Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Blochs dürfen von den Institutionen nur durch Vermittlung ihrer Pfleger Unterstützungen erhallen. Die Armenpfleger sollen Gelegenheit. zum gegenseitigen Austausche ihrer Meinungen und zur Verwertung ihrer Erfahrungen haben. Das solle geschehen in den Bezirks-Armenhrmmissionen, in welchen vertreten seien die Wohltätigkeits- Institutionen des Bezirkes, die Bezirkskommission der Kultusgemeinde, zu deren Agenden statutengemäß auch Armensachen gehören, Rabbiner, Aerzte, Lehrer. Zu den Agenden dieser Bezirks-Armenkommissionen gehören insbesondere: Einteilung des Sprengels der Bezirks- Armenkommission in Rayons und Zuweisung von Armenpflegern an dieselben: Besprechung konkreter Unterftützungsfälle auf Grund der Berichte der mit denselben befaßten Armenpfleger über Mittel und Wege, durch welche im einzelnen Falle Hilfe geschaffen werden soll, einerseits, sowie Erhaltung der gemeinsamen Grundsätze des Unterstützungswesens und Verwertung der Kenntnisse der einzelnen Armenpfleger hinsichtlich der persönlichen und örtlichen Verhältnisse in speziellen Unterstützungsfällen anderseits. Redner schloß seine Darlegungen mit dem Appell an die Versammlung, seine Anregungen zu prüfen und zu beherzigen. In der sich hieran anschließenden Diskussion verwies Herr S. Mohr, Präsident des „Maskil el Dol" und Obmann der Bezirkskommission XII—:XV unter Darlegung seiner langjährigen Erfahrungen auf humanitärem Gebiete auf die Schwierigkeiten, welche der Recherche durch die Art der gegenwärtig in Verwendung stehenden polizeilichen Meldezettel erwachsen, da aus denselben ein klarer Einblick in den Familienstand nicht zu entnehmen sei. Das Kuratorium möge diesfalls eine Eingabe an die Polizeidirektion richten. Ein weiterer Wunsch des Redners ist auf die Dezentralisierung der Armenpflege der Kultusgemeinde gerichtet. Herr Josef Kohn, Beirat des Brigittenauer Fräuenvereines, beanständete die Ueberbürdung mit Schreibarbeiten, welche den Vorstandsdamen durch die Meldungen an den Zentral-Armenkataster erwachsen. Dem könnte durch fallweffe Entsendung eines Beamten der Zentralstelle zu den Vereinen abgeholfen werden. In Angelegenheit der Kinderbekleidung würde sich behufs Erzielung eines gleichmäßigen Vorganges die Abhaltung gemeinsamer Konferenzen aller Bekleidungs-Institurionen alljährlich zu Beginn des Herbstes empfehlen. Anlangend die Armenpfleger sollte die Bestellung derselben durch den Kultusvorstand erfolgen, weil hierdurch dem Amte eine höhere Würde und Bedeutung verliehen würde. Herr Leopold Otto (Chewra-Kadischa I) knüpfte an die Vorschläge des Herrn kais. Rat Dr. S. Krüger an und empfahl die Bestellung von Bezirkskomit^es, in welchen die Vereine je nach ihren Zwecken Gruppen für gemeinsame Aktionen bilden sollten. Herr Rabbiner Dr. David begrüßte in längerer, auf das hebräische Schrifttum reflektierender Ausführung die Vorschläge des Herrn kais. Rat Dr. S. Krüger, betreffend Armenpflege und empfahl deren baldige Durchführung. Des weiteren setzte Redner den hohen Wert auseinander, welcher in dem von Herrn Mendl vertretenen Postulats liege, daß die Armen in ihrer Erwerbsfähigkeit auszubilden und dadurch auf ein höheres Niveau zu bringen seien. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang erklärte^ daß die Zentralstelle nach seinen Erfahrungen bisher in der Praris sich aufs beste bewährt habe. Allerdings sei nach seinem Geschmacke mehr die positive Seite der Tätigkeit, d. i.'die Angabe, an welche Institutionen und unter welchen Voraussetzungen Arme vorkommenden Falles sich zu wenden hätten. Redner schloß seine Ausführungen mit der Erklärung, daß er zwar nur im eigenen Namen spreche, aber überzeugt sei, daß ihm seine Kollegen im Wocheiijchrift. Sette 222 rabbinischen Stande zustimmen werden, wenn er an das Kuratorium den Appell richte, bei seinen humanitären Aktionen auch d ie Rabbiner in den Kreis der Mitwirkenden zu berufen: er für^seine Person sei in diesem Falle bereit, den höchsten Anforderungen zu genügen. (Beifall.) Herr Ripp er äußerte sich in züstimmendem Sinne über die Vorschläge des Herrn kais. Rates Dr. S. Krüger. Kuratoriums-Vizepräsident Herr Dr. Schorstein als Schlußredner präsizierte gegenüber den in der Debatte vorgebrachten Wünschen und Anregungen den Standpunkt des Kuratoriums. 'Sohin schloß nach zweistündiger Dauer Herr Präsident Dr. Gustav Kohn die Versammlung mit dem Danke für die der Sache förderliche Ausdauer und mit der Erklärung, das Kuratorium werde die vorgebrachten Wünsche und Anregungen in Erwägung und Prüfung in bezug auf die Durchführbarkeit ziehen. Nachstehend reproduzieren wir das höchst interrssaule uni) uiüi uiuue 'Ji e f e t a i des Heci.u Heinrich Mendl seinem vollen Wortlaute nach: Ich bin von meinen Kollegen im Kuratorium beauftragt, nicht nur Bericht zu erstatten über unsere bisherige Tätigkeit, sondern hier auch jene Gedanken zu entwickeln, deren Verwirklichung ein intensiveres Zusammenwirken der an der Zentralstelle Beteiligten herbeiführen könnte. Sie werden daher einen Bericht über Vergangenes zur Kenntnisnahme und wohlwollender Kritik und Pläne — ich hoffe nicht Luftschlösser für die Zukunft — zur freundlichen Begutachtung, zur Abgabe Ihrer Meinungen, zur allgemeinen Erörterung enrgegenzunehmen so geduldig sein müssen. Das Kuratorium, welches Sie am 9. Juni 1903 gewählt haben, hat sich am 22. Juni konstituiert. Die Obmannstelle wurde für den Vertreter der isr. Kultusgemeinde in Aussicht genommen und wir freuen uns, daß dieselbe von dem erst vor einigen Wochen von der Kultusgemeinde delegierten Herrn Dr. Gustav Kohn, über unser Ansuchen angenommen worden ist. Zum Obmann-Stellvertreter wurde Herr Dr. Schorstein. zum Kassier Herr kais. Rat. Dr. Krüger, dessen Verdienste um die Gründung der Zentralstelle Ihnen allen bekannt sind, zum Schriftführer ich gewählt. Das Kuratorium hat seit seiner Konstituierung 12 Sitzungen abgehalten und in den Sommermonaten des Vorjahres die Anlage und Einrichtung des Zentralkatasters, die Redaktion der nötigen Formularien, wie Katasterblätter, Anmeldebogen, einheitliche Recherchebogen, beraten, > die Lokalfrage gelöst und die Organisation soweit fertiggestellt, daß wir mit Zirkularschreiben vom 24. September unseren Mitgliedern die Aufnahme der satzungsmäßigen Tätigkeit für den 1. Oktober anzeigen und sie unter Einsendung von genauen Erläuterungen ersuchen konnten, die Anmeldungen über ihre Unterstützungen uns nunmehr regelmäßig zukommen zu lassen. Ein von Herrn Dr. Schorstein verfaßtes, das Wesen der Zentralstelle erläuterndes Expose wurde in der „Oesterr. Wochenschrift" vom 2. September 1908 veröffentlicht und von uns zu Werbezwecken an verschiedene humanitäre Institutionen und sonstige Interessenten verendet. Langsam und schwerfällig entwickelte sich zu Beginn die Berichterstattung, noch langsamer der Beitritt neuer Mitglieder, und es' ist betrübend, daß sich die Zahl derselben während der fünf Monate des Bestandes unserer Institution von 26 auf bloß 45, also nur um 18 Teilnehmer-gehoben hat. Allerdings zählen hierzu bereits die meisten der großen Institutionen. Wenn Sie aber bedenken, daß in Wien 180 jüdische Wohlfahrtsvereine