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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-05 · 10 (5.3.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 170 Dr. Blochs Wochenschrift. Str. 10 gemeldet. Von diesen haben sich je 15 in einem Rayon zusammengesunden und nachgewiesen, wer daselbst wirklich arm und bedürftig ist. Zwei Drittel solcher Armen haben Positionen und Aussicht erhalten. Man ist so imstande, den Grund der Armut zu erforschen, zu sehen wie zu helfen ist, die Sorge für die Binder abzunehmen, und es ist auch tatsächlich der Armenstand in kurzer Zeit beinahe auf die Hälfte herabgesunken. Jeder Privatbettel wurde abgHchüttelt, alle Beträge wurden an die Zentralarmenkommission abgeführt, und es ist auf diese Weise in Prag der Betrag von 80.000 Kronen zusammengekommen. Diese Summe wurde statt, wie früher auf 1000, auf 500 Arme verteilt, so daß mit demselben Betrag das Doppelte geleistet werden konnte. Die Armenpflege befaßt sich nicht damit, zu sehen, wo Armut vorhanden ist, sie beschäftigt sich in erster Reihe mit der Wiedererlangung der Arbeitskraft durch Empfehlung, durch Einführung in eine Arbeitsstelle, durch Unterricht, durch Verbesserung des Handwerks usw. In Elberfeld, wo das System im Jahre 1852 eingeführt wurde, ist die Zahl der Bevölkerung seither um das Dreifache gestiegen. Trotzdem hat sich der für die Armen verwendete Betrag seither nicht nur nicht erhöht, sondern sogar verringert, obwohl die Unterstützung, die dem Einzelnen zuteil wird, jetzt eine weitaus größere ist. Genau dasselbe Verhältnis sehen wir in Hamburg, wo die Zahl der Armen erheblich gesunken ist, so daß jetzt auf jeden Armen das Doppelte kommt und somit ausgiebigere Hilfe als bisher geleistet werden kann. Es wird als Einwurf gegen derartige Bestrebungen speziell für Wien geltend gemacht, es werde unmöglich sein, eine solche Anzahl von Pflegern aufzubringen. Derselbe Einwurf ist überall gemacht worden, und als vor kurzem Elberfeld das fünfzigjährige Jubiläum des Systems feierte, konnte konstatiert werden, daß heute genau dieselbe Begeisterung herrscht, wie vor. 50 Jahren. Die Wirkung ist ebenfalls dieselbe. Genau dieselben Symptome wie in Prag bestehen in Berlin, und diese Stadt hat das Verdienst, den Gedanken des Elberfelder Systems vor Elberfeld erkannt und durchgeführt zu haben. Es existiert eine Kundmachung aus dem Jahre 1850, welche bereits durchführt, daß ein Kataster sämtlicher in Berlin befindlicher Armen anzulegen und jeder Arme von zwei Kommissären zu beaufsichtigen ist. Der Grund, warum das Elberfelder System in Berlin nicht genau wie in Elberfeld durchgeführt wurde, ist die geringe Anzahl von l3/4°/° Armen. Es bestehen im ganzen 5 Bezirke und 20 Armenpfleger sind imstande, in einem Bezirke in ausreichender Weise die Armenpflege durchzuführen. Nach dem Muster von Elberfeld ist aber in beinahe sämtlichen deutschen Grenzstädten die Armenpflege durchgeführt. In Wien ist es unbedingt notwendig, daß wir alle beteiligten Kreise zu einer Aktion vereinigen. Es geht nicht an, daß von den großen Vereinen jeder nach seiner Richtung und Privatmeinung weiter strebt. So wie in Berlin die Alliance Israelite, der Deutsche Hilfsverein und die Kultusgemeinde einträchtig Zusammenarbeiten, müßtensichauchbeiuns die Allianz, die Armenanstalt und die Kultusgemeinde zu einer gemeinsamen Aktion aufraffen. Wenn wir in dieser Weise zielbewußt arbeiten und anwenden, was bereits in aller Welt anerkannte und bewährte Einrichtungen sind, dann werden wir dahin gelangen, daß wir tatsächlich ausführen, was das Wort „Zdokoh" bedeutet, die Erfüllung der Pflichten des Besitzes, die nichts anderes ist, als die Erfüllung unserer sozialen Pflichten. (Lebhafter, lang anhaltender Beifall.) An den Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion, an welcher die Herren kais. Rat Dr. Krüger, Sekretär Krauß und Engel teilnahmen. Baron Sigmund Kornfeld. Auf Vorschlag des ungarischen Ministers ä latere, Grafen Aladar Zichy, hat der Kaiser Franz Joseph dem Präsidenten der Budapester Waren- und Effektenbörse und der ungarischen allgemeinen Kreditbank Sigmund Kornfeld und dessen gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung seiner auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten, besonders der Volkswirtschaft erworbenen Verdienste die Würde der ungarischen Baronie mit Nachsicht der Taren verliehen. Vielleicht noch nie wurde die Standeserhöhung eines Juden mit solch ungeteilter Genugtuung aller Vevölkerungskreise zur Kenntnis genommen, wie diejenige Sigmund Kornfelds. Die großen Verdienste Kornfelds auf dem Gebiete der Volkswirtschaft wurden in Tages- und Fachblättern eingehend gewürdigt und erübrigt es noch darauf hinzuweisen, daß Direktor Kornfeld auch als Jude seinem Glauben und seinem Stamme stets mit Hingebung angehört hat und daß er durch seinen edlen Charakter selbst den verbissensten Feinden des Judentums Achtung abzuringen verstand und noch heute versteht. Bezeichnend hierfür ist zunächst, daß Kornfeld von dem Vertreter der antisemitischen Volkspartei im ungarischen Koalitionsministerium, dem Minister Grafen Zichy zur Baronie vorgeschlagen wurde. Das antisemitische Organ „Alkotnmny" schreibt hierzu: „Die Arbeit, das Wissen und der große finanzielle Scharfsinn waren Baron Sigmund Kornfelds Qualitäten, welche die Stufen seiner rasch aufsteigenden Laufbahn bilden. Aus niederer Lage schwang er sich in die Mitte der hervorragendsten Kapazitäten der Finanzwelt hinauf. Während seines Lebens hat er dem allgemeinen Wohle große Dienste erwiesen. Kornfeld gehört zu jenen Bankiers, welche die Anständigkeit und den guten Ruf der Geschäftswelt mit peinlicher Sorgfalt Hüten. Die einwandfreie geschäftliche Korrektheit Kornfelds verschaffte ihm jenes große Ansehen und Vertrauen, dessen er seitens der hervorragenden Staatsmänner und Politiker Ungarns mit Recht teilhaftig wurde. Während der früheren politischen Strömung, in welcher man in den Mitteln der Bereicherung nicht wählerisch war, bildete Baron Kornfeld eine seltene Ausnahme, und mit seiner Unentbehrlichkeit behauptete er die Positionen, aus denen seine Geschäftskonkurrenten mit Hilfe der politischen Macht und der auf diese sich stützenden Presse ihn wiederholt hinausdrängen wollten." Und auch die jüdisch-orthodoxe Presse weist darauf hin, daß Baron Kornfeld nicht zu den „jüdischen Baronen" gehöre, die nur dem Namen nach Juden sind und ihren Kindern den Weg zur Taufe ebnen. „Allerdings", schreibt die „Allgem. Jüdische Zeitung" in Budapest, „der neue Baron gehört bedauerlicherweise nicht der Orthodoxie an, aber er bekennt sich stolz zum Judentum, wünscht nicht dessen Reformierung und war bei der Erziehung seiner Kinder darauf bedacht, daß auch sie von diesem Geiste getragen seien." Baron Sigmund Kornfeld, der aus Mähren stammt, ist ein Enkel des bekannten mährischen Talmudisten Rabbi Abraham Ienikau. Sein Schwiegervater war der verstorbene Ritter von Frankfurter in Wien. Vor drei Jahren wollte ihn die Budapester Kultusgemeinde zum Präsidenten wählen; er lehnte ab und nahm nur die Vizepräsidentenstelle an. Als vor ungefähr drei Jahren einer seiner Söhne starb, ließ Baron Kornfeld ein volles Jahr hindurch bei sich im Hause mit einem Minjan beten und von einem frommen Gelehrten Mischlajoth lernen. Ueberhaupt unterstützt er mit Vorliebe arme Talmudisten. Auf seinem Gute, in der Nähe von Verbau, errichtete Baron Kornfeld eine eigene Synagoge und erhält auf

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