Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 246 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 14 Wien, II., Dr. M. Rosenmcrnn, Delegierter der Ortsgruppe Wien, VII., Kommerzialrat S. Rosen - zweig, D. Rotter, Mitglied der Vereinsleitung und Delegierter der Jewish Eolonisation Association, Dr. Hermann Schneeweiß, Delegierter der Ortsgruppe Linz. Dr. Schneeweis, Klosterneuburg, Baurpt Wilhelm Stiatzny, Mitglied der Vereinsleitung und Delegierter der Jsr. Kultusg!emeinde Wien, Jakob S. Straßberg, Mitglied der Vereinsleitung, Dr. Bela T a u s s i g, Delegierter der Ortsgruppe Wien, I. und des Jsr. Humanitätsvereines „Wien", B'n,ai B'rith, endlich Hugo Tugendhat, Mitglied der Vereinsleitung. . Auf den interessanten Jahresbericht dieses Vereines kommen wir noch zurück. Die jüdische« Soldaten i« Bosnien. Die Kriegsgefahr, welche über die österreichisch-ungarische Monarchie bis in die letzten Tage geschwebt hatte, hatte die Einberufung zahlreicher Reservisten zur Waffenübung zur Folge. Die Einberufenen wurden zumeist nach Bosnien und die Herzegowina kommandiert. Unter den Einberufenen befinden sich nach halbamtlicher Schätzung zumindest 12.000 jüdische Soldaten, zum guten Teile verheiratete Reservisten, Familienväter, die Weib und Kind zurücklaffen mußten. Es muß hierbei festgestellt werden, daß in alle die antimilitaristischen Bewegungen, welche in jüngster Zeit besonders in Böhmen ihren Sitz hatten und der Regierung inmitten der größten internationalen Spannung nicht geringe Sorge verursachten, kein Jude verwickelt war. Es soll auch konstatiert werden, daß unter den verschiedenen Fällen von Selbstverstümmelung und Flucht oder Selbstmord aus Angst vor dem Kriege, kein einziger Fall bekannt wurde, in dem es sich um einen Juden gehandelt hätte. Gleich zu Beginn der größeren Truppenverschiebungen wurde im Präsidium des israelitischen Gemeindebundes die Frage der Schaffung eines Hilfsfondes für die Familien der cingerückten Reservisten venttliert und die Vorbereitungen getroffen, um im Kriegsfälle hilfsbereit in Aktion treten zu können. Mit Rücksicht darauf, daß sich unter den eingerückten Soldaten zahlreiche strenggläubige Juden aus Galizien und Ungarn befinden, die während der Peffachtage die größten Entbehrungen dem Chamezgenuffe vorzuziehen entschlossen find, befaßt fich gegenwärtig der Gemeindebund mit der Frage der rituellen Verköstigung der jüdischen Soldaten in Bosnien während der Peffachtage. Die überaus großen Terrain- und Verkehrsschwierigkeiten im . fraglichen Gebiete legen allerdings der Durchführung dieses Vorhabens fast unüberwindliche Hinderniffe in den Weg. An einer Analogie für eine Massenversorgung jüdischer Soldaten mit Mazzes im Kriegsfälle fehlt es übrigens nicht. Bekanntlich wurde anläßlich des russisch-japanischen Krieges, in welchem 40.000 jüdische Soldaten in der Front standen, ein ganzer Eisenbahnzug mit Mazzes in die Mandschprei befördert. Allerdings Hai dieser Zug wie noch erinnerlich, sein Ziel nicht erreicht, da die korrupten russischen Eisenbahnbeamten ihn unterwegs plünderten. Tatsächlich hat auch damals der größte .Teil der jüdischen Soldaten während der Peffachtage die größten Entbehrungen gelitten. Der neue bosnische Laudeschef und die Juden. ■ Anläßlich der feierlichen Installation des nssuernannten bosnischen Landeschefs Korpskommandanten Marian Varesanin von Bares wurden von demselben auch die Deputationen der beiden jüdischen Gemeinden von Serajewo empfangen. Die Spaniolen erschienen unter Führung ihres Gemeindepräsidenten Jesua D. Salom, wahrend die Abordnung der österreichischungarischen Jsraelttengemeinde vom Oberrabbiner Dr. Weszel geführt, wurde. Auf die Ansprachen der beiden Sprecher der Juden Bosniens antwortete der Laydeschef in herzlichen Worten,, indem er versicherte, Laß er für die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession ein volles und wohlwollendes Herz mitbringe und trachten, werde, auch den gerechten Hoffnungen der Juden zu entsprechen. Auch zu dem zu Ehrendes neuen Landeschefs veranstalteten Bankette wurden die -offiziellen Vertreter der Juden beider Richtungen eingeladen. Ein Ritnalmordmärchen mit gutem Ende. Pessach ist vor: der Tür und die Ritualmordmärchen tauchen wieder auf. Die erste Kunde hierüber kommt diesmal aus. einer kleinen slovakischen Gemeinde im Turoczer Komitat in Ungarn, welche, ganz., im Banne der klerikal-antisemitischen Volkspartei steht. In der Gemeinde brach ein Feuer aus., das mehrere Häuser einäscherte. Als Brandstifter wurde ein Dienstmädchen in Haft genommen, das sich mit einer echt antisemitischen Ausrede zu entschuldigen suchte. Sie erzählte nämlich, daß ihr jüdischer Dienstgeber ihr gedroht hätte, fie zu Ostern abzuschlachten, wenn fie nicht des Nachbars Haus in Brand stecke. Die Gendarmerie verhaftete auf das sofort den beschuldigten Juden und brachte ihn, ohne jedes Verhör gefesselt in das Gefängnis der Staatsanwaltschaft der Komitatsstadt Turocz- St>Marton. Dies geschah um 2 Uhr nachts. Der Jude nannte einen Advokaten, dessen Bemühungen wegen Freilassung seines Klienten jedoch erfolglos blieben. Der Advokat wandte sich nun an den Vizegespan (ungefähr im Range eines Statthalters). Die Wirkung war überraschend. Der Vizegespan Koloman Beniczky rügte den Advokaten dafür, daß er nicht sofort nach der Verhaftung um 2 Uhr nachts zu ihm. gekommen sei und. seine sofortige Hilfe in Anspruch genommen habe. Der Vizegespan, der Pen verhafteten Juden persönlich kannte, erklärte sich beim Staatsanwalt sofort bereit, eine Kaution von 100.000 Kronen für den Juden zu erlegen. Tatsächlich erlegte der hohe Beamte einen Garantieschein in der Höhe von 100.000 Kroyen und der Jude wurde in Freiheit gesetzt. Damit ist die Angelegenheit wohl noch nicht erledigt. Die Untersuchung ergab, daß das Dienstmädchen eine Piromaniakin der gefährlichsten Sorte ist, die auch sonst geistig, zurückgeblieben ist. Der Gendarmerie-Oberleutnant, der die Verhaftung des Juden auf Grund von mehreren unglaubwürdigen Aussagen der Brandstifterin vornehmen ließ, wurde vorläufig strafweise versetzt Ausweisungen russischer Juden aus Oesterreich. Aus Ezerno Witz wird uns geschrieben: Ein Erlaß der k. k. Regierung macht jetzt vielen armen Leuten, vielen Familienvätern schwere Sorgen. Es ist dies der Auftrag an die k. k. Bezirkshauptmannschaften, die russischen Emigranten, russischen Deserteure, des Landes zu verweisen. Dieser Auftrag grenzt an Barbarei. In einem Modernen -Staate mit moderner Zivilisation sollte man denken, daß ein solcher Ukas unmöglich wäre. Leute, welche sich hier ehrlich ihr Brot verdienen, Männer, die verheiratet, Frau und: Kinder, Grundbesitz haben, welche jahrelang hier wohnen, sollen plötzlich aus ihreü Himmeln geriffen werden, Weib und Kinder verlassen', den Zigeunern gleich von Ort zu Ort getrieben werden! Menschen/ die nie jemandem zur Last fielen,' niemandem behelligt haben,' sondern mühsam durch ihrer Hände Fleiß sich fottfretten, sollen gejagt, gehetzt werden! Wo ist da die. staatlich gewährleistete Freizügigkeit? Wo unsere' von Humanität 'triefenden obern Zehntausend! Wo sind die ruthenischen, die. jüdischen Abgeordneten,' um solcher Unbill zu steuern? Denn -nicht Juden allein find es, die. von diesem Unglücke. betroffen - werden. Speziell in" unserem Bezirke find es . viele Äleinrusfen: und i auch einige Moskowiter, die bald ihrer.Auswe^sWg:en.tgegensehen. Es'wäre also am Platze, weyn die Regierung, Wen Erlaß nicht rückgängig machenkann, daß. unsere.! Abgeordneten, speziell die jüdischen und ukrainischen, diesemMyse durch eiye Interpellation, im Reichsrate ein Ende machen. .Mrschutzvereine gibt es^ aber > Menschenschutz, wo ist der zu,ßMnDer.Menschheit gauzer- Jammer Wt einen an, wenn.rWPft.die > - armen, - perfolgten, und?.; gehetzten russischen Emigranten LWÜberwandeln Peht.7 n;; v