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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 13 Jahrgang XXVI Dr. Bloch’s ^entralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. N. ft. Poflfxarfta lsrrmrnk Slearing-VerKebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: W irn •IX/i, Hahngaffe Nr. 15. l) Telefon Nr. 14.847. £ oO ■- -.- — Oo Wien, 26. März 1909 Brscbeint jeden ffreitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. O (j— — ■ =ÖO P Vexugsprris für Vrstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 10 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespal- O tene Petitzeile 24 Hefter. C, n P- —Q o Inhalt: Leitartikel: Für die Familien der einberufenen jüdischen Reservisten. — Die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen in Wien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der gMzische Landsmann-Minister und die Juden. Berichte aus Rumänien. Exminister Oskar Straus wieder in diplomatischen Diensten. Russische Juden als Liucolnpreisgewinner. Eine jüdische Großgrmeinde New- Aork. Ein Präsidentschafts-Kandidat in Brasilien. — Korrespondenzen: Der Strohsack. Kultusvorsteher Karl Seligmann. Bortrag des Dr. Max Gcunwald über „Juden als Erfinder und Entdecker". Prag. Graz. Redakteur-Jubiläum. Berlin. Die Beziehungen der russischen Intelligenz zur Judenfrage. Protest gegen den Antisemitismus im russischen Reiche. — Vermischtes. — Feuilleton. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Für die Familie« der einderirfenen jüdischen Reservisten. . Bange und stockend gießt der Fluß der Ereignisse seine Wellen in das Meer der Zeit. Schwarzes Unheil schwimmt drohend auf ihm heran. Wahrlich, dieser Kriegsheld der Belgrader Kaffeehäuser, der zwanzigjährige Kronprinz Georg Karageorg, hat mehr auf dem Gewissen, als er wird tragen können. Wer hat Serbien etwas weggenommen, wer hat es geschädigt? Bloß um den Thron einer Dynastie zu befestigen, der im Blute ihres gemeuchelten Vorgängers Alexander von Serbien rutscht, hat der zukünftige Schlachtenlenker hinter der Front die Gefahr eines Krieges heraufbeschworen, in welcher Kugeln und Granaten blühende Männer voll Kraft und das Glück vieler Familien dahinraffen werden. Das Schluchzen der Witwen wird dem den Schlaf rauben, der die Schuld an ihrem Verderben trägt, die Tränen hungernder Waisen werden brennend auf das Herz des Serben und des tückischen Moskowiters fallen, welche Schuld daran tragen, daß sich der junge Frühling purpurn färbt. Ein bankerotter Theaterdirektor ist Chef der serbisch-nationalen Verteidigung. Dieser Nusitsch hat mit seiner Kunst der Szene eine erlogene Lüge mit Branntwein und Statisten zu einer europäischen Frage äufbauschen helfen und aus seinem Theatermärchen entstand jetzt das große Drama. Tapfer und entschlossen stehen unsere Truppen bereit, Oesterreich-Ungarns gerechte und würdige Sache dem Schicksal anzuvertrauen. Soweit wir noch nicht selbst den Ruf zu dm Waffen vernommen haben, begleiten sie unsere heißesten Gefühle auf allen ihren Wegen, umarmt sie unser Herz bei jedem Schritt. Aber es ist nur Kindern eigen, leere Liebe zu einer Zeit zu zeigen, wo Taten nötig sind. Wir Männer haben in. diesen Prüfungstagen des höchsten Patriotismus die Pflicht, unsere Anstrengungen ins Uebermaß zu steigern, um nicht nur dem Staate die nötige Kraft zu geben, sondern darüber hinaus den tapferen Feldsoldaten eine Sorge abzunehmen, ohne welche sie Löwen der Schlacht sein werden, Helden des Kampfes. Die Sorge für die Hinterbliebenen ist die hehre, ist die erste Aufgabe Derjenigen, die zuhause sitzen, während ihre Brüder für ihre Ehre und ihren Besitz das Leben opfern. Gewiß werden bei Beginn des Ernstfalles diesbezügliche Maßnahmen getroffen werden. Wir Juden, denen die Menschlichkeit so vertraut ist, weil wir die Unmenschlichkeit so lange am eigenen Körper fühlten, müssen aber bei diesem Werke der Humanität wieder vorangehen. Wir werden wie immer auf unserem Platze in der Allgemeinheit auch diesmal nicht fehlen. Darüber hinaus jedoch müssen wir für unser eigenes Haus Sorge tragen. Egoistisch zu sein hat uns die allseitige Feindschaft gezwungen. Der Staat hat für unsere gerechtesten Forderungen taube Ohren, die Gesellschaft Verhöhnungen. So ist zu erwarten, daß das spezifisch jüdische Elend, groß durch Arbeitsmangel, auch unsere eigene Last bleibt, wenn es der Krieg noch schreckhaft vergrößert. Es wäre zu spät, erst den entstehenden Bedarf karg und überhastet decken zu wollen. Wir müssen auch den unzähligen jüdischen Soldaten im österreichischen Balkan das Herz erleichtern mit der Gewißheit, daß ihre Frauen und Kinder für jeden Fall noch an allen Juden Brüder haben, die sie nicht hungern lassen werden. Wir Juden haben leider nicht das viele Geld, dessen Besitz uns unsere Feinde zuschreiben. Es schaut nur so aus, weil wir mit unseren Mitteln bei allen Gelegenheiten der öffentlichen Wohlfahrt hervortreten. Dazu war aber nie so viel Anlaß wie jetzt. Es muffen möglichst große Fonds vorhanden sem als Nachkriegsschatz, als Versorgungsgelder für die vielen armen Mündel, welche die Judenschaft Oesterreichs vielleicht bekommen wird. Wie wir vernehmen, beschäftigen sich der „Oesterreichisch-Jsraelitische Gemeindebund" und die Wiener Kultusgemeinde bereits mit dieser Frage und verschiedene Projekte werden erwogen. Die genannten Korporationen werden sich große Verdienste um die Juden erwerben, wenn sie ihre löblichen Absichten in segensvolle Tatsachen verwandeln. Wir sind selbstverständlich bereit, die Propaganda in ausgedehntem Maße zu unterstützen. Doch sprechen wir die Hoffnung aus, daß der Bund und die Gemeinde trotz ihres Ansehens und ihrer Bedeutung die Aktion nicht allein unternehmen. Die Lage ist zu ernst für eine Prestigepolitik, man muß ohne Rücksicht auf die Einzelnen das möglichst Beste zu erreichen trachten. Wenn große Fonds für den großen Zweck zusammen-

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