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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-02 · 14 (2.4.1909) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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’Jir. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 253 .'proohel Hai wenig. Lust, in einem solchen Hause einen Besuch abzustatten und verschmäht den Becher Weins, weil er gar zu stark mit Wasser gemischt und gefälscht ist. In zahlreichen Häusern ist der Pessach überhaupt und daher auch der Sederabend außer Kurs gesetzt: dafür aber werden mehrere Kursberichte gehalten. Der Sinn und das Verständnis, für das schöne Fest ist mehrfach schon verloren gegangen und wird oft mit der Bezeichnung Ostern verwechselt. Die Schuljugend hört wohl noch etwas von der Existenz des Peffachfestes und seiner Gebräuche in der Schule: allein der noch so gediegene Vortrag des tüchtigen Lehrers über die Geschichte und Bedeutung des Peffach sind nur Worte, die sich auch bald wie Schulstaub verflüchtigen, da ihnen die eigentliche Grundlage, der innere Kern und die alles belebende Anschauung von seite des Elternhauses fehlen. „Verba docent, exeinpla trahuud**. Worte lehren, Beispiele zünden. Vater, wenn du noch einen väterlichen autorativen Einfluß auf deinen Sohn hast und er dir ein williges und geneigtes Ohr schenkt, so sage ihm an diesem wichtigen und bedeutungsvollen Tage folgendes: 1. Es ist eine pietätvolle heilige Pflicht, daß wir denjenigen Gegenstand, den wir als Vermächtnis und Erbgut von den Eltern erhalten haben, hochschätzen, wohlverwahren, hüten müssen und unter keinen Umständen und um keinen Preis veräußern dürfen. Wir haben von unfern Vätern als das wertvollste Erbe und teuerstes Vermächtnis unsere Religion erhalten. Es ist daher unsere heilige Pflicht, daß wir dieselbe stets als ein teures heiliges Andenken M unserem Herzen hüten müssen und um kein Geld der Welt preisgeben dürfen.. 2. Unsere Religion darf nicht einem Rocke gleichen, den man nach Belieben an- und auszieht, nach der jeweiligen Mode zuschneidet und nach einiger Zeit wieder als unmodern ablegt und als zurückgelegte Ware bei stark reduzierten Preisen verkaufen kann. Unsere Religion enthält den monotheistischen Gedanken, d. h., .„einig und einzig". Hier gibt es kein halbes und kein Teilprodukt. Er bildet ein in sich geschlossenes vollkommenes Ganzes. Das will uns lchren, daß auch der Mensch stets mit sich eins und einig in seinen Gedanken, im Tun und Handeln sein soll. Es darf daher bei ihm kein Halbes, kein Wanken und Schwanken, keine halbe Gesinnung oder gar Gesinnungslosigkeit geben, sondern Festigkeit im Charakter und Gesinnungstreue. Unsere Religion, welche eine Religion der wahren und reinen Nächstenliebe ist, und die so viele ethische Grundsätze enthält, soll dir, mein Sohn, als Leitstern auf allen deinen Wegen dienen. Ihre Pfade sind lieblich-angenehm. Auf ihnen findest du die Wegmarkierungen und Marksteine: Wahrheit,' Aufrichtigkeit, Reinheit, Gerechtigkeit, Gottvertrauen usw. Wandle zwischen diesen, so wirst du den oft vermißten und gesuchten beglückenden, innigen Frieden des Herzens finden! Die 24 Bücher innfuffeiiDe uitjuDt|aie Literatur, pn u>sbesondere der Pentateuch (die 5 Bücher Moses, die Bibel,) fehlten vormals in keinem jüdischen Hause, sowohl des reichsten sowie des ärmsten Mannes und hatten daselbst einen Ehrenplatz in der Bibliothek obenan. Gegenwärtig werden dieselben vielfach in den jüdischen Bibliotheken vermißt. Sie werden als veraltet, unmodern, auch aus Raummangel durch massenhafte moderne und aufregende Romane und, seichte Zeitschriften aller Art verdrängt. Unsere Bibel, welche zahllose ethische Grundsätze, unübertroffene Lehren der Weisheit und der Aufklärung enthält, wurde immer von den größten Männern aller Zeiten, von den Heroen des Geistes, der Kunst, der Literatur und Wissenschaft, nicht allein gelesen, sondern auch studiert. Aus ihr fanden und schöpften sie wie aus einem unversiegbaren Born reichlichen Stoff der Anregung zu ihren unvergänglichen Werken und Schöpfungen. Diese Bücher, welche so gediegene und heilsame Lehren und Aufklärungen enthalten, müssen wieder rehabilitiert werden und in allen Ehren in deine Bibliothek, mein Sohn, einziehen und hier den alten ehrwürdigen Platz obenan finden! Bedauerlich ist es, daß in das feste Bollwerk, hinter welches sich einst der fromme Jude mit seiner Thora, seinem Gottoertrauen und seinen Hoffnungen geflüchtet und sich hier stark verschanzt hat, vielfach Bresche gelegt wurde. Die einst uneinnehmbare Festung des jüdischen Glaubens, der göttlichen Zuversicht und der mosaischen Lehren und Grundsätze, welche früher mit aller Kraftanstrengung und mit dem Herzbluts verteidigt wurde, so daß die Wälle von dem in Strömen geflossenen Blutes vollgefüllt waren, wird nur noch von wenigen alten Männern und schwachen Greisen besetzt gehalten, die unter der altbewährten glorreichen Fahne der Makkabäer einen heldenmütigen Kampf führen, während die junge Generation bereits zahlreich fahnenflüchtig wurde. Nur dadurch wurde es unseren zahlreichen Gegnern, Feinden. Hassern und Verfolgern möglich, ohne größeren Kampf und besondere Anstrengung, ja, leichten Spieles, bloß mit einem Wortgefechte und unter allerlei Vorspiegelungen in dieselbe einzudringen und billige Siege zu erringen. So sehen wir fallen Zweig auf Zweig von dem einst so mächtigen Zionsbaume. Allein, es möge uns zum Tröste dienen, daß dies nur morsche, vertrocknete und verdorrte Aeste und Zweige sind, welche, von den Stürmen der Zeit geknickt, nach allen Windrichtungen und Lagern getragen und zerstreut werden. Der kernige Stamm jedoch wird fortbestehen für und für: denn zu tief steckt er mit seinen über den ganzen Erdball verzweigten und verbreiteten Wurzeln im Boden der ruhmvollen Tradition und der Geschichte des Judentums. Wien, im Monate Nissan 1609. Literatur. Montaigne in Rom, Auf Wunsch der Schriftlcitung folgen hier einige Ergänzungen zu deni verdienstlichen Aufsatz des Herrn Professors Josef Frank S. 233 ff. d. Bl. Riechbüchsen, in den verschiedensten Formen in den jüdischen Mu'een vertreten, werden besonders von den Spaniolen, auch von den ostindischen Inden bei gottesdienstlichen Handlungen in der Synagoge wie im Hause verwendet. Riechutensilien bei dem Beschneidungsakt erwähnt Josef Karo .Tore dea 265, 1 In Nizza verteilte man am Ausgang der Synagoge an die Frauen Blumensträuße, in Hamburg vor hundert Jahren gleichfalls „Recherchen". Es ist wohl über flüssig, auf entsprechende Bibel- und Talmudstellen hinzuweisen, wie Hosea 14. 7, Berakhot 13 b (atldim bachure Jisrael schejittnu reaeh tob ka-lebanon) u. A. lieber „Montaigne ä Rome" wird übrigens in der „Revue des etudes juives" 1908, p. 109 ff. ausführlich gehandelt. Der von Montaigne gehörte jüdische Prediger hat wahrscheinlich auch gelegentlich Giordano Bruno zu seinen Zuhörern gezählt. (Vgl. über ihn Zeitschrift für hebr. Bibliogr. 1903, S. 28 f.) Es wäre eine lohnende Aufgabe, die Judaica in der französischen Literatur zu sammeln. Montaigne selbst erwähnt in seinen ..Essais" I, 11 die Vertreibung der Juden aus Portugal, I, 3 die Makkabäer, II, 12 zitiert er Salomo und Jesaja, III, 5 empfiehlt er Leo Hebraeus. III, 49 spricht er von dem Gebrauch der P'almen in der katholischen Kirche usw. Rabelais' (Hargantua, deutsche Uebersetzung. Bibl. Jnftit.) erwähnt die Art der Namengebung bei den Hebräern (@. 47), einen jüdischen päpstlichen Leibarzt (82), die Massoreten als „brave Burschen und kunstfertige hebräische Dudelsackpfeifer" (147)*), Malchus-Schwert (197), Kimchi und Jbn Ezra (249), *) Einen guten Cherub machen (nos' faciemus Cherubin) =- gut saufen. (S. 77.)

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