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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 Seite 225 Dr. Blochs Wochenschrift. Sie sehen aus diesen wenigen Fällen, welche Aufgaben unser harren, denn diese Arbeiten sollten nicht von fremden Vereinen, sondern von uns getan werden. Insbesondere aber sehen Sie, daß jeder Unterstützungswerber nur von einer Stelle beteilt und von dieser unter dauernder Kontrolle gehalten werden sollte; er sollte auch so weit unterstützt, beraten und gefördert werden, daß ein anderweitiger Bettel ausgeschlossen wäre. Bei einem derartigen gemeinsam organisierten Vorgehen würden viele dieser stabilen Bettler ganz Wegfällen. Wir sagen nichts neues, wenn wir behaupten, die charitative Armenpflege, welche, wie wir ja sehen, trotz Aufwendung großer Mittel an Geld und Mühe nicht imstande ist, etwas anständiges zu leisten, mutz endlich abgelöst werden von einer vernunftgemäßen und zielbewußten Armenpflege. Wir werden damit nicht zu dem gleichen, sondern zu einem weit besseren Resultate gelangen. Sie müssen sich nur vorstellen, wie der durch Krankheit. Arbeitslosigkeit usw. in Not Geratene bei dem heutigen System oder vielmehr bei der Systemlosigkeit unserer Armenpflege an der ersten Stelle, an welche er sich wendet, fast nie volle Hilfe findet und wie er deshalb von Verein zu Verein, von Wohltäter zu Wohltäter wandern mutz. Es bleibt ihm ja gar keine Zeit mehr übrig zur Suche nach Arbeit, und es ist fast selbstverständlich, daß er zum Professionsbettler herabsinkt. Stellen Sie sich aber vor, wie auch die Zeit und die Arbeit der mit der Armenpflege Betrauten vergeudet und verschwendet wird, wie sich mit einem Falle 10 Recherchenten befassen, alle ohne zu helfen, wie sich diese Arbeit stets multipliziert, weil dieselben Bedürftigen jahrelang kontinuierlich betteln und entweder immer und immer wieder recherchiert wird. oder, was ja noch trauriger ist, auf Grund der alten und veralteten Recherchen immer wieder gegeben wird. Stellen Sie sich vor. wie dies beides einer vernünftigen Armenpflege. widerspricht und wie endlich die Recherchenten angewidert davon. daß sie dasselbe Elend in derselben Familie immer wiederkehren sehen, angewidert von dem Bewußtsein, nicht helfen zu können, sich von ihrer Tätigkeit zurückziehen, weil sie darin keine Befriedigung finden, und so sehen wir viele hochsinnige Frauen und Männer nach längerer oder kürzerer Arbeit in der Armenpflege den Dienst der Wohltätigkeit verlassen und andere wieder, die arbeiten würden, sich ferne halten, weil sie nicht wissen, wie sie sich in nutzbringender Richtung betätigen könnten. Aus allen diesen Erwägungen heraus ist ja die Dringlichkeit einer Zentralisierung der Armenpflege von Ihnen allen und von jedem vernünftigen Menschen längst anerkannt. Wir meinen damit immer eine Zentralisierung der Verwaltung, des inneren Dienstes, des Zusammenwirkens der Wobltäter. verknüpft mit einer weitgehenden, aber aus der Zentralisierung sich ergebenden und entwickelnden Dezentralisierung im exekutiven Dienste, in der Autzenarbeit. in der direkten Armenpflege. Die Details hierüber würden zu weit führen, die Sache ist aber mit einem Wort klar gekennzeichnet durch den Namen ..Elberkelder System". Hierüber habe ich vor einigen Wochen das Vergnügen gehabt, einem ganz ausgezeichneten, inhaltsreichen, die ganze Materie des Armenwesens umfassenden Vortrage des Herrn Dr. Samuely beizuwohnen, von dem ich nur bedauere, daß er nicht hier, im Kreise der Berufenen, der Funktionäre vieler Vereine gehalten worden ist. Die Grundlage ieder Zentralisierung bildet der gemeinsame Kataster. Wenn dieser ordentlich alimentiert, d. h. mit Unterstützungsmeldungen reichlich versehen wird, dann ist er allein schon in der Lage, uns auf den richtigen Weg zu lenken. Die Angehörigkeit zur Zentralstelle, resp. zum Kataster läßt ja jedem Verein und jedem Privatwohltäter die größte Freiheit, zu unterstützen wen und mit wieviel er wist. Wir üben keinerlei Kontrolle über das, was jeder einzelne gibt, wir summieren die Gaben des einzelnen Wohltäters nicht, ja wir senden ihm sogar seine Meldelisten zurück, nachdem wir aus denselben die Uebertragung in die Katasterblätter vorgenommen haben. Wir appellieren deshalb dringend an Sie alle, der Zentralstelle beizutreten. Wir sind allerdings der Ansicht, daß wir es bei dem Kataster und der Auskunftstelle allein nicht bewenden lassen dürfen. Der Kataster ist nur ein vorbereitendes Organ, er kann uns bekannt machen mit allen jenen Bedürftigen, die dauernd die Hilfe öffentlicher und privater Wohltäter in Anspruch nehmen, und er kann uns anderseits auch zeigen, welche Wohltäter es sind, die sich für jeden einzelnen Fall interessieren. Nach einem Ausspruch Benjamin Franklins: „Man tut ungleich mehr für das Glück der Armen, wenn man sie zwingt, für sich selbst zu sorgen, als wenn man sein ganzes Vermögen an sie verteilt", werden wir der Frage nicht aus dem Wege gehen können, ob wir denn nicht berechtigt sind, von jenen Bedürftigen, die wir erhallen, eine Gegenleistung für das zu verlangen, was wir ihnen bieten. Und da diese Frage von allen im Armenwesen Versierten längst bejaht ist, drängt uns die Antwort die Konseguenz auf, daß wir unsere Bedürftigen nicht dauernd auf dem Stande des Almosennehmers belassen, sondern sie dazu führen müssen, wenigstens einen Teil dessen, was sie zu ihrem Unterhalte benötigen, selbst zu erwerben. Es wird sich die Notwendigkeit ergeben. Stellen ins Leben zu rufen, in denen der Arme, der sich an uns um Unterstützung wendet, durch Aerzte auf seine Arbeits- und Erwerbsfähigkeit geprüft, in welchen den als erwerbsfähig Erkannten vor allem statt eines Almosens Arbeit angeboten werden kann. Solche Stellen würden uns in den Stand setzen, gar bald eine reinliche Scheidung zwischen Arbeitswilligen und Arbeitsscheuen zu erzielen. An solche Stellen müßten sich Anstalten anschlietzen, die jene Bedürftigen, die infolge mangelhafter Qualifikation keinen regelrechten Erwerb finden, in gewissen Fertigkeiten unterweisen und ausbilden würden. Man wird sich auch mit der Einführung neuer Arbeitszweige zu befassen haben, wobei nicht der Standpunkt der reinen Rentabllität ins^Auge gefaßt werden darf, sondern der Standpunkt, daß der Bedürftige, wenn er auch weniger verdient als er braucht, immerhin etwas erwirbt, und daß um dieses Etwas sich die Budgets der Armenpflege erleichtern werden. Aber auch die Dauernden Unterstützungen werden unter Kontrolle gestellt werden müssen, well sich ja in den Verhältnissen der betreffenden Famllie mit der Zeit vieles ändert. Durch Heranwachsen der Kinder, durch Besserung des Gesundheitszustandes können die Verhältnisse der Unterstützten günstiger werden, und bei Eintritt solcher Besserung muß eine solche Familie von der Armenpflege ganz oder tellwesse ausgeschaltet werden, und zu diesem Zwecke wird es sich empfehlen, die Pflege dieser Bedürftigen auf die einzelnen Vereine aufzuteilen. In gar vielen Fällen wird eine gute Anleitung, ein guter Rat, eine längere aber zähe Bevormundung wesentlich mehr nützen, als irgend eine Geldgabe. Nur ist es notwendig, daß wir uns endlich das Kurpfuschertum in der Armenpflege abgewöhnen. Die Armut ist eine Krankheit und wlll als solche behandelt werden. Wir würden jenen Arzt gründlich auslachen, der sich mit der Linderung her Schmerzen begnügt, der nur die Symptome bekämpft, nicht aber auch den Herd, die Ursache der Krankheit aussucht und behandelt. Aber wir begnügen uns täglich damit, ein Pflaster auf den mo-

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