Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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S^iiß *22 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 13 kommen sollen, so müssen alle lebendigen Faktoren des Judentums ihre Bemühungen vereinigen und ihre Einmütigkeit wenigstens in diesem Falle wird die Bereitwilligkeit der Masse ausporven. Man sollte auch nicht zögern, sofort mit der Realisierung zu beginnen. Denn erstens ist in diesem Falle Zeit Geld und zweitens würde der bloße Beginn der Aktion schon den bangen Druck erleichtern, der auf vielen Familien jüdischer Reservisten lastet, die ihren Ernährer zu den Fahnen schicken mußten. Sollte aber der gordische Knoten der heutigen Situation sich wider Erwarten doch entwirren, statt mit dem Schwerte durchhauen zu werden, dann ist der Erfolg schon eingeleiteter Sammlungen alles eher als verloren. Die bereits eingelangten Summen können für spätere Zeiten aufgehoben werden und sich durch sich selbst beträchtlich vermehren, man kann sie auch für irgend einen großen Zweck der jüdischen Allgemeinheit verwenden, für die alle ja immer hinreichendes Geld mangelt. Bon allen Gesichtspunkten betrachtet ist es Zeit, keine Zeit zu haben und die Arbeiten für den Versorgungsfonds jüdischer Reservistenfamilien konzentrisch mit der ganzen Kraft aller unserer Organisationen zu beginnen. Verpflichtet sind wir dazu, denn die jüdischen Soldaten kämpfen auch für die jüdische Ehre. Und was für den jüdischen Krieg im Frieden schon gelten sollte, das klingt in ernster Stunde als Motto mit zwingender Mahnung: Alle für einen, einer für alle! Air ZeutraiKrUe für das jüdische Armen WrfrvZi« Mir«. Die erste ordentliche Generalversammlung dieser jüngsten großen Schöpfung^ welche berufen ist, die Armenpflege unserer Gemeinde in neue, bessere Bahnen zu leiten, hat Donnerstag den 18. März l. I. im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde unter überaus zahlreicher Beteiligung der Wiener israelitischen WohltätigkeitS- und Humanitäts-Institutionen Und vieler aus den verschiedenen Gebieten der Wohltätigkeit hervorragend wirkenden Persönlichkeiten stattgefunden. Der harmonische Verlauf der Versammlung und die mit sympathievollem Verständnisse aufgenommenen Ausführungen der Redner lassen wohl erhoffen, daß' die so lange ersehnte Reform der Armenpflege nunmehr in rascherem Tempo vorwärtsschreiten werde. Herr Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Präsident und Vorsitzender des Kuratoriums der Zentralstelle, eröffnete die Versammlung mit deren Begrüßung und dem Danke für die rege Beteiligung, welche ein gutes Omen für die gedeihliche Entwicklung der Zentralstelle bilde. Denn nur dann, wenn die möglichst größte Zahl von Wohltätigkeits-Institutionen und Privatwohltätern der Zentralstelle sich anschließe, werde dieselbe jene im allgemeinen Interesse so wünschenswerten Erfolge erreichen, welchen das Kuratorium seine Kraft und Arbeit widme. Sache, der Institutionen und Privatwohltäter sei es, unbeschadet der Wahrung ihrer vollen Selbständigkeit, die Aktionen des Kuratoriums nachdrücklich zu fördern. Nebenbei sei zur Behebung eines Mißverständnisses zu bemerken, die Zentralstelle wolle nicht verhindern, daß wirklich Bedür tige weniger als bisher unterstützt werden, vielmehr wolle sie durch Zusammenfassung der von verschiedenen Seiten kommenden Unterstützungen zu einer einheitlichen Aktion eine ausgiebige rationelle Hilfe ermöglichen. Der Vorsitzende schloß seine Begrüßungsansprache mit dem Appell, die Versammlung möge das Interesse, welches sie durch ihre.Teilnahme bekundete, der Zentralstelle auch weiterhin in tatkräftiger Mitwirkung an deren Aufgaben bewahren. Dann werde der Wunsch und die Hoffnung zur Tat werden: daß die neue. Institution wachse, blühe und gedeihe. (Lebhafter Beifall.) Nach Uebergang zur Tagesordnung erstattete der Schriftführer des Kuratoriums, Herr Heinrich Men dl, den Bericht über die bisherige Tätigkeit der 'Zentralstelle in Verbindung mit einem das Wesen, die. Ziele und Bestrebungen der Zentralisation gemeinverständlich und erschöpfend behandelnden Erpose. Die lichtvollen Ausführungen '^es Referenten wurden von der Versammlung mit anhaltendem, tiefem Interesse entgegengenommen und mit lebhaftem Beifall gelohnt. Der Vorsitzende dankte dem Referenten Namens des Kuratoriums für seine glänzenden wirkungsvollen Darlegungen. Sekretariats-Adjunkt Herr Dr. Leopold Stern brachte den finanziellen Bericht des Kuratoriums zur Verlesung. Derselbe wurde genehmigt und dem Kuratorium das Absolutorium erteilt. Kuratoriums-Vizepräsident Herr Dr. Rudolf Th. Sch o r st ein referierte, über die Aenderung des Artikels II des Regulativs der Zentralstelle. Die Bestimmungen dieses Artikels, welcher die Teilnahme der Institutionen und Einzelpersonen an der Zentralstelle regelt, haben sich in einzelnen Punkten nicht als praktisch erwiesen und bedürfen einer Abänderung in zweifacher Richtung. Die Versammlung erhob die diesfälligen Anträge des Kuratoriums mit Stimmeneinhelligkeit zum Beschlüsse. Ueber Bericht des Vorsitzenden bestätigte die Versammlung die vom Kuratorium seit der konstituierenden Versammlung vom 9. Juni 1908 vorgenommenen Kooptierungen der Frau Sophie Goldschmidt und der Herren Dr. Felir Katzau und Dr. Isidor Samuely. Dem Kuratorium gehören nunmehr an: Präsident Dr. Gustav Kohn (Kultusgemeinde), Vizepräsident Dr. Rudolf Th. Schorstein (Baronin Hirsch-Stiftung), Schriftführer Heinrich Menvt (Einzelperson). Kasseverwalter talserl. Rat Dr. 'S. Krüger (Kaiserin Elisabeth-Lek-rmädchen- und Arbeiterinnen-Heim); Kürätoriümsmitglieher: Mar Frank (B'nai B'rith „Eintracht"), Laura Goldschmidt (Verein „Zuflucht"), Dr. Felir Katzau (Israel. ArMen- Anstalt), Direktor Jakob Mautner (Israel. Waisenhilfsverein), Dr. Isidor Samuely (ad personam), Emilie Weiß (Brigittenauer israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein), Rosa Zifferer (Verein „Frauenhort"). Zum Punkte „Eventualia" erteilte der Vorsitzende das Wort Herrn kais. Rat Dr. S. Krüger'zur Darlegung der von demselben in eigenem Namen angemeldeten Anregungen, Wünsche und Postuläte. Herr kay. Rat D:'. Krüger zollte dem interessanten Referate des Schriftführers Herrn Mendl volle Anerkennung, verwies aber darauf, daß die Zentralstelle, welche heute nur einen Zenträl- Armenkataster und eine Zentral-Auskunflsstelle erhalte, einer Ausgestaltung bedürfe im Sinne seines bereits im Jahre 1904 erstatteten Referates, betreffend die Reform der Armenpflege. Diese Ausgestaltung liege in der Bestellung von tüchtigen, geschulten und geeigneten frei-, willigen Armenpflegern und in der Bildung von Bezirks-Armenkommissionen. Diese beiden Elemente bilden im Sinne des Elberfelder Systems ein notwendiges Korrelat der Zentralisation, die sich praktisch erst mittels derselben durchsetzen könne. Allerdings erheischen die schwierigen Aufgaben und Pflichten der Armenpfleger eine besondere Qualifikation, auf deren Vorhandensein bei der Auswahl der als Armenpfleger zu bestellenden Personen man achten müsse. Die Methode eines tüchtigen Armenpflegers sei ähnlich der eines gewissenhaft diagnostizierenden Arztes. Daher sei es Grundsatz des Elberfelder Systems, einem solchen Armenpfleger im Interesse der Pflegebefohlenen und behufs Bewältigung der übernommenen Pflichten nur zwei oder drei Arme seines Rayons zuzuweisen. Die Armenpfleger müssen ferner mit einer Instruktion und mit einem Verzeichnisse alter Wohlfahrts-Institutionen ausgerüstet sein. Die Armen