Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 838 Dr. Blochs Wochenschrkft. Nr. 13 und eine christliche Therapie, eine solche Ophthalmologie. Physiologie usw. Vor allem aber eine christliche und eine jüdische Pathologie. Darauf scheint der Vorgang in erster Linie gemünzt zu sein. Daraus ersieht man wieder, dah in der Natur nichts verloren geht. Die kleinlichsten Vorkommnisse kommen nicht selten den höchsten Zielen der Wissenschaft zugute. Wir gratulieren jedenfalls dem Franz Iosefs-Spital zu dem schönen Erfolg. Hoffentlich bleibt es nicht vereinzelt — ad majorem scientiae gloriam. („Das Forum.") Kultusvorfteher Karl Seligmann. Nach kurzem Krankenlager verschied in der Morgenstunde des vergangenen Sabbathtages am Herzschlage Karl Seligmann, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde, langjähriger Obmann des Kaiser Franz Ioses- Jubiläumstempel im 10. Bezirke, sowie Vorstandsmitglied und Mitbegründer vieler segensreich wirkender Vereine. Die Trauerkunde erweckte in allen Kreisen Gefühle inniger Teilnahme. Montag um 10l/s Uhr fand die Trauerfeier vom Zentral-Friedhofe aus statt. Nach ergreifend vorgetragenem Gebete des Herrn Oberkantors Josef Schlesinger entwarf Herr Rabbiner Dr. A. L. Mandel ein erhebendes Blld des Verblichenen. Die Trauerrede, mit der ganzen Hingebung eines langjährigen, schwer betroffenen Freundes gesprochen, übte auf die Hinterbliebenen und die zahlreich erschienenen Freunde) und Verehrer des Entschlafenen einen tief ergreifenden Eindruck aus. Alsdann sprach der Herr Kultus- Präsident Dr. Alfred t e r n im Namen der Kultusgemeinde, der in schwungvollen Worten der Verdienste des so plötzlich hinweggerafften Vorstandsmitgliedes gedachte: Herr Obmann-Stellvertreter Jakob S. Straßberg, der langjährige Freund und Mitarbeiter des Verstorbenen, sprach im Namen des Tempelvereines im 10. Bezirk Worte herzlichen Dankes und schmerzlichen Abschiedes; Herr Emanuel Schidr 0 witz im Namen des isr. Humanitätsvereines X: Herr Moritz Faltitsch ek im Namen des jüdischen Schulvereines X: Herr Dr. Klemperer im Namen des Vorstandes des „Unentgeltlichen Arbeitsnachweises" und Herr Professor K ö n i g st e i n im Namen der B'nai Vrith Loge. Dumpf rollten die Schollen auf den Sarg herab, der die irdischen Reste eines Edlen in Israel barg. Unter dem großen Trauergefolge bemerkte man die Vorsteher der Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern, Dr. Gustav Kohn und Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, die Rabbiner der Kultusgemeinde, Deputationen vieler Tempelvereine, Vertreter der B'nai Brith Loge, des Vereines für „Unentgeltlichen Arbeitsnachweis, die Vorsteher aller jüdischen Vereine im 10. Bezirk und viele andere. Der Verlust dieses Mannes wird unvergeßlich sein, sein segensreiches Wirken, das er ganz besonders im 10. Bezirk entfaltete, sichert ihm ein dauerndes Angedenken. Bortrag des Dr. Max Gruuwald über „Juden als Erfinder und Entdecker". Wie bereits in Nr. 11 angezeigt wurde, hielt über dieses hochbedeutsame Thema Doktor Grunwald im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" am 17. März d. I. einen Vortrag. In dem Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines hatte sich ein zahlreiches distinguiertes Publikum eingefunden, das den reichen Darbietungen des Vortragenden mit Aufmerksamkeit fotzte. In der Tat gab es da auch unendlich viel zu hören — fein Gebiet der Technik fast, namentlich der feineren, wo sich Juden nicht ruhmvoll beteiligt hatten! Die Grenze zwischen Wissenschaft und Jngenieurwesen ist oft nicht sehr markiert, daher kommt es, vag das eine Gebiet in das andere übergeht. Sieht man ab von den mehr oder minder deutlichen Angaben, welche sich rücksichtlich späterer Durchführungen, bereits im Talmud vorfinden, so führte der Vortragende eine glänzende geschlossene Reihe bedeutender Männer, Astronomen, Physiker, Chemiker, Techniker, vor, welche alle einen ganz besonders, hervorragenden Platz einnehmen. Eingeleitet wurde der Vortrag mit folgenden aus tiefem Herzen kommenden Worten des greisen Präsidenten Professor Dr. S z e b e r i n Y i: „Das Gedeihen der Vereine zur Abwehr des Antisemitismus kommt einer Ehrenrettung der Kultur unseres Jahrhunderts gleich" — schrieb der mittlerweile verstorbene, rühmlichst bekannte Generalkonsul Ritter v.. Scherz er 1891 an einen Freund im Deutschen Reiche. Auch heute noch im ersten Dezennium des XX. Jahrhunderts bedürfen wir solcher Ehrenrettung gegenüber der vom irregeleiteten, verrohten Pöbel bedrohten Kultur, das heißt der erhabensten Idee, deren der Menschengeist fähig, der Humanitätsidee! Mein, altes Herz schlägt noch jugendlichen Feuers, wenn es von der Hoffnung geschwellt wird, daß auch durch unseren Verein, die Wiener Kultur, die Wiener Humanität — gerettet und gefördert wird, wovon auch die heutige, zahlreich besuchte Versammlung erfreuliche Bürgschaft leistet! Derselbe brachte auch den Dank in der ihm eigenen warm empfundenen Weise zum Ausdrucke, indem er die Versammlung und den Vortragenden nachstehend apostrophierte: „Zu Ihrem lebhaften Applaus lassen Sie mich im Namen des Vorstandes unseres Vereines den herzlichsten und verbindlichsten Dank Ihnen, lieber Herr Doktor und hochwürdiger Herr Kollega sagen für den fesselnden, in Form und Inhalt glänzenden Vortrag — ja fast ans Wunderbare grenzend — eine so immense Mannigfaltigkeit, an Stoff, Namen und Zahlen ohne ein Stück Papier zu Händen, so plastisch vorgetragen zu haben.. Ich erlaube mir nur die Bemerkung, daß auch dieser Vortrag ein neuer Beleg für die historisch konstatierte Tatsache ist: daß aus dem Judentume verhältnismäßig viel mehr Geistesaristokraten hervorgingen, als aus allen übrigen Völkern der alten und neuen Welt! Lassen Sie uns denn mit unseren lieben israelitischen Mitbürgern in Arbeit und Lebensfreude einträchtig leben, festhaltend an der uralten Erfindung und Entdeckung, daß keine Macht so unüberwindlich, so unwiderstehlich ist, als die Macht der allein wahren Liebe des Menschen zum Menschen, zugleich die einzige mögliche Manifestation unserer Gottesliebe, welche in dem Juden und Christen heiligsten Volksbuche, in der Bibel, der Menschheit verkündet worden. Zum Schluffe machte der Schriftführer des Vereines, Herr Oberinspektor Engel die Mitteilung, daß die Vereinsleitung in Erfüllung ihrer Aufgabe, die sie nicht nur in der Ehrung der Toten, sondern auch in der Unterstützung Lebender erblicke, die Herausgabe eines Dramas „Aus der Tiefe" von Richard E d 0 n ermöglicht habe, welches Werk soeben im Verlag von Paul Knepler, Wien, I., Hoher Markt 1 (Wallishausersche Buchhandlung) erschienen ist und der Versammlung bestens empfohlen sei. Prag. (Israelitische K ultus g em ein de - R ep r äs e n t a n z) Bei der am 7. März stattgefundenen Ersatzwahl für die drei verstorbenen Repräsentanten wurden die Herren MUDr. Adolf Bäudler, Fabrikant Adolf Glaser und k. k. Finanzrat JUDoktor Alois Koscherak gewählt. — Wie bereits berichtet wurde, veranstaltet die „Lese- und RedeFalle jüdischer Hochschüler" im Prunksaale des neuen jüdischen Rathauses einen interessanten Vortrag „Bilder zur Geschichte der Kupferstichkunst" an der Hand von Skioptikonbilderu. Als Vortragender wurde Herr Direktor Manheimer gewonnen, der vor einigen Wochen über ein ähnliches Thema im Klub der Künstlerinnen mit großem Erfolge sprach. Der Abend mußte auf Milltyoch den 17. März, halb 8 Uhr abends, verlegt werden. Bereits gelöste Karten behalten ihre Giltigkeit, der weitere Vorverkauf findet bei M. u. Dt. Wlcek, Graben 33, und A. Rosenthal, Graben 10,. statt.