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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-09 · 15 (9.4.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
15 (9.4.1909)
Date
1909-04-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 264 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 16 Berichtes das beste Zeugnis ablegt. Gegenüber den Glossen zionistischer Kreise inbezug ans dieses Projekt, bemerkt der Redner, daß die „Jto" keineswegs er st jetzt vor den Toren Palästinas angelangt ist. Vielmehr wurden gerade die türkischen Projekte seitens der „Jto" zu einer Zeit ventiliert und ernstlich in Erwägung gezogen, als der Kampf zwischen Zionisten und Jtoisten am heftig st en getobt hat. Herr Schmidt betont, daß die „Jto" bei der Durchführung ihrer Ziele sich von kleinlichen, parteipolitischen und parteitaktischen Rücksichten absolut nicht leiten läßt, sondern daß sie ein Ziel vor Augen hat, für die Bedrängten und Verfolgten, sowie die arbeitslosen jüdischen Massen endlich eine Zuflucht und Heimstätte zu schaffen, wo sie sich sowohl als Juden, als auch als Menschen wirtschaftlich, politisch, sozial und kulturell voll ausleben können. Wenn die „Jto" sich mit Palästina nicht befaßt, so geschieht dies nicht etwa aus Animosität gegen Palästina, sondern zunächst aus dem Grunde, weil ja dieses Land schon ohnedies in der zionistischen Organisation, sowie in den palästinensisch-philanthropischen Kolonisationsvereinen genügende Förderer hat, während sich mit anderen Landprojekten außer der „Jto" Niemand befaßt. Der zweite und wichtigste Grund, warum die „Jto" Palästina nicht in ihre Landprojekte ausgenommen hat, find die allen zur Genüge bekannten Schwierigkeiten, welche gerade in diesem Lande herrschen. Redner verweist besonders auf die verschiedenen Religionen, Rassen und Nationen, welche in diesem Lande in ewiger Konkurrenz mit einander leben, welche unbedingt zur Verbitterung führen muß, wodurch das jüdische Siedlungsprojekt im höchsten Grade gefährdet wird. Herr Schmidt verweist ferner aus die Tatsache, daß Palästina eigentlich kein leeres Land ist und daß die ungefähr 700.000 Fellachen, welche in Palästina gegenwärtig ein agrikulturelles Element sind, vom wirtschaftlichen Standpunkte ein ungeheures Hindernis für eine jüdischeSiedlung bilden. Diese Tatsache macht es auch furchtbar schwierig, wenn n i ch,t ganz unmöglich, eine jüdische Majorität zu erlangen, sowie eine zusammenhängende und einheitliche G r o ß k ol o n is a t io n der Juden durchzuführen. Ein sehr großes Hindernis erblickt der Referent in der Anwesenheit der vielen autochthonen billigen Arbeitskräfte, welche zu derart billigen Löhnen arbeiten, daß sogar die jüdischen Kolonien größtenteils (oft 75 Perzent) arabische Arbeiter verwenden. Nun ist aber das Problem des Jtois ns, sowie auch des Zionismus nicht, einige jüdische Großfarmer zu züchten oder einigen jüdischen Kapitalisten eine gute Verzinsung ihrer Kapitalien zu ermöglichen; das Problem besteht vielmehr darin, den arbeitslosen jüdischen Massen Arbeit zu verschaffen. Und dies ist eben nur dort möglich, wo keine billigen autochthonen Arbeiter vorhanden findend wo die Juden die Arbeitskräfte abgeben sollen. I^ast not least besteht noch die Hauptschwierigkeit in Palästina darin, daß sich die türkische Regierung die vielen Reibungen, welche in diesem Lande bereits bestehen, durch die Gewährung einer Konzession an die Juden nicht vermehren will und mit dieser Motivierung wurden auch die Pläne Herzl's in Bezug auf Palästina von der türkischen Regierung abgelehnt. Die Konstitutionsära in der Türkei und das erwachte Nationalbewußtsein der türkischen Bevölkerung hat die Schwierigkeiten in Palästina keineswegs erleichtert. Hingegen sind die Sympathien der maßgebenden türkischen Kreise, namentlich der Jungtürken für eine jüdische Kolonisation nach dem Prinzipe der „Jto" in anderen Gebieten der Türkei, wo die vielen objektiven Schwierigkeiten, welche in Palästina vorherrschen, fehlen, zur Genüge bekannt und den besten Beweis für diese Behauptung führt der vorliegende Bericht über das Cyrenaikap ro jekt, aus welchem hervorgeht, daß die türkische Lokalregierung prinzipiell bereit war. der „Jto" Konzessionen zur Etablierung einer zusammenhängenden jüdischen Siedlung unter Gewährung von Religio ns- und wirtschaftlichen Rechten zu gestatten; die türkische Lokalregierung war auch bereit dieser Siedlung einen genügenden militärischen Schutz zuzusichern. Es wurde seinerzeit von der türkischen Lokalregierung der „Jto" auch die Gründung von 2 Banken unter dem Namen der „Jto" angeboten, während es den Zionisten trotz aller Bemühungen nicht einmal gelingen konnte, die Konzession zur Etablierung der Filialen der jüdischen Kolonialbank unter eigenem Namen zu erlangen und mußten diese Filialen unter fremden Firmen errichtet werden. Diese Tatsachen beweisen zur Genüge, daß die „Jto" sich auf dem richtigen Wege befinde. Sollte es den Zionisten, trotz aller Schwierigkeiten, gelingen, einen vernünftigen Plan zur Begründung einer zusammenhängenden jüdischen Siedlung nach den Prinzipien der „Jto" in Palästina vorzulegen, so wird die „Jto", falls sie nicht inzwischen einen besseren Plan fertig haben sollte, gerne mit den Zionisten arbeiten. Auf das Cyrenaikaprojekt übergehend, teilt Herr Schmidt mit, daß es sich auf Grund der wissenschaftlichen Erforschungen heraus stellte, daß. in diesem Gebiete Wasserschwierigkeiten bestehen, und hat daher das Londoner Komiteebeschlossen, dieses Projekt zunächst zurückzustellen, zumal noch andere günstigereProjekte sowohl im Orient als auch in anderen Gebieten vorliegen. Wiewohl die „Jto" das Cyrenaikaprojekt mit besonderer Sympathie behandelt hat, zögerte sie nicht, dasselbe in dem Momente zurückzustellen, als sich Schwierigkeiten herausstellten, welche die Siedlung vom wirtschaftlichen Standpunkte beeinträchtigen könnten. Die „Jto" läßt sich eben beiderDurchführung ihres Programmes von gar keinem Gefühlsmomente leiten, sondern nur vom nüchternen realpolitischen Gesichtspunkte, da sie überzeugt ist, daß nur eine solche Behandlung diesesProblems eine endgültige und radikale Lösung der Judenfrage bringen kann. Der Bericht des Cyrenaikaprojektes beweist, daß man den Arbeiten Z a n g w i l l s beziehungsweise der „Jto" volles Vertrauen entgegenbringen kann. Zum Schluffe weist der Redner darauf hin, daß die „Jto" bestrebt ist, alle Körperschaften undJnstitutionen im Judentume für dieVerwirklichung der „Jto"-Pläne zu gewinnen, weil sie sichdeffen bewußt ist, daß ein derart großes Problem von einer einzigen Organisation nicht gelöst werden kann und daß es vielmehr der Mitarbeiterschaft aller Klassen undSchichten desJudentums bedarf, und ist daher die „Jto" bemüht, alle Faktoren im Judentume, welche für die Realisierung der „Jto"- Pläne in Betracht kommen, zu gewinnen und hat die „Jto" auf diesem Gebiete auch bereits große Erfolge aufzuweisen. Viele Kreise haben sich bereits offen für das „Jto"-Programm erklärt, aber noch größere Kreise und Gruppen und insbesondere die maßgebenden Gruppen im Judentume haben vertrauliche Zusicherungen für die Mitarbeiterschaft bei der Realisierung eines konkreten „Jto"-Projektes gemocht. Redner fordert die Anwesenden auf, der „Jto" beizutreten, um so zur Lösung der Judenfrage nach den Prinzipien der „Jto" beizutragen. Die Ausführungen des Herrn Schmidt haben auf die Zuhörer guten Eindruck gemacht. Hierauf ergreift Dr. Jakob Engel das Wort und begrüßt die Versammlung, nicht nur in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des „Jto"-Vereines, sondern auch als Präsident des Mariahilfer Tempelvereines. Dr. Jakob Engel bemerkt, daß es ihm zur besonderen Genugtuung gereicht, die Versammlung eines Vereines zu beherbergen, welcher derart edle Ziele verfolgt wie die „Jto", und teilt mit, daß die Mitglieder des Vorstandes des Mariahilfer Tempelvereines sich mit Freude dieser guten Sache angeschlossen haben und auch fernerhin zur Förderung der „Jto" nach Kräften beitragen wollen. Die Juden dürfen sich nicht erst durch Pogrome zur Mitarbeit an einer radikalen Lösung der Judenfrage drängen

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