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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-12 · 11 (12.3.1909) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 162 Nr. 11 Dr. Blocks Wochenschrift. Tschechen und Juden auszuschließen, wird demnächst auf die Tagesordnung kommen. Hoch die deutschen Helden! Brutalität gegen Kranke, Gäste und Frauen — das ist wohl der höchste' Gipfelpunkt deutscher Kultur. Vorderhand sind die Beschlüsse der Deutschnationalen roch nicht bestätigt, aber wie lange wird es dauern? Man sieht deutlich, mit welchen Gegnern es unsere studierende Jugend zu tun hat und wie sehr ihr Hilfe not tut, damit sie den brutalen Kampf aushalten könne. Man will sie' wirtschaftlich erdrosseln, deswegen muß man sie wirtschaftlich unterstützen. Wir haben in einer vorigen Nummer sehr respektable Ausführungen gebracht, die sich gegen ein jüdisches Studentenheim richten. Der geehrte Verfasser wird wohl nicht darüber hinauskommen, daß der jüdische Student, die brave Stütze und Hoffnung unseres Volkes, wohnen, essen, leben will. Es stehr fest, daß da der Einzelne und die Gesamtheit arbeiten müssen. Der Einzelne mit Zuweisung aller Arbeit und Spenden, die er zur Förderung der studierenden Jugend -zu vergeben hat. Die Gesamtheit durch große Justituuoneu, die es dem jüdischen Studenten ermöglichen, Brot während seiner Gesundheit, den Arzt wahrend der Krankheit zu haben, ohne sich darum mit den Kuüppelhelden der deutschen Kultur raufen zu müssen, die leider bis jetzt von Gedankenlosen jüdisches Geld bekommen zur Stärkung ihres Kampfes gegen die Juden. Mn Krirf Adolf Fischhofs. In diesen Märztagen, in denen sich die Erinnerung an das Sturmjahr jährt, das in seinem Gefolge auch den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung brachte, mag ein Brief des geistvollen Märzhelden jüdischen Glaubens und Stammes von Interesse sein, der seine alten, durch unheilbares Leiden und den Verlust seines Vermögens getrübten, aber keineswegs verbitterten Tage in der Stille von Emmersdorf nächst dem Wörthersee verbrachte. Die Verehrung seiner Freunde folgte ihm auch dahin mit kleinen Liebesgaben, und der folgende Brief ist einer jener Dankschreiben, mit denen er dieselben umso mehr erfreute, als sie seine ungetrübte Heiterkeit und Klarheit des Geistes bewiesen. Wehmütig hat es mich angemutet, daß im Jahre 1880 der Weise von Emmersdorf der Dame, an die der Brief gerichtet ist und die übrigens keineswegs dem jüdischen Stamme angehörte, einen drohenden Antisemitismus der Hochschuljugend, der nun seit Dezennien das ganze Leben der Universitäten vergiftet, nur schüchtern anzudeuten wagte. Wir lassen den Brief im Original, mit Belastung zweier stilistischer Nachlässigkeiten folgen: Emmersdorf, 28. Dezember 1880. Hochgeehrte Frau! Ich sage Ihnen und Ihrem verehrten Herrn Gemahl wärmsten Dank für die Weihnachtsspende, welche sich eben so sehr durch Erquisitheit, als durch Fülle und Mannigfaltigkeit auszeichnet. Wir haben am zweiten Weihnachtstage ein Glas edlen Weines auf das Wohl des Spenders und der Spenderin geleert und genießen nur mit haushälterischem Sinn all die Leckereien, die wir Ihrer .Freundlichkeit verdanken. Nicht minder zu Dank verpflichtet sind wir Ihnen für den hohen geistigen Genuß, den mir die Lektüre der scharfsinnigen und geistreichen Apercus Ihres Gatten gewährte. Was er über Oesterreich sagt, erinnert mich an den von mir schon wiederholt zitierten Ausspruch der Frau von Stael: „En Autriclie, 11 n’est pas utile de valoir mieux que les autres, car on n’est pas envie pour cela mais oublie, ce qui est encore pis.“*) Obgleich vor mehr *) In Oesterreich ist es nicht vorteilhaft, mehr wert zu sein als die andern, da man darum nicht beneidet, sondern vernachlässigt wird. als siebzig Jahren ausgesprochen, hat dieser Satz-seine Geltung noch nicht ganz verloren. Die schlechte Volkserziehung trägt Schuld daran. Der Unterricht der Bevölkerung, .die Bildung seines (sie), Geistes läßt sich ziemlich rasch verbessern, die Erziehung aber, die Entwicklung des Charakters heischt sehr viel Zeit, denn die Umwandlung des. durch Jahrhunderte heruntergebrachten Volkscharakters fordert eine physische (soll wohl heißen psychische) Umwandlung, die nur sehr langsam erfolgt. Dreißig Jahre erhöhten geistigen und politischen Lebens haben uns diesseits der Leitha noch keinen, einzigen großen öffentlichen Charakter vor Augen gestellt. Ja, der wichtigste Teil unseres geistigen Nachwuchses, die Jugend der Hochschulen läßt sich nicht mit der vom Jahre 48 vergleichen. Ich vermiffe an ihr den edlen Enthusiasmus. Nicht der Geist der Liebe erfüllt sie, sondern der des Haffes, und nicht etwa des Haffes gegen das Schlechte, sondern gegen die Anderssprachigen, und in Bälde wahrscheinlich nach deutschem Vorbilde auch gegen die Andersgläubigen. Ihr Mann hat in seiner Broschüre Vortreffliches über die antisemitische Bewegung da draußen im Reiche gesagt. Jammerschade, daß er die beabsichtigte Schrift nicht publiziert, denn man hat ja auch die Naturwissenschaft zur Magd des Judenhasses erniedrigt. Kn Wocheublatte „Osten" nar einer deutschen Zeitschrift der Artikel eines Mannes der Wissenschaft entlehnt, welcher die Juden mit naturgeschichtlichen Waffen bekämpft. Namentlich der lange Rumpf und die verhältnismäßig kurzen Extremitäten dienen dem Gelehrten als Beweis dafür, daß die Juden zur Anstrengung und zur produktiven Arbeit unfähig, auf eine Art parasitischer Existenz beschränkt seien. Da wäre es sehr von Nutzen, wenn Ihr Herr Gemahl gleichfalls mit naturwissenschaftlichen Argumenten in den Kampf zöge. Haben die Juden in der Tat kürzere Extremitäten, so sind diese, nach meiner Ansicht nur die Folge der unserem Volksstamm Jahrhunderte hindurch nicht erlaubten Feldarbeit und gewerblichen Tätigkeit. Die Karaiten in Südrußland beweisen, daß die Juden auch des Ackerbaues fähig sind. Leider kommen selbst die besten Argumente gegen die schlechten Instinkte nicht auf. Im Deutschen steckt nun einmal der indische Kastengeist. Auch nach der großen nationalen Erhebung gegen Napoleon den Ersten hörte man überall in Deutschland das widerliche Hepp- Hepp-Geschrei. Wie der Bramine muß der Teutone seinen Paria haben, namentlich, wenn er national begeistert ist. Der deutsche Geist schwingt sich kühn über den Nebel des Vorurteils empor, das deutsche Herz aber bleibt dicht von demselben umhüllt. Der Geist des Romanen und des Semiten nimmt keinen so hohen Flug, aber er trägt auch das Herz auf seinen Fittigen empor. Und da nur in der schönen Harmonie des Denkens und Empfindens die wahre Menschlichkeit ruht, so steht der feingebildete Jude und der feingebildete Franzose menschlich höher als der Deutsche von gleicher Bildung. Am Teutonen haftet stets etwas vom Philister, von deffen Engherzigkeit und Kleinlichkeit: „Er dreht sich rechts, er dreht sich links, der Zopf, der hängt ihm hinten." Mit diesen Versen Chamissos läßt der Deutsche sich ganz gur charakterisieren Im klebrigen haben du: Juoen die finstersten Jahrhunderte überlebt, und sie werden auch die Herren Treitschke und Stöcker überdauern. Ein Dutzend kühner Männer ihres Stammes haben den Mosaismus entnationalisiert und, mit etwas Paganismus verquickend, die Welt judaisiert. Durch ryeitere Geistesarbeit muß unser spiritualistischer Volks stamm, alles Heidnische aus sch e i d e n h, die Welt humanisieren. Das ist seine Mission, und bei der ihm eigenen Zähigkeit yiird er nicht ruhen, bis er sie erfüllt, oh-

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