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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-19 · 12 (19.3.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 206 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 12 ist das Haupt der Landesaufnahme-Abteilung in den Nordwestprovinzcn Indiens. Er ist der Sohn jüdischer Eltern und seine Wiege hat in Ungarn gestanden. Mit Dr. Sven H e d i n teilt er die Ehre, die Hauptbeiträge des letzten Jahres zu den neuen Ergebnissen geographischer Forschung geliefert zu haben. Die Felder ihrer Tätigkeit lagen, wenn auch vielfach sehr weit auseinander, so doch zuweilen wieder nahe zusammen, und daß sich dabei mitunter ihre Kreise schnitten, ist nicht überraschend. Ein bemerkenswertes Beispiel davon wild in einem Londoner Klub erzählt, dem zahlreiche Mitglieder der verschiedenen ge:ehrten Gesellschaften angehören und der von ihnen den Namen trägt. In dieser Gesellschaft, die fremden Besuchern gastfreundliche Aufnahme zu gewähren pflegt, trafen sich die beiden Forschungsreisenden Sven Hedin und. Stein jüngst am gastlichen Tische, rechts und links vom Präsidenten, und während die Unterhaltung ihren Gang nahm, zog Dr Stein eine Maßschnur in kleiner Aluminium-Federkapsel aus der Westentasche hervor, hob sie ' zwischen Daumen und Zeigefinger empor, daß die Nachbarn sie sahen, und bemerkte: „Diese Maßschnur habe ich im Jahre 1906 in Ost-Tibet am Fuße einer alten Raine gefunden. Ich trage sie seitdem stets bei mir und brauche sie jeden Tag und immerfort." Dr. Sven Hedin nahm die kleine Trommel kopsel in die Hand, betrachtete sic einen Augenblick aufmerksam und erklärte, das sei eine Maßschnur, die er vor acht Jahren in Tibet, wahrscheinlich da und da, ungefähr so und soviel Meilen von dem und dem großen See verloren habe. Gäste und Wirte waren überrascht und angenehm angeregt durch das merkwürdige Zusammentreffen, daß im weiten, wüsten, unerforschten Lande nach fünfjährigem Zwischenraum ein Forschungsreisender in die Fußstapfen des anderen trat und einen so winzigen Gegenstand auflas, der dem andern entfallen war, und daß Finder und Verlierer nach werteren drei Jahren einander in St. James' Street in London bei festlichem Klubmahl begegnen und die Gelegenheit bestätigen konnten, bei der im fernen Asien ihre Kreise sich geschnitten hatten. Die Maßschnur aber, das kleine Band des Zusammenhangs, ist seitdem dem Museum der Royal Geographical Society einverlerbt worden, wo sie mit unzähligen anderen merkwürdigen Erinnerungsstücken vereinigt ist. Korrespondenzen Wiener Künstlerhaus-Jahresausstellung 1909. Samstag den 13. März wurde in Anwesenheit des Kaisers die Jahresausstellung 1909 eröffnet. Schon lange wurden nicht so viele Kunstwerke versammelt gesehen, wie diesmal. Und wie immer sind auch diesmal unsere besten jüdisch n Künstler stark vertreten. Gleich beim Empfange fallen zwei feine Studienköpfe Isidor Kaufmanns auf, zwei polnische Juden, mit der Kaufmann eigenen Delikatesse und liebevollen Zärtlichkeit angefaßt und ausgeführt. Ein mystischer Zug, ein großes Heimweh nach irgend etwas Unbestimmtem spricht aus den Gcfichtszügen und Augen dieser jüdischen Köpfe. Besonders das Bild „Das Wort Gottes" muß den Besucher fesseln. Unweit von Kaufmanns Juden hängt das äußerst gelungene Selbstporträt von Lasar Kr e st in, das als sein bestes Werk angesehen wird. Jehuda E P st e i n hat sich mit einer „Italienischen Nachtszene" eingestellt. Sein malerisches Ungestüm, die ihm eigene aufbrausende Kraft kommt auch, in diesem Bilde zu wirkungsvoller Geltung. Die Rötel- und Kreidezeichnungen des Wiener Malers David Ko h n werden auch diesmal zweifellos ihre Bewunderer finden. Frau Marie Rosenthal-Hatschek hat ein gelungenes Porträt der Gräfin Wilczek ausgestellt. Leopold Horowitz ist mit einer Studie zu einem Damenporträt vertreten. Ein Meisterstück in seiner einfachen Vornehmheit von wunderbarer Wirkung. Ein anderes Bild von Horowitz, das Porträt seiner Tochter, wurde schon beim ersten Rundgang viel bewundert. Ein geistreiches Meisterwerk ist auch Rudolf Quittner's „Boulevard in Paris". Zum Sprechen ähnlich ist das Porträt des Hofschauspielers Adolf von Sonnenthal von dem in London sehr gefeierten Künstler L a ß l o. Von den Bildhauern seien die Werke Leo B e r n st e i n s, Kahns u. m. a. erwähnt. Der Kaiser zeichnete auch eine Anzahl jüdischer Künstler durch anerkennende Ansprachen aus. Vor dem Bilde Isidor Kaufmanns „Das Wort Gottes" verweilte der Kaiser längere Zeit und sagte schließlich zum Künstler gewendet: „Das ist sehr schön. Ich habe auch schon früher zwei Bilder von Ihnen bewundert. Als der Kaiser Professor Horowitz bemerkte, ging er auf ihn zu, reichte ihm. die Hand mit den Worten: „Ich freue mich, Sie wiederzusehen". Bekanntlich ist der Kaiser dem genialen Meister zu mehreren Bildern gesessen. Das von Marie Rosenthal- Hatschek ausgestellte Porträt betrachtete der Kaiser genau und sagte: „Ein sehr schönes Porträt! Wen stellt es dar?" Die Künstlerin antwortete, daß dies die Komtesse Wilczek sei, worauf der Kaiser sagte: „Es muß sehr ähnlich.sein. Das ist ein sehr schönes Bild." Vom „Deutschen Schulverein". Aus dem jüngst abgehaltenen Kränzchen des angeblich „unpolitischen" Deutschen Schulvereins, dessen Obmann der „deutsch-fortschrittliche" Abgeordnete Dr. Gustav Groß ist, trug sich ein bezeichnender Vorfall zu. Ein von einem Mitglieder des Schulvereins eingeladener Herr wurde bald nach seinem Eintritte von einem Jüngling mit der Aufforderung gestellt, sich vorzustellen und seine Einladung vorzuweisen. Mit der Aufforderung, sich selbst erst vorzustellen, drehte er jedoch dem Fragenden den Rücken. Dieser fragte nun, ob der elftere mit den Tendenzen des Schulvereines einverstanden und namentlich, ob er Arier sei, erhielt aber die Antwort: „Das geht Sie gar nichts an, Sie jedenfalls find ein Lausbub und Flegel!" Darauf erfolgte natürlich Kartenwechsel, die Sekundanten des betreffenden deutschnationalen Helden sollen aber noch immer kommen. Der Deutsche Schulverein hat — und das ist der Witz bei der ganzen Sache — noch immer eine Menge jüdischer Mitglieder und bettelt bei jeder Gelegenheit die Deutschen jüdischer Konfession an, hält sie aber für unwürdig, an seinem Kränzchen teilzunehmen. Es war nämlich die Parole ausgegeben, keinen Juden einzuladen und auch die Eingeladenen wurden ersucht — wie sich herausgestellt hat — ihrerseits keinen Juden einzuladen. Es ist im übrigen gar nicht uninteressant, daß der auf die oberwähnte Weise Mgeflegelte gar kein Jude war. Zur Frage der Gemeindesparkasse. Der sehr geschätzte Kultusvertreter Dr. Alfred Berger hat in der letzten Nummer dieses Blattes zu der Anregung des Kultusvertreters Herrn Mar Frank betreffend die Gründung einer Gemeindesparkasse und zu meinen über diese Frage erschienenen Ausführungen Stellung genommen. Ich bitte, mir nun zu gestatten, hervorzuheben, daß ich durchaus nicht die Gründung einer jüdischen Gemeindesparkasse in den Amtsräumen der Kultusgemeinde und von den Beamten derselben geleitet, empfohlen habe; die Ausführung der Idee in solcher Form habe ich selber als unpraktisch angesehen. Hingegen aber glaube icb, daß die einzelnen Mitglieder des Vorstandes, deren finanzielles Fachwiffen schon so manchem ähnlichen Unternehmen sehr nützlich war, bei einigem guten Willen einen Modus finden könnten, auf welche Weise man ein wirtschaftliches Institut für Juden gründen könnte. Das was alle anderen Volksstämme des Reiches schon längst, sehr oft sogar mit Hilfe des jüdischen Kapitals getroffen haben, müffen auch unsere Juden treffen. Es muß ja nicht gerade in der Form einer Sparkasse sein, obwohl auch das nicht undurchführbar erscheint, selbst wenn man nicht, wie die Kommunalsparkasse, die Bürgschaft der Gemeinde Wien hat. Das jüdische Publikum, das zu den Banken, die noch zum größten Teile von jüdischen Direktoren geleitet werden, Vertrauen hat, wird dasselbe einem Institute, das durch Anregung des Wiener Kultusvorstandes ins Leben gerufen und jüdische Interessen vertreten würde, nicht entziehen Der jüdische Mittelstand, die große Zahl der jüdischen Vereine in Wien und in der Provinz, die immer über flüssige Kapitalien verfügen, werden dieselben einem Institute, das jüdischen Interessen dient und von unseren Finanziers geleitet wird, gerne zuführen. Die Aus-

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