Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 21 Ein weites Arbeitsgebiet zur Hebung des sittlichen und materiellen Volkswohles eröffnet sich somit vor den vereinigten „Schomre Schabbos". Aller jener, die treuherzig dem Judentums anhangen und die Förderung seines Bestehens und Gedeihens anstreben, wartet die Pflicht, das Beginnen aufs werktätigste zu unterstützen. Sabbath. Soll ein Punkt hinter dieses Wort gesetzt werden, oder ein Zeichen der Frage? Die „Schomre Schabbos" haben ein Aufrufungszeichen dahinter gesetzt. Alle guten Juden mögen ihm folgen! Rabbiner Victor Schönfeld. Me praktische Kedentung der Kabbalah and der Kabbathhrilignng. Von einem christlichen Gelehrten. Auf Grund tiefer und gründlicher Studien der heiligen Bücher Israels habe ich, obwohl ein Andersgläubiger, kabbalistische Geheimnisse, insbesondere aber einen Zusammenhang zwischen der praktischen Kabbalah und der Sabbathheiligung entdeckt, der wohl selbst gelehrten Rabbinern und orthodoxen Juden, geschweige denn der großen Mehrzahl der Israeliten, die sich heute von einer sorgfältigen Beobachtung der Vorschriften des heiligen Glaubens ihrer Väter abgewendet haben, völlig unbekannt sein wird. Und doch sollte das Judentum auch heute noch einzig und allein in der Sabbathheiligung sein Heil suchen! Denn der Ewige, der heilige Gott des Volkes, das er sich auserwählt hat, hat nach vollbrachtem Sechstagewerk der Schöpfung selbst die Sabbath-Ruhe festgesetzt als einen notwendigen Bestandteil der für die Israeliten, ja, für die ersten Menschen überhaupt gütigen Ordnung: er hat damit seinem Volke ein Kleinod zum kostbaren Geschenk gemacht, das dem gläubigen Juden ermöglicht, mit seinem Gott in innigsten Könner zu treten. Und dem gläubigen Juden, der bereits am Freitag abend seine Geschäfte abschließt und sich auf eine würdige Feier des heiligen Tages vorbereitet, der an diesem Tage selbst die Vorschriften des Gesetzes beobachtet, auch seinen Geist und seine Gedanken heiligt, den Sabbath nicht durch unheilige Reden, sündhaftes Geschwätz und profane Handlungen entwürdigt, — dem hat der Ewige am Ausgange des Sabbaths wahrhaft prophetischen Geist verliehen! Das ist der innere Zusammenhang des Sabbaths mit der praktischen Kabbalah, die sich auf die Lehren einer mündlichen Ueberlieferung gründet, die seit den ältesten Zeiten neben dem geschriebenen Gesetz einhergeht! Es will ja auch die praktische Kabbalah ihren Jünger durch gewiste Zeremonien und Berechnungen einen Blick in die nächste und fernere Zukunft tun lasten, um ihn dadurch vor Unheil zu bewahren und materiell zu fördern, und es ist ein offenes Geheimnis, daß mancher jüdische Bankier seine erfolgreichen Geschäftsspekulationen kabbalistischen Berechnungen zu verdanken hat.*) So sind denn auch die heiligen Schriften der Juden und besonders der Sohar, eine der wichtigsten Quellen der Kabbalah. voll von Hinweisen auf die Bedeutung des Sabbaths und seiner Heiligung für den gläubigen Juden und für sein geistiges und materielles Wohl. Es ist z. B. die bekannte Vibelstelle in der Schöpfungsgeschichte: „vonadar joze meeden lehaschkot 68 hagan“, d. h.: „Und-^ein Fluß geht heraus (diese Gegenwart „geht" ist besonders bedeutungsvoll) aus dem Eden, zu tränken den Garten", nach dem heiligen Buche Sohar dahin aufzufasten, daß die Sabbathstube des gläubigen Juden an jedem Sabbath einem Eden gleicht. *)Jch stütze mich dabei auf Mitteilungen des Wiener Bankiers F.S. worin sich „die Königin Sabbath" als vom Schöpfer gesendeter Gast einfindet. Sie verweilt daselbst bis zum Sabbath-Ausgang und verwandelt sich dann in den paradiesstchen Fluß, der den Garten der folgenden sechs Wochentage mit seinem göttlichen Segen tränkt. Jeder gläubige Jude hat mithin in der „Königin Sabbath" sozusagen eine geistige Gattin, die dem Jenseits entstammt und sich pünktlich jeden Freitag abend wieder bei ihm einfindet. Auch die Worte des Königs Salomo im heiligen Hohen Lied: „achosi, rajösi, jonati, tamosi“, t>. I).: „Meine Schwester, meine Geliebte, meine Taube, mein Orakel", sind auf die „Königin Sabbath" anwendbar. Freitag nachmittag, wo der Jude noch von unheiligen Geschäftsgedanken erfüllt ist, gleicht die „Sabbath- Königin" nur einer Schwester: mit Sabbath-Früh, wo sich mittlerweile bei dem gläubigen, frommen Juden schon mehr Heiligkeit (keduschah) angesammelt hat, gleicht sie bereits einer Geliebten, am Sabbath-Rachmittag, zur Zeit der vorgeschriebenen dritten Mahlzeit, bereits einer Taube, mit der er vermählt ist, um schließlich am Sabbathausgang al§ eine ArtZ Ocakel ihn -^mit prophetischem Geist zu erfüllen und ihn. dann zu verlassen. Es ergibt aber auch in dem Spruche des fünften Buches Moses: „Den Ewigen, Deinen Gott sollst du ehrfürchten", das letzte Wort „tira(h)" (ehrfürchten) rückwärts gelesen, nach kabbalistischer Methode, wie sie im heiligen Buche Sohar daraus angewendet wird, die Anfangsbuchstaben der obigen vier Worte des hohen Liedes: „acliosi, rayosi, jonati, tamosi“. Während aber der gläubige Jude am heiligen Jom- Kipur (dem Versöhnungstage) dem Ewigen nur durch Fasten und Kasteien näher kommen kann, ist am Sabbath gerade das Gegenteil der Fall. Denn am Sabbath kann der fromme Israelit nur durch Einhalten der vorgeschriebenen drei Mahlzeiten, durch das festliche Decken seines Tisches, der nach dem Propheten Hesekiel den Altar ersetzt, dessen der Jude in der Jetztzeit beraubt ist. durch Singen heiliger Psalmen und durch Gespräche über Thora-Gelehrsamkeit sich mit seinem Schöpfer in Verbindung setzen. Deshalb warnt auch das heilige Buch Sohar davor, die Zahl der vorgeschriebenen drei Mahlzeiten zu vermindern, d. h. statt drei etwa nur zwei oder gar nur eine zu halten. (An den kurzen Wintertagen. wo viele Menschen länger schlafen, oder bei ärmeren Leuten ist aus Sparsamkeitsrücksichten die Absicht, von der Zahl der vorgeschriebenen Mahlzeiten abzugehen. naheliegend.) Dabei verweist der Sohar auf einen Vers des Königs Salomo im Kohelet: „Ein dreifach geknoteter Faden, der den Juden mit Gott verbindet, wird so leicht nicht zerreißen," d. h. nach der Deutung des Sotzars, die segensreichen Folgen der genau eingehaltenen Sabbathvorschriften, auch bezüglich der drei Mahlzeiten, müssen sich bis zur Wiederkehr des nächsten Sabbaths gellend machen. Wie sehr die heilige Schrift geistiges und materielles Wohl für den Juden von der Heiligung des Sabbaths abhängig macht und daß daher auch heute noch der Jude sein einziges Heil in der Beobachtung dieser Vorschriften erblicken sollte, ergibt sich unter anderem auch aus den Psalmen König Davids (Kap. 34, 12 ff.), wo es heißt: „Kommt her. Söhne, die Furcht Gottes will ich euch lehren", (yirath haschem, im kabbalistischen Zahlenwort gleich 702. also identisch mit „Sabbath"), (bedeutet asto: die Gottesfürchtigkeit kommt vor allem in der Sabbathheiligung zum Ausdruck.). „Jeder unter euch, der das Leben liebt, der jedesmal an den (sechs) Wochentagen nur Gutes zu erleben wünscht, der muß (besonders am Sabbath) seine Zunge vor Bösem be-