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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 237 und ist der Verfasser mehrerer bedeutender Werke über diesen Gegenstand. Als Handelsminister hatte Mr. Straus Gelegenheit, sich mit der Frage der japanischen Einwanderung eingehend zu beschäftigen, und als in Kalifornien sich die antijapanische Bewegung fühlbar machte, hatte sich der gewesene Präsident Roosevelt bei allen seinen Mahnahmen stets mit Straus beraten, auf dessen Urteil er sehr viel gab. Oskar Straus war stets ein Gegner der Beschränkung der Einwanderung, und als solcher ein Hort der verfolgten russischen Juden. Selbst als Minister hat Mr. Straus sich auch an verschiedenen jüdischen Fragen lebhaft beteiligt, er ist, wie bekannt ein Mitglied der Geographischen Kommission der „JTO", deren Anhänger Straus ist. Unter seiner Aegide wurde auch die Ableitung der jüdischen Auswanderung nach Teras über Galveston in Angriff genommen. Russische Juden als Lincoln-Preisgewinner. Anläßlich der Lincoln-Zentenarfeier hat die Newyorker „Times" mehrere Preise für ein Essay über den Sklavenbefreier und gewesenen Präsidenten der amerikanischen Republiken, Abraham Lincoln ausgeschrieben. An der Preiskonkurrenz durften sich nur Volksschüler und Schüler der unteren Mittelschulen beteiligen. Unter den von der Jury als die besten anerkannten Arbeiten gehörten vier jüdische Kinder, deren Eltern erst vor einigen Jahren aus Rußland eingewandert sind. Eine der Preisgewinner, die kleine Rosa Klatschki, kam vor zwei Jahren mit ihren Eltern aus Rußland und hat sowohl sprachlich, als auch inhaltlich die beste Arbeit geleistet. Eine jüdische Großgemeinde New-Pork. Ein gewaltiges Werk ist vollendet: die New- N o r ker jü d i s ch e Gr o ß g e m ein d e ist Tatsache g..e w ocd e it, n. zw. auf folgender hauptsächlichster Grundlage: „Der Zweck der jüdischen Gemeinde von Newyork soll sein, die Interessen des Judentums in Newyork zu fördern und die Juden dieser Stadt unter Beachtung aller lokalen Angelegenheiten von jüdischem Interesse zu repräsentieren. Die Organisation darf nicht in irgend eine Propaganda politischer Natur sich einlassen: auch darf sie der Selbstverwaltung einer bestehenden Organisation keinen Eintrag tun." Von den weiteren Grundlagen der neuen Organisation, die die fast eine Million Seelen zählende Newyorker Judenheit zusammenfassen soll, sei erwähnt: Jede Synagoge mit 50—250 Mitgliedern oder Sitzinhabern wählt 1 Delegierten und für je 250 weitere Mitglieder oder Sitzinhaber je 1 Delegierten, jeder jüdische Verein oder jede Loge mit 100—1500 Mitgliedern 1 Delegierten und für je 1500 weitere Mitglieder 1 Delegierten. Rabbiner-, Kantorenvereine usw. wählen je 1 Delegierten. Ausgeschlossen sind Jünglings-, Wohltätigkeits- und politische Vereine: auch kann niemand, der nicht amerikanischer Bürger ist, zum Delegierten gewählt werden. _ Ein Präsidentschaftskandidat in Brasilien. Brasilien. Der Abkömmling einer deutschen Judenfamilie, der zukünftige Bundespräsident von Brasilien! Mit dieser aufreizenden Ueberschrift machen die Gegner des gegenwärtigen Präsidenten Stimmung gegen eine von diesem vorgeschlagene Kandidatur. Alfonso Penna, der erst zwei Jahre — die Hälfte seiner Regierungsperiode -— im Amt ist, hat sich bereits einen Nachfolger erkoren, für den er mit seiner ganzen Autorität eintritt. Es ist dies der Finanzminister David Moritzsohn Campista, ein junger Mann. Die Parieiversammlung in Minus hat diese Kandidatur auf den Schild gehoben, die Pärteihäuptlinge der Staaten Rio und Pernambuco sind bereits dafür gewonnen und die anderen Staaten werden brit Eifer bearbeitet. Immerhin muß man mit der Tatsache rechnen, daß der Abkömmling einer deutschen Iudenfamilie als Kandidat für das Amt des brasilianischen Bundespräsidenten in Frage kommt. Viel Beifall scheint die Kandidatur des Herrn David Moritzsohn, dessen Vater sich den Namen Campista beilegte, bei den Gegnern des Präsidenten nicht zu finden. „Paiz" nennt ihn mit deutlicher Anspielung auf seine jüdische Herkunft, einen „Messias", der sich berufen glaubte, seinem Lande ein Reiter zu sein. Im übrigen hat er eine schnelle Karriere gemacht. Penna machte, als er Staatspräsident von Minas war, den jungen Rechtspraktikanten lBacharel) zu seinem Sekretär, schickte ihn dann als Kommissär für die Einwanderung nach Genua, sorgte dafür, daß er Kabinettssekretär unter Silviano Brandao wurde, ließ ihn zum Bundesdeputierten wählen, ernannte ihn zum Finanzminister und würde ihm schließlich zum höchsten Amt verhelfen, welches die Republik zu vergeben hat. Korrespondenzen Der Strohsack. Ueber die Mission, die ein so unentbehrliches Ding wie der Strohfack "im Haushalt des^Durchschnittsmenschen zu erfüllen hat, herrscht nur eine Ansicht: der Strohsack hat vornehmlich den Zweck, dem bürgerlichen Bett, oder sagen wir — dem Bettzeug als Unterlage zu dienen. Damit genügt er seiner Daseinspflicht. Und so war es von den Tagen seiner glorreichen Erfindung bis zu den jünsten Tagen. Seit kurzem aber hat sich der Strohsack zu einer schier unglaublich hohen Position emporgeschwungen. Man höre und staune. Der Strohsack hat nunmehr den erhabenen Beruf, zwei Welten zu scheiden — die arische und semitische oder die christliche und die jüdische. Die glückliche Idee eines so billigen Auseinanderhaltens der beiden Gruppen von Weltbürgern verdankt die Menschheit einer Wiener Krankenanstalt. Das Franz Iosefs-Spital darf mit Stolz den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, zuerst auf den genialen Einfall gekommen zu sein, sozusagen über Nacht, eine, allerdings mit Stroh gefüllte Scheidewand zwischen Juden und Christen aufgerichtet zn haben. Die Sache ging in einfachster Weise vor sich. Früher gab es dort ein einziges Speisezimmer für die Aerzte, in dem die Bekenner beider Konfessionen ihre resv. Mahlzeiten einnahmen, jetzt gibt es deren zwei. Früher kannte man in dem Krankenhause nur ein Billardzimmer, das den christlichen und jüdischen Aerzten gemeinsam zur Verfügung stand, jetzt sind dort deren zwei. Was aber das Bemerkenswerteste an der Geschichte ist, daß die Tür, die die beiden Speisesäle verbindet, mit dem vielerwähnten Strohsack genauestens ausgefüllt wurde, damit zwischen den beiden Mitgliedern desselben Standes wenigstens beim Speisen keine Berührung mehr stattfindet und die einen nicht hören, was die anderen sagen. Schuld an dieser Scheidung von Tffch durch Bettzeug trägt eine Kegelbahn. Die christlichsoziale Majorität hatte sich da zur Schonung der Patienten ein solches Spielzeug errichtet und daran die inhaltsschwere Aufschrift angebracht: „Juden ist der Eintritt verboten!" 'Das gab den Anlaß, daß sich die nichtchrsstlichen Arzte von ben gemeinsamen Mahlzeiten zurückzogen, und der Schluß war die vollständige Trennung der beiden Aerztegruvpen. Ob es sonst zu Reibungen oder gar Zusammenstößen zwischen diesen berufenen Pflegern des Hnmanitätsaedankens gekommen ist, wissen wir picht. Aber eins ist bestimmt: das leuchtende Besspiel an Verträglichkeit im Kaiser Franz Josefs - Spital wird zweit llos die längst gehegte Umwälzung in der Med'^m her^orbringen. D»e Wissenschaft wird alsbald verzeichnen - eine jüdische

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