrase von der gleichen Behandlung aller Bürger „ohne Unterschied der Nation und der Konfession" vermieden. Das wäre denn doch zu deutlich. Aber, wie gesagt, er hätte mit der gebrauchten Einschränkung „auch" fernerhin ganz ruhig diese nichtssagende Phrase gebrauchen können, denn die Sozialdemokraten, denen zuliebe vielleicht diese Redewendung „ohne Unterschied des Standes und des Ranges" gedrechselt wurde, werden ihm „auch fernerhin" das Mißtrauen entgegenbringen, das sie ihm bisher gezollt haben.

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