Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 171 eigene Kosten einen; Schächter und Rabbiner. Erwähnenswert ist noch, daß der verstorbene Sir Moses Montefiore die hervorragendsten Fähigkeiten Kornfelds schon vor zwanzig Iahren erkannte und ihn behufs Besprechung wichtiger jüdischer Angelegenheiten in Budapest aufsuchte. Baronet Jakob Sassoon. Die Erhebung Sassoons, des Chefs des gleichnamigen Hauses in Bombay (Indien), in den Baronetstand veranlagt ein englisches Blatt zu folgender Betrachtung. „Die finanziellen Beziehungen des Hauses Sassoon in Asien, in Nord- und Mittelafrika, reichen soweit, daß d er Besitzer ihres Empfehlungsschreibens ganz unbesorgt vom Ufer des Atlantischen Ozeans in Marokko bis zum Ufer des Stillen Ozeans in China reisen kann. In den gefährlichsten Engpässen von Afghanistan, in den entferntesten Provinzen von China und in den fanatischsten Gegenden Zentralasiens verleiht ein Passepartout des Hauses Sassoon mehr Sicherheit, als Unterschrift und Siegel des Zaren von Rußland, ides Sultans der Türkei, des Kaisers von China oder gar des Königs von England". Verein israelitischer gedienter Soldaten in Nikolsbnrg. Unter außerordentlicher starker Beteiligung der Mitglieder hielt der Verein Samstag den 27. Februar im Beratungssaale der Israelitengemeinde Nikolsburg seine konstituierende Generalversammlung ab. Zum Obmann wurde per Akklamation Herr Krakauer Samuel, in derselben Weise zum Obmannstellvertreter Herr Offizial Läwitz David gewählt. In den Vorstand wurden mit absoluter Majorität folgende Herren entsandt: Steiner Viktor Dr., Hirsch Mar, Hahn Iohann, Zwicker Iakob, Graßl Ignatz, Menzeles Siegmund, T e l t s ch e r Wilhelm, O s e r W. I., in den Ersatz wurden folgende Herren gewählt: Teltscher Robert, Bisenz David, Bock Moritz, K o h n Gustav. Als Klublokal wurde dasjenige des Restaurateurs Fischer Karl von der Generalversammlung bestimmt. Die konstituierende Sitzung des Vereinsvorstandes findet Mittwoch statt. 92 Prozent der in Nikolsburg anwesenden gedienten israelitischen Soldaten sind Mitglieder des Vereines, viele Israeliten in Nikolsburg sind beitragende Mitglieder, und eine nicht unbeträchtliche Zahl auswärtiger israelitischer gedienter Soldaten hat ihren Beitritt zum Verein bereits angemeldet. Der Verein wird in Kürze an alle ehemaligen Nikolsburger behufs Beitritt herantreten. Wirkliche Mitglieder können gediente israelitische Soldaten werden, beitragendes Mitglied kann jeder Israelit werden. Mitgliedsanmeldungen werden an den Obmann des Vereines Herrn Krakauer Samuel, Mitglied des mährischen Landesgewerberates, in Nikolsburg erbeten. Verein der Holleschauer. Das gefertigte Komitee beehrt sich, die bevorstehende Gründung eines „Vereines der Holleschauer in Wien" zur Kenntnis zu bringen. Zweck und Ziel des neuen Vereines ist die Organisation aller in Wien und dessen Umgebung lebender Holleschauer Iuden, behufs Unterstützung wahrhaft bedürftiger Landsleute, welche gar oft im Getriebe der Großstadt der stützenden und aufrichtenden Hand bedürfen. Daneben soll der Verein Geselligkeitszwecke fördern und durch Veranstaltung von Vorträgen auf dem Gebiete der Wissenschaft, Kunst und Literatur seinen Mitgliedern wertvolle Anregungen bieten. Daß die angedeuteten Bestrebungen einem realen Vedürfnisie entsprechen, erhellt daraus, daß zahlreiche jüdische Gemeinden Mährens uns in der Gründung solcher Landsmannschaften auf Wiener Boden vorausgegangen sind. Die kostbaren Iugenderinnerungen, die altehrwürdigen Familientraditionen, welche viele von Euch mit der Holleschauer jüdischen Gemeinde verknüpfen, werden Euch, hochverehrte Landsleute, hinter den anderen jüdischen Gemeinden nicht zurückstehen lassen. Wir erwarten, daß auch die außerhalb Wien wohnenden Landsleute unserem Vereine als Mitglieder eine werktätige Unterstützung angedeihen lassen werden. Das Vorbereitungs-Komitee: Dr. Friedrich Berg, David G r ä tz e r. Dr. Theodor G r ä tz e r. Albert L ö w, Moritz R o s e n b l a t 1. Beitrittserklärungen brieflich an Herrn Albert L ö w in Wien, IX., Schulz-Straßnitzkigasse 13. Albert Landau. Nachdem er noch vor Kurzem in Meran seinen achtzigsten Geburtstag unter der Teilnahme vieler ferner Freunde gefeiert hatte, ist am 27. v. M. Herr Albert Landau dortfelbst nach längerem Lüden dahingeschieden. Landau war eine in der Wiener Gesellschaft bekannte und wegen seiner Herzensgüte, seines großen Wohltätigkeitsfinnes und feines Humors sehr beliebte Persönlichkeit. Landau hatte einen großen Teil der Welt gesehen, ehe er sich in Wien dauernd niederließ. Er war ein jüngerer Bruder des bekannten Finanziers Horace Landau, der als Vertreter des Hauses Rothschild in Italien die großen Transaktionen mit der Regierung dort durchführte, als Italien der Vollendung seiner nationalen Einheit entgegenging. Von seinem Bruder wurde er in den Kreis seiner großen Betätigung hineingezogen, und dies führte ihn schon frühzeitig in ferne Länder. Albert Landau hat sich während des Krimkrieges in der Türkei aufgehalten, den Kriegsschauplatz besucht, mit dem Großvefier und den türkischen Würdenträgern verkehrt. Dann finden wir ihn in Egypten in der Zeit, als sich dort unter dem Khediven Jsmael Pascha und Dank der Kühnheit eines Lesseps ein großes Leben abspielte. Aber auch in Amerika hat er fich lange aufgehalten, bis er wieder seinen Weg nach Wien zurückfand, wo er ein jovialer und sehr willkommener Gesellschafter in weiten Kreisen unserer Stadt war. Als Horace Landau vor einigen Jahren in Florenz starb, wo er die letzten Dezennien seines Daseins zugebracht hatte, setzte er seinen Bruder Albert zu einem der Haupterben seines großen Vermögens ein. Unter anderen kamen auch das „Hotel Imperial" und ein Häuserkomplex in Wien in den Besitz Albert Landaus. Dieser hat von den reichen Glücksgütern, die ihm in so späten Jahren zufielen, den edelsten Gebrauch gemacht und in aller Stille eine hochherzige Wohltätigkeit geübt. Bis vor wenigen Monaten erfreute fich Landau einer für sein Alter seltenen Frische. Noch im letzten Sommer bezog er eine neu erworbene Billa in der Hietzinger Hauptstraße und im Garten derselben errichtete er eine Heinestatue, deren Schöpfer ein bekannter Düsseldorfer Künstler ist. Die Vorübergehenden sehen durch das Gartengitter die Gestalt Heines, der es ja so schwer hat, auf öffentlichen Plätzen ein Denkmal zu bekommen. Landau hat fich nur kurz seines neuen Besitzes in Hietzing erfreut. Bald nachdem er im November nach Meran aufbrach, erkrankte er ernstlich, und nun hat ihn der Tod von schweren Leiden erlöst. An seiner Bahre trauern drei Söhne und drei Tö fiter. Adolf Freyhan. Die „Oesterr. Wochenschrift" hat bereits von dem Ableben Adolf Freyhans Notiz genommen. Die Fernstehenden werden die Charaktergröße und Bedeutung des Verstorbenen zu würdigen wissen, wenn sie die Nekrologe lesen, die ihm die Tagesblätter widmen. Die „Breslauer Zeitung" schreibt: .Mit einem gefälligen und liebenswürdigen Formtalent begabt, erfüllt von jenem idealen, selbstlosen Sinn, der noch in den Herzen unserer Väter lebte, widmete Herr Adolf Freyhan sich von früh auf n ben seinem kaufmännischen Berufe den schöngeistigen Bestrebungen.