Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 177 der Juden in Palästina", paradigmatisch für gute Beobachtung und Schilderung. Der Inhalt des Buches ist, wie man sieht, ein reicher und vielseitiger. Der Verfasser des Geleitwortes, Herr Dr. Hugo Zuckermann, hat recht, wenn er die Tendenz der vorliegenden Arbeiten darin findet, dem Zionismus die wissenschaftliche Begründung zu geben. Darin soll der Verein „Theodor Herzl" fortfahren, tätig zu sein. Es ist der Anfang gemacht worden, und strenge Kritik wird immer Besseres schaffen. Was für den „Zionismus" wissenschaftlich geschieht, geschieht für das ganze Judentum, denn Wissenschaft ist klare Erkenntnis, und so wird auch das Wesen des Zionismus selbst klarer und reiner werden. Daß der Verein mit dieser Arbeit, dem Andenken seines Heros eine edle Huldigung gebracht, wird unvergessen bleiben. Auf solche junge Akademiker können wir Juden stolz sein. Wien, 28. Februar 1909. Dir. Dr. S. Krenberger. Biblische Zeit- und Streitfragen Verlag Edwin Runge, Gr.-Lichterfelde bei Berlin: Wilke F. Die astralmythologische Weltanschauung und das Alte Testament. 1997. 4. Tausend. 52 S. M. 0.50. Eine geradezu glänzende Abfertigung der Winkler-Jeremiasschen Hypothese. (S. 87. Auch Kaiser Wilhelm II hat ja 7 Kinder, 6 Söhne und 1 Tochter, offenbar die 7 Planetengottheiten, 6 sind männlich und 1 ist weiblich, die Jschtar.) Zum Schluffe heißt es, im Sinne der Bertholetschen Losung: „Von Winkler zurück zum Alten Testament!" „Israel hat (der babylonischen Astrologie gegenüber) das Verdienst, die Menschheit von jenem Banne befreit und ihr den persönlichen Gott gebracht zu haben, und es konnte dies Werk vollbringen, weil es die Offenbarung des Allmächtigen in seiner Heils - geschichte wirklich erlebt hatte." Risch Ad. Die deutsche Bibel. 5. Trusend. 1907. 92 S. M. 1.20. Der gewaltige Einfluß der Luther-Bibel auf die Entwicklung der deutschen Sprache und der Gegensatz zwischen althebräischem und germanischem Volksempfinden, der den Bemühungen' der ältesten, deutschen Bibelübersetzer die härtesten Nüsse zu knacken gab, ist nirgends klarer und anschaulicher dargestellt worden. Von einem jüdischen Einfluß auf Luther und neueren deutschen Bibelübertragungen jüdischen Ursprunges ist mit keiner Silbe die Rede. Dies erscheint uns als — der einzige — Mangel. x. Deutsch-österreichische Klassiker-Bibliothek. Unter diesem Titel versucht die bekannte Firma «arl Prochaska in T schen eine mit Takt und Umsicht getroffene Auswahl unserer österreichischen Schriftsteller in einer billigen (K 1 der Band), dabei aber geschmackvoll ausgestatteten Ausgabe in weiteren Kreisen der deutschen Leserwelt einzubürgern. Bisher sind erschienen: Fr. Halm, Nik. Lenau, Grillparzer, Raimund. Dem verdienstvollen Unternehmer ist rascher Fortgang zu wünschen. x. Deutsche Bücherei. Herausgegeben von A. Reimann. Verlag Deutsche Bücherei, Berlin, Band 94 bls 99. M. 1.80, geb. M. 3.60. Was diese Volksbibliothek von ähnlichen Unternehmungen auf den ersten Blick vorteilhaft unterscheidet, ist die Gediegenheit der Ausstattung und die Sorgfalt in der Auswahl. Die vorliegenden Bände enthalten „Historische und politische Aufsätze" des Berliner Historikers Otto Hintze. Sie behandeln wichtige Kapitel der preußischen Geschichte, auch die für die Geschichte der jüdischen Emanzipations- Bestrebungen so wichtige Episode Stein Diese handlichen, inhaltsreichen Bändchen werden überall leicht Eingang finden. R. Heman F. Geschichte des jüdischen Volkes seit der Zerstörung Jerusalems. Stuttgart 1908, Calwer Verlagverein, drosch. M. 8, Halbfranz. M. 10. I. V. Mdmann (Bern) rühmt das Buch, offenbar von den ihm neuen Materialien überrascht. Der Verfaffer selbst bekennt, Grätz und in der Hauptsache nur ihn benützt zu haben. Die Leser des genialen Altmeisters der jüdischen Geschichte werden darum dieses Buches ohne Einbuße entraten können. Es ist nichts anderes als ein fließend geschriebener Auszug aus jenem Monumentalwerkmit Randglossen zu Ungunsten der Juden, die das Bild entstellen. Auch wir find für strenge Unparteilichkeit und möchten manche Seite im „Grätz" im Ton weniger leidenschaftlich gehalten wissen, weil gerade dadurch der Stoff umso stärker wirken müßte. So aber, wie Heman es tut, wird weder Jud noch Christ, der nach geschichtlicher Erkenntnis strebt, ihm Dank wiffen. x. Die Bücher der Bibel. Hernusgcacbeii von F. R a h l w e s. Zeichnungen von E. M. L i l1 e n. Verlag von George W e st e r m a n n in Braunschweig. Heft 1—10, Mk. 1.50 das Heft. Dieses von Lilien prächtig ausg.stattete Werk will uns ausdrücklich die Bibel urcht als kirchliches Lehrbuch, Bekenntnis- oder Erbauungsbuch, sondern als Musterwerk der Weltliteratur, „eine Klaffikerausgabe der Bibel" bieten. Der Reuß'sche Text liegt zu Grunde, nur hie und da hat der Herausgeber, wo es ihm nötig schien, geändert. Im Text selbst wird einem jüdischen Leser die in christlich-theologischen Kreisen beliebte Schreibung des Gottesnamens stören. Die Einleitungen find ganz im Sinne der modernsten Bibelkritik gehalten. Liliens Illustrationen zeigen unverkennbar die Tendenz, den jüdischen Charakter der Bibel zu betonen. Eigenartig ist seine Darstellung der Engel mit vorwaltendem Herzl- Porträt. Neu ist die sinnige Anwendung der hebräischen Vokalzeichen im Buchschmuck. Die Zehngebote gibt er in einem Ver, ißmeinnichtrahmen. Ein abschließendes Urteil behalten wir uns für das Gesamtwert vor. x. Hoennicke G., Das Judenchristentum im ersten und zweiten . Jahrhundert. Berlin, 1908, Trewitsch u. Sohn, 419 S. Der Verfasser führt sich im Vorwort vorteilhaft mit dem Zugeständnis ein, daß „der Vorwurf, daß die Gelehrten christlichen Bekenntnisses bei den Fragen, welche die Geschichte des Urchristentums betreffen, von jüdischen Studren keine Notiz nehmen, teilweise nicht unberechtigt ist. Was von den Kämpfen der Juden gegen das Christentum gesagt wird (243 ff), erfährt durch den Nachweis M. Friedländers, daß unter jenen Juden meist Judenchristen z» verstehen sind, keine geringe Einschränkung. Das Ergebnis der gründlichen Studie lautet (366): „Der Erfolg der christlichen Mission unter den Juden im 1. und 2. Jahrhundert war verhältnismäßig sehr gering. Groß war aber die Nachwirkung des Judentums innerhalb der Entwicklung des Christentums. Insofern war es richtig, wenn F. Chr. Baur einst erklärte, es ist ein im Wesen jüdisch alteriertes Christentum, das uns bei den Vätern entgegentritt". In der „Schlußbetrachtung" wird der Einfluß des Judentums auf die Bildung der Kirche bejenchtet. In einem Anhang über „Minäismus" wird die Frage, ob unter Minim Christen zu verstehen sind, offen gelassen, eine Frage, die Friedländer in verneinendem Sinne beantwortet. x. Schriften der Jüdisch-Hellenistischen Literatnr in deutscher Uebersetzung unter Mitwirkung von mehreren Gelehrten, herausgegeben von Prof. Dr. Leopold Cohn. Erster Band. Die Werke Philos von Alexandria. Erster Teil. IX. 409 Seiten. Ladenpreis 6 Mark. Breslau. Verlag von M. L H. Marcus. 1909. Der II. Band — Philos Werke 2. Teil — erscheint 1910. Das Unternehmen, von dem hiermit der erste Band der Oeffentlichkeit übergeben wird, verdankt seinen Ursprung einer Anregung des verehrungswürdigen, durch seine vielseitige Gelehrsamkeit ausgezeichneten Professors D. Chwolson in St. Petersburg. Bei einem Aufentl.alte in Breslau vor mehreren Jahren erörterte der greise russische Gelehrte in einem kleinen Kreise das Bedürfnis und den Nutzen einer vollständigen Sammlung und Uebersetzung der bisher zu wenig beachteten Erzeugnisse der jüdisch-hellenistischen Literatur. Zugleich überwies er eine Summe, die ihm von einem Gönner der Wissenschaft zur Verfügung gestellt war, als Grundstock zur Ausführung des Unternehmens. Der vorliegende erste Band der Philo- Uebersetzung enthält das Buch über die Weltschöpfung, die Lebensbeschreibungen Abrahams, Josephs und Moses und das Buch über den Dekalog. Der Name des Uebersetzers bürgt allein schon für ihre Gediegenheit. Möge der älteste Bibelerklärer in dem neuen deutschen Gewände die verdiente wohlwollende Aufnahme finden. Jehuda b. Bileam. Kommentar zum Buche Jeremia zum ersten Male herausgegeden von Jakob Jsraelsohu (Separatabdruck aus der „Festschrift zum 70. Geburtstage A. Hareavys), Kiew (Berlin) 1909, SS. 36, Oktav. Jehuda b. Bileam ist ein hervorragender Exeget des 11. Jahrhunderts, deffen Schriften ebenso wertvoll für die Geschichte der Exegese find, wie sie durch Mitteilungen ans zeitgenössischen und älteren Autoren eine Fundgrube bilden für die Kenntnis von Personen und Sachen, die aus anderen Quellen nicht bekannt find. Vor etwa 50 Jahren hat Steinschneider einen Teil seines Kommentars zum Pentateuch in der Bodleiana ausgefunden. Später fand Harcavy Teile seiner Kommentare zu den Propheten und Hagiographen. Harcavy machte in verschiedenen Zeitschriften Mitteilungen über feine Funde und ward nicht müde, auf den Wert dieser Schriften hinzuweisen, die früher nur aus Zitaten bei Jbn-Esra u. A. bekannt waren. Es folgten nun auch darauf die Editionen von Jesaia (Derenbourg), von Samuel, Richter (PosnanSki). Diesen Editionen reiht sich nun würdig vorliegende, mit Einleitung und Noten versehenen nach 2 sich ergänzenden Handschriften besorgte Edition von Magister Jsraelsohn an, der fich schon früher um die Texte Jehuda b.. Bileams verdient gemacht hatte. _ Kriefkafte«. Salom in S. Der gewesene Großvesier Kiamil-Pascha, der als Jude geboren und in seiner Kindheit — er soll damals 14 Jahre alt gewesen sein — mit seiner Familie zum Islam übergetreten ist, hat das türkische Staatsschiff durch die schwersten Stürme geleitet; mit überwältigendem Beifall wurde unlängst noch sein Tätigkeits-