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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 226 Dr. Blochs Wochenschrift. mentanen Notstand zu kleben, und wenn wir die Ursache suchen, suchen wir sie nicht gründlich genug, wir begnügen uns oft damit, zu konstatieren, dah der Notstand durch Arbeitslosigkeit verursacht wurde, ohne zu sehen, dah in vielen Fällen diese Arbeitslosigkeit in der Person des Armen liegt, dadurch begründet, weil er nichts kann, und wir unterstützen solche Nichtskönner lieber 1Ö Jahre lang, bevor wir uns dazu entschließen, sie durch einige Monate ganz zu erhalten und sie während dieser Zeit einer höheren Qualifikation zuzuführen. Und doch mühte bei richtiger Armenpflege eine Art Schonzeit für die Bedürftigen eingeführt werden, während der sie, ohne betteln zu müssen. leben könnten, um für eine stabile Arbeit vorbereitet zu werden.. Wir dürfen wohl Arme und Bedürftige, aber wir dürfen keine Bettler haben. Dies alles ist aber nie von den einzeln stehenden Vereinen. sondern nur durch gemeinsame Arbeit zu erzielen. Ich habe Ihnen in grohen Zügen die Aufgaben vorgeführt. die unser harren. Wir glauben auf dem richtigen Wege zu sein, wir wollen aber auch Ihre Kritik dieser Gedanken erfahren und halten deshalb eine häufigere Aussprache aller an der Armenpflege Interessierten kür geboten, wie denn überhaupt die Diskussion über Reform der Armenpfleanicht mehr von der Tagesordnung verschwinden darf. Wir rufen Ihnen zu: Nehmen Sie Anteil an unserem Bestreben, die Arbeit wollen wir gerne leisten, wenn Sie uns unterstützen. Wenn schon wegen der konfessionellen Verhältnisse eine allgemeine Zentralisierung nicht möglich ist, so machen wir wenigstens Ordnung im eigenen Lause, bannen wir durch diese Ordung das Mihtrauen. welches heute ieder Wohltäter jedem Bittsteller entgeaenbringt. und wir werden dadurch auch die so sehr zurückgegangene Freude am Geben wieder wesentlich heben können. (Lebhafter Bsifcrllb Vom Jahrmarkt des Lebens. Der galizische Landsmann-Minister und die Juden. Der neuernante galizische Landsmann-Minister Dr. Dulemba, dem der Ruf eines gerechten Mannes vorausging, ergreift jede Gelegenheit, zu beweisen, dah er nicht nur Landsmann-Minister der Polen, sondern der gestimmten galizischen Bevölkerung ist. So nahm er dieser Tage die Wünsche des ..Jüdischen Klub" entgegen und versicherte den erschienenen Herren Abgeordneten Gabel, Mahler und Stand, dah er, so wie bisher, auch in Zukunft den Juden gegenüber vollständig unparteiisch und gerecht sein werde. In seiner Amtshandlung als Minister stehe er über den Parteien und sei bereit, die Wünsche der Bevölkerung anzuhören und einleuchtende Ratschläge zur Behebung vorhandener Uebelstände entgegenzunehmen. Hinsichtlich der einzelnen vorgebrachten Wünsche und Beschwerden sagte Minister Dulemba: ..Was die Frage der Sabbathbeziehungsweise Sonntagsruhe betrifft, so sei ihm die Angelegenheit nicht fremd, da er seinerzeit Referent aller die Sonntagsruhe betreffenden Angelegenheiten im Lemberger Gemeinderate war. Er erinnere daran, dah fein Vorgänger in derselben Angelegenheit ein Memorandum ausgearbeitet habe. Er wolle sich über das Schicksal dieses Memorandums erkundigen und die Wünsche der orthodoxen Juden beim galizischen Statthalter, der auf die Frage einen grohen Einfluh habe, unterstützen. Hinsichtlich der Verfolgung der jüdischen Sprache durch einige Gemeindevorsteher versprach der Minister, der Sache nachzugehen und Abhilfe zu schaffen. Bemerkenswert ist, dah die Mitglieder des jüdischen Klubs diese Beschwerde damit begründeten, dah die galizischen Behörden dadurch, dah den Juden die BeUützung des Jargons in Nr. 13. öffentlichen Versammlungen verboten wird, diese zwingen, sich der deutschen Sprache zu bedienen, was sicherlich nicht im Interesse des Landes gelegen sei. Auch bezüglich der Anerkennung der jüdischen Nationalität an den galizischen Universitäten hat der Minister seine Intervention bei dem Statthalter und dem akademischen Senat,- der in dieser Frage autonom ist, zugesagt. ' Berichte aus Rumänien. Anlässlich der Verhandlungen über den Handelsvertrag mit Rumänien wird berichtet: Die jüngste Generalversammlung der Handelskammer in Jassy, in welcher über die Wahlen in die Kammer beraten wurde, nahm der Präsident der Kammer zum Anlässe folgendes zu erklären: „Wenn die Juden nach wie vor nicht in die Kammern gewählt werden können, so geschieht dies nur zum Nachteile der Handelsinteressen unseres Landes. Oft schon wurde ich vom Handesminister um Auskünfte über Handels- und' Industriefragen angegangen, die ich nur von den „Fremden" hätte erhalten können. Ich habe mich an diese „Fremden" um Informationen gewendet, doch diese haben mir mit Recht — jede Auskunft verweigert, weil sie in der Handelskammer keine Rechte besitzen. Wird nun diesen Kreisen kein Stimmrecht eingeräumt, weil sie nicht als Rumänen angesehen werden, so müssen wir die Schaffung eines Gesetzes verlangen, durch welche diese „Fremden" wenigstens als ausserordentliche oder korrespondierende Mitglieder ausgenommen werden könnten." - Der europäischen Diplomatie gegenüber, die von Zeit zu Zeit wegen einer Verbesserung der Naturalisierungsbedingungen vorstellig zu werden vflegt, bediente sich die rumänische Regierung in der Regel der Ausrede, dass die Juden Rumäniens zumeist Elemente seien, die sich in anderen Staaten nicht halten könnten. Am nun' den angeblichen guten Willen der rumänischen Regierung zu bemessen, wurde nun ein eigener Parlamentsausschuh eingesetzt, der gemeinsam mit dem Senat zu bestimmen hat, ob und welche Juden zur Naturalisierung zugelassen werden sollen. Dah diese Verfügung nichts als Blendwerk ist. hat'die Praxis bewiesen. Kaum ein Prozent der Petenten wird berücksichtigt, obgleich alle ihre Zeugnisse, auch der Nachweis über vollendeten Militär-.' dienst in Ordnung sind. Bisher hat sich die Hoffnung auf Naturalisierung in den allermeisten Fällen als trügerisch erwiesen und die verhältnismähig grohen Kosten, mit welchen die Anstrebüng der Naturalisierung verbunden sind, wurden zumeist von armen Leuten unnütz hinausgeworfen. Ermmister Oskar Straus wieder in diplomatischen Diensten. Oskar Straus, der gewesene Handels- und Einwanderungsminister im Kabinett Roosevelt, wird auf besonderen Wunsch des neuen Präsidenten Taft wieder in die diplomatischen Dienste der Vereinigten Staaten treten. Er bezieht den Botschaftervosten in Tokio. Das Amt eines amerikanischen Botschafters in Japan wird gerade unter den gegenwärtigen Verhältnissen als ein äußerst schweres und verantwortungsvolles betrachtet. Die Frage der japanischen Einwanderung in Kalifornien hat die Beziehungen zwischen Amerika und Japan stark getrübt, und es wird einergrohen diplomatischen Kunst bedürfen. die guten Beziehungen zwischen den beiden Staaten wieder herzustellen und aufrecht zu halten. Mr. Straus hat bereits seine diplomatischen Fähigkeiten bewiesen, als er unter den Präsidenten Harrsson und Mac Kinley amerikanischer Gesandter in Konstantinopel wat.' Oskar Straus hat die Divlomatie und die internationalen Gesetze zum Gegenstände eingehenden Studiums gemacht

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