Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021833--18207-3043122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 247 Dk. Bl»chs WochtnschM. Ungarischer israelitischer Kulturverein/ Vorigen Montag hielt. 8er Ungarische Israelitische Kulturverein im. Prunksaale -er Pester Israelitischen Religionsgemeinde seine konstituierende Versammlung, zu welcher sich ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden, hatte, Rabbiner Dr. «Simon Hevesi begrüßte im Namen des Vorbereitungskomitees die' Erschienenen und skizzirte den Zweck des Vereines, der darin besteht, das. ungarische Judentum mit den reichen, geistigen Schätzen seines. Glaubens bekannt zu machen. Der Verein wird ferner die Aufgabe haben, die Zukunft der in ihrem Bestände gefährdeten jüdischen Schule zu. sichern, auf patriotischer und religiöser Grundlage das jüdische konfessionelle Leben zu stärken. Hierauf wurde der Statutenentwurf angenommen. Dann folgte die Wahl der Funktionäre. Zum Präsidenten wurde einhellig Baron M. L. Herzog gewählt; zum Kopräsidenten Rabbiner Doktor Simon Hevesi, zu Vizepräsidenten Dr. Wilhelm Grauer. Dr. Adolf Kohner, Dr. Adolf Lettner, Manfred v. Weiß und die 'Rabbiner Dr. Elias Adler, Dr. Julius Fischer; zum Sekretär Dr. Ernst Weiller. Der neugewählte Präsident Baron Moritz. L. Herzog wurde durch eine Deputation eingeholt und bei seinem Erscheinen lebhaft akklamiert. Baron Herzog hielt dann folgende vielbeachtete Ansprache: „Wenn ich mit unendlicher Freude es unternehme, hiermitzuwirken, so ist die Triebfeder dabei — aufrichtig gesprochen — jene erhabene Parole, welche unser soeben konstituierter Verein auf seine Fahne geschrieben: Entwicklung der ungarischen israelitischen Kultur auf patriotischer Grundlage. In der Verwirklichung unseres Losungswortes, meine Herren, erblicke ich die Beseitigung der in der ungarischen Gesellschaft leider noch immer vorhandenen Scheidewände, die Bekämpfung des zum Teil offenen, aber überwiegend latenten Partikularismus der Rassen. Seien wir in erster Reihe Ungarn, bestreben wir uns, in der Schule, in der Familie, im öffentlichen Leben die patriotische Kultur zu verallgemeinern. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß unser Verein schon in naher Zukunft das erreichen wird, was unser Aller heiß ersehntes Ziel ist: eine gebildete. einheitliche, daher starke ungarische Gesellschaft! Für diesen Zweck erbitte ich mir Ihre wohlwollende Unterstützung." Diese Rede des Präsidenten wurde mit stürmischem Beifalle ausgenommen. .Nach der Wahl eines aus fünfzig Mitgliedern bestehenden Direktionsrates und des Ausschusses wurde die Versammlung geschlossen. Das Leichenbegängnis Baron Siegmund Kornfelds. Budapest. Unter überaus großer Beteiligung wurde Baron Siegmund Kornfeld' zu Grabe getragen. Die Leichenfeier fand in dem schwarz drapierten Kuppelsaale des Börsenpalastes statt. Zur Leichenfeier hatte sich ein nach Tausenden zählendes Publikum eingefunden'. Unter anderen waren erschienen: Ministerpräsident Dr. Wekerle, die Staatssekretäre Szterenyi, M a r f f y und P o p o v i c s, die Geheimen Räte v. S z e l l, Ladislaus Lukacs, M a t l ekovi c s, Berczevic zy.- L u d w i g h und Schm i d t> die Magnatenhausmitglieder Baron Förster Und Anton Lukacsi Ober-: stadthauptmann Boda, der Gouverneur der- Oesterreichischen BodeNkreditanstalt Ritterv. Tausisig, der 'Direktor der Oesterreichischen Kreditanstalt Julius Blum, der Prokurist'des Bankhauses Rothschild Moritz Blum, in Vertretung des -Wiener Bankvereines Direktor Hugo Markus, der Direktest der Diskontogesellschaft in Berlin- Dr. S o'k m s se n, feiner in Vertretung der Berliner Firma S. Bleichröder ' Dr. - Prosper Glon er, die. Mitglieder des Börsenrates, Deputationen der Handels- und Gewerbekammer, der Donau-Dampfschiffahrts- Gesellschaft, ferner sämtlicher' Banken und Geldinstitute. Vertreter der Hauptstädt,' zahlreicher Korporationen re. Der Leichnam wurde in die Familiengruft auf dem Rakos-' Keresztur-Friedhof beigesetzt. ■ i Die Trauerfeier begann mit einem vom-Tempelchor unter Leitung' des- - Oberkantors Professor L a z a r u s gesungenen Choral. SödanN trat Oberrabbiner Dr. Samuel-K o h n an die Bahre. Sigmund Kornfeld- —^ sagte er' —der als Unbekannter zu uns kam, wurde zu einer führenden und maßgebenden Persönlichkeit'im volkswirtschaftlichensozmlen Und auch im politischen Leben. Und dabei war' er bis an'sein'Lebensende ein glanbenstreuer, frommer Jude, der bei seiner vielfachen Inanspruchnahme doch stets Zeit fand, fich mit den Angelegenheiten der israelitischen Gemeinde zu beschäftigen. In Vertretung der Börse nahm Vizepräsident Jacques v. Simon Abschied von dem verstorbenen Präsidenten. Diese Wände, sagte der Redner, waren Zeugen seiner segensreichen Tätigkeit, und Alle, die ihr Beruf hieher führt, fühlen den unersetzlichen Verlust, den wir erleiden. Diese Institution ist seinem Heiden am nächsten gestanden. Die Pflege und die Festigung des Handels bildeten seinen Lebenszweck. Mit Ergriffenheit und Dankbarkeit blicken wir darauf zurück, was er geleistet hat. Was vergänglich an ihm ist, wird das Grab umschließen, aber sein Geist wird segenbringend und befruchtend weiterleben. Hierauf widmete in Vertretung der Ungarischen Allgemeinen Kreditbank Direktor Adolf v. Ullmann dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf. „Er war weise, mächtig und edel — sagte der Redner. — Seine geistige Ueberleqenheit, seine eiserne Energie, seine außerordentliche Arbeitsamkeit und fein fester Charakter, gepaart mit umfassender Bildung, reichen Erfahrungen und allgemein anerkannter Gerechtigkeitsliebe prädestinierten ihn zum Führer in unserem Wirtschaftsleben. Mehr als drei Jahrzehnte hat er unermüdlich und mit großem Erfolg daran gearbeitet, unser Vaterland wirtschaftlich, materiell und finanziell unabhängig zu machen, das Niveau und das Ansehen unseres Landes zu heben. Wir geloben, daß wir den Geist, den er unserem Institut und bei unseren verwandten Unternehmungen eingebürgert hat, jenen Geist, in welchem er die Ungarische Allgemeine Kreditbank geleitet und zur Macht geführt hat, als unser kostbarstes Erbe getreu bewahren werden." Der Sarg wurde sodann auf den Freiheitsplatz getragen und alsbald setzte sich der schier endlose Leichenkondukt in Bewegung. Berittene Polizisten, Angestellte der verschiedenen Unternehmungen und Vereine eröffneten den Zug, dann folgten acht mit Kränzen beladene Wagen vor dem sechsspännigen Leichenwagen. Der Zug bog in die, Palatingasse ein und machte, gleichsam zu stummem Abschied, für einige Minuten vor dem Palais der Kreditbank Halt. Es war halb 1 Uhr geworden,, als der Zug im Rakoskereßturer Friedhofe anlangte, wo die Leiche nach Verrichtung eines Gebetes in der vor einigen Jahren erbauten Familiengruft beigesetzt wurde. Sigmund Kornfeld, welcher dem ungarischen Staat, dem Aufschwung seiner Finanzen und der Förderung seiner Industrie die wichtigsten und wertvollsten Dienste geleistet, zählte auch zu jenen „eingewanderten Fremdlingen", gegen welche der magyarische Chauvinismus Gift und Galle speit. Das Leben und Wirken Sigmund Kornfelds beweist aber, wie wertvoll diese ^eingewanderten Fremdlinge" dem ungarischen Staate geworden s i.n d. Brüx. Einer unserer besten Männer, der auch viele Jahre dem israelitischen Kultusvorstande angehörte. Fabriksdirektor und Verwaltungsrat der Spiritus- und Pottaschefabrik in Brüx, kaiserlicher Rat Josef Reis, ein Bruder des Wiener- Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Emanuel Reis, ist am 12. März in Abbazia verschieden. Die „Brüxer Zeitung" widmet ihm folgenden, ehrenvollen Nachruf.' „Abermals hat der Tod eil em überaus arbeitsreichen Leben ein jähes Ende gesetzt. Freitag den 12. d. M. ist, wie bereits gemeldet, in Abbazia der Direktor der Bruxer Spiritusfabrik und Stadtverordnete Herr kais: Rat Josef Reis im Alter von 57 Jahren verschieden. Diese Nachricht, die fich Freit'g nachmittags mit Blitzesschnelle Inder Stadt verbreitete/ verfehlte nicht, in allyz Kreisen der Bevölkerung das herzlichste Mitgefühl hervorzurufen und. schier wollte .es niemand glauben/ daß der) ManN, der noch vor einigen Wochen mit seinem Bienenfleiße ttnter-uüs--gÄveilt, in der Vollkraft seines Schaffens einem unerbittliches-Schicksale weichen mußte. Herr kais. Rat Reis würde am 14. Mat^!852 'iüStirin bei Eirle als der Sohn, eines Oekonomiebesitzers -geböiÄi?Or besuchte die deutsche Realschule in Präg und trat 1871 in dii? VietbräÄrer und Brennerei Fürth in Prag als Assistent ein Und - hörtet dabei einschlägige Vorlesungen im deutschen