Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seile 168 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 10 zu wiederholen, nicht fehlen darf, sei hiermit ausdrücklich betont. Wir legen Wert darauf, daß die Schüler die Zeichen der sogenannten Kursivschrift erlernen und in der Firierung hebräischer Wörter einige Hebung erlangen. Es wäre schade, wenn diese Schrift, ein nationales Gut, uns ganz verloren ginge. Da die Binder die manuelle Betätigung sehr lieben, wird es sehr vorteilhaft sein, nachdem einige Uebungen an der Schultafel vorgenommen wurden, die Kinder zu veranlassen, aus irgend einem hebräischen Buche, welches sie zu Hause finden, zwei bis drei Zeilen zu transkribieren und das Geschriebene in der nächsten Stunde vorzulesen. Die Kinder werden auf diese Weise das Rätsel, wie man „Unpunktiertes" lesen könne, selbst lösen. Es ist ferner auf der oberen Stufe sehr zweckmäßig, von Zeit zu Zeit schriftliche Uebungen aus dem hebräischen Terte nach dem Diktate zur Uebung der Orthographie vorzunehmen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen» Die Aktion des „Oesterreichischen Gemeindebundes" für die bosnischen Juden. Aus den Berichten über die Serajewoer Verfassungsenquete ist es bekannt, daß die in Bosnien und der Herzegowina einzuführende Verfassung auf dem Prinzip der konfessionellen Kurien geplant wird. Sowohl aus Erklärungen, welche seitens der Vertreter der bosnischen Regierung, als auch im österreichischen Reichsrate abgegeben wurden, erscheint es als zweifellos, daß bei der Austeilung der Mandate für den zu konstituierenden bosnischen Repräsentationskörper die Mohammedaner, Katholiken und Griechisch-Orthodoxen als Konfessionen berücksichtigt werden sollen, hinsichtlich der Juden aber wurde in allen offiziellen Enunziationen diskretes Stillschweigen beobachtet. Erst bei der in Serajewo abgehaltenen Enquete über den Verfaffungsentwurf brachten die Vertreter anderer Konfessionen diese direkte Unterdrückung der gesellschaftlich und wirtschaftlich in Bosnien eine hervorragende Rolle spielenden Juden zur Sprache und verlangten deren Gleichberechtigung, worauf Ziviladlatus Benko die abweisende Bemerkung machte, es wohnen in Bosnien und der Herzegowina insgesamt nur 11.000 Juden, nach den Prinzipien der geplanten Wahlordnung aber würde auf je 25.000 Seelen ein Abgeordneter fallen, folglich sei die Aufstellung einer jüdischen Kurie „unmöglich", die Juden könnten übrigens einen Vertreter ihrer Internen wählen, auch wenn derselbe kein Jude ist. Diese eigentümliche Argumentation erregte selbst bei den christlichen und mohammedanischen Mitgliedern der Enquete heftigen Unwillen, so daß Efendi Kulovits und der Kroate M a n d i c s u. a die Vertagung der Debatte und die Einholung des Datenmateriales verlangten. Dieser Tatbestand hat aber im Kreise des Judentums Oesterreichs ziemlich böses Blut erregt, denn im 20. Jahrhundert ist es zumindest eigentümlich, datz in einem Staatsakte die jüdische Konfession als solche in eine den anderen Konfessionen gegenüber inferiore Stellung gedrängt werde. Der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und des „Allgemeinen Oesterreichischen Israelitischen Bundes" Dr. Alfred Stern hat nun im Einvernehmen mit den jüdischen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates und den Vorständen der Kultusgemeinden der einzelnen Landeshauptstädte Oesterreichs eine Aktion eingeleitet, um die drohende Außerachtlassung der Gleichberechtigung der Juden in Bosnien abwehren zu können. In einer Konferenz dieser Männer wurde — wie wir erfahren — die Idee angeregt, daß man eine gleiche Aktion auch in Ungarn anrege. Dr. Alfred Stern wendete sich im Sinne dieses Beschlusses an den Präsidenten der israelitischen Landeskanzlei Dr. Moriz Mezei und den Präsidenten der Vudapester isr. Kultusgemeinde Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n mit der Bitte, dieselben mögen sich sowohl bei den jüdischen Abgeordneten des ungarischen Reichstages, als bei anderen maßgebenden Persönlichkeiten der ungarischen Gesellschaft für die einzuleitende Bewegung einsetzen. Die genannten Herren setzten sich sofort mit dem Referenten des ungarischen Annerionsausschusses Hofrat Dr. Samuel Visontai, ebenfalls Jude, ins Einvernehmen. Von einer vom Präsidenten des österreichischen Gemeindebundes vorgeschlagenen gemeinsamen Konferenz in Budapest wurde aus politischen Gründen Abstand genommen, gleichzeitig erklärten die Vudapester jüdischen Kreise, daß man dort nichts versäumen werde, um die Gleichberechtigung der Juden in Bosnien und der Herzegowina durchzusetzen. In diesem Sinne hatte Abgeordneter Dr. Soma Visontai eine einstündige Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Dr. Alexander Wekerle, dem er über die geplante Aktion Mitteilung machte und sich über die Ansichten des ungarischen Kabinetchefs erkundigte. Dr. Wekerle machte sich sofort erbötig, die Vertreter der Judenschaft in dieser Angelegenheit zu empfangen, betreffs der aufgeworfenen Fragen aber gab er folgende Erklärung ab: „Ungarn steht und stand auf dem Standpunkte der vollen Gleichberechtigung. Diesem Prinzip wird die ungarische Regierung auch bei der Feststellung der bosnischen Verfassung Geltung verschaffen in dem Momente, wo ihr dieselbe zur Ueberprüfung und Zustimmung vorliegen wird. In Konsequenz dieses Standpunktes werden wir selbstredend auch für die Gleichberechtigung der Juden in Bosnien und der Herzegowina eintreten. Das kann gar keine Frage bilden, datz die Juden von dem paffiven Wahlrecht ausgeschlossen werden. Ich bin übrigens dahin informiert, daß den Juden ein Mandat bereits zugesichert ist, denn der Präsident der Serajewoer Judengemeinde wird schon in seiner Eigenschaft als Virilist in dem zu schaffenden Vertretungskörper platznehmen. Ich glaube nicht, daß eine amtliche Person die Erklärung abgegeben hätte, daß das Judentum vom paffiven Wahlrechte ausgeschlossen bleiben solle,- geschah aber dennoch eine solche Erklärung, so ist dieselbe auf einen Irrtum zurückzuführen. Sobald der Verfassungsentwurf der ungarischen Regierung zur Genehmigung vorliegen wird, wird sie den ihr gesetzlich zustehenden Einfluß ganz gewiß dafür einsetzen, daß die volle Gleichberechtigung eintrete: es wird sich schon ein Modus finden laffen, daß die geringe Zahl der bosnischen und Herzegowinischen Juden kein Hindernis dafür bilde, daß sie auch entsprechend vertreten seien." Der Intervention des Präsidenten des Gemeindebundes Dr. Alfred Stern ist es auch zu danken, daß die Sephardim und Aschkenasim in Bosnien sich bei aufrechterhaltung ihrer Sonderheiten im Ritus zu gemeinsamem Schutze der Rechte der Juden vereinigt haben, und daß demzufolge nutzer dem Spaniolen Jesua S alom auch der Präsident der aschkenasischen Kultusgemeinde in Serajewo, Dr. Roth köpf, zu der von der Regierung einberufenen Enquete herangezogen wurde. Ebenso ist auch die Aktion auf österreichischer Seite im Zuge.