Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 252 Dr. Blochs Wochenschrift. in Anerkennung seiner auch für die Leipniker Gemeinde geleisteten hervorragenden Verdienste auf humanitärem Gebiete, insbesondere wegen seiner erst in jüngster Zeit gemachten 10.000 Kronen-Bettstiftung für das' israelitische Versorgungshaus per Akklamation zum Ehrenbürger von Leipnik ernannt und ihm das ebenso, schöne als vornehm ausgestattete^. Diplom letzter Tage zugestellt. Innsbruck. Am Sonntag den 28. v. M. fand die Neuwahl der Vertretung des israelitischen Schul- und Kultuskomitees statt, bei der folgende Herren wiedergewählt wurden: Wilhelm Dannhauser. Louis Bauer, Viktor Schwarz, neugewählt: Siegmund Abel es, Salomon Baum, Leopold D u b s k y, Martin Steiner. Effek. In der jüngst abgehaltenen G neralversaniwlnng winden in den Vorstand gewählt: Die Herren Jonas Beraer, Ludwig Bozsau, Saudor Dorner, Otto Fellner, Emanuel Herrmau», Sandor Halasz. Alexander Justus Gustav Kobsa. Max Kraus, Dr. Aladar Klein, Samuel Rottmann, Leopold Singer. Ludwig Szckler, Dr. Hugo Spitzer. I. N. Schulhof, Leopold Taubner, Sigmund Wolf, 'Jakob Wotitz und Ignatz Zwreback. In der zahlreich besuchten Generalversammlung wurde dem bisherigen Vorsteher Herrn Dr. Hugo Spitzer das Vertrauen ausgesprochen, dem Vorstande das Absolutorium erteilt und protokollarischer Dank votiert. In der konstituierenden Sitzung wählte der Vorstand unter stürmischen Vertrauenskundaebungen Herrn Dr. Hugo Spitzer zum Vorsteher, Herrn I. R Schulhof zum Vorsteher-Stellvertreter und Herrn Ludwig Szekler zum Kassier. Nagy-Kanizsa. (Vortragsabend.) Auf Anregung des Talmud-Thora-Vorstandes Herrn Dr Reumann, Oberrabbiner und Herrn Moritz Halphen ist unter Leitung des Herrn Lehrers Armin Domauy, Professor an der hiesigen Handelsschule, von den Talmud-Thora-Schülern im Laufe des Wintersemesters der 2. Vortragsabend am 26. März im großen Saale des E sinos abgehalten worden. Dem Programme gemäß deklamierte 1. Kertcß Jenö, Schüler der Handelsschule, „Jakobs Abschied", Gedicht von I Patai. 2. Vortrag „Die Bibel und der Sozialismus" vom Gymnasialschülerl Josef Sommer. Selbständige Arbeit. 3. Deklamation „Nebukaradan" von I. Patai der Gymnalschüler Steiner Miksa. 4. lieber „Juda Halewi" der Gymnastalschüler Kalmar Geza. Selbständige Arbeit und 5—6 Mufik- Pieceir: „Legende" von Lewandowsky und Motive jüdischer Melodien, auf der Violine vorgetragen vom Schüler der Handelsschule Isidor Hahn. Die zahlreich erschienenen Gäste akklamierten lebhaft die mit Interesse angehörten und seitens der Schüler mit wahrer Begeisterung ausgeführten Vorträge Schade, daß Worte der Einleitung und des Schlusses, die bei den geistigen Fähigkeiten der Schüler leicht ausführbar gewesen wären, bei diesen die Erwärmung der Jugend fürs Judentum besonders fördernden Leistungen gefehlt haben. 6. Feuilleton. Dasprssachfest von einst und fetzt EiueBetrachtung aw Vorabend desPessachf e st e s. Von Josef Frredl, Oberlehrer. Wenn der kalte, harte und grausame Tyrann, der Winter geschwunden ist, die düsteren, trotzigen Wolken von den warmen Sonnenstrahlen verscheucht worden sind, und der lange erhoffte und ersehnte Frühling, als Erlöser und Befreier der Menschen von den eisigen Banden des langandauernden Winters begrüßt, wieder seine Herrschaft antritt, wenn die Natur durch den Frühlingshauch sich wieder neubelebt und verjüngt, die Bäume sich mit frischem Laube schmücken, die Felder und Wiesen sich in ein junges saftiges Grün kleiden, dann feiern wir eines der schönsten und sinnreichsten Feste — das Pessach-Ueberschreitungsfest, auch das Fest der Erlösung und Befreiung Israels aus ägyptischer Knechtschaft und Tyrannei genannt. Wochen zuvor, so dasselbe in Sicht war, ging es in den ehemals alten jüdischen Häusern lebhaft und heiß her. Alle geschäftigen Hände regten und rührten sich und waren bemüht, alles im Hause umzuwandeln und umzugestalten. Die Wände zu tünchen oder zu Nr. 14 malen, alles zu scheuern, zu reinigen und zu. säubern, um die einfache Stube in ein herrliches, glanzvolles Gemach zu verwandeln. Besondere oft neue Gefäße und Speisegeräte wurden herbeigeschafft, auserlesene Speisen und Leckerbissen wurden zubereitet, um den vornehmen Gast, das Pessachfest, würdig und in allen Ehren und Auszeichnungen zu empfangen und ihn durch 8 Tage sorgfältig, ja königlich zu bewirten. Den Mittelpunkt des erhabenen Festes bilden die zwei Sederabende, die mit besonderer Weihe und Innigkeit begangen wurden. An dem reinlich gedeckten und geschmückten Tische saßen Vater, Mutter, Kinder und häufig auch fremde geladene Gäste, die in voller Andacht an den Zeremonien und Vorgängen des Abends innigen Anteil nahmen. Unter den Sederteilnehmern herrschte eine freudenvolle, festlich gehobene Stimmung. Auf ihren Gesichtern prägte sich das Gefühl der höchsten Glückseligkeit und der größten Zufriedenheit aus. Sie fühlten sich in diesem Augenblicke so reich, daß sie mit keinem noch so reichen Menschen ihre Lage vertauschen mochten, und ein zauberhafter, göttlicher Glanz widerspiegelte sich von ihrem Hauvte. den nur wahres Gottvertrauen und reine innere Frömmigkeit hervorbrinaen können. Welcher Maler wäre imstande, dieses herrlich-schöne Bild des vollendeten Glückes und der Zufriedenheit mit den passenden Farben zu malen, und welcher Dichter könnte dasselbe mit den richtigen Worten schildern, welches sich in dieser Stunde entwickelte. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte alles dem Vortrage des Hausherrn, welcher aus der Haaadah die Geschichte des Auszuges und der Befreiung Israels aus ägyptischer Knechtschaft und Sklaverei durch Gottes Macht mit lauter Stimme und eigenartiger Betonung vorlas. Jede Stelle wurde durch Mitlesen und mit Gesang begleitet. Nach Beendigung des Seders blieb die Tischgesellschaft noch sehr lange in der fröhlichsten Stimmung beisammen und hörte ein zweiites Ieziazmizzaiim, welches der Hausherr aus seinem Leben und aus jüngst vergangener Zeit gab. mit allem Interesse an. Ein solcher Abend blieb allen Sederteilnehmern und insbesondere den Kindern in stets angenehmer heiliger Erinnerung. Wie schaut es aber heutzutage mit dem Seder aus? Der ehemals viel zu kurze und enge Tisch wird immer länger und größer; denn er weist sehr viele Lücken auf. Fragt man nach dem Grunde der Fehlenden, so hört man. d!aß der älteste Sohn heute bei einer Premiere im Theater ist, der zweite Sohn einem Vorträge über moderne Weltanschauung usw. anwobnt und die Tochter rrmi Besuche bei ihrer Freundin, die heute ihren jour bak. weilt. Die kleine Sedergeselllchaft besteht bloß aus Vater. Mutter und dem jüngsten männlichen Svrötzilmg. der glücklicherweise noch nichts von den Vorgängen der Außenwelt versteht. Er ist das wahre und richtige Soheeno .iodeu lischol. Der sonst beredte und nie stillstehende Mund, der unermüdlich, aus purer Neugierde, Vater und Mutter mit allerlei Fragen zu belästigen pflegt, ist heute geschlossen. Das «nt« ne hat er vergessen zu lernen und muß daher wegbleiben. Da er noch nicht die genügende Lesefertigkeit hat, so kann er auch nicht dem Vortrage des Vaters in der Hagadah folgen. Bald bemächtigte sich des Kleinen eine große Ungeduld und eine gähnende Langweile, die sich auch auf die Mutter verpflanzte. Das geringe Interesse, welches sich zeigt, veranlaßt den Vater, alles zu kürzen und den Seder zw beendigen. Das Kilogramm oder Vs Kilogramm mazzos, das die Mütter gekauft hat, dimt nur als Rarität und um den Gaumen der Tochter?" befriedigen, die mazzos im Kaffee so gerne und mit cllrr Vorliebe ißt. Der Prophet Ella, der Wunder-