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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-19 · 12 (19.3.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 204 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 12 Ueues vom Zionismus. Von H. Aork-Lteiner. Am 16. Februar hatte ich es in meiner Gedenkrede auf Dr. Leopold Kahn tief beklagt, daß keine Unternehmung der Zionisten, auch nicht die gemeinnützigste, von der Judenheit im allgemeinen unterstützt werde. Diese Rede kam am 12. März in diesen Blättern zum Abdruck und es ist mir eine angenehme Pflicht, festzustellen, daß inzwischen eine Aenderung dieses Verhältnisses eingetreten war. Noch bei Lebzeiten Herzls wurde der „Jüdische Kolonisationsverein" gegründet, in dessen Vorstand zwei Zionisten mit Genehmigung ihres Führers eintraten. Vorläufig suchte dieser Verein Geld zu sammeln und die Besiedelung Palästinas populär zu machen, aber weder das Vermögen des Vereines noch die Mitgliederzahl entsprachen der ausgewendeten Mühe. Trotzdem hat der Vorstand des Jüdischen Kolonisationsvereines seine praktische Tätigkeit bereits begonnen und dieses Beginnen fällt glücklicherweise mit einigen zionistischen Bestrebungen zusammen. Bekanntlich hat der Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" vom 20. bis 24. Februar d. I. einen Palästina-Kurs veranstaltet, deffen Verlauf ein geradezu glänzender genannt werden muß. Hervorragende Gelehrte wie Prof. Oberhammer von der Wiener Universität, ein Geograf von großer Bedeutung; Agronom Aaronsohn aus Sichron Jacob in Palästina, ein hervorragender Praktiker und Gelehrter auf dem Gebiete der Agrikultur und der Geologie; Davis Triesch aus Jaffa, Med.-Dr. Sandler, Rektor Eberhardt, Ingenieur Leiner lasen über die Kolonisationsbedingungen, die hygienischen Verhältnisse, die Schulen und die Wafferkräfte des heiligen Landes. Die Herren Prof. KrauS und Dr. Berkowitsch über Geschichte und Literatur Palästinas. Der Jüdische Kolonisationsverein unterstützte die zionistischpraktische Arbeit dieses prächtigen Vereines mit einer Subvention von 200 Kronen. Aber das ist noch nicht alles.- In Jerusalem wurde bekanntlich vor einigen Jahren eine jüdische Kunstgewerbeschule des ,,Bezalel" gegründet. In diesem Jahre dringen die ersten Erzeugnisse dieser Anstalt nach Europa — es ist manches daran zu kritisieren, aber wer die Zustände in Jerusalem kennt, staunt über die Ergebniffe der wenigen Jahre. Frauen und Mädchen, deren Leben sonst im geschäftigen Müßiggang der ärmlichen Häuslichkeit verfloß, sitzen in ihrer freien Zeit am Webstuhl, um prächtige Teppiche herzustellen, und die Jünglinge, deren Zukunft und Nahrungsquelle eine Art Bettelbrot war, die Chaluka das Almosen, welches die frommen Juden bei uns für das heilige Land sammeln — sie drehen und hämmern aus verschiedenfarbigem Metall kunstvolle Gefäße oder flechten entzückende Filigrane aus Silber. Dies alles in orientalischem Stil mit hebräischen Ornamenten, neuartigen Stilisierungen unserer altehrwürdigen Quadratschrift. Einige dieser Erzeugnisse sind im jüdischen Museum ausgestellt, wo sie Samstag und Sonntag besichtigt werden können. Der jüdische Kolonisationsverein beabsichtigt nun, an den „Bezalel" in Jerusalem eine eigene Werkstätte für Damascenerarbeit anzugliedern, für welchen Zweck 3960 Francs bewilligt wurden. Im jüdischen Kolonisationsvereine berühren sich politischer und humanitärer Zionismus zu fruchtbarer Arbeit, möge die Tätigkeit dieses Vereines dafür gesegnet sein. Gibt es Juden bei uns, die den Frieden unter ihren Brüdern wünschen? Sie mögen den jüdischen Kolonisationsverein unterstützen. Wir Zionisten wollen sehen, wie groß das Interesse unserer Juden für ihr altes Heimatland ist und für die jüdischen Massen in Europa, die wir dort ansiedeln wollen. Wir älteren Zionisten wollen es der Jugend Tag um Tag erzählen, daß ihre Ideale nicht verkannt werden, daß ihre Hauptbestrebung, ihren verfolgten Brüdern in Palästina ein sicheres Heim zu schaffen, unterstützt werde. Jeder Jude, dessen Herz noch warm für seine Brüder schlägt, er melde sich beim jüdischen Kolonisationsverein, II., Nestroygasse 4. Der ärmste Zionist gibt seinen hart erworbenen Groschen dem jüdischen Nationalfond, der in Palästina Land kauft. Arme Handwerker und Tagesarbeiter, Kommis und Komptoiristen, Studenten und Studentinnen, sie sparen sich das Geld ab, um ihren verfolgten, heimatslosen Brüdern drüben am Gestade der See eine Zukunft zu sichern. Was wollen die wohlhabenden Juden jenen Aermsten der Armen bieten, die zu stolz sind, Almosen zu nehmen, die darnach hungern, auf dem Boden ihrer Väter, im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot zu ernten? Der jüdische Kolonisationsverein erwartet die Antwort. Dieser Verein möchte gerne eine eigene Kolonie gründen, ihr Obmann Herr Baurat Stiaßny hat schon die Pläne ausgearbeitet, neben ihm arbeiten viele ernste Männer, deren Liebe zum Judentume Niemand anzuzweiseln wagt. Werden sie das Geld finden? Wo sind all diese reichen Glaubensgenossen, die gerne die Wunden am Leibe. des Judentums heilen, wo all die gütigen Frauen, die da tanzen und singen für die Bresthaften? Hier gilt es einen Versuch, dem Judenelend mit einer einzigen Maßregel abzuhelfen — aus dem Ahasver einen seßhaften Ackerbürger zu machen. — Das arme jüdische Volk, die schwer bedrängten Massen des Ostens, die Brüder mit dem wirren Blick der Heimatslosigkeit in den trüben Augen, sie warten — bittend. Dom Jahrmarkt des Lebens. Lueien Wolf über die Juden in Rumänien. Aus London wird uns berichtet: In einer massenhaft besuchten Versammlung des itoistischen Zentralvereines von London kam der bekannte Publizist Lucien W o l f, nach einer ausführlichen Besprechung der allgemeinen Lage der Juden in London auch auf die Lage der Juden in Rumänien zu sprechen. Er ist der Ansicht, daß im Interesse unserer verfolgten und unterdrückten Brüder in Rumänien viel mehr getan werden müßte, als dies bisher der Fall gewesen. Die Verletzung des Berliner Vertrages ist ein öffentlicher Skandal. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß, während das beklagenswerte Schicksal der Kongo-Neger die Mächte lebhaft beschäftigt, die Rechte der rumänischen Juden von Allen vergessen und außer acht gelassen werden. Die Juden müßten 'die Schritte unternehmen, um die allgemeine öffentliche Entrüstung über diese Schandtaten zu erwecken, wie es die Kongo-Reformgesellschaft betreffs der Neger getan hat. Jeder Jude habe die Pflicht, jede sich ihm darbietende Gelegenheit zu ergreifen, um das Vorgehen Rumäniens den Juden gegenüber gebührend zu stigmatisieren, und er könne es nicht begreifen, weshalb die Führer der Londoner Gemeinde nicht schon längst die Organisation einer solchen Aktion in die Hand genommen haben. Er ermahnt die Juden schließlich, sich auch mit nichtjüdischen Körperschaften zu gemeinsamem Vorgehen zu vereinigen und der Erfolg könne nicht ausbleiben. Lucian dictator. Das Eine muß man sagen: Lucian Brunner versteht es, strenge Zucht zu halten. Zentraldemokratisch sich zu betätigen hatte er wohl bisher aus Mangel an Gefolgschaft noch wenig Gelegenheit, dafür aber kehrt er, seitdem er Befehlshaber der „radikalen" Zionisten Wiens ist, doch öfter und energischer seine autokratische Diktatorpose heraus. Lucian Brunner versteht nämlich keinen Spaß. Er hat eine kurze, aber kräftige Parole: Entweder folgen durch Dick und Dünn, wie es seine Herrscherlaune erheischt, oder — der Brotkorb wird höher gehängt. Ein köstliches, allerdings nicht sehr demokratisches Pröbchen dieser Herrscheralluren hat Lucian Brunner vor einigen Tagen

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