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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 224 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 13 existieren, von denen 90 reine Wohltätigkeitsvereine sind, daß weiters eine sehr beträchtliche Anzahl von Glaubensbrüdern privat Almosen in groben Mengen verteilt, werden Sie gewiß damit einverstanden sein, daß wir der Werbetätigkeit erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden. Diese Werbetätigkeit ist besonders durch ein Rundschreiben zum Ausdruck gelangt, das wir vor zirka 14 Tagen an alle noch nicht angeschlossenen israelitischen Vereine und auch an alle höher besteuerten Mitglieder der Kultusgemeinde gerichtet haben und in welchem wir darauf hinwiesen, daß es unserer Institution weniger um die Geldbeiträge der Beitretenden als darum zu tun ist, die so wichtigen Mitteilungen über die erfolgten Unterstützungen behufs Eintragung in die Katasterblätter zu erhalten. Eine besondere Aktion bildete ein an sämtliche Kinderbekleidungsvereine, auch an die nicht unserer Zentralstelle ungehörigen, versendetes Zirkular um Bekanntgabe der von ihnen beteilten Kinder. Die eingelangten Antworten ergaben, daß von 17 Vereinen mehr als 40 Kinder doppelt und mehrfach beteilt worden sind. Dieses Resultat ist umso auffallender, als ja an den Schulen eine Organisation zur Verhütung von Doppelbekleidungen angeblich existieren und gut funktionieren soll. Wir haben das Resultat den betreffenden Vereinen zur Kenntnis gebracht mit dem Ersuchen, behufs Vermeidung solcher mehrfacher Beteilungen von der nächsten Bekleidungssaison angefangen, die Listen der vorgemerkten Kinder vor der Veteilung uns zu übermitteln, damit wir rechtzeitig vorbeugend eingreifen können. Von den zur Zentralstelle gehörenden 44 Vereinen sind bloß 29 eigentliche Wohltätigkeitsvereine, die anderen Saisonvereine. Obwohl von diesen 29 12 noch gar nicht, 7 erst seit 1909, die übrigen 10 auch nicht alle seit Bestand der Zentralstelle uns ihre Berichte einsenden, haben wir in den abgelaufenen 5 Monaten bereits über 6300 Katasterblätter für arme Familien oder einzelne Personen angelegt und auf 541 Anfragen 352 Auskünfte über Petenten erteilt. Die Fühlungnahme mit interkonfessionellen Vereinen ergab, daß sowohl der Philanthropische Verein, als auch der Verein gegen Verarmung und Bettelei uns Mitteilungen über die an jüdische Parteien erteilten Unterstützungen in Aussicht gestellt haben. Die Polizeidirektion hat uns ihr Entgegenkommen dadurch bewiesen, daß sie uns eine Liste der als „Tarchener" bezeichnten Professionsbettler zur Verfügung stellte und solche auch weiter uns zu bezeichnen sich bereit erklärte. Wenn trotz der früher erwähnten bisherigen geringen Berichterstattung heute schon, zirka 190 Katasterblätter von vielfach Beteilten vorliegen und zwar 140 solcher, wo im einzelnen Falle 5—7 Wohltäter, 25 Kataster-, blätter, bei welchen im einzelnen Falle 8—9 Wohltäter, 10 Katasterblätter, bei welchen im einzelnen Falle über 10 Wohltäter Vorkommen, dann können Sie sich denken, wie diese Blätter aussehen würden, wenn die Berichterstattung früher begonnen hätte, wenn alle jüdischen Vereine und Wohltäter regelmäßig berichteten und wenn wir auch von den interkonfessionellen Vereinen und vom Magistrat fortlaufende. Meldungen haben könnten. Erhebungen, die wir rn den letzten Tagen austeütrn, ergaben, daß von den erwähnten vielfach Beteilten 5.8 auch vom Magistrat, 27 vom Philantr. Verein, .SO vom Verein gegen Verarmung und Bettelei"'beteilt wurden. Wir haben aber außerdem festgestellt, daß viele Bettler unter mehreren Namen und Abrufen Almosen ansprechen. Wir wollen auch diesem Unfuge unsere Aufmerksamkeit widmen und solche Unzukömmlichkeiten abzustellen trachten. Das Kuratorium hat sich selbstverständlich die Frage vorgelegt, was mit jenen Armen geschehen soll, aus deren Katasterblättern eine vielfache und lang anhaltende Inanspruchnahme von Unterstützungen "zu ersehen ist, damit auch die praktische Ausnützung des Katasters beginnen könnte. Nach Genehmigung meiner Kollegen im Kuratorium habe ich eine Keine Anzahl socher Fälle ausgehoben und mit Unterstützung mehrerer arbeitsfreudiger Damen durch den Verein „Auskunftsstelle für Wohlfahrtseinrichtungen" einer eingehenden Behandlung zuzuführen gesucht. Die Direktive für die Behandlung lautete: Wir haben selbst kein Geld, können daher den Armen nur dann helfen, wenn wir die in der Familie vorhandene Erwerbs- und Arbeitsfähigkeit ausnützen> diese Fähigkeiten eventuell verbessern und sie der Arbeit Zufuhren und indem wir weiter für die nicht Erwerbsfähigen oder minder Erwerbsfähigen die Hilfe der im einzelnen Falle interessierten Personen und Vereine heranziehen. . Gestatten Sie, daß ich Ihnen einige Ergebnisse der bisherigen diesbezüglichen Tätigkeit mitteile, wenn auch die einzelnen Fälle noch nicht vollständig erledigt sind, sondern noch in Behandlung stehen: Frau M. S., Witwe mit drei Kindern. Sie wuroc im Jahre 1608 laut vorliegenden Informationen von 10 Vereinen mit 470 Kronen unterstützt. Diese Ziffer wie auch die folgenden sind dem Kataster entnommen; sie enthält daher nicht die sicherlich vielen uns nicht gemeldeten Unterstützungen. Die Frau ist minder erwerbsfähig und bettelt seit 1800, also 9 Jahre. Ihre Eltern L. und M. F., mit denen sie gemeinsam wohnt, wurden ebenfalls von Wohltätern unterstützt. Durch unsere Intervention hat sich ein Bruder der Frau,S. bereit erklärt, seine Unterstützung an die Eltern so zu, erhöhen, daß sie ihr Auskommen finden und weiter den von Frau S. aufzubringenden Mietbetrag von 15 Kronen monatlich zu bestreiten, so daß die Wohnungsfrage, wohl das wichtigste, erledigt ist. Wir lassen weiter Frau S. nunmehr im Nähen besser üüsbilden, pnd wollen, unter der Bedingung, daß sie stabil arbeitet, in einem Rundschreiben an die Interessenten, welche bisher nachgewiesenermaßen jährlich über 600 "Kronen für diese Familie ausgegeben haben, anregen, man möge ihr gemeinsam eine Monatsrente von 30 Kronen aussetzen, womit sie ihr Auskommen finden könnte, solange die Kinder, von welchen zwei in der Schule verköstigt werden, nicht selbst erwerbsfähig sind/ Ein zweiter Fall: C. S., hat 7 Kinder, ist angeblich vpm Mann verlassen. Sie bettelt seit 8 Jahren. Im letzten Jahre wurden ihr unseres Wissens von 6 Seiten 440 Kronen gegeben. Drei erwachsene Kinder könnten, wenn sie arbeiten wollten, die Familie ganz gut erhalten, doch scheinen sie alle arbeitsscheu zu sein. Hier ist nur zu helfen, wenn es gelingt, sie zur Arbeit zu bringen, und wenn der Gatte, der nicht verschollen ist, sondern seit einigen Jahren für mehrere größere Firmen reist und stabil verdient, gezwungen wird, seinen Pflichtep der Familie gegenüber nachzukommen. In einem dritten Falbe wollten wir durch.Errichtung eines Marktstandes eine Existenz gründen, hatten auch schon das erforderliche Kapital aufgebracht. Die Umfrage bei den beteiligten Vereinen jedoch ergab, daß diese Axt der Hilfeleistung bereits zweimal mit negativem Resultate erfolgt war. Wir wären also fast das dritte Mal auf den Leim gegangen. Da die Leute aber jetzt aus unserer Aktion eine gewisse Solidarität der Vereine ersehen, war es uns möglich, den Mann beschränkter Arbeit, die Frau stabiler Arbeit mit 4—5 Kronen Tagesverdienst zuzuführen; wir hoffen, sie bei derselben zu erhalten.

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