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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-09 · 15 (9.4.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
15 (9.4.1909)
Date
1909-04-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 260 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 15 ciu ständiger Besucher des Tempels in der Seileustettengasie. Ein autssemitischer Soldschreiber in Prag denunzierte seine „Marotte", daß er die Sederabende gern im Hause eines Rabbiners zu verbringen pflegt. In seinem Testament schrieb er: „M-in Leichenbegängnis soll natürlich nach jüdischem Ritus vollzogen werden. Ich habe als Jude gelebt und will als solcher auch begraben werden. Sollte mich der Tod irgendwo außerhalb Wiens ereilen, so möge meine Leiche jedenfalls nach Wien überführt werden. Ich habe Wien als meine zweite Vaterstadt über alles geliebt und möchte auch in dieser Stadt, und zwar auf dem Döblinger Friedhofe, begraben werden. Meine geliebten Kinder mögen mir einen Palmeuzweig auf den Sarg legen, alle Kranz- und Blumeuspeuden von Freunden und Bekannten lehne ich dankbar ab." Er galt nach dem einstimmigen Urteil der deutschen Kritik als der hervorragendste Vertreter eleganter Kavalierrollen im Konversationsstück und vornehmer Heldenrollen in der klassischen Tragödie. Und das sind doch gerade zwei Eigenschaften, die man mit Vorliebe den Juden abgesprochen hat. Wiederholt empfing Sonnenthal Beweise kaiserlicher Huld. Im Jahre 1882 wurde chm anläßlich der Auszeichnüug mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Klasse der Adelsstand verliehen. Bei seinem letzten Jubiläum — im Jahre 1906 — wurde er Komtur des Franz Joseph- Ordens. Außerdem war er Besitzer zahlreicher ausländischer Orden. Vor fünf Jahren kam in die Wohnung Sonnenthals eine vom Kaiser geschickte Photographie mit folgender eigenhändiger Widmung: Der Stütze Meines alten Burgtheaters. Franz Joseph. Adolf von Sonneitthal und das „Jüdische Museum". Seit der vor 15 Jahren erfolgten Gründung des Jüdischen Museums bekleidete S o n n e n t h a l die Stelle des ersten Vizepräsidenten der Gesellschaft, während Hofrat Professor Dr. Pollitzer als zweiter Vizepräsident fungierte. Es ist selbstverständlich, daß bei dem vortrefflichen Charakter dieser beiden ausgezeichneten Männer vollständige Harmonie im Präsidium der Gesellschaft herrschte. Sonnenthal legte ganz besonderen Wert auf dieses fein Ehrenamt. Oft äußerte er sich mit den Ausdrücken wahrer Begeisterung über den Fortschritt unserer Sammlungen. Wenn ich ihm eine Serie neuer Erwerbungen (fast durchwegs Spenden) vorlegte und die reizvollen, in den mannigfaltigen Formen gearbeiteten Gegenstände für den rituellen Gebrauch nach ihrem künstlerischen und historischen Werte erklärte, war er immer voll Entzücken. Auch die reichhaltige Sammlung von Porträtstichen nach historisch denkwürdigen oder um das Judentum verdienten Persönlichkeiten fesselte bei jedem seiner Besuche in dem Museum seine Aufmerksamkeit. Jedesmal sagte er: „In diesen Räumen sieht man, was wir Juden für Kunst und Wissenschaft leisten." Die Vorlesungen, welche Sonnenthal alljährlich zu Gunsten des Jüdischen Museums abhielt, vereinigten stets ein glänzendes, den besten Kreisen Wiens angehöriges Publikum. Mit besonderer Vorliebe brachte er Dichtungen von Heinrich Heine zum Vortrag: „Der Rabbi von Vachrach", „Prinzessin Sabbath", „Juda Halevi", „Disputation". Die zahlreichen Gedichte des großen Lyrikers waren Meisterleistungen, für welche das Publikum mit stürmischem Beifalle dankte. Sonnenthal wirkte auch bei vielen großen Veranstaltungen unserer Gesellschaft in hervorragender Weise mit. So bei der zehnjährigen Gedenkfeier des Todestages Salomon Sulzers, bei der Zentenarfeier für diesen größten Meister synagogaler Gesänge, bei den Veranstaltungen zum Gedächtnisse von Heinrich Heine und von Hieronymus Lorm, bei der Vorlesung eigener Dichtungen von Morris Rosenfeld, bei welch' letzterem Anlasse Sonnenthal die Uebertragungen der ergreifenden Dichtungen in hochdeutscher Sprache mit bewunderungswertem Geschicke zum Vortrag brachte. Bei all diesen Anlässen konnte man in Sonnenthal ebensosehr den großen Künstler, als auch den liebenswürdigen, bescheidenen, herzensguten Menschen, sowie den überzeugungstreuen, begeisterten Bekenner des Judentums schätzen und bewundern. Wir werden seinesgleichen nicht mehr finden. Im Jahre 1904 hat das Jüdische Museum aus Anlaß des 70. Geburtstages Sonnenthals und zu seiner Ehrung eine Plakette aus Silber und aus Bronze durch den rühmlich bekannten Bildhauer Telcz Herstellen lassen, welche die Züge des verehrten Meisters in ausgezeichneter Weise wiedergibt. Wien, 5. April 1909. Baurat Stiaßny. Trauerkundgebung der israelitischen Kultusgemeinde. Zu Beginn der Plenarsitzung des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde am 7. d. M., um 1j28 Uhr abends, in welcher sämtliche Mitglieder erschienen, hielt der Präsident Dr. Alfred Stern eine Ansprache, welche von allen Anwesenden stehend angehört wurde und in der er sagte: „Bevor wir an die heutige Tagesordnung schreiten, geziemt es uns, eines Mannes zu qedenken, dessen Hinscheiden unsere Gemeinde sowie die ganze österreichische Judeuschaft in tiefste Trauer versetzt hat, eines Mannes, der durch seine hohe Kunst eine hervorragende Rolle in dieser Stadt, in unserem Vaterlande und weit über dessen Grenzen hinausspielte. Es kann hier an dieser Stelle nicht unsere Aufgabe sein,, den hohen künstlerischen Leistungen Adolf Ritter v. Sonnenthals die ihnen entsprechende Würdigung zuteil werden zu lassen. Wohl aber möchte ich hier hervorheben welch treuer Bruder der Verewigte unserer Glaubensgemeinschaft war; so war er unter anderem auch Mitbegründer und Vorstandsmitglied der „Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums", eines Instituts, dessen Ausgestaltung sehnlich zu wünschen ist und dem der Verewigte nicht nur seinen glanzvollen Namen lieh, sondern das er in jeder Weise, so auch durch eigene Vorlesungen zu fördern bemüht war." Präsident Dr. Stern schließt seine Rede mit folgenden Worten: „Er war ein gottbegnadeter Künstler, ein edler Mensch, ein guter Jude. Sein Andenken wird immerdar ein gesegnetes bleiben." Ueber einstimmigen Beschluß wurde diese Trauerkundgebung dem Protokoll einverleibt. * * * Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, dem 8. d. M., vormittag, unter massenhafter Beteiligung von Trauergästen aus allen Kreisen der Wiener Gesellschaft statt. Um 9V4 Uhr erschien der Erste Obersthofmeister Fürst Montenuovo im Trauerhause, wo er vom Sohne des Künstlers, Paul Ritter v. Sonnenthal, empfangen und in das Aufbahrungsgemach geleitet wurde. Dort verweilte Fürst Montenuovo einige Minuten. Hierauf sprach der Erste Obersthofmeister der Familie sein tiefstes Beileid aus: er sagte, daß er gekommen sei, um „den letzten Abschied von seinem lieben Sonnenthal zu nehmen". Um 10 Uhr begann die Trauerfeier. Oberkantor Bela Guttmann sang, begleitet vom großen Tem-

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