Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Bwchs Wochenschrift. Sei den hiesigen Wahlen in die KultusgemeindevertretüyL wpDy'Wgeo.de tze.rren. .gewählt: Kais. Rat Biller, Adler Ignaz, Pollak Ignaz. Weiß Adolf. Stern David. Mayer Max. Rendi Simon, Stier Gustav, Braun Siegfried, Birma» Armin, Orowan Markus. Grünwald Paul, Pollak Amon, Rosenberg Samuel, Preist Philipp, Rendi Adolf. Lustig Deszö, Stampf Israel, 'Feuerstein Adolf Singer, Emanuel, Kohn Jakob, Pollak Max, Neumann Heinrich, Schlesinger Samuel Als Ersatzmänner erscheinen gewählt die Herren: Stein Theodor, Biller Heinrich, Brunner Adolf. Znm Präses wurde einstimmig und zwar zum fünftenmale Herr kais. Rat Biller gewählt. Berlin. In den Synagogen der jüdischen Gemeinden waren 1908 insgesamt 10.677 Synagogenplätze vorhanden. 761 waren Eigentumsplätze: 9353 wurden vermietet und brachten eine Einnahme von 161.709 Mk.: 487 waren Freiplätze: 74 Plätze wurden der Armenkommission zur Verfügung gestellt. In den Betsälen betrug die Zahl der Plätze 16.760. Von diesen 16.760 Betsaalplätzen wurden vermietet 14.510, die 75.238 Mark in Einnahmen brachten: 1886 waren Freiplätze, 178 wurden durch die Armenkommiffion verteilt. In den Synagogen und Vetsälen blieben somit unbesetzt 188 Plätze, die sich fast alle im Westen befanden. Der höchste Platzpreis belief sich in den Synagogen auf 60 Mark, der niedrigste Preis auf 3 Mark. Berlin. Der Sägewerksbesitzerssohn W i e st in Kempten, der glaubte, daß durch die Schuld des Direktors der Filiale der Bayerischen Handelsbank in Kempten, Wolfsheimer, sein väterliches Geschäft geschädigt worden sei, versetzte diesem, als er ihm auf der Straße begegnete, eine Ohrfeige mit den Worten: „Hier haben Sie die Quittung für Ihre Gemeinheit, Sie Saujude!" Die Staatsanwaltschaft erhob öffentliche Anklage und das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Wochen Gefängnis. Der Amtsanwalt legte jedoch Berufung ein und das Landgericht Kempten verurteilte nun vor einigen Tagen den Raufbold zu drei Monaten Gefängnis. Unter dem Vorsitze des Herrn Bürgermeisters Hieronymus in Michelstadt im Odenwald beriet kürzlich ein Komitee über die Ausführung der vom Gemeinderat beschlossenen Ehrung des berühmten Rabbi Seckel Löb Wormser (Baal Schem), der einen sich und seine Vaterstadt weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus ehrenden Namen erworben. Es wurde beschlossen, eine Sammlung zu veranstalten, deren Erträge teils zu einer Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhause benutzt, teils zu einer Stiftung festgelegt werden sollen, die seinen Namen tragen und deren Zinsen im Geiste des großen Rabbi zu wohltätigen Zwecken ohne Unterschied der Konfession Verwendung finden sollen. Redakteur-Jubiläum. sind seltene Erscheinungen. Unsere Zeitungsmänner haben soviel mit den Jubiläen anderer zu tun, daß sie auf eigene gewöhnlich verzichten. Es waren dann auch Freunde des Jubilars, des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer, die ihn zu seiner eigenen Verblüffung mit einem Jubiläum seiner fünfundzwanzigjährigen. Leitung der „Jüdischen Presse" überrascht und überrumpelt haben Das Bankett vereinte eine stattliche Anzahl von Gelehrten, Publizisten und Angehörigen der Berliner Jüdischen Gemeinde. In mannigfachen heitern und ernsten Reden wurden die Verdienste des Jubilars, die nicht nur auf dem Gebiete der Publizistik, sondern auch auf dem der Wohltätigkeit, der unermüdlichen Fürsorge für Bedrängte und Notleidende liegen, nach Gebühr gefeiert. Auch die Redaktion derZ„Oesterr. Wochenschrift" entbietet dem verehrten, hochverdienten Kollegen die herzlichsten Glückwünsche. Seite 229 Die Beziehungen der russischen Intelligenz zur Judenfrage. In einem höchst interessanten Artikel über dieses Thema weist der berühmte russische Schriftsteller Koralen ko in den „Rußkije Wjedomosti" darauf hin. wie die ruffische- Intelligenz in ' den Neunziger-Jahren bestrebt war, die Iudenfrage zu ernster Diskuffiyn zu stellen. Korolenko erzählt: Im Jahre 1890 organisierte der russische Philosoph Wladimir S o l o w i o f f einen Protest gegen die antisemitische Hetze in der russischen Presse-. Es wurde nun eine Protestresolution verfaßt. Der Grundgedanke der Resolution war die Menschenliebe im allgemeinen und die christliche Nächstenliebe im besonderen. Im ersten Teil wurde dargetan, daß die Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben den Betreffenden noch nicht des Rechtes beraube, Menschenliebe und Gerechtigkeit für sich zu fordern, wobei die Frage offen bleibe, ob es wünschenswert erscheine. die Juden mit rein geistigen Mitteln zum Christentum heranzuziehen. Im zweiten Teil wurde auseinanderqesetzt, wenn auch im jüdischen Leben einzelne schlechte Erscheinungen wahrnehmbar wären, so wäre dies damit zu erklären, daß die Juden infolge der tausendjährigen Verfolgungen sich stets in abnormalen Lebensbedingungen befunden haben, was sehr vieles erklären und entschuldigen könne. Es wäre im Gegenteil Pflicht der heutigen Gesellschaft, frte Heilung all' der alten Wunden zu bewerkstelligen. Im dritten Teile endlich wird auf die große Gefahr hingewiesen, welche die antisemitische Agitation für die christliche Gesellschaft in sich birgt, und historisch nachgewiesen, daß der Antisemitismus eigentlich aus Deutschland importiert worden sei. Zu dem letzteren Punkte muß noch bemerkt werden, daß man damals in Rußland auf Deutschland nicht sehr gut zu sprechen war. Man ging nun an die Sammlung von Unterschriften. Die Protestresolution wurde von zahlreichen angesehenen Professoren (unter ihnen auch der spätere Präsident der ersten Duma, Muromzew und der jetzige Dumadeputierte Miljukoff) und Schriftstellern unterschrieben. Auch Korolenko selbst gab seine Unterschrift. Wohl haben einzelne Ausdrücke der Resolution bei manchem Unzufriedenheit erweckt, aber man wollte eine imposante Zahl von Unterschriften beisammen haben, und so gab man lieber nach. Geplant war. den Protest in russischen Blättern zu veröffentlichen. Doch daraus ist nichts geworden. Die reaktionäre Preffe hat Wind bekommen von dem Vorhaben und setzte mit einer wütenden Agitation gegen die geplante Demonstration ein. Und diese Agitation hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Veröffentlichung der Protestresolution ist in Rußland unmöglich geworden. Sie wurde dann in einer ausländischen Zeitung abgedruckt, blieb aber natürlich ohne jede Wirkung. „Heute", schließt Korolenko seinen Aufsatz, „gehören diese Dinge bereits der Geschichte an. Es ist wohl wahr, die progressive Preffe hat bereits alle Argumente erschöpft, die in der Judenfrage angeführt werden können, dafür aber hat hie antisemitische Presse desto wirksamer gehandelt und ohne Schamgefühl alle Grundlagen der christlichen Moral und jeder anderen Moral aufs schändlichste verraten." Protest gegen den Antisemitismus iw russische» Parlament. Fünfzig Abgeordnete der Reichsduma haben folgenden Protest gegen den Präsidenten Chomjakow eingereicht: „In der Abendfitzung vom 3. Marz (18. Februar) 1909 haben mehrere Redner verschiedentlich das Schimpfwort „Jid" (..Jüdchen") gebraucht. Der Präsident hat es kein einziges Mal